Berlin-Französisch Buchholz

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Französisch Buchholz
Ortsteil von Berlin
BerlinBrandenburgBuchKarowWilhelmsruhRosenthalBlankenfeldeNiederschönhausenHeinersdorfBlankenburgFranzösisch BuchholzPankowPrenzlauer BergWeißenseeStadtrandsiedlung MalchowFranzösisch Buchholz auf der Karte von Pankow
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 36′ 0″ N, 13° 26′ 0″ OKoordinaten: 52° 36′ 0″ N, 13° 26′ 0″ O
Fläche 12,03 km²
Einwohner 20.701 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte 1721 Einwohner/km²
Postleitzahl 13127
Ortsteilnummer 0310
Verwaltungsbezirk Pankow

Französisch Buchholz (kurz: Buchholz genannt) ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Pankow, der sich aus einem früheren Siedlungsgebiet im 13. Jahrhundert entwickelte. Seinen Namen erhielt der Ort, weil sich Ende des 17. Jahrhunderts hier zahlreiche Hugenottenfamilien niederließen, Glaubensflüchtlinge aus Frankreich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Gründung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Angerdorf Buchholz wurde wahrscheinlich um 1230 gegründet, wie die meisten Dörfer auf dem südlichen Barnim. Erstmals wird das Dorf Buckholtz in einer Urkunde von 1242 erwähnt, als Grenzort von Schönerlinde. Das Landbuch Karls IV. von 1375 weist für Buchholz 52 Hufen aus, davon vier Pfarrhufen und eine Kirchhufe. Acht Freihufen gehören denen von Bredow. Das Dorf hat einen Krug. Die aus Feldsteinquadern errichtete Dorfkirche wurde bereits am Anfang der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet.

Ehemaliges Wappen von Buchholz

Nach zahlreichen Wechseln der Grundherrschaft (von Schlieben, von Thümen und von Röbel) kam Buchholz im Jahre 1670 in den Besitz des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, der bereits seit 1541 Anteile besaß. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg viele Kossäten- und Bauernhöfe in Buchholz verwüstet oder verlassen waren, wurde im Ergebnis des Edikts von Potsdam 1685 durch den Staatsminister Joachim Ernst von Grumbkow eine „französische Kolonie“ durch Ansiedlung von Hugenotten gebildet. So ließen sich 1687 die ersten zehn Bauern- und sechs Gärtnerfamilien aus Frankreich hier nieder. 1688 sind bereits 87 Siedler nachweisbar. Sie bauten hier bisher unbekannte Pflanzen wie grüne Bohnen, Blumenkohl, Spargel, Artischocken sowie verschiedene Küchenkräuter an und pflanzten Obstbäume. Ab etwa 1750 bürgerte sich die Bezeichnung Französisch Buchholz ein. Das Dorf wurde zu einem beliebten Ausflugsziel der Berliner. Aus diesem Jahr stammt auch eine Radierung Wallfahrt nach Frantzösch Buchholz von Daniel Chodowiecki. Jean-Pierre Blanchard führte 1788 seine erste bemannte Freiballonfahrt Berlins vor und landete vom Tiergarten kommend mit seinem „Luftball“ in Buchholz. Von 1817 bis 1913 trug der Ortsteil offiziell den Namen Französisch-Buchholz.[1]

Im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1913 nannte sich die Gemeinde aufgrund antifranzösischer Ressentiments und im Vorlauf des Ersten Weltkriegs in Berlin-Buchholz um. Die Eingemeindung in das Gebiet Groß-Berlins erfolgte 1920. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Buchholz Teil des Sowjetischen Sektors von Berlin. Rund um das ehemalige Zentrum des Lehnschulzendorfes hatte sich schrittweise eine Mischbebauung aus ein- bis viergeschossigen Wohnbauten herausgebildet. Außerdem prägten Gartenbaubetriebe, Kleinindustrie, Kleingärten und Werkstätten von Handwerkern den Ortsteil. Erwähnenswert ist das 1965–1967 im Auftrag der GPG Kleeblatt nach Entwurf des Architektenkolletivs G. Hänelt errichtete Gewächshauskombinat an der Berliner Straße 45. Die Gebäude umfassten ein Mehrzweckgewächshaus in Stahl-Glas-Kombination (rund 2,5 Hektar Nutzfläche) zur industriellen Produktion von Frühgemüse und Zierpflanzen, ein leistungsfähiges Heizwerk (vier Kessel mit zusammen 7,2 Millionen Kilokalorien) sowie ein Sozialgebäude, das der Architekt H. Reichard geplant hatte.[2]

Luftaufnahme von Französisch Buchholz

Nach dem Mauerfall wurde auf Anregung mehrerer regionaler Vereine der Ortsteil am 30. Mai 1999 durch die Bezirksverordnetenversammlung Pankow rückbenannt und erhielt so nach 86 Jahren wieder den früheren Namen. Auf der Gedenktafel zur Wiederbenennung heißt es:

„Im Bewusstsein unserer deutsch-französischen Tradition eines fruchtbaren Zusammenwirkens in Toleranz und gegenseitiger Achtung steht dieser Name für das Verbindende, das Historische und das Neue.“[3]

In den späten 1990er Jahren hatte der Ortsteil umfangreiche Neubaugebiete ausgewiesen. Gebaut wurden überwiegend mittelhohe Mietshäuser entlang dem Rosenthaler Weg und der Triftstraße, ergänzt durch Schul- und Sportbauten sowie Einzelhandel und Grünanlagen.

Im 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein im Jahr 2018 vom Senat von Berlin veröffentlichter Stadtentwicklungsplan sieht vor, dass ein bisher brach liegendes Areal von etwa sieben Hektar um den Ortskern zu einer Mischnutzung umstrukturiert wird. Außerdem soll nach diesem Projekt auf der Ostseite der Berliner Straße eine zirka 23 Hektar große Fläche zur Wohnbebauung dienen; vorgesehen sind rund 550 neue Wohnungen bis zum Jahr 2025.[4]

Infrastruktur und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1860 erhielt der Berliner Vorort eine Pferdeomnibusverbindung, die ab 1866 zum Berliner Alexanderplatz verkehrte. Ab 1877 bestand eine weitere Verbindung zum Bahnhof Blankenburg, die ab 1895 zum Bahnhof Pankow-Heinersdorf geführt wurde. Im Jahr 1904 löste die gemeindeeigenen Pferdebahn die Berliner Pferdebahn ab.

Mit der Elektrifizierung des Straßenbahnverkehrs wandelte sich die frühere Pferdebahn zur Straßenbahnlinie 49, die zwischen der Kirche in Buchholz und dem Stadion der Weltjugend in Berlin-Mitte fuhr.[5]

Infolge des Mauerfall wuchsen die vorherigen getrennten Berliner Verkehrsgesellschaften zusammen, die Streckenführung samt der Nummerierung wurden abgeglichen. So gewährleistet seit Ende des 20. Jahrhunderts Straßenbahnlinie 50 mit Umstieg am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf die Verbindung zur Berliner Innenstadt. Die (neue) Buslinie 154 bringt die Buchholzer über den benachbarten S-Bahnhof Blankenburg in den Berliner Nordosten, wohingegen die Linie 124 den Ortsteil über Märkisches Zentrum und S- und U-Bahnhof Wittenau mit dem Berliner Nordwesten verbindet.

Bis 2015 hatte die Feuerwerksfirma Pyrofa (Silberhütte Pyrotechnische Fabrik Buchholz) hier ihren Sitz.[6] Die Herstellung von Feuerwerkskörpern hatte hier Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen, auch eine Art Fabrikverkauf war in den 1980er Jahren möglich. Als nach der Wende die bis dahin staatlichen Betriebe aufgelöst oder verkauft wurden, hatte die Diehl-Gruppe die gesamte Einrichtung von der Treuhandanstalt für eine Deutsche Mark erworben. Die Produktion lief noch einige Jahre, aber dann verkaufte das Management die Feuerwerkssparte an einen chinesischen Hersteller. Anfangs der 2010er Jahre wurden die Fabrikhallen in Französisch Buchholz abgerissen und das Gelände beräumt. Vermutlich dient es nun als Reservefläche für spätere Investoren.[7]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Demps et al.: Tram Geschichte(n). Straßenbahnen nach Buchholz. Hrsg.: Buchholzer Bürgerverein e. V. Verlag GVE, Berlin 1999, ISBN 3-89218-064-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berlin-Französisch Buchholz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roland Bauer et al.: Berlin – Illustrierte Chronik bis 1870. Berlin 1987, ISBN 3-320-00831-5, S. 126, 198.
  2. Joachim Schulz, Werner Gräbner: Berlin. Hauptstadt der DDR. Architekturführer DDR. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1974; S. 118.
  3. Werner Gahrig: Hugenotten in Berlin und Brandenburg. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2005, S. 221.
  4. Ulrich Paul: Auf Feld und Flur. Wo Berlin wächst: Der Senat plant elf neue Wohngebiete. Die Berliner sollen mitreden. In: Berliner Zeitung (Printausgabe), 29. Mai 2018, S. 14.
  5. Straßenbahngeschichte Berlin 1980–1989, abgerufen am 20. Juni 2018.
  6. Produkte von Pyrofa auf www.feuerwerksvitrine.de, abgerufen am 20. Juni 2018.
  7. Abriss der Pyrofa-Gebäude auf www.feuerwerksforum.de, abgerufen am 20. Juni 2018.