Georg Michaelis

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Georg Michaelis zum 75. Geburtstag (1932)
Georg Michaelis als Corpsstudent mit Stürmer, Sommersemester 1878

Georg Michaelis (* 8. September 1857 in Haynau, Schlesien; † 24. Juli 1936 in Bad Saarow, Mark Brandenburg) war ein deutscher Jurist und Politiker. Er war vom 14. Juli bis 31. Oktober 1917 für dreieinhalb Monate Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Michaelis entstammte einer Juristenfamilie und studierte nach dem Abitur ab 1876 Rechtswissenschaft an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau und der Universität Leipzig. Sein Vater Paul Michaelis verstarb bereits 1866 an der Cholera. 1877 wurde er im Corps Plavia aktiv.[1] Er wechselte an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg und schloss sich auch dem Corps Guestphalia Würzburg an.[1] Ohne Vorlage einer Dissertation wurde er 1884 an der Georg-August-Universität Göttingen promoviert.

Von 1885 bis 1889 lehrte er an der Dokkyō-Universität in Tokio. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland ging Michaelis ins Beamtentum des Königreichs Preußen, erst in der Rechtspflege, dann in der inneren Verwaltung. In dieser Zeit wurde er zusammen mit der Diakonisse Eva von Thiele-Winckler sozial tätig, etwa in der Gründung eines Fürsorgeheims für entlassene weibliche Strafgefangene im niederschlesischen Langenau (Czernica).[2] 1909 wurde er Unterstaatssekretär im Preußischen Finanzministerium. Er übernahm 1914 nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Leitung der Reichsgetreidestelle und stieg 1917 zum preußischen Staatskommissar für Volksernährung auf.

Michaelis engagierte sich in der Leitungsebene der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung. An seinem Sommerwohnort Bad Saarow ließ er ein Schulungszentrum für Studenten errichten. Die provisorischen Bauten waren ein Versammlungshaus aus Holz für 800 Hörer und eine ehemalige Kriegsgefangenenbaracke. 1921 wurde das feste Haus Hospiz zur Furche fertiggestellt.[3] Zur Sicherstellung der Versorgung wurde das Vorwerk des Gutes Saarow erworben, der Hof Marienhöhe.[4] Es konnte allerdings nicht wirtschaftlich betrieben werden und wurde 1928 an Erhard Bartsch verkauft. Dieser stellte den Hof auf die biologisch-dynamische Bewirtschaftung (Demeter) um.

Berufung zum Reichskanzler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg hatte sich im Verlauf des Ersten Weltkriegs zunehmend zwischen die Fronten manövriert, weil er nach Meinung der Reichstagsmehrheit zu schwach gegenüber der Obersten Heeresleitung war. Und die OHL hielt ihn für zu schwach gegenüber der Friedensresolution, zumal er innere Reformen in Aussicht stellte. So war es dann auch die Oberste Heeresleitung, die seine Entlassung durchsetzte und Michaelis zu seinem Nachfolger auserkor.

„Nachdem der Kaiser Bernstorff refüsiert hatte, beauftragte er Valentini, Hindenburg zu fragen, wen er als Reichskanzler wolle. Valentini, der nicht persönlich mit Hindenburg verhandeln wollte, fuhr unter Zustimmung des Kaisers zu Lyncker, um diesen die Mission ausrichten zu lassen. General von Plessen, der bei Lyncker war, scheint den Namen Michaelis aufgebracht zu haben. Darauf haben Valentini, Lyncker und Plessen mit Hindenburg und Ludendorff konferiert, wobei Ludendorff gesagt hat, er könne Michaelis nur auf das wärmste empfehlen. Derselbe sei vor einiger Zeit im Großen Hauptquartier gewesen und habe den Eindruck gemacht, daß er der rechte Mann sei. Der Kaiser hat auf Vortrag Valentinis Michaelis sofort akzeptiert, obwohl er ihn nicht kenne, und Michaelis hat nach ganz kurzem Überlegen angenommen.“

Theobald von Bethmann Hollweg

So wurde völlig überraschend der weitgehend unbekannte Michaelis am 14. Juli 1917 zum Reichskanzler und Preußischen Ministerpräsidenten ernannt. Schon bald zeigte sich, dass der unpolitische Beamte in diesem Amt überfordert war.

„Ich bin bisher als gewöhnlicher Zeitgenosse neben dem Wagen der großen Politik hergelaufen und habe mich nur wie ein Zeitungsleser auf dem laufenden zu halten gesucht.“

Georg Michaelis

Schon nach fünf Tagen hatte er durch seine öffentliche Entwertung der Friedensresolution des Reichstages die Mehrheitsparteien gegen sich aufgebracht. Darüber hinaus widersetzte er sich deren Forderungen nach demokratischen Reformen. Bereits am 31. Oktober 1917, nach knapp dreieinhalb Monaten im Amt, trat Michaelis von seinen Regierungsämtern zurück. Einen Ministerposten im neuen Kabinett Hertling lehnte er ab.

Danach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 1. April 1918 bis zum 31. März 1919 amtierte Michaelis als Oberpräsident der Provinz Pommern. Er trat später der Deutschnationalen Volkspartei bei und engagierte sich in Generalsynode und Kirchenrat der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. Ostasien sah er 1922 wieder, als er eine Reise nach Peking zur Konferenz des Christlichen Studenten-Weltbundes unternahm.

1926 musste Michaelis sich für sein Verhalten als Reichskanzler vor einem Untersuchungsausschuss des Reichstages rechtfertigen. Er wurde für seine Verhinderung der Friedensinitiative gescholten:

„Dieser kleine Mann hätte vielleicht der Welt ein Jahr Krieg ersparen, Millionen Menschenleben retten, dem deutschen Volk einen Frieden des Ausgleichs und der Verständigung bescheren können. Er hat es nicht getan. Er hat den Weg, der zu diesem Glücksziel hätte führen können, schon in seinem Anfang durchkreuzt.“

Johann Viktor Bredt [5]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michaelis war verheiratet mit Margarete Schmidt, Tochter eines Gubener Fabrikanten und Rittergutsbesitzers (1869–1958). Die beiden hatten fünf Töchter und zwei Söhne: Elisabeth (1892), Charlotte (1893), Emma (1894), Georg Sylvester (1897), Wilhelm (1900), Eva (1904, verheiratet mit Hermann Schlingensiepen) und Martha (1907).

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michaelis, Georg, D. in Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft - Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Zweiter Band, S. 1248–1249, Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1931
  • Rudolf MorseyMichaelis, Georg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 432–434 (Digitalisat).
  • Bert Becker: Georg Michaelis: ein preußischer Jurist im Japan der Meiji-Zeit; Briefe, Tagebuchnotizen, Dokumente 1885-1889. München: Iudicium 2001.
  • Bert Becker: Georg Michaelis: Preußischer Beamter, Reichskanzler, Christlicher Reformer 1857-1936. Eine Biographie. Paderborn: Ferdinand Schöningh 2007. ISBN 978-3-506-76381-5.
  • Christoph Regulski: Die Reichskanzlerschaft von Georg Michaelis 1917: Deutschlands Entwicklung zur parlamentarisch-demokratischen Monarchie im Ersten Weltkrieg. Marburg: Tectum-Verlag 2003. ISBN 3-8288-8446-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georg Michaelis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kösener Korps-Listen 1910, 153, 19; 205, 29
  2. Für Staat und Volk. Eine Lebensgeschichte. Berlin, Furche 1922, S. 245
  3. heutige Anschrift: An den Rehwiesen 25, Bad Saarow
  4. heute: Hof Marienhöhe
  5. Zitiert nach: Vorwärts (Deutschland). Abendausgabe vom 14. Dezember 1926, S. 1 (dort, S. 1–2, ausführlicher Bericht)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georg Michaelis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien