Geismar (Göttingen)

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Geismar (Göttingen)
Koordinaten: 51° 31′ 0″ N, 9° 57′ 13″ O
Höhe: 150–320 m ü. NN
Fläche: 14,23 km²
Einwohner: 19.322 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.358 Einwohner/km²
Eingemeindung: 4. Juli 1964
Postleitzahlen: 37083, 37085
Vorwahl: 0551
Karte
Geismar im Stadtgebiet von Göttingen

Geismar ist der südlichste und einwohnerreichste Stadtteil der niedersächsischen Universitätsstadt Göttingen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute geht Geismar im Norden ohne erkennbare Grenze in die Stadtbezirke Südstadt und Oststadt über. Die angrenzenden Gemeinden sind Rosdorf im Westen, Friedland im Süden und Gleichen im Südosten.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner davon Hauptwohnsitz
1980 16.889
1990 16.665 15.632
1995 16.656 15.689
2002 17.289 16.498
2006 17.705 16.802
2015 18.755 17.879

Im Jahr 2014 lebten 18.755 Menschen in Geismar, wovon 17.879 mit ihrem Hauptwohnsitz dort gemeldet waren. Unter den in Geismar gemeldeten gehörte in dem Jahr mit 7.711 etwa 43 % der evangelischen Kirche an, während 2.750 katholischen Glaubens waren. Der Anteil der nicht-deutschen Bevölkerung betrug 5,5 %. Das Durchschnittsalter betrug 45,4 Jahre. Mit nur etwa 4,5 % war der Anteil der Studenten an der Bevölkerung deutlich niedriger als in der Kernstadt und dem Stadtteil Weende. 7,4 % der Einwohner waren 2014 auf den Empfang von Sozialleistungen angewiesen.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wurde Geismar 1055 in einem Stiftungsbrief des Petersstifts zu Nörten urkundlich erwähnt. Ebenfalls in die Zeit des Mittelalters fällt das Auftreten des ausgestorbenen Adelsgeschlechtes derer von Geismar, die selbst mehrere Lehen im Ort besaßen. Erstmals erscheint ein Vertreter jenes Geschlechts im Jahr 1184 mit Konrad de Geismare, welcher Ministerial und Afterlehnsvasall der Mainzer Kirche ist, in den Urkunden. Als Vasall des Edelherren Konrad von Schöneberg hatte er, unter anderem den Zehnten zu Deiderode inne, welchen er an das Kloster Reinhausen verkaufte.[3] 1209 wird mit dem Ritter Bartoldus de Geismaria ein weiterer Anhänger derer von Geismar fassbar, er verkaufte dem Kloster Pöhlde für 88 Mark den Zehnten zu Radolfshausen mit Einwilligung seines Lehnsherrn, dem Grafen Albert von Everstein. Wann das Adelsgeschlecht erlosch, ist ungewiss, in den späteren Jahrhunderten gingen zahlreiche Lehnsgüter in Geismar an die Familie von Hanstein über.

Bis ins Jahr 1744 war Geismar im Besitz des Erzbischofs von Mainz. Dieser verpfändete im Jahr 1326 den Fronhof von Geismar und damit den Zehnten des Dorfes an die Herren von Hardenberg. Der Erzbischof löste seine Schuld nie wieder ein und Geismar blieb bis 1801 unter dem Einfluss der Grafen von Hardenberg. Allerdings kündigte Kurfürst Johann Schweikhard von Kronberg 1607 den Brüdern Friedrich und Jobst Philipp von Hardenberg das Lehensverhältnis auf, woraufhin ein Streit entstand, da sich die Hardenberger weigerten, die lange besessenen Güter abzutreten. Die Angelegenheit kam vor das Reichskammergericht, bald darauf mischte sich gar der Herzog Heinrich Julius von Braunschweig ein und beanspruchte die Hoheit über das Gericht zu Hardenberg, das er denen von Hardenberg in Abrede stellte. Jene Auseinandersetzung steht in Beziehung zu dem Streit, der damals zwischen den Braunschweigern und Mainz aufkam, und über die Zuständigkeit des Dorfes handelte. Die Hardenberger verfochten zunächst ihren Anspruch auf das Obergericht und wiesen auf Beispiele hin, in dem sie es innehatten. So hielten sie Gericht über Klaus von Schehens uneheliche Söhne Hermann und Franz als diese Geismar gebrandschatzt hatten, sowie über die Frau Andreas Hoffmans, die ihren Mann umgebracht hatte. Einen weiteren Streit entfachte, als die Hardenberger einen, im Wald aufgrund Holzdiebstahls erschossenen Bauern, auf dem Galgen aufhängen ließen. Dieser Galgen wurde kurz davor vom Südhang des Lohberges an die Landstraße nach Göttingen verlegt. Der Friedländer Amtmann rückte, auf Befehl der Räte Hann. Mündens am 20. Mai 1580 mit 500 bewaffneten Bauern vor, riss den Galgen ab und begrub den Toten. In der Folgezeit näherten sich jedoch die Hardenberger den Braunschweigern an, hatten sie noch am 28. November 1589 gegen die Visitation Braunschweigs Einspruch erhoben, da das Dorf Geismar unzweifelhaft unter dem kurfürstlichen Schutze des Mainzer Erzbischofes lag, so gelobten die Hardenberger Vögte Ernst Grusenberg und Jobst Pleßmann am 8. August 1613 dem neuen Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig ohne jeglichen Vorbehalt die Treue, woraufhin das braunschweigische Wappen angeschlagen wurde[4]. Ab 1744 gehörte Geismar zum Königreich Hannover. Am 4. Juli 1964 wurde Geismar zusammen mit den Gemeinden Grone, Nikolausberg und Weende in die Stadt Göttingen eingegliedert.[5]

siehe auch Jüdischer Friedhof (Geismar)

Wüstung Rode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unweit von Geismar, am Fuße des Diemardener Berges, fand man Überreste alter Keramiken des wüst gefallenen Dorfes Rode. Erste Vermutungen ließen den Schluss zu, dass es sich dabei um eine Siedlung aus der vorkarolingischen Zeit handelte, während eingehendere Forschungen später zu dem Ergebnis kamen, dass es sich bei dem Ort um ein Reihendorf handelte, welches um das Jahr 1207 gegründet wurde. Es zog sich geographisch an der nordöstlichen Ufertrasse der Garte entlang und nahm damit jenes Gebiet ein, das später von der Gartetalbahn erschlossen werden sollte. Die einstige Dorfstraße bildete dabei den Nordostrand des Ortes, wobei sich die Gehöfte, wie bei einer Reihensiedlung typisch, zwischen jener Dorfstraße und dem Bach entlangstreckten. Mittig der Häuserreihen befand sich der Dorfbrunnen, noch heute bezeichnet der Flurname Der Brunnen am Röderbruche indirekt dessen Standort. Das Fundgebiet der Scherben zog sich auf ein Gebiet von insgesamt 500 m entlang, was den Schluss zulässt, dass man in Rode mit etwa 17 Siedlerstellen zu rechnen hat, geht man von der Standardgröße eines Gehöftes von 30 mal 30 bis 40 mal 40 m und einer unbebauten Fläche zwischen den Gehöften aus.[6] In einem Güterverzeichnis aus dem Jahr 1489 wird davon berichtet, dass die Größe der Gemarkung Rodes etwa 17 Hufen betrug, ohne den damals noch existenten Wald hinzuzurechnen. Von der einstigen Dorfstraße führte ein Weg nach Geismar, der in einer Niederschrift aus dem 15. Jahrhundert als op deme Geysmere wege genannt und 1871 unter dem Flurnamen Unter dem Röderweg geführt wird. Wann Rode wüstfiel, ist unbekannt, Vermutungen legen es jedoch nah, dass dies im 15. Jahrhundert geschah.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Martin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche St. Martin

Das erste Kirchengebäude Geismars wurde vom Bistum Mainz erbaut und erstmals erwähnt, als 1055 der Erzbischof Luitpold I. Dorf und Kirche Geismar dem Stift St. Petri in Nörten schenkte. In ihr befand sich bis 1690 eine Reliquie, der Mantel des heiligen Martin, sowie bis 1894 ein dreiflügeliger Altarschrein von Bartold Kastrop aus dem Jahr 1499. Erbaut wurde das heutige Gotteshaus 1737 bis 1742 nach Plänen des Konsistoriums in Hannover durch Maurermeister Frankenberg aus Duderstadt. Die Baukosten werden mit 3519 Talern beziffert; von den damaligen Patronen, den Herren von Hardenberg, stammten 1533 Taler, der Rest wurde von der Gemeinde aufgebracht.[7] Der Grundriss des Gebäudes ist nach einem gleicharmigen Kreuz gezeichnet, der Kirchturm ruht auf vier Eichenstämmen aus dem Brackenberg. In der alten Vorgängerkirche befanden sich drei Glocken, welche zwischenzeitlich bis 1743 und wieder von 1777 bis 1849 in einem kleinen Glockenturm östlich der heutigen Kirche hingen. Seit 1777 besitzt die Kirche eine Orgel, sie wurde dadurch bezahlt, dass zur damaligen Zeit ein Regiment hessischer Soldaten im Dorf einquartiert war und Geismar für jene Einquartierungen 132 Taler erhielt. Die heutige Orgel stammt jedoch aus dem Jahr 1871 und wurde von Pius Furtwängler aus Elze gebaut.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bassam Tibi (* 1944), deutscher Politikwissenschaftler syrischer Herkunft

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geismar (Göttingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 020.30 Stadt Göttingen : Wohnberechtigte Bevölkerung, Haupt- und Nebenwohnbevölkerung in den Stadtbezirken, Ortsteilen und Ortschaften 2015. In: GÖSIS – Göttinger Statistisches Informationssystem. Stadt Göttingen – Fachdienst Statistik und Wahlen, Juni 2015, abgerufen am 10. Januar 2017 (PDF)
  2. Daten zur Bevölkerung von Geismar bei GÖSIS (PDF; 100 kB)
  3. Manfred Hamann: Urkundenbuch des Klosters Reinhausen. Nr. 13. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1991, ISBN 3-7752-5860-4.
  4. Heinrich Lücke: An den Ufern der Garte. Historisches und Literarisches aus der Südostecke des Göttinger Landes. Mecke, Duderstadt 1927, S. 163 f.
  5. Göttingen-Gesetz (Memento des Originals vom 20. Februar 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mobile-goettingen.de (PDF; 12 kB)
  6. Erhard Kühlhorn: Untersuchungen zur Topographie mittelalterlicher Dörfer in Südniedersachsen. Selbstverlag Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung, Bad Godesberg 1964, S. 13.
  7. Heinrich Lücke: An den Ufern der Garte. Historisches und Literarisches aus der Südostecke des Göttinger Landes. Mecke, Duderstadt 1927, S. 168.