Gietrzwałd

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Gietrzwałd
Gietrzwałd führt kein Wappen
Gietrzwałd (Polen)
Gietrzwałd
Gietrzwałd
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Olsztyn
Geographische Lage: 53° 45′ N, 20° 14′ O53.747520.235555555556Koordinaten: 53° 44′ 51″ N, 20° 14′ 8″ O
Einwohner: 1070
Postleitzahl: 11-036
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NOL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK16 OlsztynOstróda
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Landgemeinde
Gemeindegliederung: 19 Schulzenämter
Fläche: 174,13 km²
Einwohner: 6391
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 37 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2814052
Verwaltung (Stand: 2007)
Gemeindevorsteher: Zbigniew Małkowski
Adresse: Gietrzwałd 24
11-036 Gietrzwałd
Webpräsenz: www.gietrzwald.pl



Gietrzwałd ([ˈɟɛtːʃvaʊ̯t], deutsch Dietrichswalde) ist ein Dorf und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde im Powiat Olsztyński in der polnischen Wojewodschaft Ermland-Masuren, im Ermland.

Das Dorf liegt südwestlich von Olsztyn an der Landesstraße 16 nach Ostróda. Der Ort ist umgeben von Nadel- und Mischwäldern und zahlreichen Seen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Dorf wurde 1352 vom ermländischen Domkapitel gegründet. Der Gründer hieß Dietrich, daher stammt der Name Dietrichswalde. Im 15. Jahrhundert wurde Dietrichswalde in den Kriegen zwischen Polen und dem Deutschen Orden verwüstet und im Jahre 1455 von den Ordensrittern unter Führung von Georg von Schlieben geplündert. In der Mitte des 16. Jahrhunderts war die Siedlung nicht bewirtschaftet, obwohl es eine Schule und einen Dorfkrug gab, der 1645 in den Besitz des Allensteiner Ratsherrn Georg Kunigk gelang. Im Jahre 1783 zählte Dietrichswalde 57 Bauernhöfe. Eine große Verwüstung erlebte das Dorf 1807 durch die französischen Truppen im Vierten Koalitionskrieg.

Marienerscheinungen und Entwicklung zum Wallfahrtsort[Bearbeiten]

Das größte Ereignis in diesem kleinen ermländischen Dorf waren im Jahre 1877 im Zeitraum vom 27. Juni bis 16. September mehrere Erscheinungen. Wie erzählt wird, sei der damals 13-jährigen Justine Schafrinska (poln. Justyne Szafryńska) (In Erzählungen dort vor dem Krieg lebender Menschen wurde gesagt, es handelte sich um ein deutsches Mädchen mit Namen "Krause" aus Neumühle - heute polnisch "Nowy Młyn". Allerdings fehlen zu dieser Angabe weitere Belege.) und der 12-jährigen Barbara Samulowska aus Woritten (heute polnisch "Woryty"), beide kamen aus armen polnischsprachigen ermländischen Familien, die Gottesmutter Maria erschienen und habe in polnischer Sprache zu ihnen gesprochen.

Seitdem wurde Dietrichswalde ein Wallfahrtsort.

Bereits im 1877 auf deutsch und polnisch erschienenen Untersuchungsbericht zu den Erscheinungen wird der große Anteil der polnischsprachigen Bevölkerung in diesem Gebiet betont. Der Priester und Theologieprofessor Franz Hipler, selbst des Polnischen mächtig, schildert darin die ersten Wallfahrten: "Stehend, sitzend und kniend auf dem vom Regen aufgeweichten Lehmboden des Kirchhofes, der groß genug war, die ganze Menschenmenge zu fassen, hatten die Wallfahrer bald je nach Sprache, Stammverwandtschaft und Heimat sich zusammen gefunden; die deutschen und die polnischen Ermländer, die Litauer und die Masuren, die Koschneider und die Kaschuben, die Oberländer und die Niederunger, überaus zahlreich die Polen, nicht nur aus dem preußischen Anteil und aus Galizien, sondern auch aus Russland, trotz der Sperre und der Grenzsoldaten."

Erst 1977 erkannte der polnische Bischof Joseph Splinter, Bischof von Ermland, die Erscheinung offiziell an und genehmigte somit die Verehrungen.

Die beiden Mädchen gerieten in den Kulturkampf welcher gerade zu der Zeit herrschte, und wurden vor Verfolgung zunächst im Kloster Heilsberg in Sicherheit gebracht. Später traten sie in die Kongregation der Barmherzigen Schwestern in Kulm an der Weichsel ein. Barbara Samulowska war zeitlebens Nonne und starb 1950 in Guatemala. Justyne Szafrynska lebte 20 Jahre (1877-1897) im Kloster und erneuerte danach ihr Gelübde nicht mehr. Sie heiratete am 27. Dezember 1899 in Paris, Frankreich den Raymond Etienne Bigot und lebte nachweisbar bis 1904 in Malakoff, einen Aussenbezirk von Paris, Frankreich. Danach fehlt jegliche Spur von ihr. Die Angabe dass sie in Westfalen gewohnt haben soll, ist fraglich und es gibt keine Beweise. [2] und heiratete dort[3].

Wallfahrtskirche[Bearbeiten]

Wallfahrtskirche Sankt Marien

Die Kirche in Gietrzwałd wurde in den Jahren 1878–1884 vom Paderborner Dom- und Diözesanbaumeister Arnold Güldenpfennig zur Wallfahrtskirche vergrößert und ausgebaut. Das Gotteshaus wurde 1970 von Papst Paul VI. zur Basilica minor erhoben.

Gmina Gietrzwałd[Bearbeiten]

Zur Landgemeinde Gietrzwałd gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Barduń Bardungen Łajsy Leyßen
1928-45 Leissen
Rentyny Rentienen
Barwiny Barwienen Łęgucki Młyn Langgut Mühle Salminek Sallmeien
Biesal Biessellen Łęguty Langgut Siła Schillamühle
Cegłowo Hermsdorf Łopkajny Lopkeim Smoleń Vonferne
Dłużki Łupstych Abstich Śródka Mittelgut
Gietrzwałd Dietrichswalde Naglady Nagladden Sząbruk Schönbrück
Grazymy Grasnitz Naterki Nattern Tomarynki Passargental
Gronity Gronitten Nowy Młyn Neumühle Tomaryny Thomareinen
Guzowy Młyn Turnitzmühle Parwółki Parwolken Unieszewo Schönfelde
Guzowy Piec Gusenofen Pęglity Penglitten Woryty Woritten
Jadaminy Adamsgut Podlejki Podleiken Zaskwierki
Kudypy Kudippen Rapaty Rapatten Zdrojek Sdroiken
1938-45 Eulenwinkel

Bekannte Personen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Hipler: Die Erscheinungen in Dietrichswalde. Für das katholische Volk nach amtlichen Berichten dargestellt. Mit Genehmigung des hochwürdigsten Bischofs von Ermland. 21. November 1877. Volksblatt-Druckerei Allenstein.
  • Hubert Orłowski: Rzecz o dobrach symbolicznych. Gietrzwałd 1877. Stiftung Borussia, Olsztyn 2003, ISBN 83-89233-21-5.
  • Ulrich Fox: Bischof Philipp Krementz und die Erscheinungen in Dietrichswalde im Jahre 1877. Zu einer Veröffentlichung von Hubert Orłowski. In: Unsere Ermändische HeimatMitteilungsblatt des HVE für Ermland, Pfingsten 2/2006, S. VII.
  • Ulrich Fox: Die Rezeption der Ereignisse von Dietrichswalde bei den Ermländern unter Bezugsnahme auf das Engagement von Bischof Maximilian Kaller. In: Sedes sapientiae Mariologisches Jahrbuch, Jahrgang 13/Band 2, Kevelaer 2009.

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Homepage der Gemeinde Gietrzwałd

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 22. November 2014.
  2. http://www.nasza-arka.pl/2002/rozdzial.php?numer=9&rozdzial=7
  3. https://www.facebook.com/schafrinski/posts/182619081829769