Fehlheim

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49.7052777777788.571944444444495Koordinaten: 49° 42′ 19″ N, 8° 34′ 19″ O

Fehlheim
Stadt Bensheim
Wappen der früheren Gemeinde Fehlheim
Höhe: 95 m
Einwohner: 1698 (Dez. 2014)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 64625
Vorwahl: 06251
Karte

Karte von Bensheim mit dem Stadtteil Fehlheim

Fehlheim ist ein im Hessischen Ried gelegener Stadtteil von Bensheim. Es liegt ca. 4 km westlich von Bensheim.

Lage[Bearbeiten]

Fehlheim liegt im Hessischen Ried und ist mit rund 1900 Einwohnern nach Auerbach der zweitgrößte Bensheimer Stadtteil. In unmittelbarer Nähe von Fehlheim befindet sich ein Naherholungsgebiet um den Niederwaldsee, der jedoch zur Gemarkung Bensheim-Auerbach gehört.

Geschichte[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Der Ort wurde am 6. Juni 782 erstmals urkundlich in einem Schenkungsbuch des Klosters Lorsch erwähnt. Hurfelden, so der damalige Name, kam damit unter die Herrschaft des Klosters. [2] Der Name leitet sich möglicherweise von Horo (althochdeutsch für Sumpf) oder aber von Hur (mittelhochdeutsch für Heuer, Miete, Zins) ab, was so viel wie an „Zinspflichtige vergebenes Königsland“ bedeutet. Es ist wahrscheinlich, dass bereits vor 782 eine Siedlung existierte. Darüber gibt es allerdings keine schriftliche Aufzeichnungen.

Bis um das Jahr 1130 gehörte Fehlheim zu Kloster Lorsch. 1232 kam das Kloster zum Erzstift Mainz und wurde 1461 an die Kurpfalz verpfändet, die das Kloster 1564 aufhob. Um Laufe des Dreißigjährigen Krieges kam Fehlheim wieder unter kurmainzer Herrschaft. Durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 fiel Fehlheim dann an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt, der sich 1806 unter Druck Napoleons dem Rheinbund anschloss und zum Großherzog erhoben wurde.

1803 wurden lediglich 269 Bewohner gezählt, denn ein paar Jahrhunderte zuvor hatten Kriege und Epidemien, Pest und Cholera die Bevölkerung dezimiert. Im Gegensatz zu anderen umliegenden Dörfern, hatten die Fehlheimer die Erlaubnis, sich hinter die schützenden Mauern der Stadt Bensheim zurückzuziehen und bei deren Verteidigung zu helfen. So geschah es im Jahr 1620, als im Zuge des Dreißigjährigen Krieges der spanische General Ambrosio Spinola vor den Toren stand.

Im Jahre 1829 berichtet Georg W. Wagner in seiner Statistisch-topographisch-historische Beschreibung von Hessen über Fehlheim: »Fehlheim (L. Bez. Bensheim) kath. Filialdorf; liegt 1 St. von Bensheim, hat 47 Häuser und 408 kath. Einw. und 1 Kapelle, mit welcher das Schulhaus verbunden ist. Dieser Ort ist ohne Zweifel das alte Hurfelden, das in einer Lorcher Urkunde von 782 vorkommt. Es wird Velheim und gemeiniglich Fehlen genannt und kam 1802 von Mainz an Hessen« [3]

Am 17. Dezember 1957 wurde im Nibelungensaal des Lorscher Rathauses der „Wasserbeschaffungsverband Riedgruppe Ost“ gegründet, dem neben Fehlheim auch die damaligen Gemeinden Einhausen, Lorsch, Rodau und Schwanheim angehörten. Im Dezember 1958 wurde daraufhin mit dem Bau des Wasserwerkes „Kannegießer Tannen“ begonnen und ein Jahr später konnte der Verbandsvorsteher in Einhausen verkünden: „Für 15.000 Riedbewohner läuft jetzt Wasser aus den Hähnen – und wir wollen dankbar sein“. Es folgte im September 1960 das Wasserwerk „Kannegießer Tannen“ an der Gemarkungsgrenze zwischen Lorsch und Einhausen. Das mit einem Kostenaufwand von 4,5 Millionen D-Mark errichtete Wasserwerk, zusammen mit den 74 Kilometern verlegter Rohrleitungen, wurde nach dessen Fertigstellung als „Größtes Gemeinschaftsprojekt des Kreises Bergstraße“ bezeichnet.[4]

Fehlheim gehörte über längere Zeit zu Bensheim und dessen Gemarkung, hatte aber seinen eigenen Schultheißen.[5] Erst im Jahre 1831 wurde es eine selbstständige Gemeinde mit eigener Gemeindeverwaltung. Die Eigenverantwortung dauert bis ins Jahr 1971. Am 1. Juli 1971 wurde Fehlheim im Rahmen der Gebietsreform in Hessen nach Bensheim eingemeindet.[6]

Verwaltung und Gerichte[Bearbeiten]

Unter Kurmainzer und Kurpfälzer Herrschaft gehörte Fehlheim zur „Zent Heppenheim“ des Amtes und späteren „Oberamtes Starkenburg“. Im Jahr 1787 führte Kurmainz eine Verwaltungsreform durch, bei der Fehlheim der neu geschaffenen „Amtsvogtei Bensheim“ zugeordnet wurde. Diese war dem „Oberamt Starkenburg“ des „Unteren Erzstifts„ im „Kurfürstentum Mainz“ unterstellt.[7]

Als „Oberamt Starkenburg“ infolge des Reichsdeputationshauptschluss von 1803 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt die sich ab 1806 Großherzogtum Hessen nannte viel, wurde die „Amtsvogtei Bensheim“ unter hessischer Hoheit bis 1820 weiter geführt, während das Oberamt 1815 aufgelöst wurde. 1821 erfolgte eine umfassende Verwaltungsreform bei der die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums aufgelöst und Landratsbezirke eingeführt wurden, wobei Fehlheim zum Landratsbezirk Bensheim kam. Im Rahmen dieser Reform wurden auch Landgerichte geschaffen, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Die Landgerichtsbezirke entsprachen in ihrem Umfang den Landratsbezirken und für Landratsbezirk Bensheim war das Landgericht Zwingenberg als Gericht erster Instanz zuständig. Der Gerichtssitz wurde bewusst vom Landratssitz getrennt, um die Unabhängigkeit der Justiz zu unterstreichen. Diese Reform ordnete auch die administrative Verwaltung auf Gemeindeebene. So war die Bürgermeisterei in Bensheim auch für Fehlheim zuständig, wobei seit 1820 die Bürgermeister durch die Gemeinde gewählt wurden und es keine Einsetzungen von Schultheißen mehr gab.

1832 wurden die Einheiten ein weiteres Mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangte Fehlheim im August 1832 in den Kreis Bensheim. 1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert und der Zehnte und die Grundrenten (Einnahmen aus Grundbesitz) wurden durch ein Steuersystem ersetzt, wie es in den Grundzügen heute noch existiert.

Infolge der Märzrevolution 1848 wurden in den Provinzen, die Kreise und Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852, im Laufe der Reaktionsära, wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehört Fehlheim zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Heppenheim bevor wieder der Kreis Bensheim für die übergeordnete Verwaltung zuständig ist.

Die hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurden 1937 nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage aufgehoben. Zum 1. November 1938 trat dann eine umfassende Gebietsreform auf Kreisebene in Kraft. In der ehemaligen Provinz Starkenburg war der Kreis Bensheim besonders betroffen, da er aufgelöst und zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen wurde. Der Kreis Heppenheim übernahm auch die Rechtsnachfolge des Kreises Bensheim und erhielt den neuen Namen Landkreis Bergstraße.[7]

Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes und danach ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Es bestand bis 1919, nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Gebiet des heutigen Hessen in der amerikanischen Besatzungszone und durch Weisung der Militärregierung entstand Groß-Hessen, aus dem das Bundesland Hessen in seinen heutigen Grenzen hervorging.

Im Jahr 1961 wurde die Gemarkungsgröße mit 269 ha angegeben, davon waren 2 ha Wald.[7]

Die zuständige Gerichtsbarkeit lag ab 1821 beim Landgericht Zwingenberg, aus dem 1879 das Amtsgericht Zwingenberg hervor ging. 1934 wurde das Amtsgericht Zwingenberg aufgelöst und die Aufgaben an das Amtsgericht Bensheim übertragen.[7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind[7]:

1623: 0012 Einwohner
1829: 0408 Einwohner
1939: 0820 Einwohner
1961: 1147 Einwohner
1970: 1401 Einwohner
Fehlheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
412
1840
  
470
1846
  
483
1852
  
557
1858
  
607
1864
  
573
1871
  
554
1875
  
534
1885
  
565
1895
  
543
1905
  
592
1910
  
696
1925
  
758
1939
  
820
1946
  
1.053
1950
  
1.091
1956
  
1.122
1961
  
1.147
1967
  
1.259
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Sehenswertes und Kultur[Bearbeiten]

Altes Rathaus[Bearbeiten]

Das Alte Rathaus gegenüber der katholischen Pfarrkirche stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Das Dach ist mit handgestrichenen Biberschwänzen gedeckt und hat eine verschieferte Firstbekrönung aus einem sechsseitigen Dachreiter mit Zwiebelhaube und Schallöffnungen für die darin befindliche Glocke. Die Glocke wurde im Jahr 1742 von Johann Caspar Schrader in Worms gegossen.[8] Das Gebäude steht als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz.

Das Alte Rathaus von Fehlheim aus dem frühen 18. Jahrhundert
Bensheim Fehlheim Rathaus 01.jpg
Bensheim Fehlheim Rathaus 02.jpg

St. Bartholomäus-Kirche[Bearbeiten]

Die katholische St. Bartholomäus-Kirche steht in der Kirchstraße 2 in unmittelbarer Nähe des zentralen Dorfplatzes. Die Kirche wurde 1844 nach Plänen des Bensheimer Kreisbaumeisters Michael Mittermayer gebaut. Es ist ein schlichter vierachsiger Saalbau aus gelbem Sandstein. Auch die St. Bartholomäus-Kirche steht unter Denkmalschutz.[9]

Die St. Bartholomäus-Kirche
St. Batholomäus, Fehlheim.jpg
Bensheim Fehlheim Kirche 01.jpg

Mit der Kirche eng verbunden ist der Katholische Kirchenmusikverein „St. Bartholomäus” mit zahlreichen Auftritten im kirchlichen und „weltlichen” Bereich über das ganze Jahr, z. B. auch beim italienisch-deutschen Bensheimer Passionsspiel an Karfreitag.[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Liste der Kulturdenkmäler in Fehlheim

Sportvereine[Bearbeiten]

Der Sportverein VfR Fehlheim wurde 1929 gegründet. Die erste Fußball-Mannschaft spielt in der Gruppenliga Darmstadt (Stand Juli 2010). Das Team feiert in der Saison 08/09 das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte mit der Meisterschaft in der Kreis-Oberliga Süd. Die Tischtennis Abteilung des Vereins hatte ihren größten Erfolg im Jahre 2006, als die weibliche Jugend Deutscher Meister wurde. Zurzeit spielt die Erste Herrenmannschaft in der Hessenliga.

Literatur[Bearbeiten]

Georg W. Weber: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1, Oktober 1829 (digitale Ansicht)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bensheim-Fehlheim – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bensheim in Zahlen,(nur Einwohner mit Hauptwohnung), abgerufen am 15. Mai 2015
  2. Fehlheim auf der Webseite von Bensheim, abgerufen am 26. Mai 2013
  3. Georg W. Wagner, Seite 72
  4. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007. Endlich Wasser aus dem Hahn. S. 31, archiviert vom Original, abgerufen am 28. Dezember 2014 (pdf 8,61 MB).
  5. Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamensbuch - Starkenburg, Darmstadt 1937, Seite 190
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 348.
  7. a b c d e Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Fehlheim, Landkreis Bergstraße“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 18. Dezember 2012, abgerufen am 10. Juni 2014.
  8. Landesamt für Denkmalpflege Hessen: Altes Rathaus, abgerufen am 28. April 2008
  9. Landesamt für Denkmalpflege Hessen: Kath. Pfarrkirche St. Bartholomäus, abgerufen am 28. April 2008
  10. Internet-Auftritt des Musikvereins