Glogonj

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Глогоњ
Glogonj
Wappen fehlt
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Glogonj (Serbien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Serbien
Provinz: Vojvodina
Okrug: Južni Banat
(südliches Banat)
Koordinaten: 44° 59′ N, 20° 31′ O44.98583333333320.52222222222275Koordinaten: 44° 59′ 9″ N, 20° 31′ 20″ O
Höhe: 75 m. i. J.
Fläche: 42,91 km²
Einwohner: 3.012 (2011)
Bevölkerungsdichte: 70 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26202
Kfz-Kennzeichen: PA
Rumänisch-orthodoxe Mariä-Entschlafens-Kirche

Glogonj (serbisch-kyrillisch Глогоњ, deutsch Glogon, ungarisch Galagonyás, rumänisch Glogoni) ist ein Dorf mit 3012 Einwohnern an der Temesch in der Opština Pančevo im Okrug Južni Banat der Vojvodina, Serbien. Glogonj ist 4 km südöstlich von Sefkerin und 20 km nordwestlich von der Stadt Pančevo entfernt. Ein nicht datierbarer Mythos besagt, der Ortsname leite sich vom serbischen Wort Glog (Weißdorn) ab.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf dem Gebiet des heutigen Glogonj wurden Gegenstände (Schmuckstücke, Tongefäße und Waffen), zwei römische Sarkophage und zwei Gräber aus der Bronzezeit, aus der Zeit des römischen Kaisers Aurelian und aus der Völkerwanderungszeit gefunden.

Von 1552 bis 1718 gehörte das Gemeindegebiet zum Sancak Pançova im Eyâlet Tımışvâr des Osmanischen Reiches. Es ist urkundlich nicht belegt, wann Glogonj tatsächlich gegründet wurde. Auf einer historischen Karte aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist eine Ortschaft Logan zwischen Jabuka und Opova verzeichnet.[1]

Mit dem Frieden von Passarowitz kam das Banat unter die Herrschaft der Habsburger. Es wurde als kaiserliches Kameralgut den Wiener Zentralbehörden (Hofkriegsrat und Hofkammer) unterstellt und von einer kameralen Landesadministration in Temesvár verwaltet. 1764 begann unter Maria Theresia im südwestlichen Banat der administrative Aufbau und die organisierte Kolonisation eines Grenzregiments und seines Regimentsbezirks zum weiteren Ausbau der Militärgrenze. Auf Weisung des Hofkriegsrates vom Mai 1764 wurden für ein Ansiedlungs-Corps zuerst Veteranen aus den Aerarial-Invalidenhäusern von Wien, Prag, Pest und Pettau ausgewählt. Eine militärische Ansiedlungskommission konskribierte die für die Ansiedlung vorgesehenen Orte. Laut Kommissionsbericht vom Dezember 1764 gab es 112 raizische Familien und 79 bewohnbare Häuser im Gebiet Glogonj-Sefkerin, das als Streusiedlung Raitzisch-Sefkerin bezeichnet wurde. Die slawischen Einwohner konnten sich bei dieser Konskription für den Militärdienst oder für eine finanziell entschädigte Umsiedlung mit zugebilligter dreijähriger Abgabenfreiheit entscheiden. 100 Familien entschieden sich für die Umsiedlung nach Jarkovac, Ilandža, Dobrica und Banatsko Novo Selo. Im April 1765 berichtete die Kommission dem Hofkriegsrat, dass die Ansiedlung einer Kompanie mit 200 Veteranen in Sefkerin abgeschlossen war. Etwa die Hälfte der Soldaten war verheiratet und hatte Kinder. In den ersten Jahren lebten in einem Haus zwei bis drei Familien als eine sogenannte Hauskommunion zusammen. Im November 1774 reichte die Militärkommission einen Grundrissentwurf für den Neuaufbau mit mehreren konzipierten rechtwinkeligen Häuserblöcken und zentralen Hauptplätzen der neuen Reihendörfer Raitzisch-Sefkerin und Deutsch-Sefkerin (Glogonj!) ein. Nach Bewilligung des Plans und der veranschlagten Baukosten wurden im Jahre 1775 im Militär-Ort Deutsch-Sefkerin ein Hauptmannsquartier, ein Lieutnantsquartier, ein Arrendatorquartier, Gemeine Ansiedlerhäuser, ein Schulhaus, ein Wirtshaus, ein Pfarrhaus und eine Kirche erbaut. Weitere deutsche Ansiedler kamen aus provisorischen Unterkünften im Prädium Govedarovacz bei Jabuka in das neue Dorf.[2] 1806 wurde die rumänisch-orthodoxe Pfarrei gegründet und 1840 die rumänisch-orthodoxe Kirche gebaut. 1911 entstand die heutige rumänisch-orthodoxe Kirche in byzantinischem Stil.

Demographie[Bearbeiten]

Bevölkerung
Jahr Gesamt Deutsche Walachen (Rumänen) Serben Kroaten Mazedonier Ungarn Sonstige
1880[3] 2468 1480 630 220 11 127
1910[4] 2669 1745 756 74 72 22
2002[5] 3178 5 156 2406 367 26 208

In einem Postlexikon aus dem Jahre 1805 wurde Glogon als ein Dorf mit 196 Häusern angegeben. 1829 wurden in statistischen Notizen differenziertere Daten veröffentlicht: Glogon hatte 2183 Einwohner, davon waren 1692 römisch-katholischen oder griechisch-katholischen, 489 orthodoxen, 2 evangelischen Glaubens. Laut einer 1850 vom k.k. Handelsministerium herausgegebenen Statistik hatte das Dorf im Jahre 1846 bereits 2444 Einwohner.[6]In Österreich-Ungarn wurde erstmals im Jahre 1869 eine amtliche Volkszählung durchgeführt. Bei dieser Zählung wurden noch keine Daten über die Nationalität und die Muttersprache der Einwohner ermittelt. In Glogon bekannten sich 2749 Einwohner zum römisch-katholischen und 729 zum orthodoxen Glauben.[7]Bei der Volkszählung 1880 bekannten sich 1760 Einwohner zum römisch-katholischen, 692 zum orthodoxen, 13 zum evangelischen und 3 zum jüdischen Glauben. In der Rubrik Sonstige 1880 sind 3 Slowaken und 124 ohne ethnische Angabe zusammengefasst. Bei der Zählung 1910 waren 1847 Einwohner römisch-katholischer, 2 griechisch-katholischer, 798 orthodoxer, 20 evangelischer und 2 jüdischer Religion. In der Rubrik Sonstige 2002 sind 106 Jugoslawen, 17 Roma, 6 Slowaken, 2 Montenegriner, 1 Albaner, 1 Muslim, 3 Tschechen und 82 ohne ethnische Angabe zusammengefasst.

Internierung der deutschen Bevölkerung[Bearbeiten]

Aufgrund der AVNOJ-Beschlüsse wurde Personen der deutschen Volksgruppe (Jugoslawiendeutsche, Volksdeutsche) die jugoslawische Staatsbürgerschaft entzogen und alle damit verbundenen bürgerlichen Rechte aberkannt. Davon ausgenommen waren Personen, die mit Personen der anerkannten jugoslawischen Nationaliäten verheiratet waren. Am 30. Oktober 1944 erschoss ein Sonderkommando der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee 65 Einwohner im Dorf. Am selben Tag wurden 49 Einwohner aus Glogonj in Opovo erschossen. Im Dezember 1944 wurde ein Kontingent arbeitsfähiger Männer und Frauen selektiert und im Januar 1945 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Im April 1945 ordnete die Ortskommandantur des Volksbefreiungsausschusses die komplette Räumung von sieben Wohnvierteln mit ca. 140 Häusern an. Die geräumten Wohnviertel wurden mit einem Stacheldrahtzaun abgegrenzt, die Fenster und Türen der am Zaun gelegenen Häuser mit Brettern zugenagelt. Alle noch im Dorf verbliebenen deutschen Einwohner wurden am 26. April 1945 in dieses Internierungslager eingesperrt. Ihr Eigentum wurde konfisziert. Im Oktober 1945 wurden viele Häftlinge in das Lager Knićanin verlegt. Bis 1948 kamen in verschiedenen Lagern im ehemaligen Jugoslawien insgesamt 250 Einwohner aus Glogonj ums Leben.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Glogonj – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Lang: Mit uns in Glogonj 1767-1945. Eigenverlag, Karlsruhe 1990.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mährische Landesbibliothek: Neu und Akkurat verfasste General Post-Karte des sehr grossen Welt berühmten König-Reichs Hungarn. Wien um 1738-1750.
  2. Erik Roth: Die planmäßig angelegten Siedlungen im Deutsch-Banater Militärgrenzbezirk 1765-1821. Oldenbourg, München 1988, ISBN 3-486-54741-0, S. 48-50, 138-140 u. 145-163. Österreichisches Staatsarchiv: Karten und Plansammlung, Plan G I h 3-1 (Roth, S.50)
  3. Magyar Király Statisztikai Hivatal (Hrsg.): Az 1881. év elején végrehajtott népszamlalas főbb eredményei megyék es közsegek szerint rendezve. Band 2, Budapest 1882, S. 306
  4. Magyar Király Központi Statisztikai Hivatal (Hrsg.): A magyar szent korona országainak 1910. évi népszámlálása. Budapest 1912. Band 42, S. 368 und S. 369.
  5. Republic of Serbia: 2002 Census of Population, Households and Dwellings. Volume 1 S. 36 u. 37.
  6. Christian Crusius:Topographisches Post-Lexikon aller Ortschaften der k.k. Erbländer. Des vierten Theils zweyter Band. Universitäts-Buchdrucker Schmidt, Wien 1805, S. 265
    Lajos Nagy: Notitiae politico-geographico-statisticae partium Regno Hungariae adnexarum, seu Slavoniae et Croatiae, Litoralis item Hungarico-Maritimi commercialis, et confiniorum militarium Hungaricorum. Band 2. A. Landerer, Buda 1829, S. 156
    Direction der administrativen Statistik im k.k. Ministerium f. Handel (Hrsg.): Tafeln zur Statistik der österreichischen Monarchie für die Jahre 1845 und 1846. Erster Theil. k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1850, Tafel 2, S. 16
  7. Az 1869. évi népszámlálás vallási adatai (PDF; 10,4 MB) S. 216.
  8. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hrsg.): Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Band 2: Erlebnisberichte über die Verbrechen an den Deutschen durch das Tito-Regime in der Zeit von 1944-1948. München 1993, ISBN 3-926276-17-7, S. 175 u. 176. Donauschwäbische Kulturstiftung (Hrsg.): Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Band 4: Menschenverluste-Namen und Zahlen zu Verbrechen an den Deutschen durch das Tito-Regime in der Zeit von 1944-1948. München 1994, ISBN 3-926276-22-3, S. 142 u. 143.