Gryfów Śląski

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Gryfów Śląski
Wappen von Gryfów Śląski
Gryfów Śląski (Polen)
Gryfów Śląski
Gryfów Śląski
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Lwówek Śląski
Fläche: 6,63 km²
Geographische Lage: 51° 2′ N, 15° 25′ OKoordinaten: 51° 2′ 0″ N, 15° 25′ 0″ O
Höhe: 325 m n.p.m.
Einwohner: 6693
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 59-620
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DLW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Jelenia GóraZgorzelec
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 7 Schulzenämter
Fläche: 66,61 km²
Einwohner: 9813
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 147 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0212013
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Olgierd Poniźnik
Adresse: Rynek 1
59-620 Gryfów Śląski
Webpräsenz: www.gryfow.pl



Gryfów Śląski (deutsch Greiffenberg) ist eine Stadt im Powiat Lwówecki in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Greiffenberg (Greiffenbg.) südwestlich von Löwenberg auf einer Landkarte von 1905.
Erwähnung des Ortes als Greyfembg in einem Dokument des böhmischen Königs Wenzel des IV. von 1384
Blick auf die Stadt aus südlicher Richtung.

Die Stadt liegt in Niederschlesien am Queis oberhalb der Talsperre Goldentraum.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus am Ring
Pfarrkirche St. Hedwig
Straßenzug mit Geschäftshäusern
Brunnen im Stadtzentrum
Queis-Brücke

Die Stadt Greiffenberg entstand wahrscheinlich während der Herrschaft des Herzogs Bolko I. von Schweidnitz-Jauer im Waldgebiet zwischen Böhmen, dem schlesischen Bobergau und dem lausitzischen Gau Zagost.[2] Ein Stadtprivileg zu Löwenberger Recht wurde 1354 erteilt, 1405 bekam die Stadt das Recht Mauern zu errichten. Die Entstehungsgeschichte einer an der Stadtmauer gelegenen Stadtburg ist nicht bekannt.[2] Zuerst herzoglich kam sie 1418 gemeinsam mit der zwei Kilometer südlich gelegenen Burg Greiffenstein und der Stadt Friedeberg durch Schenkung des böhmischen Königs Wenzel an dessen Rat Jan von Chotěmice. Dieser verkaufte die Herrschaft noch im selben Jahr an den Ritter Gotsche II. Schoff, Herrn auf Kynast, dessen Nachfahren (die sich fortan ihm zu Ehren „Schoff, Gotsch genannt“ schrieben) sie bis 1945 innehatten.

Die Namen der an der Grenze zur Lausitz liegenden Burg Greiffenstein oder der Grenzstadt Greiffenberg könnten von einem Angriff eines Feindes stammen. Der Chronikschreiber Knie berichtet in einer geographischen Beschreibung Schlesiens aus dem Jahr 1832 aufgrund einer alten Sage, dass während der Errichtung der Burg ein Nest mit jungen Greifen gefunden worden sei und deshalb die Burg „Greiffenstein“ genannt wurde. Diese Sage spiegelt sich im Wappen wider, welches einen märchenhaften Vogel – halb Adler, halb Löwe –, der in seinen Krallen einen Ritter im Harnisch hält, zeigt. Dasjenige von Greiffenstein stellt denselben, legendären „Vogel“ mit einem Stein in den Klauen dar und ist in das Wappen der Freiherren und später Grafen Schaffgotsch eingegangen.

Das 15. Jahrhundert brachte eine ganze Reihe Katastrophen: gewaltige Stürme mit Überschwemmungen, Seuchen, die die Einwohner bis auf zwölf Menschen hinwegrafften und die umliegenden Dörfer verwüsteten, Dürren und Brände der ganzen Stadt. Die von 1427 bis 1431 mit Unterbrechungen andauernden Hussitenkriege hatten viele Schäden verursacht. Trotz dieser Widrigkeiten schaffte es das Bürgertum der Stadt, im Jahr 1512 die gemauerte Kirche und das Pfarrhaus wiederaufzubauen. 1524 wurde ein prachtvolles Rathaus errichtet. Im Jahr 1542 wurde der Glockenturm der Kirche erhöht. 1544 ließ Hans Schaffgotsch am Queis eine Mühle mit sechs Mühlrädern bauen und hinter dem Hirschberger Tor errichtete er mit seinem Bruder Christoph ein Krankenhaus. Aus dieser Zeit stammt ein einzigartiges Epitaph der Familie Schaffgotsch. Es erinnert an das Unglück der Familie in den Jahren 1584–1589, als Hans Schaffgotsch und seine Frau Magdalena v. Zedlitz verstarben, wenig später ihr Sohn Hans Ulrich, die Tochter Magdalena und 1601 schließlich deren Mann Christoph. Das in Sandstein gehauene Werk mit Porträts der Verstorbenen in natürlicher Größe ist eines der wenigen solcher Werke, die im Renaissancestil entstanden sind. Außerdem befinden sich in der Schaffgotsch-Kapelle die Gräber von Christophs zweiter Frau, Eleonore v. Promnitz, in zweiter Ehe verheiratet mit dem Grafen Johann Georg von Hohenzollern, und seiner 1631 verstorbenen Schwiegertochter Barbara Agnes Schaffgotsch, der Tochter des Herzogs Joachim Friedrich von Liegnitz und Brieg und Gemahlin des unglücklichen Generals Hans Ulrich.

Mitte des 17. Jahrhunderts gab es in Greiffenberg schon 26 Warenhäuser, die Geschäfte im Inland und im Ausland betrieben. Das Entstehen der Manufakturen hatte die kleinen Heimproduktionen in organisiertere Formen umgewandelt. Die Betriebe hatten die Produktion von Leinen-Damast und anderer Stoffe begonnen. Die ökonomische Lage begann sich zu stabilisieren, als im Jahr 1783 ein gefährlicher Brand ausbrach. Der Brand zerstörte die Brauerei, Mälzerei, das Pfarrgebäude und 120 Bürgerhäuser. Verschont blieben nur die Häuser in der Rzeczna Straße und an der südlichen und westlichen Marktplatzseite. Diese Katastrophe überstand die Stadt. Die napoleonischen Kriege verursachten keine größeren Schäden. Wichtiges Industriezentrum und bedeutendstes Unternehmen wurden die Greiff-Werke, in deren Textilfabriken insgesamt 7.000 Menschen arbeiteten.

Im Jahr 1865 erhielt Greiffenberg einen Bahnhof an der Schlesischen Gebirgsbahn von Görlitz nach Hirschberg. Nebenstrecken führten später nach Löwenberg, Bad Flinsberg und über die nahe Landesgrenze ins böhmische Friedland.

Die damals modernste Fabrik des Unternehmens Siemens wurde 1927 eröffnet und im Jahr 1996 durch ITT Industries übernommen. Während der Hyperinflation von 1919 bis 1923 emittierte die Stadtsparkasse eigene städtische Geldscheine und Münzen. Nach dem Brand des Rathausturmes im Jahr 1929 wurde der Turm in moderner Form wiederaufgebaut. Die beim Bau eingesetzte und bis heute erhaltene Stahlbetonkonstruktion war eine der ersten dieses Typs in Niederschlesien.

Bis 1945 gehörte Greiffenberg zum Landkreis Löwenberg in Schlesien im Regierungsbezirk Liegnitz der preußischen Provinz Niederschlesien des Deutschen Reichs.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Greiffenberg im Sommer 1945 zusammen mit fast ganz Schlesien von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt. Für Greiffenberg führten die Polen den Ortsnamen Gryfów Śląski („Schlesisch Greiffenberg“) ein. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde nahezu vollständig aus Greiffenberg vertrieben und dafür Polen aus anderen Landesteilen angesiedelt.

1996 wurden für das Gemeindewappen und die Flagge die historischen Farben blau und gelb der Oberlausitz festgelegt, deren Ostgrenze der Queis bildet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1890 3.460 davon 2.740 Evangelische und 716 Katholiken[3]
1933 4.113 [3]
1939 4.344 [3]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Gryfów Śląski besteht neben dem Hauptort Gryfów Śląski aus folgenden Ortsteilen:

  • Krzewie Wielkie (Groß Stöckigt)
  • Młyńsko (Mühlseiffen)
  • Proszówka (Gräflich Neundorf)
  • Rząsiny (Welkersdorf)
  • Ubocze (Schosdorf)
  • Wieża (Wiesa)
  • Wolbromów (Klein-Neundorf)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Schmidt (1914–1979), deutscher Schriftsteller, seit 1934 tätig bei den GREIFF-Werken in Greiffenberg; seit 1938 dort bis zur Einberufung in den Zweiten Weltkrieg wohnend.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Gotthelf Luge: Chronik der Stadt Greffenberg in Schlesien. Greifenberg 1861 (Volltext).
  • Hermann Teichgräber, Elisabeth Zimmermann: Greiffenberger Leinenkaufleute in vier Jahrhunderten. Görlitz 1938.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gryfów Śląski – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. a b Hugo Weczerka, Handbuch der historischen Stätten, Schlesien. 2003, ISBN 3-520-31602-1, S. 148.
  3. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/loewenberg.html#ew39lwbggreiff