Filmfestival Cottbus

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Logo des Festivals
ursprüngliche
Festivalspielstätten
Die Stadthalle ist das Festivalzentrum.
Kammerbühne
Glad-House
Großes Haus des Staatstheaters Cottbus

Das FilmFestival Cottbus – Festival des osteuropäischen Films ist ein seit 1991 jährlich in Cottbus stattfindendes Filmfestival, dessen Schwerpunkt auf osteuropäischen Filmen liegt.

Zunächst wurden um 130 Spiel- und Kurzfilme aus über 30 Ländern in den städtischen Spielstätten Stadthalle Cottbus (Festivalzentrum), Weltspiegel Cottbus, Kammerbühne, Staatstheater Cottbus sowie Saal und Obenkino im Jugendkulturzentrum Glad-House vorgeführt. Feierlich eröffnet wird das Festival des osteuropäischen Films im Großen Haus des Staatstheaters. In den 2010er Jahren erweiterten die Organisatoren das Repertoire auf inzwischen fast 400 Filme und weitere Spielstätten kamen hinzu, darunter ein Kino in Zielona Góra in Polen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das FilmFestival Cottbus – Festival des osteuropäischen Films findet seit 1991 jeweils im November eines Jahres statt und gibt einen umfassenden Überblick über die Spielfilmproduktionen des gesamten mittel- und osteuropäischen Raumes. Gegründet wurde es in der Nachwendezeit von Filmenthusiasten und Mitgliedern der Cottbuser und auch Berliner Filmclubbewegung. Diese Menschen befürchteten, dass mit der deutschen Wiedervereinigung osteuropäische Filme von den deutschen Leinwänden verschwinden würden, viele waren auch selbst betroffen, weil sie nicht wussten, wie es im (neuen) eigenen Land mit dem Filmemachen weitergehen würde.[1] Anfangs von der Stadt Cottbus getragen, wird das Festival von der im Jahr 2001 gegründeten FilmFestival Cottbus GmbH veranstaltet. Zu den Geschäftsführern dieser Gesellschaft gehören Doreen Goethe, Jörg Ackermann, Andreas Stein (Stand 2015) und Bernd Buder (Programmdirektor). Gegründet von Lutz Hattenbach, übernahm im Jahr 1996 Roland Rust die Position des künstlerischen Leiters und bekleidet diese Funktion (seit 2001 mit dem Titel Festivaldirektor) seitdem (Stand 2014).

Die Festivalgesellschaft suchte für das Jahr 2002 einen besonderen Hingucker zur seitlichen Begrenzung des Roten Teppichs, auf dem sich die Preisträger und Kandidaten der Öffentlichkeit präsentieren. Die Idee, einen übergroßen Schriftzug 12. FilmFestival Cottbus aus wetter- und standfestem Styropor aufzustellen, wurde geboren und Festivalmanager Andreas Stein fand für die Umsetzung den damaligen Kleinunternehmer Enrico Frühling im Dorf Klein Döbern. Dieser stellte dann für den Laufsteg-Rand Einzelbuchstaben mit mehr als ein Meter Größe auf, die abends noch zusätzlich angestrahlt wurden.[2]

Im Jahr 2007 listete das Branchenfachblatt Variety (USA) das FilmFestival Cottbus als „must-attend global event“ und eines von weltweit 50 „unmissable film festivals“.[3] Der Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier attestierte dem Festival im Jahr 2008, das wichtigste Filmfestival Deutschlands neben der Berlinale zu sein.[4]

Im Jahr 2016 sind bereits neun Spielorte in das Festivals eingebunden; zu den oben Genannten kamen die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, das Planetarium und die Stadtbibliothek im benachbarten Zielona Góra hinzu.[1][5]

Ehrenpräsident des Festivals ist der ungarische Regisseur und Oscar-Preisträger István Szabó, Schirmherr ist der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke.

Inhaltliche Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das FilmFestival Cottbus zeichnet sich nicht nur durch den umfangreichen und aktuellen Überblick über das Filmschaffen Osteuropas aus, sondern auch durch seine Nachwuchsförderung. Vom Balkan bis zum Baltikum, von Mitteleuropa bis nach Zentralasien – das FilmFestival Cottbus definiert Osteuropa geopolitisch und umfasst dabei die postsozialistischen Staaten Osteuropas einschließlich aller Nachfolgestaaten der ehemaligen UdSSR und Jugoslawiens. Im Zentrum der Festivals stehen die drei Wettbewerbe für den besten Spielfilm, den besten Kurzspielfilm sowie der U18 Deutsch-Polnischer Wettbewerb Jugendfilm (seit 2010). Des Weiteren gelangen in Cottbus Spielfilme und Kurzspielfilme in den Sektionen Fokus, Nationale Hits, Specials, Spektrum, Retrospektive sowie Kinderfilm zur Aufführung. Seit einigen Jahren präsentiert das Festival in den Sektionen Russkiy Den sowie Polskie Horyzonty zusätzlich aktuelle Produktionen aus den größten Filmländern Osteuropas – Russland und Polen. Die Thematik ist zwar breit gefächert, dennoch setzen die Organisatoren jährliche Schwerpunkte.

Blaue Glühbirnen beleuchten während des Filmfestivals den Cottbuser Altmarkt (2008)

Ergänzt wird das Filmprogramm durch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Lesungen, Ausstellungen und Konzerte sowie Workshops, Seminare, Panels und Filmtalks machen das Festival zu einem Forum der Begegnung und des Dialogs. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der Ost-West-Koproduktionsmarkt connecting cottbus, der Filmemacher, Produzenten und potenzielle Financiers zusammenbringt und somit vielversprechenden neuen Spielfilmprojekten den Weg ebnet.

Wettbewerb Spielfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zehn bis zwölf Spielfilme konkurrieren alljährlich in diesem Wettbewerb um die Preise und die gläserne Preisskulptur. Die Wettbewerbsbeiträge dürfen nicht älter sein als ein Jahr (produziert im laufenden Jahr oder im Vorjahr). Zudem besagt das Reglement des Festivals, dass es sich um deutsche Erstaufführungen sowie das maximal fünfte Werk eines Regisseurs handeln muss.

Wettbewerb Kurzspielfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine eigene Plattform zur Entdeckung und Förderung des Filmnachwuchses bietet dieser Wettbewerb. Etwa zehn bis 15 Beiträge (mit einer Laufzeit von maximal 30 Minuten) werden in der traditionellen Langen Nacht der kurzen Filme präsentiert.

U18 Deutsch-Polnischer Wettbewerb Jugendfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kino für den Nachwuchs und als grenzüberschreitendes Erlebnis: Der bi-nationale Wettbewerb bietet die einmalige Möglichkeit, aktuelle Jugendfilme (neben Langmetrage [länger als 45 Minuten] auch mittellange Arbeiten) aus Deutschland und Polen zu sehen. Eine Schülerjury aus den beiden Partnerstädten Cottbus und Zielona Góra entscheidet über den Hauptpreisträger.

Specials[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ganz besondere Film: Vorschauen, Tributes sowie Hommages an prominente Juroren finden hier ihr Publikum. Ebenso sind in dieser Sektion Produktionen, die durch Kooperationen mit nationalen und internationalen Festivals nach Cottbus kommen, zu entdecken. Ebenfalls in der Sektion befindet sich die Reihe Location Lausitz. In diesem festen Programmbestandteil werden Filme gezeigt, die auf unterschiedliche Weise mit der Region verbunden sind – seien dies Produktionen von Autoren aus der Lausitz, Filme über die Lausitz oder auch in der Lausitz gedrehte Werke.

Spektrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Sektion lädt zu Entdeckungen abseits des Mainstream mit aktuellen Werken von Newcomern oder bereits etablierten Regisseuren sowie internationalen Ko-Produktionen – ein Ausblick auf die Trends von morgen.

Nationale Hits[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Produktionen, die in ihren Entstehungsländern kommerziell erfolgreich sind, im Ausland jedoch kaum bekannt, werden hier gezeigt. Die Sektion ist ein Publikumsmagnet – bei Zuschauern und Fachbesuchern gleichermaßen beliebt.

Russkiy Den[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Russische Tag steht ganz im Zeichen der produktivsten Filmszene Osteuropas: Kompakt an einem Festivaltag die Höhepunkte des Jahres aus Russland erleben, vom Genrefilm bis zu Arthouse, vom Kassenschlager bis zum Experiment.

Polskie Horyzonty[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neues vom Nachbarn – cineastische Entdeckungen aus Polens vitaler Filmszene – werden präsentiert in Partnerschaft mit Nowe Horyzonty aus Breslau, dem größten und bedeutendsten Filmfestival des Landes.

globalEAST[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zum 20. Festivaljubiläum im Jahr 2010 ins Leben gerufene Filmreihe globalEAST verfolgt die vielfältigen Einflüsse und Wechselwirkungen Osteuropas im zeitgenössischen Kino der Welt. Die transkontinentale Spurensuche führte in diesem Jahr allerdings nicht auf einen anderen Kontinent, sondern in das 1.000 Kilometer südlich gelegene Italien – ein Land, das traditionell aufgrund seiner Nachbarschaft zu (Süd-)Osteuropa und seiner Einwanderer osteuropäisch beeinflusst ist.

Fokus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prägend für das Gesamtprofil des jeweiligen Festivaljahrgangs ist der Fokus, der in jährlichem Wechsel ausgewählte filmische Regionen in einem breiteren Kontext darstellt. Nachdem sich das FilmFestival Cottbus zunächst mit einzelnen Filmländern und später bereits vor ihrem Beitritt mit den EU-Neulingen Polen (2002), Tschechien (2004), Ungarn (2005) sowie Rumänien und Bulgarien (2006) beschäftigte, stehen seit dem Jahr 2007 Kulturräume im Mittelpunkt des Interesses (2007: Adria, 2008: Baltikum sowie 2009: Schwarzmeerraum). Zur Jubiläumsausgabe verließ das Festival im Jahr 2010 erstmals „sein“ Territorium und begab sich unter dem Fokus-Titel globalEAST auf die Spurensuche nach den Einflüssen Osteuropas im weltweiten Filmschaffen. Der Erfolg dieses Fokus führte zu einer Etablierung von globalEAST als eigenständige Programmsektion des Festivals (seit 2011).

In den Folgejahren beschäftigte sich das FilmFestival Cottbus unter dem Motto Osteuropa der Vielfalt erneut mit grenzüberschreitenden Kulturräumen bzw. Themen in Osteuropa. Im Jahr 2011 beginnend mit Osteuropa der Regionen – im Vorgriff auf die Fußball-Europameisterschaften 2012 wurde sich vorrangig auf Polen und die Ukraine konzentriert –, beschäftigte sich der Fokus 2012 mit „Osteuropa der Religionen“ und im Jahr 2013 unter dem Titel Osteuropa der Kulturen mit Themen der Sinti und Roma. Der inhaltliche Schwerpunkt im Jahr 2014 trug den Titel queerEAST und setzte sich filmisch mit dem Thema Homosexualität in Osteuropa auseinander.

Zu den Schwerpunkten des Jahres 2016 gehören Spurensuche (Filme von polnischen und tschechischen Regisseuren, die sich mit der Zwangsvertreibung von Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzen) und das Land Kuba.[1]

Heimat|Domownja[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das regionale Programmfenster des Festivals beschäftigt sich mit Filmen aus und über die Region. Bei der inhaltlichen Auswahl konzentriert sich das Festival genauso auf Beiträge von und über die in der Lausitz beheimateten Sorben (Wenden) wie auf Filme von jungen Lausitzer Filmemachern und Filmen, die über die Lausitz bzw. in der Lausitz gedreht wurden.

Kinderfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeder Festivaltag hält ein spezielles Filmangebot auch für die jüngsten Besucher bereit. Vom Kinderfilmklassiker bis hin zu aktuellen Produktionen führt das Programm Kinder an das Medium Film heran. Im Anschluss an die Vorführung wird zum medienpädagogischen Gespräch mit Filmschaffenden und Gästen geladen.

Cottbuser FilmSchau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den traditionellen Auftakt der Festivalwoche bildet alljährlich am Montagabend die Cottbuser FilmSchau, eine Plattform für ambitionierte Amateure und semi-professionelle Filmemacher. Die besten Kurzfilme werden mit dem Hauptpreis sowie zwei Spezialpreisen ausgezeichnet. Zudem vergibt das Publikum einen Preis an seinen Favoriten und ein talentierter Filmemacher wird mit einem Förderpreis prämiert.

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Hauptpreis wird von den internationalen Festivaljuries seit dem Jahr 2003 die Lubina (sorbisch: „die Liebreizende“) vergeben, eine dreifarbige Skulptur aus Glas der Lausitzer Künstlerin Beate Bolender. Mit der Preisskulptur betont das Festival einerseits seine Verankerung in der Region und andererseits seinen besonderen Charakter als bedeutendstes Festival des osteuropäischen Films.

Die Lubina, jede ein Unikat, wird ausschließlich an die Gewinner folgender vier Preise aus dem Wettbewerb Spielfilm verliehen:

  • Hauptpreis für den besten Film, Spezialpreis für die beste Regie,
  • Preis für eine herausragende Darstellerin,
  • Preis für einen herausragenden Darsteller sowie unregelmäßig als
  • Ehren-Lubina für die Verdienste in der Entwicklung des FilmFestival Cottbus (bisher u. a. an Ehrenpräsident und Oscar-Preisträger Istvan Szabó und Kuratoriumsvorsitzenden Bernd Schiphorst).

Der Hauptpreis für den besten Film ist mit 20.000 Euro dotiert und geht zu gleichen Teilen an den Regisseur und den Filmproduzenten des Films. Darüber hinaus werden jährlich weitere neunzehn Preise verliehen. Der Gesamtwert aller vergebenen Preise liegt bei 73.500 Euro. Von 1991 bis 2002 wurde hier auch der Findlingspreis des Interessenverbandes Filmkommunikation vergeben.

Prominente Gäste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für viele mittel- und osteuropäische Regisseure führte der Weg zum Ruhm über das Cottbuser Festival. Darunter inzwischen namhafte Filmemacher wie Cristian Mungiu (RO), Jan Cvitkovič (SLO), Jan Svěrák (CZ), Oleg Novkovic (SRB), Bohdan Sláma (CZ) und Jan Hřebejk (CZ). Zu den prominentesten Gästen in der bisherigen Festivalhistorie gehörten neben István Szabó zweifellos Krzysztof Zanussi (PL), Jiri Menzel (CZ), Tschynggys Aitmatow (KGS), Andreas Dresen (D), Allan Starski (PL), Yolande Zauberman (F), Oana Pellea (ROM), Katja Flint (D), Andreji Plachow (RUS),Katarzyna Figura (PL), Cedomir Kolar (F), Christine Schorn (D), Jean-Marc Barr (F), Rolf Hoppe (D), Itzhak und Samuel Fintzi (BG), Wladimir Kaminer (RUS/D), Anna Thalbach (D), Anica Dobra (SRB), Sylvia Kristel (NL), Nana Djordjadze (GE), der Produzent Alexander Rodnyansky (RUS) sowie die jungen deutschen Schauspieler Robert Stadlober, Jacob Matschenz und Tobias Schenke.

Preisträger des Hauptpreises für den besten Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

connecting cottbus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

connecting cottbus ist ein Ost-West-Koproduktionsmarkt für Produzenten-Autoren-Regisseur-Teams, die Partner für die Realisierung ihrer neuen Spielfilmprojekte suchen. Eine Jury wählt die Stoffe aus, die einem Fachpublikum aus erfahrenen Produzenten, Einkäufern und Finanziers präsentiert werden. In Diskussionen und Fallstudien werden aktuelle Einblicke in die Produktionslandschaft der Ost- und Mitteleuropäischen Länder geboten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 20 Jahre FilmFestival Cottbus. Festival des osteuropäischen Films. Regia-Verlag, Cottbus, 2013, ISBN 978-3-86929-173-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Filmfestival Cottbus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Jens Blankennagel: „Es gibt ein unglaubliches Interesse.“ Interview mit dem Programmdirektor des FFC, Berliner Zeitung, 10. November 2016, S. 18.
  2. Peter Blochwitz: Styropor und was man daraus macht. In: Berliner Zeitung, 19./20. November 2016, Beilage Wirtschaft.digital, S. 8.
  3. Variety.com: 50 unmissable film festivals
  4. Bundestag-nachrichten.de: „Einzigartiger Treffpunkt für Ost und West“. Steinmeier eröffnet FilmFestival in Cottbus
  5. Spielstätten des FFC, Stand November 2016