Favignana

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Favignana
Wappen
Favignana (Italien)
Favignana
Staat Italien
Region Sizilien
Provinz Trapani (TP)
Lokale Bezeichnung Favignana
Koordinaten 37° 56′ N, 12° 20′ OKoordinaten: 37° 56′ 0″ N, 12° 20′ 0″ O
Höhe m s.l.m.
Fläche 37 km²
Einwohner 4.230 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte 114 Einw./km²
Postleitzahl 91023
Vorwahl 0923
ISTAT-Nummer 081009
Karte der Ägadischen Inseln
Favignana

Favignana ist eine der Ägadischen Inseln im Mittelmeer vor der Westküste Siziliens. Politisch bildet diese Insel auch den größten Teil der Gemeinde Favignana der Provinz Trapani in der Region Sizilien in Italien mit 4230 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015).

Lage und Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel Favignana ist mit einer Fläche von 19,8 km² die größte der Ägadischen Inseln. Ihre höchsten Erhebungen sind der Monte Santa Caterina (314 m) und ein Hügel mit einer Höhe von 252 m.

Zu der Gemeinde Favignana gehören auch die auf den Inseln Levanzo und Marettimo gelegenen gleichnamigen Ortsteile. Arbeitsplätze gibt es im Tourismus und in der Fischerei. In den Sommermonaten wohnen bis zu 30.000 Touristen in der Gemeinde.

Von Trapani verkehren mehrmals am Tage Linienschiffe, die den Güter- und Fahrzeugtransport übernehmen, und Tragflügelboote, die den Personennahverkehr übernehmen. Die Linienschiffe benötigen für die Überfahrt eine Stunde, die Tragflügelboote 30 Minuten.

Der Thunfischfang vor der Küste Favignanas wurde bis Beginn dieses Jahrhunderts traditionell in Form der Mattanza durchgeführt. Der gefangene Thunfisch (ital. „tonno“) wurde an Land in der ehemaligen „Tonnara“ (Thunfischfabrik) weiterverarbeitet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Antike trug die Insel den Namen „Aegusa“ (Schmetterling), was auf ihre Form anspielt. Davon leitet sich auch der Name der Inselgruppe ab. Ein anderer in der Antike gebrauchter Name war „Aponiana insula“. Ihren heutigen Namen hat die Insel von dem „Favonio“ (Föhn) genannten Wind.

Nach einer Theorie von Ernle Bradford[2] war Favignana die in Homers Odyssee beschriebene Ziegeninsel, von der aus Odysseus zum Festland fuhr, wo er auf den Zyklopen Polyphem stieß.

Die letzte Seeschlacht des Ersten Punischen Kriegs, die Schlacht bei den Ägatischen Inseln, fand 241 v. Chr. nahe der Cala Rossa vor der Küste Favignanas statt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tonnara von Favignana
Kirche Matrice, erbaut 1759
Castello Santa Caterina (Ruine)
  • Tonnara (ehem. Thunfischfabrik) mit dem Museum "Stabilimento"
  • Grotten, in denen schon zu vorgeschichtlicher Zeit Menschen wohnten, unter anderem die Grotta del Genovese auf Levanzo mit altsteinzeitlichen Ritzzeichnungen und Malereien
  • Kirche Matrice, erbaut 1759 als Hauptkirche von Favignana im sizilianischen Barock auf Kosten des Don Giovanni Luca, Marquis von Pallavicino, und mit Erlaubnis von König Philipp IV. Die Kirche hat die Form eines lateinischen Kreuzes mit einem einzigen Schiff, Vierung und hoher Kuppel und wurde der Unbefleckten Jungfrau gewidmet. Im Inneren befindet sich ein Kruzifix aus dem achtzehnten Jahrhundert aus Holz, Trapani Schule, und eine Marmorstatue der Unbefleckten Jungfrau, Spanische Schule. In der Nachkriegszeit wurde ein unterirdischen Friedhof, der bis 1870 und erneut während des Zweiten Weltkriegs genutzt wurde, gefunden. Von der Kirche und dem gleichnamigen Platz sieht man das Meer und die Kanonenfeuer von Fort St. James (heute aktuelles Gefängnis).
  • L'istituto di reclusione. Erst im September 2011 wurde die neue Strafvollzugsanstalt mit einem Hochsicherheitstrakt für verurteilte Terroristen in Favignana eingeweiht. Dieser Neubau hat Platz für bis zu 120 Häftlinge und befindet sich in der Via Libertà, dreißig Meter vom alten Gefängnis entfernt. Hier befinden sich auch die Werkstätten, in denen die Häftlinge der Insel arbeiten. Die Baukosten betrugen ca. 11 Millionen Euro.[3]
  • Castello San Giacomo, auch St. James, ein ehemaliges berüchtigtes Staatsgefängnis am Strand der Stadt Favignana. Seine Wurzeln liegen in der Normannenzeit, als das Kastell gebaut wurde; als Gefängnis wurde es von der Zeit der Herrschaft der Bourbonen bis in jüngere Vergangenheit genutzt.[4]
  • Kastell Santa Caterina. Ein markantes Bauwerk auf Favagnana ist das 314 Meter hoch auf dem Gipfel des Berges Santa Caterina gelegene gleichnamige Kastell Santa Caterina, eine verlassene und zerstörte Festung. Allein der Ausblick aufs Meer ist den Anstieg wert. Zunächst nur als Wachturm von den Sarazenen errichtet, dann 1081 unter dem Normannenherrscher Roger de Hauteville (Roger I.) vergrößert, wurde es im 15. Jahrhundert von Andrea Rizzo, Herr von Favignana, zur Burg/Castello verstärkt. Nach der spanischen Herrschaft des Hauses Aragon, wurde es 1655 zum Gefängnis umgebaut. Untere Etagen für das Wachpersonal und Offiziere, die oberen Etagen für die Häftlinge. Von 1794 bis 1860 wurde das Gefängnis unter der Herrschaft der Bourbonen betrieben. Im Zweiten Weltkrieg wurde es dann mit Artilleriestellungen versehen, um die Insel und auch Sizilien vor einer Invasion zu bewahren. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Kastell leergeräumt, die Gebäude nicht mehr gepflegt, Däche, Wände und Treppen fallen ein. Einzig die Aussicht blieb erhalten.
  • Palazzo Florio. Neugotische Herrenhaus der einflussreiche, sizilianischen Familie Florio. Es wurde 1878 vom Architekt Damiani Almeyda entworfen. Vor kurzem restauriert, ist es nunmehr u.a. Sitz des Fremdenverkehrsamts der Stadt Favignana.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Favignana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Ernle Breadford: Ulysses found, London 1964, S. 50ff. s. auch Christoph Hönig: Homers Odyssee - nur ein Schiffermärchen? Vortrag vor der Humboldt-Gesellschaft. 10. Februar 2006, abgerufen am 10. März 2016.
  3. Gefängnisinsel Favignana
  4. Gefängnisinsel Favignana, besonders Kastell San Giacomo / St. James