Flüssigerdgasterminal

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LNG-Gesamtsystem bestehend aus der Gasförderung, Verflüssigung, Be- und Entladung der LNG-Tanker, Vergasung, Zwischenlagerung und Transport zum Verbraucher

Ein Flüssigerdgasterminal oder auch LNG-Terminal ist eine Einrichtung für den Umschlag von Flüssigerdgas (englisch liquefied natural gas, LNG). Zumeist umfasst es Anlagen zum Be- und Entladen von Tankern und ist per Pipeline an ein Gasnetz angeschlossen. Ausfuhrterminals besitzen Anlagen zur Verflüssigung, Anlandeterminals zur Wiederverdampfung des Erdgases.

Ausfuhrterminal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Förderstätten in Erdgasfeldern wird das Erdgas per Rohrleitung zu einer Verflüssigungsanlage transportiert und dort in Tanks zwischengespeichert. Das Flüssigerdgas wird dann zum Export auf LNG-Tanker verladen. Größere Ausfuhrterminals befinden sich u. a. in Katar, Russland, Algerien, Australien und den USA.

Seitdem die USA durch die Förderung von Schiefergas vom Erdgasimporteur zum -exporteur geworden ist, werden existierende Anlandeterminals zu Ausfuhrterminals umgewandelt.[1]

Floating Liquefied Natural Gas (FLNG)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zum praktizierten Verfahren, auf See gefördertes Erdgas per Pipeline zu einer nahen Küste zu leiten und dort in Flüssigerdgas umzuwandeln, zielt die Methode FLNG (englisch Floating Liquefied Natural Gas, schwimmendes Flüssigerdgas) darauf ab, das Erdgas bereits auf See – nahe der Förderstelle – zu verflüssigen, zwischenzulagern und auf Transportschiffe umzuschlagen.[2] Dies soll auf quasi stationär in der Nähe der Förderstellen positionierten Großschiffen geschehen, ähnlich dem bei der Erdölförderung praktizierten Verfahren FPSO. Auf diese Weise lassen sich insbesondere küstenferne Erdgaslagerstätten erschließen, deren Ausbeutung bislang infolge der hohen Kosten für die Verlegung und den Betrieb einer Pipeline unwirtschaftlich ist.[2] Im Juni 2019 begann die Prelude FLNG mit der Produktion im Browse Basin 475 km nordöstlich von Broome in Westaustralien.[3] Aus Kostengründen ist die weltweite Erdgasindustrie derzeit aber nicht dabei, weitere FLNG-Pläne umzusetzen.[4]

Anlandeterminal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

LNG-Terminal in Nynäshamn (Schweden)

Die ankommenden LNG-Tanker werden gelöscht, und das Flüssigerdgas wird in Tanks gelagert. In weiterhin flüssiger Form kann es auf Tankwagen oder Bunkerschiffe zur Weiterverteilung gepumpt werden oder zur direkten Betankung von Lkw oder Schiffen (Bunkerung) eingesetzt werden. Oder es wird in Wiederverdampfungsanlagen erwärmt und in das Gasfernleitungsnetz zur weiteren Verteilung eingespeist. In Deutschland gibt es keine Anlandeterminals, aber Pläne für Anlagen in Brunsbüttel, Stade und Rostock (Stand: Dezember 2020).[5][6] Im Jahr 2018 existierten in Europa 28 Terminals mit einer Jahreskapazität von mindestens einer Million Tonnen, u. a. im polnischen Świnoujście, im niederländischen Rotterdam und im belgischen Zeebrügge.[7]

Floating Storage and Regasification Unit (FSRU)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwimmende Speicher- und Wiederverdampfungseinheit (FSRU) als Importterminal

Eine besondere Form von Anlandeterminals stellen schwimmende Speicher- und Wiederverdampfungseinheiten dar, sogenannte FSRU (englisch Floating Storage and Regasification Unit, die auch als LNG-Terminalschiff bezeichnet werden[8]). Ihre Kernanlage ist ein spezielles Schiff, das in der Nähe eines Hafens festgemacht ist, und die Anlandung, Speicherung und Wiederverdampfung von LNG ermöglicht. Für die Erwärmung des LNGs wird Seewasser als Grundlage genutzt. Das wiederverdampfte Gas wird dann aus der FSRU über eine kurze Verbindungsleitung in die Hafenanlagen gepumpt und von dort ins Gasfernleitungsnetz eingespeist. FSRUs sind meist kostengünstiger und schneller zu realisieren als Landterminals, zudem können sie bei Bedarf auch an einen anderen Standort verlegt werden.

Weltweit gibt es nur 49 dieser FSRU-Schiffe (Stand: Anfang November 2022). Das erste entstand 1977 durch den Umbau des Flüssiggastankers Golar Freeze. Es liegt heute als Importterminal zur Versorgung eines Kraftwerks vor Jamaica. Insgesamt gibt es wenige Eigentümer bzw. Betreiber dieser hochspezialisierten Schiffe. Folgende Reedereien sind hier zu nennen:

  • Excelerate Energy (E: 10 FSRU)
    • 1. Excellence (138.000 cbm), Bj. 2005
    • 2. Excelsior (138.000 cbm), Bj. 2005
    • 3. Summit LNG (138.000 cbm), Bj. 2006
    • 4. Explorer (150.900 cbm), Bj. 2008
    • 5. Express (150.900 cbm), Bj. 2009
    • 6. Exquisite (150.900 cbm), Bj. 2009
    • 7. Exemplar (150.900 cbm), Bj. 2010
    • 8. Expedient (150.900 cbm), Bj. 2010
    • 9. Experience (173.400 cbm), Bj. 2014
    • 10. Excelerate Sequoia (173.400 cbm), Bj. 2020
  • Höegh LNG (E: 10 FSRU)
    • 1. Neptune (ex GDF Suez Neptune) (145.130 cbm) Bj. 2009
    • 2. Cape Ann (ex GDF Cape Ann) (145.130 cbm) Bj. 2010
    • 3. Gallant (170.051 cbm) Bj. 2014
    • 4. Independence (170.132 cbm) Bj. 2014
    • 5. PGN FSRU Lampung (170.132 cbm) Bj. 2014
    • 6. Grace (170.000 cbm) Bj. 2016
    • 7. Giant (170.000 cbm) Bj. 2017
    • 8. Esperanza (170.000 cbm) Bj. 2018
    • 9. Gannet (170.000 cbm) Bj. 2018
    • 10. Galleon (170.000 cbm) Bj. 2019
  • Golar LNG (E: 1 FSRU)
    • 1. Tundra (170.000 cbm), Bj. 2015, M: CoolCo
  • BW Maritime (E: 5 FSRU)
    • 1. BW Singapore (170.000 cbm), Bj. 2015
    • 2. BW Integrity (170.000 cbm), Bj. 2017
    • 3. BW Paris (ex BW GDF Suez Paris) (162.500 cbm), Bj. 2009, UBj. 2019
    • 4. BW Magna (173.400 cbm), Bj. 2019
    • 5. BW Tatiana (ex Gallina) (137.001 cbm), Bj. 2003, UBj. 2021
  • Mitsui O.S.K. Lines (50,01 %) + Vopak (49,99 %) (E: 1 FSRU)
    • 1. Bauhinia Spirit (ex MOL FSRU Challenger) (263.000 cbm) Bj. 2017
  • KARMOL (Karpowership 50 % + Mitsui O.S.K. Lines 50 %) (E: 2 FSRU)
    • 1. LNGT Powership Africa (ex Dwiputra) (127.386 cbm) Bj. 1994, UBj. 2021
    • 2. LNGT Powership Asia[9] (ex Shearwater) (127.500 cbm) Bj. 1991, UBj. 2022
  • Exmar Ship Management (E: 1 FSRU)
    • 1. S 188 (25.000 cbm), Bj. 2017
  • OLT (E: 1 FSRU)
    • 1. Toscana (ex Golar Frost) (137.100 cbm), Bj. 2003, UBj. 2013, M: Exmar
  • LNG Hrvatska (E: 1 FSRU)
    • 1. LNG Croatia (ex Golar Viking) (140.208 cbm) Bj. 2005, UBj. 2020, M: CoolCo
  • Dynagas (E: 2 FSRU)
    • 1. Transgas Force (174.000 cbm) Bj. 2021
    • 2. Transgas Power (174.000 cbm) Bj. 2021
  • Pardus Energy (E: 1 FSRU)
    • 1. Turquoise (170.000 cbm), Bj. 2019, M: Wilhelmsen
  • BOTAS (E: 1 FSRU)
    • 1. Ertugrul Gazi (170.000 cbm), Bj. 2021, M: Wilhelmsen
  • Gazprom (E: 1 FSRU)
    • 1. Marshal Vasilevskij (174.000 cbm), Bj. 2018
  • PT Jawa Satu Regas (E: 1 FSRU)
    • 1. FSRU Jawa Satu (174.000 cbm) Bj. 2020
  • Swan Energy (E: 1 FSRU)
    • 1. Vasant 1 (180.000 cbm), Bj. 2020
  • Gasfin Development (E: 1 FSRU)
    • 1. Torman (28.000 cbm), Bj. 2020
  • Jaya Samudra Karunia (JSK) (E: 1 FSRU)
    • 1. Karunia Dewata (26.000 cbm) Bj. 2018
  • Zhejiang Huaxiang (E: 1 FSRU)
    • 1. FSRU Hua Xiang (ex Hua Xiang 8) (14.000 cbm) Bj. 2016 UBj. 2020
  • New Fortress Energy (E: 7 FRSU)
    • 1. Golar Freeze (125.000 cbm), Bj. 1977, UBj. 2010, M: CoolCo
    • 2. Nusantara Regas Satu (ex Khannur) (125.000 cbm) Bj. 1977, UBj. 2012, M: CoolCo
    • 3. Golar Spirit (129.000 cbm) Bj. 1981, UBj. 2008, M: CoolCo
    • 4. Golar Winter (138.000 cbm) Bj. 2004, UBj. 2009, M: CoolCo
    • 5. Golar Eskimo (160.000 cbm) Bj. 2014, M: CoolCo
    • 6. Golar Igloo (170.000 cbm) Bj. 2014, M: CoolCo
    • 7. Golar Nanook (170.000 cbm) Bj. 2018, M: CoolCo

Bj.: Baujahr - UBj.: Umbaujahr - E: Eigentümer - M: Management

Am 1. Juni 2022 gaben Snam und Golar LNG bekannt, dass Snam die FSRU Golar Tundra zu einem Preis von 350 Mio. $ erwirbt[10].

Am 7. Juli 2022 gaben Snam und BW LNG bekannt, dass Snam die FSRU BW Singapure zu einem Preis von 400 Mio. $ erwirbt[11].

Am 5. Oktober 2022 gaben Excelerate Energy und Hyundai Heavy Industries bekannt, dass Excelerate eine FSRU zur Auslieferung im Juni 2026 verbindlich bestellt hat[12].

Am 6. Oktober 2022 gaben die litauische KN und Höegh LNG bekannt, dass KN seine Option zieht und die FSRU Höegh Indepedence für 153,5 Mio. $ erwirbt.

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdgas spielt in Deutschland für den Energiemix eine wichtige Rolle, da ca. 25 % des Primärenergieverbrauchs mit Gas gedeckt werden. Lange Zeit war Deutschland auf den leitungsgebundenen Import über Erdgaspipelines angewiesen. Um die Gasversorgung zu diversifizieren, strebte der Koalitionsvertrag der 19. Wahlperiode des Bundestages von 2018 an, Deutschland zum Standort für LNG-Infrastruktur zu machen. Mit Änderung der Gasnetzzugangsverordnung vom Juni 2019 wurde der regulatorische Rahmen geschaffen, um die Importterminals an die zum Teil weit entfernten Erdgasleitungen anschließen zu können. Für die Anbindung sind die Fernleitungsnetzbetreiber verantwortlich. Die mit der Herstellung des Netzanschlusses verbundenen Kosten können die Netzbetreiber über das Netzentgelt erstattet bekommen. Damit wurde die Investition in LNG-Terminals wirtschaftlich attraktiver.

Der Krieg in der Ukraine ab Februar 2022 hat zu einer Energiekrise in Deutschland geführt. Aufgrund gedrosselter Gaslieferungen aus Russland greifen die Mechanismen, die der Notfallplan Gas vorsieht. Die fehlenden Erdgasmengen aus Russland sollten auch über den Import von LNG kompensiert werden. Mit dem LNG-Beschleunigungsgesetz vom Mai 2022 sind die Zulassung, Errichtung und Inbetriebnahme bestimmter LNG-Terminals und -Infrastruktur deutlich beschleunigt worden. Eine Reihe von Genehmigungsverfahren wurden vereinfacht, Umweltprüfungen verkürzt und Rechtsbehelfe eingeschränkt. Im Mai 2022 wurde mit dem Bau des ersten LNG-Terminals in Deutschland (Wilhelmshaven) begonnen.

Gegen die Terminals haben die Umweltverbände BUND, Robin Wood, Klimabündnis gegen LNG und Deutsche Umwelthilfe demonstriert und zum Teil Widerspruch eingelegt.[13][14]

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung kommt in einer Studie im Auftrag der European Climate Foundation zu dem Ergebnis, dass eine spätere Umrüstung von LNG-Terminals zum Import von Flüssigwasserstoff oder Ammoniak mit großen Unsicherheiten behaftet ist.[15]

Vorhaben im LNG-Beschleunigungsgesetz (Anlage)
Nr. Name Standort Bundesland Ausführung
1 German LNG Terminal Brunsbüttel Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein FSRU und stationär
2 LNG-Terminal Wilhelmshaven Wilhelmshaven Niedersachsen Niedersachsen FSRU und stationär
3 LNG-Terminal Stade Stade/Bützfleth Niedersachsen Niedersachsen FSRU und stationär
4 Hamburg/Moorburg Hamburg Hamburg FSRU
5 Rostock/Hafen Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern FSRU und stationär
6 LNG-Terminal Lubmin
LNG-Terminal Deutsche Ostsee
Lubmin Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern FSRU

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. US-Regierung treibt Ausbau der Gasexporte voran. Wall Street Journal, 19. Mai 2013, abgerufen am 13. Dezember 2020.
  2. a b Floating LNG: Erdgas-Förderung auf dem Meer. Linde AG, archiviert vom Original am 5. Februar 2015; abgerufen am 13. Februar 2014.
  3. GIIGNL Annual Report. International Group of Liquefied Natural Gas Importers, 2020, abgerufen am 25. Dezember 2020 (englisch).
  4. Wettkampf der Erdgasgiganten. In: orf.at. 12. Mai 2018, abgerufen am 26. Juli 2018.
  5. Malte Daniljuk: Weltpolitik in Norddeutschland. Telepolis, 29. Oktober 2018, abgerufen am 13. Dezember 2020.
  6. Deutsche LNG Terminals: Was ist der Stand? Energie Informationsdienst, 18. September 2020, abgerufen am 13. Dezember 2020.
  7. An Overview of LNG Import Terminals in Europe. King & Spalding, 2018, abgerufen am 13. Dezember 2020 (englisch).
  8. Drei Schwimmende LNG-Terminals (FSRU) für Deutschland Fortschrittsbericht Energiesicherheit
  9. https://www.tradewindsnews.com/gas/karmol-s-first-fsru-for-brazil-gears-up-to-start-operations-in-july/2-1-1221334/
  10. https://www.offshore-energy.biz/snam-buys-5-bcm-golar-tundra-fsru-for-350-million/
  11. https://www.ship-technology.com/news/snam-buy-bw-lng-fsru/
  12. https://www.offshore-energy.biz/excelerate-energy-confirms-fsru-order-at-hyundai-heavy-industries/
  13. Cordula Tutt: Flüssiggas-Terminal-Bau: Deutsche Umwelthilfe kritisiert: „Alles geschah hinter verschlossenen Türen“. In: wiwo.de. 5. Mai 2022, abgerufen am 4. November 2022.
  14. Umweltverbände lehnen LNG-Terminals ab. BUND Hamburg, 8. April 2022, abgerufen am 11. November 2022.
  15. Haben LNG-Terminals eine klimaneutrale Zukunft? Fraunhofer ISI, 3. November 2022, abgerufen am 11. November 2022.