Friesen (Adelsgeschlecht)

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Friesen ist der Name eines Adelsgeschlechts, das erstmals Ende des 14. Jahrhunderts in Franken urkundlich erscheint. Die Familie, von der einzelne Zweige bis heute bestehen, gelangte später vor allem in Thüringen und Sachsen zu Besitz und Ansehen. Ein Zweig des Geschlechts führt seit dem 19. Jahrhundert den Namen Freiherren von Friesen genannt von Leyßer, ein weiterer Zweig nennt sich Freiherren von Friesen-Miltitz.

Geschichte[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Nach Kneschke kam die Familie ursprünglich unter dem Namen Friess bzw. Friese aus der Schweiz, wo sie bereits im 13. Jahrhundert bekannt gewesen sein sollen. Demnach waren sie ein um Basel begütertes Adelsgeschlecht, aus dem mehrere Angehörige Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts die Schweiz verließen und sich in Obersachsen niederließen.[1]

Carl von Friesen
(* 1619; † 1686)
Friedrich von Friesen
(* 1796; † 1871)
Richard von Friesen
(* 1808; † 1884)

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Geschlecht mit Stephan von Frisen in einer zu Nürnberg 1388 ausgestellten Urkunde. Stephan erscheint dort als Dienstmann des Burggrafen von Nürnberg, Friedrich von Hohenzollern.[2] Die Herren von Friesen waren vermutlich stammesverwandt mit den aus der Landgrafschaft Oberelsass stammenden von Friesen, die auch ein ähnliches Wappen führten.[3]

Die ununterbrochene Stammreihe der Familie beginnt mit Karl von Friesen. Karl erhielt 1488 vom sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen Kauern bei Ronneburg zu Lehen.[3]

Ausbreitung und Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bereits 1409 erhielt Heinrich von Friesen von Friedrich dem Streitbaren, dem Markgrafen von Meißen, das Gut Köttewitz (heute Ortsteil von Dohna) als Lehen. Das vom Stammvater erworbene Gut Kauern blieb viele Jahrhunderte im Besitz der Familie. Carl von Friesen erwarb 1592 von denen von Pflugk das Rittergut Rötha mit der dazugehörigen Stadt Rötha, den Vorwerken zu Podschütz (heute Ortsteil von Rötha) und Espenhain sowie den Dörfern Theka (heute Ortsteil von Rötha), Goschwitz und Grossgötschau. Er wurde der Stammvater mehrerer Linien, von denen zwei bis in die neuere Zeit gelangen konnten.

Sein Enkel Heinrich von Friesen († 1689) brachte den Reichsfreiherrenstand an die Familie und dessen Enkel Julius Heinrich Freiherr von Friesen wurde in den Reichsgrafenstand erhoben. Julius Heinrich starb 1706 als kaiserlicher Generalfeldmarschall. Während des Spanischen Erbfolgekrieges verteidigte er 1703 erfolgreich die Festung Landau und ermöglichte 1705 die Einnahme der Festung Drusenheim. Er heiratete eine Marquise de Montbrun. Der Ehe entspross Heinrich Friedrich Graf von Friesen (* 1681; † 1739), der königlich-polnischer und kursächsischer Geheimer Kabinettsminister, Generalleutnant und Gouverneur zu Dresden wurde. Er heiratete 1725 Augusta Constantia Gräfin von Cosel, eine Tochter von Constantia von Cosel und dem sächsischen Kurfürsten August dem Starken. Durch die Heirat erhielt er die Standesherrschaft Königsbrück in der Oberlausitz. Von seinen Söhnen wurde August Heinrich Graf von Friesen (* 1727) Standesherr zu Königsbrück und königlich-französischer Maréchal de camp. Mit dessen Tod am 29. März 1755 zu Paris erlosch die gräfliche Linie.[1]

Karl Freiherr von Friesen, kursächsischer Geheimrat und Konsistorialpräsident, Herr auf Rötha und Cotta, errichtete 1668 das im Dreißigjährigen Krieg verwüstete Schloss Rötha neu. Außerdem erwarb er den bei Borna gelegenen und die Abtei genannten Wald. Sein Enkel Christian August Freiherr von Friesen (* 15. März 1674; † 24. September 1737) starb als kursächsischer Generalleutnant vor Belgrad. Er konnte das von seinem Großvater geerbte Gut Cotta mit den Gütern zu Rötha wieder vereinigen. Rötha erhielt er 1717, nachdem sein Onkel, der kursächsische Geheime Kanzler Otto Heinrich Freiherr von Friesen (* 1654; † 1717), ohne Nachkommen verstarb. Bereits 1703 kaufte er von seinem Schwager Arndt Adrian von Stammer das Amt Rammelburg in der Grafschaft Mansfeld und gab damit seinem Onkel Otto Heinrich und seiner Tante Henriette von Friesen verheiratete Freifrau von Gersdorff den Anlass zur Gründung des freiadligen Magdalenenstifts in Altenburg, in dem die Familie auch mehrere Stiftsdamen und Erziehungsangestellte zu besetzen hatte.[1]

Karl August und Johann Friedrich Ernst, Söhne von Christian August, teilten sich die Güter Cotta und Röther erneut, behielten aber Rammelburg gemeinschaftlich und stifteten die beiden Hauptlinien der Familie.[1]

Karl August Freiherr von Friesen, der ältere Sohn, Herr auf Cotta und Mitbesitzer des Amtes Rammelburg wurde kursächsischer Oberstleutnant. Er heiratete Caroline Wilhelmine von Wangenheim. Seine Enkel Heinrich Adolf Freiherr von Friesen († 1844) und Georg Maximilian Freiherr von Friesen († 1845) teilten die Hauptlinie in einen jüngeren und einen älteren Ast. Aus dem älteren Ast kam Richard Freiherr von Friesen (* 1808; † 1884), ein Sohn von Heinrich Adolf, der königlich-sächsischer Staatsminister und Finanzminister wurde. Von seinen drei Brüdern wurde Julius Freiherr von Friesen (* 1810) königlich-sächsischer Oberappellationsgerichtsrat und Edwin Freiherr von Friesen (* 1811) königlich-sächsischer Major.[1]

Die jüngere oder röthaische Hauptlinie begründete Johann Friedrich Ernst Freiherr von Friesen († 1768), Herr auf Rötha und Mitbesitzer von Rammelburg. Aus seiner Ehe mit Christine Jacobine Gräfin von Werthern kam Johann Georg Friedrich Freiherr von Friesen (1757–1824), Herr auf Rötha und Bronholz, der als königlich-sächsischer Oberkammerherr und Geheimrat verstarb. Er kaufte von seinem Vetter die zweite Hälfte des Amtes Rammelburg und von der Familie von Schönfeld das Rittergut Trachenau (heute Ortsteil von Gaulis) Johann Georg Friedrich war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Johanna Fredericke von Krosigk († 1781) und in zweiter mit Julie Caroline Gräfin von der Schulenburg aus dem Haus Wolfsburg († 1803). Aus zweiter Ehe kam Friedrich Freiherr von Friesen (* 1796), Besitzer von Rötha mit Podschütz, Geschwitz, Groß Pettschau, Espenheim und der Abtei Borna sowie des Guts Trachenau mit Treppendorf. Er wurde königlich-sächsischer Kammerherr, Geheimer Finanzrat und Domherr zu Naumburg. Von seinen Brüdern wurde Friedrich Freiherr von Friesen (* 1796; † 1871) Mitglied und Präsident der 1. Kammer des Sächsischen Landtags und Ernst Freiherr von Friesen (* 1800; † 1869) Besitzer des Amtes Rammelburg mit Hayder und Hilkenschwenda, königlich-preußischer Kammerherr und Landrat.[1]

Zahlreiche Angehörige der Familie erhielten eine Eintragung in das königlich-sächsische Adelsbuch, so am 5. Oktober 1903 die Nachkommen des am 17. Juni 1903 verstorbenen Weingutsbesitzers Oskar Freiherr von Friesen unter der Nummer 20 sowie Otto Heinrich Freiherr von Friesen, Fideikommissherr auf Rötha, königlich-sächsischer Kammerherr und Major zur Disposition unter der Nummer 21, Ernst Freiherr von Friesen, königlich-sächsischer Generalmajor zur Disposition unter der Nummer 22, Karl Freiherr von Friesen-Miltitz, königlich-sächsischer Generalmajor zur Disposition unter der Nummer 22. Karl Freiherr von Friesen-Miltitz, königlich-sächsischer Generalmajor zur Disposition unter der Nummer 23, Heinrich Freiherr von Friesen, königlich-sächsischer Kammerherr, Wirklicher Geheimer Rat und Gesandter in München, Stuttgart, Karlsruhe und Darmstadt unter der Nummer 24, Alexander Freiherr von Friesen, königlich-sächsischer Generalmajor zur Disposition unter der Nummer 25, Giesbert Freiherr von Friesen, großherzoglich-oldenburgischer Oberkammerherr außer Dienst und königlich-preußischer Rittmeister außer Dienst unter der Nummer 26 und Edwin Freiherr von Friesen, königlich-sächsischer Leutnant unter der Nummer 27.[3]

Ein am 18. April 1891 in Dresden gegründeter Familienverein hält in unregelmäßigen Abständen Familientage ab.

2009 hat die Familie der Freiherren von Friesen der gemeinnützigen Gesellschaft Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Sachsen 90 kulturhistorisch wertvolle Gemälde übereignet. Auf Schloss Nossen wurde die Stiftung „Heinrich Freiherr von Friesen/Rötha“ gegründet. Die Sammlung ist die einzige vollständig erhaltene Adelsgalerie in Sachsen und wird künftig treuhänderisch geführt. Die von Friesen-Ahnengalerie soll voraussichtlich ab 2012 gezeigt werden.[4]

Standeserhebungen[Bearbeiten]

Heinrich von Friesen, kurfürstlich-sächsischer Geheimrat und Hofkanzler, wurde am 18. August 1653 zu Regensburg in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Er erhielt am 13. April 1657 eine kurfürstlich-sächsische Anerkennung des Freiherrenstandes.[3]

Heinrich Freiherr von Friesen, ein Enkel des oben genannten Heinrich von Friesen, kaiserlicher Feldmarschall und Kommandant der Festung Landau, wurde am 25. September 1702 zu Wien in den Reichsgrafenstand erhoben. Eine kurfürstlich-sächsische Anerkennung erfolgte am 21. November 1703.[3]

Namens- und Wappenvereinigungen[Bearbeiten]

Freiherr von Friesen genannt von Leyßer[Bearbeiten]

Mit dem Tod des königlich-sächsischen Generalleutnants Wilhelm Friedrich August von Leyßer (1771–1842), Besitzer des Fideikommis- und Majoratsguts Friedrichsthal bei Bad Gottleuba-Berggießhübel, wurde Johannes Freiherr von Friesen 1842 durch Legat ermächtigt, Namen und Wappen derer von Leyßer mit seinem angestammten Namen und Wappen zu vereinigen, damit der Name von Leyßer nicht aussterbe. Eine königlich-sächsische Bestätigung erfolgte am 19. Mai 1843 zu Dresden mit der Namensform Freiherr von Friesen genannt von Leyßer.[1][3]

Freiherr von Friesen-Miltitz[Bearbeiten]

Karl Freiherr von Friesen (1847-1928), königlich-sächsischer Premierleutnant, heiratete Marie von Miltitz. Er erhielt für seine Person am 16. November 1880 zu Dresden eine königlich-sächsische Namensvereinigung mit dem derer von Miltitz als Freiherr von Friesen-Miltitz.[3]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen der Freiherren von Friesen (1788)
Wappen des Geschlechts Friesen (mittlere Reihe, vierte Spalte) in Johann Siebmachers Wappenbuch 1605

Stammwappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen in Silber ist gespalten. Rechts am Spalt die Hälfte eines achtstrahligen roten Sternes, links ein rechtshin geöffneter roter Halbmond. Auf dem Helm mit rot-silbernen Helmdecken die Sternenhälfte und der Halbmond aufwärts gekehrt, an beiden Hörnern mit je einer natürlichen Pfauenfeder besteckt.[3]

Das Stammwappen erscheint erstmals auf einem Siegel an einer am 1. April 1425 ausgestellten Urkunde.[5]

Freiherrliches und Gräfliches Wappen[Bearbeiten]

Das reichsfreiherrliche Wappen (verliehen 1653) und das reichsgräfliche Wappen (verliehen 1702) ist geviert und mit einem Herzschild belegt (Stammwappen). 1 und 4 in Gold einwärtsgewandt ein gekrönter Adler, 2 und 3 in Silber drei (1, 2) rote Rosen an grünblättrigen Stielen. Die Wappen haben drei Helme mit rechts schwarz-goldenen und links rot-silbernen Helmdecken. Auf dem rechten Helm der Adler wachsend, in der Mitte der Stammhelm, auf dem linken fünf (rot-silber-rot-silber-rote) Straußenfedern.[3]

Namensträger[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 3, Seite 362–364.
  2. Traugott Maercker, Rudolph von Stillfried (Hrsg.): Monumenta Zollerana. Band V, Seite 222, Nr. CCXIII.
  3. a b c d e f g h i Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band III, Band 61 der Gesamtreihe, Seite 390–391
  4. http://www.are-org.de
  5. Fürstlich Reußisches Archiv, Schleiz

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friesen family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien