Lwówek Śląski

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Lwówek Śląski
Wappen von Lwówek Śląski
Lwówek Śląski (Polen)
Lwówek Śląski
Lwówek Śląski
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Lwówek Śląski
Fläche: 16,61 km²
Geographische Lage: 51° 7′ N, 15° 35′ OKoordinaten: 51° 7′ 0″ N, 15° 35′ 0″ O
Höhe: 202 m n.p.m.
Einwohner: 9077
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 59-600
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DLW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: OlszynaLegnica
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 240,37 km²
Einwohner: 17.560
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 73 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0212033
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Mariola Szczęsna
Adresse: al. Wojska Polskiego
25
A
59-600 Lwówek Śląski
Webpräsenz: www.lwowekslaski.pl



Lwówek Śląski [ˈlvuvɛk ˈɕlõsci] (deutsch Löwenberg in Schlesien) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien. Die Stadt hat etwa 9.500 Einwohner und gehört der Euroregion Neiße an.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im westlichen Teil Niederschlesiens am Fluss Bober (poln. Bóbr), etwa 50 km nordwestlich von Jelenia Góra (Hirschberg), 50 km südwestlich von Legnica (Liegnitz), 20 km südlich von Bolesławiec (Bunzlau) und 50 km östlich von Görlitz.

Etwa 15 km südlich der Stadt liegt der Landschaftsschutzpark Bobertal (poln. Park Krajobrazowy Doliny Bobru), der mit ca. 1333 Hektar zu den größten der Woiwodschaft Niederschlesien zählt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalterliche Bunzlauer Turm im Norden der Stadt.
Panorama von Lwówek Śląski, von Westen her gesehen.
Löwenberg nördlich von Hirschberg auf einer Landkarte von 1905.

Stadtgründung und Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Löwenberg wurde von den Breslauer Herzögen gegründet und erhielt bereits im Jahr 1209 von Herzog Heinrich I. wichtige Privilegien, wie das Braurecht, Mahlrecht, Fischfangrecht und Jagdrecht im Umkreis einer Meile. Auch hatte Löwenberg im Jahr 1209 bereits ein eigenes deutsches Schöffengericht; es war das erste in Schlesien und wurde bei besonderen Rechtsstreitigkeiten auch von anderen schlesischen Städten angerufen.[3] Vier Jahre später erfolgte die Erhebung zur deutschrechtlichen Stadt. Bei der Teilung des Herzogtums Breslau gelangte Löwenberg 1248 an das Herzogtum Liegnitz, das für Heinrichs Sohn Boleslaw II. errichtet wurde. Für dieses Jahr ist eine herzogliche Burg in Löwenberg nachgewiesen. Von 1281 bis 1286 war Löwenberg Sitz des gleichnamigen Herzogtums Löwenberg, dessen regierender Herzog Bernhard I. war. Nach dessen Tod 1286 vereinte sein Bruder Bolko I. Löwenberg wiederum mit Jauer, behielt jedoch die Titulatur Herzog von Löwenberg bei.

Nach dem Tode des Herzogs Bolko fiel das Herzogtum Schweidnitz-Jauer 1368 als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen, wobei der Herzoginwitwe Agnes von Habsburg testamentarisch eine lebenslange Nutznießung eingeräumt wurde. Die Lage der Stadt an der Via Regia machte sie zu einer der wohlhabenden Städte Böhmens.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Dreißigjährigen Krieges waren vor allem die Jahre zwischen 1633 und 1643 eine Zeit wiederholter Verwüstungen durch schwedische und kaiserliche Truppen. Am Ende des Krieges war die Stadt weitgehend zerstört und die Bevölkerung auf wenige Hundert dezimiert. Nach dem Wiederaufbau begann wieder ein langsamer Aufschwung. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Löwenberg mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen.

Im Mai 1813 zogen französische Truppen in Löwenberg ein, und Napoleon selbst hielt sich hier vom 21. bis zum 23. August auf, um die Verteidigung gegen die Truppen General Blüchers zu organisieren. Nur wenige Tage später vertrieb die preußische Armee die Franzosen, wobei mehr als 3000 französische Soldaten im Hochwasser führenden Fluss Bober ertranken. Löwenberg kam 1814 zur neugegründeten Provinz Schlesien und war seit 1816 Kreisstadt des gleichnamigen Kreises. Ab 1871 gehörte es mit Preußen zum Deutschen Reich.

20. Jahrhundert bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turm der ehemaligen evangelischen Kirche.

Nach dem Ersten Weltkrieg waren Stadt und Kreis Teil der Provinz Niederschlesien. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Löwenberg zusammen mit dem größten Teil Schlesiens von der Sowjetunion unter polnische Verwaltung gestellt. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben und durch Neusiedler aus Zentralpolen sowie Aussiedler aus Gebieten östlich der Curzon-Linie ersetzt, die dort polnischen Minderheiten angehört hatten.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges waren über 40 % der alten Stadt zerstört. Viel schwerwiegender für das Stadtbild war allerdings die Nachkriegszeit. In den 1960er und 1970er Jahren wurden 80 % der Altstadt eingeebnet und durch moderne Zeilenbauten entlang der alten Straßen ersetzt (Sozialistische Stadt). So auch am Marktplatz, wo nur das Rathaus und der innere Ringblock erhalten blieben. Zahlreiche Gebäude der Gotik, Renaissance und Barock gingen verloren. Vom großflächigen Abriss verschont blieben lediglich einige Häuser an den Rändern der Altstadt und die öffentlichen Bauten, die nunmehr als Solitäre im aufgelockerten Stadtbild standen. Die evangelische Kirche wurde 1972 bis auf ihren Turm abgerissen. Heute ist Lwówek Śląski Sitz des Powiat Lwówecki.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1825 3.552 davon 788 Katholiken und 44 Juden[4]
1829 3.260 davon 718 Katholiken und 29 Juden[5]
1840 3.770 davon 2.865 Evangelische, 853 Katholiken und 52 Juden [6]
1890 4.782 davon 3.656 Evangelische, 1.031 Katholiken und 31 Juden[7]
1900 5.293 meist Evangelische[8]
1933 6.063 [7]
1939 6.337 [7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Löwenberger Rathaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Löwenberger Rathaus (15. Jahrhundert)

Ein Rathaus wurde bereits im Jahr 1345 erwähnt. Die heutige rechteckige Grundform des Backsteingebäudes stammt von 1480. Der Westturm wurde wiederum zwischen 1500 und 1504 erbaut. Die spätgotische Gestalt im Innen- und Außenbereich erhielt das Löwenberger durch Umbauten in den Jahren 1522 bis 1524 sowie 1546/47. Aus dieser Zeit stammt ebenfalls das Netzgewölbe im Erdgeschoss[9].

Nach dem Entwurf von Hans Poelzig entstand zwischen 1903 und 1905 ein mit Arkaden versehener Anbau. 1945 wurde das Rathaus leicht zerstört und brannte teilweise aus. Zwischen 1955 und 1958 wurde das Gebäude wieder original rekonstruiert und aufgebaut[10].

Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau der katholischen Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt (poln. Kościół Wniebowzięcia NMP) geht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Auf dem Grundstück stand eine von Herzog Heinrich I. gestiftete spätromanischen Basilika. Nach einem Brand entstand die heutige äußere Gestalt der Kirche zwischen 1493 und 1511. Von der alten Basilika sind die beiden Türm am Westportal erhalten geblieben. 1752 brannte die Kirche erneut aus und wurde zwischen 1863 und 1866 wieder aufgebaut. Dabei erhielt sie die heutige Ausstattung im Inneren. Dazu zählen unter anderem der neogotische Hauptaltar und Seitenaltäre, die Kanzel sowie die Orgel. Zwischen 1977 und 1977 wurde das Gotteshaus renoviert[11][12].

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtmauer mit Laubaner Turm und Bunzlauer Turm
  • Pfarrkirche und Kloster der Franziskaner aus dem 13. Jahrhundert
  • erhaltene Bürgerhäuser (Brotbänke und Schuhkrambuden) des inneren Ringblocks
  • Renaissance-Schloss in Plagwitz (eingemeindet)
  • Palais des Fürsten von Hohenzollern-Hechingen, später Landratsamt, heute Stadt- und Gemeindeamt. 1850–1852 nach Entwürfen von Friedrich August Stüler im Stil der Neo-Renaissance erbaut
  • Sandstein-Felsen in der "Löwenberger Schweiz" (südlich der Stadt)

Stadtwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

POL Lwówek Śląski COA.svg

Der Wappenschild ist gespalten; vorne in Silber ein golden gekrönter, roter Löwe; hinten in Gold ein rot, silbern und schwarz geschachter Adler (Schweidnitzer Piasten). Zu diesem Schild gehört ein offener, rechts roter, mit sieben goldenen Seeblättern bestreuter und links silberner, mit sieben roten Seeblättern bestreuter Flug.

Der Wappen wurde am Valentinstag (14.2.) 1501 vom Lehnsherrn, dem böhmischen König Vladislav II von Böhmen, auf Bitte des Stadtrates verliehen und bereits am 26. Februar 1501 von Kaiser Maximilian I. bestätigt (unter Nennung des Stadtnamens als "Lembergk"). Der Löwe wurde bereits auf einem Stadtsiegel 1341 gezeigt.[13]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Lwówek Śląski hat neben der Stadtgemeinde folgende Ortsteile (deutsche Namen amtlich bis 1945)[14] mit einem Schulzenamt:

  • Bielanka (Lauterseiffen)
  • Brunów (Braunau)
  • Chmielno (Ludwigsdorf)
  • Dębowy Gaj (Siebeneichen)
  • Dłużec (Lang Neundorf)
  • Dworek (Höfel)
  • Gaszów (Gehnsdorf)
  • Górczyca (Hohndorf)
  • Gradówek (Hagendorf)
  • Kotliska (Kesselsdorf)
  • Mojesz (Nieder Mois)
  • Nagórze (Neundorf-Liebenthal)
  • Niwnice (Neuland)
  • Pieszków (Petersdorf)
  • Płóczki Dolne (Nieder Görisseiffen)
  • Płóczki Górne (Ober Görisseiffen)
  • Radłówka (Hartelangenvorwerk)
  • Radomiłowice (Radmannsdorf)
  • Rakowice Małe (Wenig Rackwitz)
  • Rakowice Wielkie (Groß Rackwitz)
  • Skała (Hohlstein)
  • Skorzynice (Hartliebsdorf)
  • Sobota (Zobten a. Bober)
  • Ustronie (Seitendorf)
  • Włodzice Małe (Klein Walditz)
  • Włodzice Wielkie (Groß Walditz)
  • Zbylutów (Deutmannsdorf)
  • Żerkowice (Sirgwitz)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lwówek Śląski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Scholz: Die Schwalben der Kindheit. Dingsda-Verlag, Querfurt 1995, ISBN 3-928498-38-X. In dem Roman werden Flucht und Vertreibung dargestellt, vor allem jene Zeitspanne bis zum Dezember 1946, als Deutsche und Polen hier gemeinsam lebten.
  • Thomas Maruck: Herzlich willkommen in Löwenberg/Lwowek Slaski und Schloss Braunau/Brúnow. Senfkorn Verlag (Görlitz)
  • Unb. Autor: Letzte Tage in Stadt und Kreis Löwenberg. Schlesier berichten von Flucht, Unterdrückung und Vertreibung. Görlitz 2000.
  • Landkreis Hannover (Hrsg.): Heimatbuch des Kreises Löwenberg in Schlesien. Hannover 1959.
  • Möller, Adolf: Eine Wanderung durch den Kreis Löwenberg in Schlesien. Bückeburg 1968.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Landschaftsschutzpark Bobertal
  3. Eduard Ludwig Wedekind: Neue Chronik der Stadt Züllichau von den ersten Anfängen ihrer Entstehung bis auf die gegenwärtige Zeit. Züllichau 1846, S. 62.
  4. Johann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 963-965.
  5. Johann Georg Knie: Kurze geographische Beschreibung von Preußisch-Schlesien, der Grafschaft Glaz und der Preußischen Markgrafschaft Ober-Lausitz oder der gesamten Provinz Preußisch-Schlesien: Zum Gebrauch für Schulen. Erstes Bändchen. Breslau 1831. Seite 156–162 von Kapitel I: Bezirk der königl. Regierung zu Breslau (S. 347–350 der E-Kopie der Bibliothek Gyfrowa).
  6. Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 867-868.
  7. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/loewenberg.html
  8. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 12, Leipzig/Wien 1908, S. 750.
  9. Thomas Maruck: Herzlich willkommen in Löwenberg/Lwowek Slaski und Schloss Braunau/Brúnow. Senfkorn Verlag (Görlitz) S. 5–6
  10. http://lwowek-slaski.dolny-slask.org.pl/523136,Lwowek_Slaski,Ratusz.html
  11. http://lwowek-slaski.dolny-slask.org.pl/548569,Lwowek_Slaski,Kosciol_Wniebowziecia_NMP.html
  12. Thomas Maruck: Herzlich willkommen in Löwenberg/Lwowek Slaski und Schloss Braunau/Brúnow. Senfkorn Verlag (Görlitz) S. 4
  13. Otto Zimmermann: Wappen der Kreisstadt Löwenberg, Bote aus dem Queistale, Januar 1962, S. 2
  14. Das Genealogische Orts-Verzeichnis