Karower Teiche

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Karower Teiche

IUCN-Kategorie IV − Habitat-/Species Management Area

Informationstafel zum Naturschutzgebiet

Informationstafel zum Naturschutzgebiet

Lage Buchholz und Buch,
Bezirk Pankow, Berlin
Fläche 128,4 ha
Kennung Berlin NSG 21
WDPA-ID 164028
Geographische Lage 52° 37′ N, 13° 28′ OKoordinaten: 52° 37′ 20″ N, 13° 27′ 37″ O
Karower Teiche (Berlin)
Karower Teiche
Seehöhe von 47,5 bis 55,0 m ü. NN[1]
Einrichtungsdatum 20. Juni 1994
Rahmenplan Verordnung, pdf; 155 KB
Verwaltung Stadtentwicklung Berlin
Besonderheiten Aussichtsplattformen,
Teil des Naturparks Barnim

Die Karower Teiche sind ein Naturschutzgebiet im Nordosten von Berlin. Namenspate war der östlich angrenzende Ortsteil Karow. Als Lebensraum für Amphibien, Libellen und Wasservögel ist es von überregionaler Bedeutung.[2]

Größe und Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 128,4 Hektar große Gebiet liegt im Naturpark Barnim. Die zusammen 14,6 Hektar messenden Teiche sind durchschnittlich nur einen Meter tief. Der durchfließende Lietzengraben trennt hier die Pankower Ortsteile Französisch Buchholz im Süden und Buch im Norden. Das namensgebende Karow besitzt keinen Anteil. Das Areal begrenzen im Osten die Panke, im Süden die Pankgrafenstraße, im Westen die Bucher Straße sowie im Norden die Bundesautobahn 10, der Berliner Ring führt ausschließlich zwischen Karow und Buch für knapp sechs Kilometer direkt durch das Berliner Stadtgebiet, und die Regionalbahnstrecke 27 der Niederbarnimer Eisenbahn.[3][4][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Panke – östliche Grenze des Naturschutzgebietes

Die Karower Teiche liegen am Übergang vom Barnim zum Berliner Urstromtal. Die von der lehmig-sandigen Hochfläche kommenden Panke und Lietzengraben gruben nach der letzten Kaltzeit Schmelzwasserrinnen durch den hier bis zu zehn Metern tiefen Sander. Später verlandeten diese Rinnen und es bildeten sich Niedermoore. Im 19. Jahrhundert wurden die beiden Bäche begradigt und es begann der Torfabbau. Dadurch entstanden der Inselteich im Nordwesten und der Weidenteich im Südwesten, der Ententeich im Nordosten und der Schilfteich im Südosten wurden 1911 für die Fischzucht ausgehoben.[2][5]

Nach der Gründung der Berliner Rieselgüter in Blankenfelde 1890 und in Buch 1898 wurden in der Nachbarschaft und im Gebiet selbst Berliner Rieselfelder angelegt. Die Karower Teiche dienten zur Nachklärung oder Direkteinleitung der Abwässer. Wegen des hohen Schadstoffeintrags musste in den 1920er Jahren die Fischzucht aufgegeben und 1980 der Zufluss aus dem Lietzengraben gesperrt werden. Die nun ausschließliche Speisung durch Niederschläge und unterirdisches Sickerwasser führte zur Senkung des Wasserspiegels. Verschärft wurde die Situation durch die Einstellung der Rieselfeld­wirtschaft 1985, einige Teiche fielen zeitweise sogar trocken. Zur Erhaltung der Feuchtbiotope wurde der Lietzengraben 1986 angestaut, sodass ein Teilstrom die Teiche durchfließt.[2][6]

Bereits Mitte der 1960er Jahre begann die Erfassung der Vogelarten durch die Gesellschaft für Natur und Umwelt Pankow. Für die 750-Jahr-Feier der Hauptstadt im Jahr 1987 fasste die Ost-Berliner Verwaltung 1984 den Beschluss auf einem Großteil der Rieselflächen Erholungswälder anzulegen, so auch hier. Aufgrund der hohen Schwermetall­belastung der Böden und einer falscher Artenwahl wuchsen nur wenige Bäume an. Bis 1990 wurden die Gewässer fischereilich bewirtschaftet. Am 20. Juni 1994 wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt, 1997 ergänzt durch einen Pflege- und Entwicklungsplan (PEP). Nun stand der Erhalt der Teiche und der halboffenen Landschaft im Vordergrund. Nur im Außenbereich sah die Konzeption ein Wald aus standortheimischen Bäumen als Pufferzone vor. Am 30. November 2007 wurden 0,4 Hektar entlang der Autobahn der Schutzstatus entzogen. Die Einleitung von gereinigtem Wasser aus dem Klärwerk Schönerlinde in den Bucher Forst verbesserte auch den Wasserhaushalt der Karower Teiche. Ungeklärt ist das Problem des Faulschlamms.[7][8][2][9][3]

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Teiche weisen ausgedehnte Röhricht­bestände auf, die aus Breitblättrigem Rohrkolben, Schilfrohr und Wasser-Schwaden bestehen. Auf den Verlandungszonen wachsen typische Pflanzenarten der feuchteren und trockeneren Hochstaudenfluren, z. B. Echte Zaunwinde, Gewöhnlicher Wasserdost, Kuckucks-Lichtnelke, Sumpf-Dotterblume, Sumpf-Gänsedistel, Wiesen-Sauerampfer und Wiesen-Schaumkraut. Auf den feuchten und nassen Standorten, besonders an den westlichen Teichen, stocken Erlen-Grauweiden-Gebüsche und Erlenbruchwälder. Auf den einstigen Rieselfeld­parzellen breiten sich vor allem ruderale Halb­trockenrasen mit Quecken und Windhalm aus, an einigen Stellen entwickeln sich artenreichere Glatthafer-Wiesen.[2]

Auf den Aufforstungsflächen zeigt sich eine halboffene Landschaft mit kleinen Gehölzen (auch aus Obstbäumen), Hecken, Hochstauden und Wiesen. Bloß nordöstlich des Ententeichs konnte sich ein größerer Wald etablieren, der neben wenigen gebietstypischen Stiel-Eichen vor allem standortfremde Arten wie Eschen-Ahorn und Pappel-Hybriden enthält. Bisher (Stand: Juni 2009) wurden im Naturschutzgebiet 334 wildwachsende Pflanzen registriert, darunter 44 Arten die auf der Roten Liste Berlins stehen.[2]

Lage der einzelnen Teiche und des Naturschutzgebietes
Name Ententeich Inselteich Schilfteich Weidenteich Karower Teiche
Bild Ententeich 01.jpg Inselteich 01.jpg Schilfteich 01.jpg Weidenteich 01.jpg Moorlinse-Zickzack.jpg
Koordinaten 52° 37′ 21″ N, 13° 27′ 46″ O 52° 37′ 25″ N, 13° 27′ 39″ O 52° 37′ 13″ N, 13° 27′ 40″ O 52° 37′ 16″ N, 13° 27′ 32″ O 52° 37′ 20″ N, 13° 27′ 37″ O

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Naturschutzgebiet beheimatet 90 von 151 Brutvogel­arten Berlins, darunter viele bedrohte Spezies. Von besonderer Bedeutung sind die hier brütenden und rastenden Wasser- und Schilfvögel, dazu zählen Bartmeise, Löffel-, Reiher-, Schnatter- und Tafelente, Graugans, Höckerschwan, Rohr- und Zwerg-Rohrdommel, Rohrsänger-Arten, Rohrweihe, Hauben-, Rothals- und Zwergtaucher, Tüpfelsumpfhuhn sowie Wasserralle. In den ufernahen Bäumen hängen die Nester der Beutelmeisen. Außerdem nutzen Tausende Schwalben und Stare den Röhricht­gürtel während der Zug­saison im Spätsommer als Schlafplatz. Die halboffenen Flächen dienen verschiedenen Greifvögeln, Neuntöter und Sperbergrasmücke als Jagdrevier. In den weniger artenreichen Pappel- und Ahornforsten sind Baumpieper, Gartengrasmücke und Pirol zu finden. In der Panke taucht regelmäßig die Gebirgsstelze nach Beute. Wenn in regenarmen Sommern die Teiche trocken fallen, stellen Schwarzstorch und Silberreiher den Fischen nach.[2][4][5]

Die Karower Teiche sind als Laich­gebiet für Lurche von überregionaler Bedeutung. Krötentunnel an der Pankgrafenstraße unterstützen sie bei ihrer Wanderung. Erd- (bis zu 2.500 Tiere während der Paarung), Knoblauch- und Wechselkröte sowie Gras-, Moor- (Bestand von 20 bis 50 Tieren) und Teichfrosch kommen häufiger vor. Von den Reptilien treten nur Ringelnatter und Zauneidechse regelmäßig auf. Letzteren bieten die trockenen Böschungen an der Bucher Straße mit Halb­trockenrasen und Brombeer-Gebüschen ein gutes Habitat. Wegen der unzureichenden Wasserqualität und des zeitweisen Austrocknens der Teiche ist der Fischbestand klein an Arten und Zahl, natürlich über den Lietzengraben zugewandert sind Dreistachliger Stichling, Giebel und Karausche. Zu den 22 bisher nachgewiesenen Libellen-Arten gehören Gebänderte Prachtlibelle, Gemeine Winterlibelle, Große Königslibelle, Keilfleck-Mosaikjungfer und Kleines Granatauge. Wichtigstes Biotop für die Libellenlarven ist der Weidenteich.[2]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plattform am Inselteich

Vom Bahnhof Berlin-Karow sind es nur zwanzig Minuten zu Fuß bis zu den Karower Teichen, die besonders an den Wochenenden stark besucht sind. Der größte Teil des Gebietes ist unzugänglich und mit Zäunen abgeschirmt. Über den Pankeweg, hier verläuft auch der Radfernweg Berlin–Usedom, den kreuzenden Barnimer Dörferweg, sowie parallel zu den o. g. Straßen kann das Gelände einmal umrundet werden. Der eigentliche Teichweg führt zwischen den nördlichen und südlichen Teichen hindurch. Vier etwa einen halben Meter hohe Aussichtsplattformen aus massiven Bohlen gewähren einen Einblick in die Vogel- und Amphibienwelt, ohne diese zu stören.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carsten Rasmus, Bettina Rasmus: Berliner Umland Nord. 1. Auflage. KlaRas-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-933135-16-8, S. 63 ff.
  • Klaus-Detlef Kühnel, Roland Lehmann und andere: Naturschutzgebiet Karower Teiche. In: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege Berlin (Hrsg.): Natürlich Berlin! Naturschutz- und Natura 2000-Gebiete in Berlin. 2. korrigierte Auflage. Verlag Natur und Text, Rangsdorf Juni 2009, ISBN 978-3-9810058-9-9, S. 52–57, (Digitale Ausgabe In: Stadtentwicklung Berlin, Kurzversion).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karower Teiche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. Gerstenberg: Geländehöhen Maßstab 1:50000. In: Umweltatlas Berlin. Stadtententwicklung Berlin, 2010, S. 01.08, abgerufen am 28. Juni 2015 (pdf; 14,8 MB, lange Ladezeit).
  2. a b c d e f g h i j Klaus-Detlef Kühnel, Roland Lehmann: Naturschutzgebiet Karower Teiche. In: Natürlich Berlin! 2. Auflage. Verlag Natur und Text, Rangsdorf 2009, ISBN 978-3-9810058-9-9, S. 52–57.
  3. a b Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin: Verordnung über das Naturschutzgebiet Karower Teiche im Bezirk Pankow von Berlin. Berlin 20. Juni 1994 mit Änderung 30. November 2007, (Digitale Ausgabe in: Stadtentwicklung Berlin, pdf; 155 KB).
  4. a b Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Hrsg.): Flyer Naturschutzgebiet Karower Teiche. (Digitale Ausgabe in: Stadtentwicklung Berlin, pdf; 3.666 KB).
  5. a b Katrin Koch: Schutzgebiete in der Lietzengrabenniederung. In: 100 Jahre Hobrechtsfelde. Ein Dorf für das Berliner Wasser. Berlin 2009, S. 24–27, (Digitale Ausgabe In: NABU Berlin, pdf; 3.221 KB).
  6. Sjut Rohlfs: Rieselfelder. Blankenfelde, Mühlenbeck, Schönerlinde, Buch, Hobrechtsfelde. In: Umweltatlas. Stadtentwicklung Berlin, 1992, abgerufen am 5. Juli 2015.
  7. Kerstin Schlopsnies, Hannelore Sigbjoernsen: Karower Teiche. In: Kulturring in Berlin e. V. (Hrsg.): Pankower Landschaften. Auf Tour zwischen dem alten Panke-Wanderweg und dem Barnimer Dörferweg. Berlin 2004, S. 8–9.
  8. Katrin Koch, Horst Prochnow, Brigitte Wahlmann-Japp, Olaf Zeuschner: Wald. In: Interessengemeinschaft Bucher Chronik (Hrsg.): Aus einhundert Jahren Bucher Geschichte 1898–1998. 1. Auflage. Berlin 1998, ISBN 3-00-002655-X, S. 141–150.
  9. Fischfauna. Karower Teiche. In: Umweltatlas. Stadtentwicklung Berlin, 2014, S. 02.08, abgerufen am 5. Juli 2015.