Rolf Hoppe

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Rolf Hoppe auf der Berlinale 2009

Rolf Hoppe (* 6. Dezember 1930 in Ellrich) ist ein deutscher Schauspieler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und erste Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolf Hoppe wurde als Sohn eines Bäckermeisters am Südrand des Harzes geboren. Er vertrat seinen Vater gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in der Backstube. Nach Abschluss der Volksschule machte er eine Bäckerlehre. Zugleich arbeitete er in den Jahren 1945 bis 1948 auch als Kutscher. 1946/47 war er als Schauspieler und Regisseur beim Laientheater Ellrich tätig. Nach dem Schauspielstudium am Staatlichen Landeskonservatorium in Erfurt (1949–1951) war er aufgrund von akuten Stimmproblemen zunächst Tierpfleger beim Zirkus Aeros. 1n der Spielzeit 1950/51 war er an den Städtischen Bühnen Erfurt engagiert. Der Schulung seiner Stimme am Institut für Sprechwissenschaft in Halle (Saale) folgte ein Engagement am Theater der jungen Garde in Halle (Spielzeit 1952/53).

Theaterkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Bühnenstationen Hoppes waren: Theater Greifswald (1953/54; nach anderen Quellen bereits in der Spielzeit 1952/53), das Theater der Jungen Welt in Leipzig (1954–1956) und das Theater Gera (1955/56–1961). Seit 1961 arbeitete er am Staatstheater Dresden (bis 1970), zwischen 1970 und 1975 dann am Deutschen Theater Berlin, ab 1975 wieder am Staatsschauspiel Dresden. Bei den Salzburger Festspielen trat er den 1980er Jahren von 1983 bis 1989 in der Rolle des „Mammon“ im Jedermann (Regie: Ernst Haeussermann), jeweils mit Klaus Maria Brandauer als Partner in der Titelrolle, auf. Hoppe gastierte auch in der Schweiz, in Italien und China.

Zu Hoppes wichtigen Theaterrollen gehörten: Galy Gay in Brechts Mann ist Mann (Spielzeit 1958/59), der Flieger Sun in Der gute Mensch von Sezuan (Spielzeit 1956/57, beide jeweils in Gera), sowie in Dresden die Titelrolle in König Lear (als Übernahme; Inszenierung: Hans Dieter Mäde), der Dorfrichter Adam in Der zerbrochne Krug (Spielzeit 1968/69), der Klosterbruder in Nathan der Weise (Spielzeit 1978/79), Dr. Schimmelpfennig in Vor Sonnenaufgang (Inszenierung: Hans Dieter Mäde), Torvald Helmer in Nora, Luka in Nachtasyl (Spielzeit 1978/79) und die Titelrolle in Die Verschwörung des Fiesco zu Genua (Regie: Frank Beyer).

In der Spielzeit 1977/78 übernahm er am Staatsschsauspiel Dresden den Pfleger des Orest in Sophokles’ Elektra (Inszenierung: Klaus-Dieter Kirst).

Er spielte außerdem in Stücken von Alexei Nikolajewitsch Arbusow (Sergej in Irkutsker Geschichte, Gera/Dresden), Joachim Knauth (Heinrich VIII oder Der Ketzerkönig in Gera), Richard Brinsley Sheridan (Die Lästerschule, Dresden), Seán O’Casey (Das Ende vom Lied; Dresden, Spielzeit 1967/68), Helmut Sakowski (Steine im Weg, Dresden), Peter Hacks (Senecas Tod, Dresden Spielzeit 1980/81) und Friedrich Dürrenmatt (1963 als Alfred Ill in Der Besuch der alten Dame mit Antonia Dietrich in der Titelrolle in der DDR-Erstaufführung; Spielzeit 1978/79 als Möbius in Die Physiker).

Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1963 gab Rolf Hoppe in einer kleineren Rolle als Portier sein Filmdebüt in Konrad Petzolds Jetzt und in der Stunde meines Todes. Es folgten daraufhin zahlreiche Film- und Fernsehrollen in der DDR, unter anderem in dem Filmdrama Karla als Lehrer Eiffler, in Konrad Wolfs Ich war neunzehn (1968) als Etappenmajor Behring oder in der Historienkomödie Hauptmann Florian von der Mühle (1968) als Polizeidirektor.

In dem DEFA-Indianerfilm Spur des Falken (1968) und dessen Fortsetzung Weiße Wölfe (1969) übernahm Rolf Hoppe die Rolle des Schurken James Bashan. 1973 war er in der Rolle des Captain Burton in Apachen, der 1975 mit Ulzana fortgesetzt wurde, zu sehen.

In Václav Vorlíčeks Märchenfilm Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (1973) verkörperte er den König an der Seite von Karin Lesch. Im Folgejahr übernahm er eine weitere Rolle in einem Märchenfilm. Er spielte den titelgebenden Puppenspieler und Erfinder in Hans Röckle und der Teufel.

International bekannt wurde Hoppe 1981 durch seine Darstellung des Nazi-Ministerpräsidenten Hermann Göring in dem Spielfilm Mephisto, der 1982 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film erhielt. Durch diese Rolle wurde er in der BRD in Peter Schamonis Spielfilm Frühlingssinfonie (1983) besetzt, wo er den Musiker und Musikpädagogen Friedrich Wieck verkörperte. In der Friedrich-Hölderlin-Verfilmung Hälfte des Lebens (1985) spielte er den Schriftsteller Wilhelm Heinse. In dem sechsteiligen Fernsehfilm Sachsens Glanz und Preußens Gloria (1985/1987) übernahm er die Rolle des August III., dem Sohn von August, den Starken.

Auch nach der Wende konnte sich Rolf Hoppe weiter als Schauspieler etablieren. 1992 spielte er die Rolle des Fabrikanten und Altnazis Karl Lentz im Satirefilm Schtonk! (1992). In dem österreichisch-deutschen Spielfilm Comedian Harmonists (1997) verkörperte er den nationalsozialistischen Politiker Julius Streicher. In Volker Schlöndorffs US-amerikanisch-deutschen Thriller Palmetto – Dumme sterben nicht aus (1998) spielte Hoppe den Felix Malroux. In Rolf Losanskys Märchenverfilmung Hans im Glück (1999) übernahm er die Rolle des Kaufmannes und Reiters, der Hans sein schnelles Pferd „Sausewind“ gegen den Goldklumpen des Müllerlehrlings eintauschen möchte. In dem Fernsehmelodram Am Ende siegt die Liebe (2000) war er in der Rolle des Max Sander zu sehen. In der Filmkomödie Alles auf Zucker! (2004) spielte er den Rabbi Ginsberg. In der Kriminalfilmreihe Commissario Laurenti (2007/08) verkörperte er den Rechtsmediziner Galvano. 2012 besetzte ihn Toke Constantin Hebbeln in seinem melodramatischen Film Wir wollten aufs Meer, wo er den Oberst Seler spielte. In der Ken-Follett-Verfilmung Die Pfeiler der Macht (2016) übernahm er die Rolle des Familienoberhaupts und Patriarchen Seth Pilaster.

Von 1994 bis 2003 wirkte er in mehreren Filmen der Fernsehreihe Tatort mit. Im Tatort: Der schwarze Engel (1994) spielte er den Richard Tauber, im Tatort: Der Spezialist (1996) übernahm er die Rolle des Kommissars Karl Ammond, im Tatort: Parteifreunde (1996) war er der ehemalige Partei-Landesvorsitzender Eberhard Sudhoff, im Tatort: Schlaflose Nächte (1996) verkörperte er die Rolle des Walter Severing, im Tatort: Tödlicher Galopp (1997) spielte er Kasunke, einen Pferdekenner und Stammbesucher der Rennbahn und in seinem bisher letzten Tatort Der schwarze Troll (2003) war er der Hausarzt Dr. Paul Knödgen. Daneben hatte er Episodenrollen in Kommissar Rex, Das Traumschiff, Die Verbrechen des Professor Capellari, Der Bulle von Tölz, Der letzte Zeuge, SOKO Kitzbühel und Küstenwache.

Neben zahlreichen Auftritten in Spielfilmen und Fernsehproduktionen wirkte Hoppe auch als Sprecher in Kinderhörspielen mit, wie zum Beispiel als das weiße Kaninchen in Alice im Wunderland, als Erzähler in Brüderchen und Schwesterchen oder als Geschichten erzählender Wind in Der Fischer und seine Frau zusammen mit Kurt Böwe.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hoppe ist Prinzipal des Hoftheaters Dresden, eines Kammertheaters in einem ehemaligen Bauernhof in Dresden-Weißig. Er gründete 1995 einen Verein mit der Vision eines solchen Theaters, kaufte und spendete den Hof dem Verein. Der Spielplan orientiert sich am künstlerischen Anspruch Hoppes.

Im Schloss Weesenstein hatte er eine musikalisch-literarische Reihe (Dresdner Dreiklänge), er las dort Märchen, Balladen und Geistergeschichten.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolf Hoppe lebt in Dresden-Weißig, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Seine jüngste Tochter Christine Hoppe ist ebenfalls Schauspielerin.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: Hoppe spricht Schöne Frühlingslieder[1]
  • 2011: Dieter Mann, Rolf Hoppe, Christine Hoppe – Das Paselwitzer Tagebuch (Telepool)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eberhard Görner: Der Schauspieler Rolf Hoppe. Henschel, 1996, ISBN 3894872535
  • Kurzbiografie zu: Hoppe, Rolf. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • Hermann J. Huber: Langen Müller's Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen. Georg Müller Verlag. München Wien 1986, S.435/436. ISBN 3-7844-2058-3
  • C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2. Auflage 1999. S. 321. ISBN 3-423-03322-3
  • Manfred Brauneck, Wolfgang Beck (Hrsg.): Theaterlexikon 2. Schauspieler und Regisseure, Bühnenleiter, Dramaturgen und Bühnenbildner. Unter Mitwirkung von Werner Schulze-Reimpell. rowohlts enzyklopädie im Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2007. S. 326. ISBN 978-3-499-55650-0
  • F.-B. Habel und Volker Wachter: Lexikon der DDR-Stars. Schauspieler aus Film und Fernsehen, Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 1999, S. 144/145. ISBN 3-89602-304-7
  • F.-B. Habel: Lexikon. Schauspieler in der DDR, Verlag Neues Leben, Berlin 2009, S. 180–182. ISBN 978-3-355-01760-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frühlingslieder auf Frühlingslieder.com (abgerufen am 19. Juni 2010)
  2. PAULA 2015. www.progress-film.de, abgerufen am 9. Februar 2015.