Fürstentum Halytsch-Wolodymyr

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Siegel von Juri I. von Galizien

Das Fürstentum Halytsch-Wolodymyr oder Fürstentum Halitsch-Wolhynien (später Königreich Halitsch, ukrainisch Галицько-Волинське князівство, polnisch Księstwo Halicko-Wołyńskie bzw. Halicko-Włodzimierskie, lateinisch Regnum Galiciæ et Lodomeriæ, Regnum Rusie, russisch Галицко-Волынское княжество,) war ein altrussisches Staatswesen unter den Folgestaaten der Kiewer Rus, das in seiner größten territorialen Ausdehnung die heutigen historischen Landschaften Galizien, Wolhynien, Podlachien, Polesien und Podolien umfasste. Es war einer der mächtigsten ostslawischen Staaten zwischen dem späten 12. Jahrhundert und dem frühen 14. Jahrhundert.

Benannt wurde das Fürstentum nach seinen Hauptfesten, den heutigen Städten Halytsch und Wolodymyr bzw. dem Gebiet Wolhynien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürstentümer Halitsch und Wladimir 1124–1199

Ende des 10. Jahrhunderts wurde das Tscherwener Burgenland Teil der Kiewer Rus, als Großfürst Wladimir I. 981 gegen Polen zog und diese Region seinem Reich anschloss. 987 gründete er das Fürstentum Wolhynien mit der Burg Wolodymyr-Wolynskyj. In den folgenden Jahren spalteten sich verschiedene kleinere Fürstentümer ab (Swenigorod, Peremyschl, Terebowlja, Luzk). 1124 wurde das Fürstentum Halitsch gebildet.

Im 12. Jahrhundert waren Gebiete um Kiew Angriffen nomadischer Steppenvölker, wie den Polowzern ausgesetzt. In der Folge migrierten große Teile der Bevölkerung in den Nordosten des Reiches (Wladimir-Susdal) und in den Nordwesten (Halytsch, Wolodymyr), wodurch der wirtschaftliche und politische Aufstieg dieser Gebiete gefördert wurde.

Fürstentum Halytsch-Wolodymyr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fürstentum Halytsch-Wolodymyr (auf der Karte „Kgr. Halitsch“) als Vasallenstaat der Goldenen Horde ab 1245
Fürstentum Halytsch-Wolhynien im 13. und 14.Jhd.

Das Fürstentum Halytsch-Wolodymyr wurde 1199 durch den Rurikiden-Fürsten Roman gegründet aus den Fürstentümern Halytsch und Wolodymyr. Im Folgenden entwickelte es sich zu einem der mächtigsten Nachfolgestaaten der Kiewer Rus.

Es erlitt jedoch durch den Mongoleneinfall 1240 starke Verwüstungen und war gezwungen das Supremat der Goldenen Horde 1245 anzuerkennen.

Im Verlauf des 14. Jahrhunderts wurde das Fürstentum zum Streitobjekt seiner Nachbarn. Im Jahre 1323 starb die herrschende Rurikiden-Dynastie von Halytsch-Wolodymyr in männlicher Linie aus. Der Neffe des letzten Fürsten, Jurij II., Bolesław von Masowien, wurde Herrscher über Halytsch-Wolodymyr. Er war verwandtschaftlich sowohl mit der polnischen, als auch mit der litauischen Herrscherfamilie verbunden. Als Jurij-Bolesław allerdings im Jahre 1340 wegen angeblicher Bevorzugung der Katholiken von seinen Bojaren vergiftet wurde, brach ein Kampf zwischen den aufstrebenden osteuropäischen Großmächten Polen und Litauen um die Erbmasse des Fürstentums Halytsch-Wolodymyr aus.

Nach längeren Kriegen mit wechselseitigen Gewinnen und Verlusten fiel der größere Teil des Fürstentums mit Galizien, Podolien sowie dem westlichen Wolhynien an das Königreich Polen, während das östliche Wolhynien, Podlachien und Polesien langfristig dem Großfürstentum Litauen einverleibt wurden. Der ungarische Anspruch wurde in der dortigen Königstitulatur weitergeführt, der Name „Galizien und Lodomerien“ mit dem viel später das Haus Habsburg-Lothringen in seiner Eigenschaft als Könige von Ungarn ihr polnisches Teilungsgebiet bezeichnete, ist davon abgeleitet.

Durch die Union von Lublin 1569 wurde das gesamte Gebiet des ehemaligen Fürstentums Halytsch-Wolodymyr mit der „Krone Polens“ verbunden, es war jedoch in den ursprünglichen Grenzen als politische Einheit nicht mehr existent. Das Gebiet wurde dabei verwaltungstechnisch in fünf Wojewodschaften eingeteilt, die bis zur 1. und 3. Teilung Polens zu Polen-Litauen gehörten.

Ab 1772/1795 folgte auf dem Gebiet des nicht existenten Fürstentums der polnischen Herrschaft die österreichische bis 1918 nach.

Fürsten und Könige von Halitsch-Wolhynien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste werden nur die Herrscher namentlich erwähnt, die das Fürstentum vollständig beherrschten oder zumindest im Besitz eines der Fürstentümer waren, aber in ihrer Titulatur Anspruch auf das gesamte Reich erhoben.

Rurikiden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name von bis Anmerkungen
Roman I. 1199 1205 Fürst von Wolhynien und Halitsch

Arpaden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name von bis Anmerkungen
Koloman von Halitsch 1215 1221 nur in Halitsch als „König“ von Galiciæ et Lodomeriæ, Sohn von Andreas von Ungarn, 1216 gestürzt, 1219 erneut eingesetzt, 1221 abgedankt
Andreas von Halitsch 1228 1234 nur in Halitsch als „König“ von Galiciæ et Lodomeriæ, Sohn von Andreas von Ungarn

Rurikiden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name von bis Anmerkungen
Daniel von Galizien 1238 1264 ab 1229 Fürst von Wolhynien, ab 1238 in Halitsch, ab 1253 Rex Rusiae („König von Russland“)
Leo I. von Galizien 1264 1301 ab 1264 Fürst in Halitsch, ab 1269 Rex Rusiae („König von Russland“), ab 1293 Fürst von Wolhynien
Juri I. 1301 1308 ab 1301 König von Halitsch-Wolhynien
Lew II. 1308 1323 ab 1308 zusammen mit seinem Bruder Andreas als Könige von Halitsch-Wolhynien. Beide 1323 in einer Schlacht gegen Litauen in Podlachien gefallen.

Piasten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name von bis
Jurij II., Boleslaw von Masowien 1323 1340
Kasimir von Polen 1340 1370
Wladislaus II. von Oppeln 1372 1378

Ungarischer Zweig der Anjou[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name von bis
Ludwig I. 1370 1382
Maria von Anjou 1382 1387
Hedwig von Anjou 1387 1399

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]