Freier Zusammenschluss von StudentInnenschaften

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freier zusammenschluss von studentInnenschaften
(fzs)
Zweck: bundesweite Studierendenvertretung
Vorsitz: Isabella Albert
Daniel Gaittet
Danielle Lichère
Sandro Philippi[1]

Ab 01.09.2015:
Marie Dücker
Mandy Gratz
Sandro Philippi
Ben Seel[2]

Gründungsdatum: 1993
Mitgliederzahl: 70 Studierendenschaften[3]
Sitz: Berlin
Website: http://www.fzs.de/

Der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs; eigene Schreibweise: freier zusammenschluss von studentInnenschaften) ist der Dachverband der verfassten Studierendenschaften und ähnlicher Studierendenvertretungen in Deutschland. Er vertritt auf Bundesebene die (hochschul-)politischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen von rund 680.000 Studierenden an 61 Mitgliedsstudierendenschaften von insgesamt 2,6 Millionen Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland.[4] Hinzu kommen 9 Fördermitglieder mit rund 110.000 Studierenden.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1990 brachen die Vereinigten Deutschen Studentenschaften (VDS) aufgrund interner Streitigkeiten zusammen. Da es nun keinen Dachverband zur bundesweiten Interessenvertretung mehr gab, wurde – nach mehreren erfolglosen Anläufen – 1993 in Hürth der fzs gegründet. Maßgeblich an der Neugründung beteiligt war der aus dem früheren VDS-„Projektbereich Fachhochschulen“ hervorgegangene westdeutsche FH-Studierendenverband FKS (Freie Konferenz von StudentInnenschaften an Fachhochschulen). Von ihm übernahm der fzs zunächst auch die Regelung „Eine Hochschule = eine Stimme“. Dieses Prinzip bewirkte den Beitritt zahlreicher kleinerer Hochschulen, während vor allem die Vertretungen größerer Universitäten dies als undemokratisch kritisierten und vorerst einen Beitritt ablehnten. Nach jahrelangen Diskussionen kam es schließlich 2001 im fzs zu mehreren internen Reformen. Dabei wurde unter anderem auch eine moderate Stimmenstaffelung eingeführt und damit der Beitritt für die Vertretungen einiger größerer Universitäten attraktiver gemacht.

2012 schloss sich der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften dem Bündnis Umfairteilen an.[5]

Auf der 52. Mitgliederversammlung in Würzburg 2015 wurde beschlossen, aus der ESU – The European Students’ Union, dem europäischen Studierendenverband, auszutreten, sofern dieser nicht "in Zukunft effektive und kohärente Maßnahmen, Menschenrechte zu achten und zu schützen" erlässt. Hintergrund war ein ESU Board Meeting (vgl. Mitgliederversammlung) im azerbaidjanischen Baku [6].

Struktur[Bearbeiten]

Der fzs ist ein eingetragener Verein (e. V.), dem vom Finanzamt für Körperschaften die Gemeinnützigkeit im Sinne der Abgabenordnung bescheinigt wurde. Mitglieder sind einzelne verfasste und nicht verfasste Studierendenschaften (in der Regel vertreten durch deren ASten, USten, StuRä usw.). Mitglieder mit verfasster Studierendenschaft und mehr als 10.000 Studierenden zahlen einen jährlichen Beitrag von 80 Cent pro Student, durch den sich der fzs finanziert. Für Mitgliedsstudierendenschaften unter 10.000 Studierenden gilt die Formel: Beitrag = 1 Euro · x − 2000 Euro (wobei x die Anzahl der eingeschriebenen Studierenden darstellt). Mitglieder mit Studierendenzahlen unter 2.000 zahlen lediglich einen symbolischen Euro im Jahr.

Die knapp 20 nicht verfassten Studierendenvertretungen Bayerns sind von der Beitragspflicht befreit. Ferner gibt es im Haushalt des fzs einen Posten, der sich „Bayern-Soli“ nennt, um die bayerischen Studierendenschaften auf ihrem Weg zur Verfassten Studierendenschaft zu unterstützen. In Bayern und Baden-Württemberg sowie in Nordrhein-Westfalen gibt es die meisten Mitglieder, während der fzs in nördlichen Flächenländern sowie in Ostdeutschland wenig vertreten ist.

Das höchste Gremium im fzs ist die Mitgliederversammlung (MV), die den Vorstand wählt und die konkreten Ziele des Verbands bestimmt. Eine MV findet meistens einmal pro Semester statt und dauert mehrere Tage. Die Diskussion findet dabei im Plenum und in thematischen Foren statt.

Jede MV wählt zwischen acht und zehn Studierendenschaften in den Ausschuss der StudentInnenschaften (AS) für das kommende halbe Jahr. Der AS ist zwischen den MV das höchste beschlussfassende Organ des fzs und tritt in der Regel monatlich zusammen.

Seit Mai 2003 besetzt die MV zudem Ausschüsse. Deren Mitglieder setzen das Arbeitsprogramm ihres inhaltlichen Schwerpunktes um und sind dafür gegenüber der MV rechenschaftspflichtig.

Der zwei- bis sechsköpfige Verbandsvorstand setzt die Beschlüsse der MV um und vertritt den Verband nach außen. Sein Büro befindet sich seit Dezember 2004 in Berlin (vorher Bonn). Außerdem hält er Kontakt zu den Landesstudierendenvertretungen.

Politik[Bearbeiten]

Themen des fzs sind unter anderem Hochschul- und Bildungspolitik, Bildungsbenachteiligung (unter anderem spricht er sich gegen Studiengebühren aus und unterstützt das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren auch materiell), Sozialpolitik, Meinungsfreiheit für Studierendenschaften durch ein Allgemeinpolitisches Mandat, der europäische und internationale Hochschulraum, Antifa, studentische Verbindungen, Frauen- und Geschlechterpolitik, Antirassismus. Der fzs ist zudem eine der tragenden Organisationen des Studentischen Akkreditierungspool.

Der fzs ist Mitglied in:

In den Vertretungen der Mitgliedsstudierendenschaften finden sich neben parteipolitisch ungebundenen Fachschaftsaktiven unter anderem Mitglieder der Juso-Hochschulgruppen, der Grünen Hochschulgruppen oder aus dem Umfeld der Linken, sowie unabhängige linke Gruppierungen.

In einem Rechtsstreit über die Wahrnehmung eines Allgemeinpolitischen Mandats durch Studierendenschaften hat das Oberverwaltungsgericht Berlin unter anderem die Mitgliedschaft im fzs gerügt, da sich dieser „seinerseits unbestritten regelmäßig allgemeinpolitisch betätigt“.[7] Die beklagte Studierendenschaft hatte sich nach Auffassung des Gerichts mit der Unterstützung von Initiativen, Kongressen, Zeitschriften und Demonstrationen in unzulässiger Weise allgemeinpolitisch betätigt. Das Urteil bezieht sich dabei auf die Rechtslage im Geltungsbereich des Berliner Hochschulgesetzes sowie einer Wertung über den fzs e. V. von 2003/2004.

Kritik[Bearbeiten]

Seit seiner Gründung sieht sich der fzs Kritik ausgesetzt. Insbesondere der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) sehen im fzs eine linksideologisch geprägte Grundausrichtung vertreten und lehnen weitgehend eine Zusammenarbeit ab. Trotzdem sind auch Studierendenschaften mit Studierendenvertretungen unter RCDS-Beteiligung Mitglied im Dachverband. Einige Studentenschaften sind der Meinung, im fzs werde zu viel Parteipolitik betrieben. Viele hält auch das vom fzs eingeforderte und für sich in Anspruch genommene allgemeinpolitische Mandat von einer Zusammenarbeit ab. Der fzs beschäftige sich hauptsächlich mit sich selbst, seine Debatten seien inhaltsleer.[8]

Andere, vor allem ostdeutsche Studentenschaften bemängeln, dass die StuRa-Struktur im fzs nur unzureichend abgebildet werde. Nahezu alle Vertretungen der Studierendenschaften, die Mitglieder des fzs sind, werden durch Listen gewählt. Die Struktur der StuRä ist eher als Räte-Prinzip für organisierte Kollektive konzipiert und stehen durch parteipolitische Hochschulgruppen geprägter Politik kritisch gegenüber.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das zu hohe Stimmgewicht kleinerer Studierendenschaften unter repräsentativen Gesichtspunkten – oder mit basisdemokratischer Argumentation auch umgekehrt das durch die Stimmstaffelung zu niedrige.

So sind in den letzten Jahren die Studentenschaften der TU Bergakademie Freiberg, der Universität Gießen, der Fachhochschule Gießen, der Universität Marburg, der Universität Frankfurt, der Universität Duisburg-Essen, der Hochschule Darmstadt, der Technischen Universität Chemnitz, Universität Bonn, Universität Jena, der Universität Paderborn und der RWTH Aachen ausgetreten.[9][10][11] Allerdings ist am 6. August 2010 die Studierendenschaft der Universität Bonn, nach vorherigem Austritt, wieder in den fzs aufgenommen worden.[12] Am 11. Juli 2012 beschloss die verfasste Studierendenschaft der Universität Trier aus dem fzs auszutreten.[13] Zwischen 2012 und Ende 2013 sind unter Anderem der AStA der TU Berlin, der TU Braunschweig und 12 weitere Studierendenschaften beigetreten. Ende 2013 führten der Austritt der zahlungskräftigen Studierendenschaften der Universität Bremen und der Universität zu Köln, Streitigkeiten über die Ausrichtung des Verbands und interne Konflikte zu einem im Frühjahr 2014 ausgetragenen Richtungsstreit im fzs, infolgedessen auch die TU Kaiserslautern, TU Braunschweig, die TU München, die Uni Bielefeld sowie im Frühjahr 2015 die Uni Göttingen austraten. Tendenziell linksorientierte Studierendenschaften forderten dabei die Positionierung als „linker emanzipatorischer Richtungsverband“,[14] wohingegen andere eine Beschränkung auf die Vertretung der Interessen der Studierenden im engeren Sinne anstrebten.[15] Daneben steht die Kritik der Geldverschwendung und Ineffektivität.[16] Eine ehemalige Funktionsträgerin kritisierte in ihrem Rücktrittschreiben das System der „Vettern- und Basenwirtschaft und der Klüngelei“.[17]

Mitglieder[Bearbeiten]

Mit Stand vom 08.08.2015 vertritt der Verband:

  • 345.576 durch die normale Mitgliedschaft mit Beiträgen die die Studierendenschaften entrichten
  • 104.895 durch Fördermitgliedschaften, wobei die Studierendenschaften selber einen Beitrag festlegen
  • 226.207 durch Mitgliedschaften ohne Beiträge in Bundesländern ohne Verfasste Studierendenschaft (Bayern)

* 676.678 Gesamt (ca. 26 % aller 2,6 Mio Studenten in Deutschland)[18]

Name Studierende insgesamt (SoSe 2015) durch normale Mitgliedschaft durch Fördermitgliedschaft durch Mitgliedschaft ohne Beitrag
FH Weihenstephan-Triesdorf in Straubing 113 113
Augustana-H Neuendettelsau (ev) 152 152
H für Musik Nürnberg 410 410
FH Ottersberg (Priv. FH) 451 451
Ev. H für Soziale Arbeit Hamburg (FH) 473 473
Muthesius Kunsthochschule, Kiel 575 575
H für Musik Dresden 591 591
FH Kaiserslautern in Pirmasens 595 595
Pädagogische H Ludwigsburg in Reutlingen 676 676
FH der Diakonie, Bielefeld-Bethel 682 682
Evang. Hochschule Dresden (FH) 701 701
Kath. H Nordrhein-Westfalen in Paderborn (FH) 906 906
H für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt a.M. 914 914
Kath. H Nordrhein-Westfalen in Aachen (FH) 929 929
FH für öffentliche Verwaltung NW in Gelsenkirchen 938 938
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle 1011 1011
H für Musik und Theater München 1084 1084
H für Telekommunikation, Leipzig (Priv. FH) 1139 1139
H für Musik Köln in Köln 1231 1231
Evang. Hochschule Nürnberg (FH) 1271 1271
Evang. Hochschule Berlin (FH) 1323 1323
Kath. Hochschule für Sozialwesen Berlin (FH) 1445 1445
Kath. H Nordrhein-Westfalen in Köln (FH) 1548 1548
FH Weihenstephan-Triesdorf in Triesdorf 1994 1994
FH Neubrandenburg 2074 2074
FH Kaiserslautern in Zweibrücken 2386 2386
FH Kaiserslautern in Kaiserslautern 2707 2707
FH Würzburg-Schweinfurt in Schweinfurt 3077 3077
FH Potsdam 3353 3353
Universität der Künste Berlin 3442 3442
FH Aachen in Jülich 3459 3459
Universität zu Lübeck 3471 3471
FH Weihenstephan-Triesdorf in Weihenstephan 3821 3821
Pädagogische H Karlsruhe 3849 3849
U Vechta 4029 4029
FH Flensburg 4133 4133
FH Ulm - H für Technik 4156 4156
Pädagogische H Heidelberg 4527 4527
FH Coburg 4708 4708
FH Landshut 4746 4746
Pädagogische H Ludwigsburg in Ludwigsburg 4934 4934
H für Technik und Wirtschaft Dresden (FH) 5206 5206
FH Rosenheim 5505 5505
U Erfurt 5732 5732
FH Würzburg-Schweinfurt in Würzburg 5801 5801
FH Niederrhein in Krefeld 6110 6110
Technische U Ilmenau 6703 6703
FH Fulda 7096 7096
U Koblenz-Landau in Landau 7260 7260
FH Niederrhein in Mönchengladbach 7502 7502
FH Wismar 8026 8026
U Lüneburg 8170 8170
U Erlangen-Nürnberg in Nürnberg 8325 8325
FH Aachen in Aachen 8648 8648
FH Düsseldorf 8953 8953
Ostbayerische TH Regensburg (FH) 9636 9636
U Passau 11294 11294
U Greifswald 11449 11449
TH Nürnberg Georg Simon Ohm (FH) 12234 12234
U Bamberg 12499 12499
U Magdeburg 14107 14107
U Rostock 14417 14417
FH München 17710 17710
U Augsburg 19006 19006
U Kassel in Kassel 20911 20911
U Hannover 23135 23135
U Freiburg i.Br. 24157 24157
U Würzburg 26577 26577
U Göttingen 26586 26586
U Erlangen-Nürnberg in Erlangen 28285 28285
U Heidelberg 30334 30334
Technische U Berlin 31490 31490
U Bonn 31878 31878
U Duisburg-Essen 38934 38934
U Hamburg 41019 41019
U München 47959 47959

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.fzs.de/ueber_uns/gremien/vorstand.html (abgerufen am 12. September 2014).
  2. https://twitter.com/fzs_ev (abgerufen am 8. August 2015).
  3. http://www.fzs.de/ueber_uns/mitglieder/index.html (abgerufen am 16. August 2015).
  4. Anzahl der Studierenden an Hochschulen in Deutschland vom Wintersemester 2002/2003 bis 2013/2014, zuletzt abgerufen am 10. August 2015
  5. Christian Weßling (Redaktion): Wir, Unterseite auf umverteilen.de, zuletzt abgerufen am 30. September 2012
  6. http://www.fzs.de/aktuelles/positionen/335369.html (abgerufen am 3. April 2015)
  7. OVG Berlin, Beschluss vom 15. Januar 2004 – 8 S 133/03, NVwZ-RR 2004, 348 http://www.berlin.de/sen/justiz/gerichte/ovg/8s133_02.html
  8. heise.de
  9. astafu.blogsport.de
  10. stud.rwth-aachen.de
  11. stura.uni-jena.de
  12. asta-bonn.de
  13. trunews.de
  14. Antrag "fzs von links aufrollen": Reader der 48. Mitgliederversammlung (S. 95)
  15. Antrag "fzs reformieren" zur 50. Mitgliederversammlung
  16. Tagesspiegel: Studentischer Richtungsstreit: Der Dachverband fzs wehr sich gegen Kritik
  17. FZS Streit nach Aussteiger Brief - RCDS will Vertretung abschafften. Artikel. Spiegel, 2013, abgerufen am 14. Mai 2014.
  18. Anzahl der Studierenden an Hochschulen in Deutschland vom Wintersemester 2002/2003 bis 2013/2014, zuletzt abgerufen am 10. August 2015