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Großer Preis von Portugal 1960

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 Großer Preis von Portugal 1960
Renndaten
8. von 10 Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1960
Streckenprofil
Name: IX Portuguese Grand Prix
Datum: 14. August 1960
Ort: Porto, Portugal
Kurs: Circuito da Boavista
Länge: 407 km in 55 Runden à 7,4 km
Wetter: trocken, sonnig
Pole-Position
Fahrer: Vereinigtes Konigreich John Surtees Vereinigtes Konigreich Lotus-Climax
Zeit: 2:25,56 min
Schnellste Runde
Fahrer: Vereinigtes Konigreich John Surtees Vereinigtes Konigreich Lotus-Climax
Zeit: 2:27,53 min (Runde 33)
Podium
Erster: Australien Jack Brabham Vereinigtes Konigreich Cooper-Climax
Zweiter: Neuseeland Bruce McLaren Vereinigtes Konigreich Cooper-Climax
Dritter: Vereinigtes Konigreich Jim Clark Vereinigtes Konigreich Lotus-Climax

Der Große Preis von Portugal 1960 (offiziell IX Portuguese Grand Prix) fand am 14. August auf dem Circuito da Boavista in Porto statt und war das achte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1960.

Nach einem Jahr Pause fand der Große Preis von Portugal zum zweiten Mal auf dem Stadtkurs Circuito da Boavista statt. Die Strecke führte durch Häuserschluchten und teilweise fuhren die Fahrer über Kopfsteinpflaster oder Straßenbahnschienen. Es war der letzte Große Preis von Portugal für mehrere Jahre. Erst in der Formel-1-Weltmeisterschaft 1984 fand das Rennen erneut statt, auf dem Autódromo Fernanda Pires da Silvaist.

In der Fahrerwertung führte Jack Brabham mit fünf Punkten vor Bruce McLaren, seinem Teamkollegen bei Cooper. Lotus meldete für das Rennen drei Wagen mit Jim Clark, Innes Ireland und John Surtees. B.R.M. fuhr ebenfalls mit drei Wagen, für Jo Bonnier, Graham Hill und Dan Gurney. Ferrari war mit zwei Autos vertreten, gefahren von Phil Hill und Wolfgang Graf Berghe von Trips. Der Rest des Feldes bestand aus Teams mit privaten Wagen. Für das Yeoman Credit Racing Team starteten Tony Brooks, Olivier Gendebien und Henry Taylor. Die Scuderia Centro Sud stellte zwei Cooper T51 für Masten Gregory und Mário de Araújo Cabral zur Verfügung. Für Gregory war es das letzte Saisonrennen, für Cabral das einzige. Außerdem kehrte der in der Fahrerwertung viertplatzierte Stirling Moss nach seiner mehrmonatigen Verletzungspause zur Automobilweltmeisterschaft zurück. Das Rob Walker Racing Team meldete sowohl einen Cooper T51 als auch einen Lotus 18 für Moss, der allerdings im Training und Rennen nur den Lotus einsetzte. Insgesamt war das Starterfeld mit 16 gemeldeten Wagen deutlich kleiner als bei den vorherigen Rennen. Hinzu kam eine hohe Ausfallquote, sodass nur wenige Wagen das Ziel erreichten.

Die Fahrerwertung war noch offen. Alle Fahrer, die vor dem Rennen mindestens sieben Punkte hatten, konnten theoretisch den Fahrertitel gewinnen. Diese Fahrer waren Brabham, McLaren, Moss, Ireland, Gendebien, Jim Rathmann und Phil Hill. Die Konstrukteursweltmeisterschaft gewann Cooper bereits beim Großen Preis von Großbritannien 1960, dem Rennen zuvor. Sowohl Ferrari als auch Lotus hatten noch die Chance Zweiter dieser Wertung zu werden.

Mit Moss nahm ein ehemaliger Sieger des Rennens teil, Cooper war zuvor einmal erfolgreich.

Nachdem Brabham die letzten drei Pole-Positions gewonnen hatte, holte die Konkurrenz beim Großen Preis von Portugal auf Cooper auf. Sowohl Lotus als auch B.R.M. waren konkurrenzfähig genug, um die Pole-Position zu gewinnen. Das Duell um den ersten Startplatz fand zwischen Surtees auf Lotus und Gurney auf B.R.M. statt. Surtees war lediglich sieben hundertstel Sekunden schneller und sicherte sich damit die erste Pole-Position seiner Karriere. Für Lotus war es die dritte Pole-Position der Saison. Gurneys zweiter Startplatz war sein bis dahin bestes Trainingsresultat. Brabham qualifizierte sich auf Rang drei. Moss erzielte Startplatz vier vor Graham Hill und McLaren. Zwei weitere Fahrer des Lotus-Werksteams folgten auf den Rängen sieben und acht; Ferrari startete aus dem Mittelfeld von den Plätzen neun und zehn.

Taylor verunglückte im Training, verletzte sich den Arm und konnte am Rennen nicht teilnehmen. Auch Clark hatte einen Unfall, bei dem die Frontpartie seines Lotus 18 beschädigt wurde. Das Team reparierte den Wagen bis zum Rennen und Clark fuhr in einem Fahrzeug, bei dem ein Teil der Frontpartie mit Klebeband fixiert war.

Jack Brabham – Titelverteidigung nach dem Großen Preis von Portugal 1960 (Bild von 1966)

Brabham gewann das Startduell, doch bereits in der ersten Rennrunde übernahm Gurney die Führung. In der zweiten Rennrunde kam Brabham in einer Kurve zu weit nach außen und verlor mehrere Positionen. Moss verbesserte sich auf den zweiten Platz und duellierte sich in den folgenden Runden mit Surtees und Phil Hill. Erneut beendete die Unzuverlässigkeit des BRM P48 das Rennen vorzeitig für seine Fahrer. Bonnier hatte schon in Runde sechs einen Motorschaden, Teamkollege Graham Hill schied nur drei Umläufe später mit defektem Getriebe aus. Der einzig verbliebene B.R.M. von Gurney hatte ebenfalls ein Problem mit dem Motor. Nach zehn Runden, die er das Rennen anführte, fiel er zunächst mit einem Ölleck zurück und schied später ganz aus.

Da Surtees Moss überholt hatte und Gurney zurückfiel, war Surtees der neue Führende. Dies waren für Surtees die ersten Führungskilometer in der Automobilweltmeisterschaft. Moss blieb für einige Zeit dicht hinter Surtees, musste jedoch wegen einer Reparatur an die Box. Dadurch war Brabham wieder auf Rang zwei und kämpfte mit Phil Hill um diese Position.

Der weitere Rennverlauf war vor allem durch Ausfälle geprägt, die das Rennergebnis stark beeinflussten. Gregory schied in Runde 21 mit Getriebeschaden aus, Phil Hill verunfallte in Runde 30. Surtees behielt die Führung, bis in Runde 37 bei ihm ein Leck im Kraftstofftank auftrat. Der Kraftstoff floss daraufhin in den Fußraum seines Wagens und machte die Pedale rutschig. Dies führte zu einem Verbremser, durch den Surtees über einen Randstein fuhr und sich den Kühler beschädigte. Surtees stellte seinen Wagen ab und Brabham übernahm die Führung.

Nachdem auch de Cabral ausgefallen war, blieben lediglich acht Wagen im Rennen. Während Brabham dominierte, versuchte sich Moss um einige Positionen zu verbessern. Dabei verbremste er sich jedoch und fuhr in einen Strohballen der Streckenbegrenzung. Moss stieg aus seinem Lotus, schob den Wagen entgegengesetzt zur Fahrtrichtung an und sprang in den Wagen, um das Rennen fortzusetzen. Hierfür wurde Moss nachträglich disqualifiziert, da ein Anschieben des Wagens gegen die Fahrtrichtung nach damaligem Reglement nicht erlaubt war.

Durch die Ausfälle der Konkurrenz beherrschte Cooper erneut das Rennen. Brabham gewann mit 57 Sekunden Vorsprung vor seinem Teamkollegen McLaren. Für Brabham war es der fünfte Sieg in Folge, für Cooper der sechste Saisonerfolg. Damit erreichte Cooper die durch die Streichresultateregelung maximal mögliche Punktzahl von 48 in der Konstrukteurswertung. Brabham baute seinen Vorsprung auf McLaren auf sieben Punkte aus. Drittplatzierter des Rennens wurde Clark, der damit den ersten Podiumsplatz seiner Karriere erreichte. Vierter wurde Graf Berghe von Trips auf Ferrari vor Brooks und Ireland. Der letzte Fahrer, der das Ziel erreichte, war Gendebien auf Rang sieben. Im Duell um den zweiten Platz in der Konstrukteurswertung zwischen Lotus und Ferrari baute Lotus durch den dritten Platz von Clark den Vorsprung auf elf Punkte aus. Das Team benötigte bei zwei verbleibenden Rennen mindestens einen weiteren dritten Platz, um diesen Rang zu sichern. Die schnellste Rennrunde fuhr Surtees, die erste seiner Karriere in der Automobilweltmeisterschaft.

Das nächste Rennen war der Große Preis von Italien 1960, den die britischen Top-Teams weitgehend boykottierten. Damit verteidigte Brabham seinen Weltmeistertitel bereits in der Pause zwischen dem Großen Preis von Portugal und dem Großen Preis von Italien vorzeitig.

Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen
 Cooper Car Company 2  Jack Brabham Cooper T53 Climax 2.5 L4 D
4  Bruce McLaren
 Yeoman Credit Racing Team 6  Tony Brooks Cooper T51 Climax 2.5 L4 D
8  Olivier Gendebien
10  Henry Taylor
 Rob Walker Racing Team 12  Stirling Moss Lotus 18 Climax 2.5 L4 D
 Rob Walker Racing Team Cooper T51
 Team Lotus 14  Jim Clark Lotus 18 Climax 2.5 L4 D
16  Innes Ireland
18  John Surtees
 Owen Racing Organisation 20  Jo Bonnier BRM P48 BRM 2.5 L4 D
22  Graham Hill
24  Dan Gurney
 Scuderia Ferrari 26  Phil Hill Ferrari Dino 246F1 Ferrari 2.4 V6 D
28  Wolfgang Graf Berghe von Trips
 Scuderia Centro Sud 30  Masten Gregory Cooper T51 Maserati 2.5 L4 D
32  Mário de Araújo Cabral

Klassifikationen

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Startaufstellung

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Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start
1  John Surtees  Lotus-Climax 2:25,560 183,02 km/h 1
2  Dan Gurney  B.R.M. 2:25,630 182,93 km/h 2
3  Jack Brabham  Cooper-Climax 2:26,050 182,40 km/h 3
4  Stirling Moss  Lotus-Climax 2:26,190 182,23 km/h 4
5  Graham Hill  B.R.M. 2:27,110 181,09 km/h 5
6  Bruce McLaren  Cooper-Climax 2:27,440 180,68 km/h 6
7  Innes Ireland  Lotus-Climax 2:27,520 180,59 km/h 7
8  Jim Clark  Lotus-Climax 2:28,360 179,56 km/h 8
9  Wolfgang Graf Berghe von Trips  Ferrari 2:28,400 179,51 km/h 9
10  Phil Hill  Ferrari 2:28,420 179,49 km/h 10
11  Masten Gregory  Cooper-Maserati 2:29,160 178,60 km/h 11
12  Tony Brooks  Cooper-Climax 2:32,120 175,12 km/h 12
13  Jo Bonnier  B.R.M. 2:33,340 173,73 km/h 13
14  Olivier Gendebien  Cooper-Climax 2:33,730 173,29 km/h 14
15  Mário de Araújo Cabral  Cooper-Maserati 2:33,850 173,16 km/h 15
Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde
1  Jack Brabham  Cooper-Climax 55 2:19:00,030 3 2:28,210 (23.)
2  Bruce McLaren  Cooper-Climax 55 + 57,970 6 2:29,730 (27.)
3  Jim Clark  Lotus-Climax 55 + 1:53,230 8 2:29,560 (40.)
4  Wolfgang Graf Berghe von Trips  Ferrari 55 + 1:58,810 9 2:28,740 (44.)
5  Tony Brooks  Cooper-Climax 49 + 6 Runden 12 2:29,270 (23.)
6  Innes Ireland  Lotus-Climax 48 + 7 Runden 7 2:29,490 (37.)
7  Olivier Gendebien  Cooper-Climax 46 + 9 Runden 14 2:36,500 (7.)
 Mário de Araújo Cabral  Cooper-Maserati 38 DNF 15 2:37,990 (34.)
 John Surtees  Lotus-Climax 37 DNF 1 2:27,530 (33.)
 Phil Hill  Ferrari 30 DNF 10 2:28,190 (24.)
 Dan Gurney  B.R.M. 25 DNF 2 2:28,550 (5.)
 Masten Gregory  Cooper-Maserati 21 DNF 11 2:35,900 (8.)
 Graham Hill  B.R.M. 9 DNF 5 2:30,490 (3.)
 Jo Bonnier  B.R.M. 6 DNF 13 2:30,620 (3.)
DSQ  Stirling Moss[# 1]  Lotus-Climax 51 + 4 Runden 4 2:27,560 (29.)
DNS  Henry Taylor[# 2]  Cooper-Climax

Anmerkungen

  1. Moss schob seinen Wagen nach einem Dreher entgegengesetzt zur Fahrtrichtung an und sprang in den Wagen, woraufhin er disqualifiziert wurde.
  2. Taylor verunfallte im Training und konnte aufgrund der erlittenen Verletzungen nicht zum Rennen starten.

WM-Stände nach dem Rennen

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Die ersten sechs des Rennens bekamen 8, 6, 4, 3, 2, 1 Punkte. Es zählten nur die sechs besten Ergebnisse aus zehn Rennen. In der Konstrukteurswertung zählten nur die Punkte des bestplatzierten Fahrers eines Teams. Streichresultate sind in Klammern gesetzt.

Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte
1  Jack Brabham Cooper-Climax 40
2  Bruce McLaren Cooper-Climax 33
3  Innes Ireland Lotus-Climax 12
4  Stirling Moss Cooper-Climax 11
5  Olivier Gendebien Cooper-Climax 10
6  Jim Rathmann Watson-Offenhauser 8
7  Jim Clark Lotus-Climax 8
8  Wolfgang Graf Berghe von Trips Ferrari 8
9  Phil Hill Ferrari 7
10  Tony Brooks Cooper-Climax 7
11  John Surtees Lotus-Climax 6
12  Cliff Allison Ferrari 6
13  Rodger Ward Watson-Offenhauser 6
14  Graham Hill B.R.M. 4
15  Paul Goldsmith Epperly-Offenauser 4
16  Henry Taylor Cooper-Climax 3
17  Carlos Menditéguy Cooper-Maserati 3
18  Don Branson Phillips-Offenhauser 3
19  Jo Bonnier B.R.M. 2
20  Richie Ginther Ferrari 2
21  Johnny Thomson Lesovsky-Offenhauser 2
22  Eddie Johnson Trevis-Offenhauser 1
23  Lucien Bianchi Cooper-Climax 1
24  Ron Flockhart Lotus-Climax 1
25  Carel Godin de Beaufort Cooper-Climax 0
Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte
26  Ian Burgess Cooper-Maserati 0
27  Dan Gurney B.R.M. 0
28  Maurice Trintignant Cooper-Climax 0
29  Alberto Rodríguez Larreta Lotus-Climax 0
30  José Froilán González Ferrari 0
31  David Piper Lotus-Climax 0
32  Bruce Halford Cooper-Climax 0
33  Brian Naylor JBW-Maserati 0
34  Roberto Bonomi Cooper-Climax 0
35  Masten Gregory Porsche 0
36  Gino Munaron Maserati 0
37  Nasif Estéfano Maserati 0
 Willy Mairesse Ferrari 0
 Mário de Araújo Cabral Cooper-Maserati 0
 Chuck Daigh Scarab 0
 Roy Salvadori Cooper-Climax 0
 Ettore Chimeri Maserati 0
 Antonio Creus Maserati 0
 Giorgio Scarlatti Maserati 0
 Lance Reventlow Scarab 0
 Jack Fairman Cooper-Climax 0
 Keith Greene Cooper-Maserati 0
 Harry Schell Cooper-Climax 0
 Alan Stacey Lotus-Climax 0
 Chris Bristow Cooper-Climax 0

Konstrukteurswertung

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Pos. Konstrukteur Punkte
1  Cooper-Climax 48 (54)
2  Lotus 28 (29)
3  Ferrari 16
4  B.R.M. 6
5  Cooper-Maserati 3
Pos. Konstrukteur Punkte
6  JBW-Maserati 0
 Porsche 0
 Maserati 0
 Scarab 0
 Vanwall 0