Hamburg-Harvestehude

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Wappen von Hamburg
Harvestehude
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 34′ 40″ N, 9° 59′ 20″ OKoordinaten: 53° 34′ 40″ N, 9° 59′ 20″ O
Fläche 2,0 km²
Einwohner 17.479 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte 8740 Einwohner/km²
Postleitzahl 20144, 20146, 20148, 20149, 20249, 20253
Vorwahl 040
Bezirk Eimsbüttel
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein
Beim Waisenhause 1855 (heute Harvestehuder Weg/Frauenthal)

Harvestehude ist ein Stadtteil im Bezirk Eimsbüttel der Freien und Hansestadt Hamburg.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harvestehude liegt auf einem Geestrücken westlich der Außenalster. Im Süden schließt der Stadtteil Rotherbaum an und im Westen Eimsbüttel. Im Norden trennt der Isebekkanal Harvestehude von den Stadtteilen Eppendorf und Hoheluft. Zu Harvestehude gehören die Grindelhochhäuser, der größte Teil von Pöseldorf und das Klosterland rund um den Innocentiapark. Am östlichen Rand, am Alstervorland, verläuft der Harvestehuder Weg.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name geht zurück auf das ehemalige Kloster Harvestehude, das von 1293 bis 1530 nordwestlich des heutigen Eichenparks lag. Dabei handelt es sich um eine Übertragung vom vormaligen Standort des Klosters, Herwardeshude am Pepermölenbek bei dem späteren Altona. In der wörtlichen Übersetzung wäre die Bedeutung Stapelplatz an einer Fährstelle (Hude) des Hüters des Heeres (Herward), allerdings war Herward im 12. und 13. Jahrhundert ein regional überaus gebräuchlicher Name, so dass die naheliegende Vermutung, ein gewisser Herward habe die Anlegestelle an diesem Ort, dem Pepermöhlenbek, gegründet, weit verbreitet in der Literatur zu finden ist. Nach dem Umzug an die Alster nannten die Nonnen ihr Kloster „In valle virginum“ (Jungfrauenthal), doch der volkstümliche Name blieb Die Frauen von Herwardeshude, aus dem sich schließlich in sprachlicher Veränderung und aus Wortspielerei der Name Harvestehude entwickelte. Der Hamburger Geschichten- und Sagenschreiber Otto Beneke führte dazu aus, dass diesen Ort „manche gute Hamburger, da ein Winterhude gegenüber liegt, auch wohl Herbstehude nennen und zwar gar nicht so irrig, denn ‚Harvest‘ ist das plattdeutsche Wort für Herbst.“[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1530 wurde das Kloster abgebrochen und in städtische Verwaltung übernommen. 1860 kaufte ein „Consortium Hamburger Bürger“ das Gut Harvestehude auf, erschloss das Land durch ein planmäßiges Straßennetz und verkaufte es weiter – meist an Immobilienspekulanten, die auf den parzellierten Grundstücken Villen und vornehme Etagenhäuser zum Verkauf und zur Vermietung an Angehörige der Hamburger Oberschicht und des Mittelstandes errichteten. Harvestehude wurde zu einem der vornehmsten Viertel Hamburgs. Der Name des zu Harvestehude gehörenden „Pöseldorf“ soll von „pöseln“ abgeleitet sein, was so viel wie „gärtnerisches Herumwirtschaften ohne großen wirtschaftlichen Erfolg“ bedeutete.

Als 1813 die wenigen Häuser in diesem Gartengebiet abbrannten, wurden hier zwischen Pöseldorfer Weg und Magdalenenstraße Remisen und Häuser für Kutscher, Handwerker, Krämer und Dienstboten gebaut.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet Grindelberg/Oberstraße/Brahmsallee/Hallerstraße stark zerstört. Zwischen 1949 und 1956 wurden dort die Grindelhochhäuser gebaut. Die britische Besatzungsmacht war Auftraggeber für den Bau der zwölf Hochhäuser mit acht bis 14 Geschossen. Später wurden sie durch die SAGA (Gemeinnützige Siedlungs-AG Hamburg) verwaltet.

Als 2015 in einem ehemaligen Kreiswehrersatzamt Asylbewerber untergebracht werden sollten, haben Einwohner des Stadtteils dagegen geklagt. Das Hamburger Verwaltungsgericht und das Oberverwaltungsgericht gaben ihrem Eilantrag statt und verfügten einen Baustopp. Laut Bebauungsplan, der noch aus den 50er-Jahren stammt, liege das Gebäude in einem „besonders geschützten Wohngebiet“, in dem keine soziale Einrichtung wie ein Flüchtlingsheim stehen dürfe. Daher ändert die Stadt Hamburg aktuell den Bebauungsplan um die Umnutzung zu ermöglichen.[2][3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grindelhochhäuser – Bezirksversammlung

Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Harvestehude zum Wahlkreis Rotherbaum-Harvestehude-Eimsbüttel-Ost.

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgerschaftswahl SPD CDU FDP Grüne1) Linke2) AfD Übrige
2015 37,9 17,6 17,0 13,3 07,4 03,7 03,1
2011 41,4 23,2 12,9 13,3 05,3 03,9
2008 28,5 47,7 07,4 10,8 04,5 01,0
2004 26,1 50,3 04,4 15,6 03,6
2001 35,0 27,0 11,3 12,1 00,3 14,33)
1997 28,1 34,3 06,9 19,0 00,7 11,04)
1993 31,3 26,9 08,0 19,9 13,95)
1991 36,5 39,1 09,5 11,7 00,8 02,4
1987 37,3 41,6 10,8 09,5 00,8
1986 29,2 45,4 09,6 15,1 00,7
Dez. 1982 36,8 46,8 04,5 11,2 00,7
Juni 1982 29,8 50,5 06,1 12,2 01,4
1978 32,8 48,8 07,8 07,5 03,1
1974 26,7 56,3 13,2 03,8
1970 36,5 46,2 12,1 05,2
1966 38,5 45,0 10,9 05,66)

1) 1978 als Bunte Liste – Wehrt Euch, 1982 bis 2011 als Grüne/GAL.
2) 1991 und 1997 als PDS/Linke Liste, 2001 als PDS.
3) Darunter 11,2 % für die Schill-Partei.
4) Darunter 5,2 % für die Statt Partei.
5) Darunter 7,4 % für die Statt Partei.
6) Darunter 5,4 % für die NPD.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtteil Harvestehude ist der NDR in der Rothenbaumchaussee 132 mit der NDR Hörfunk Zentrale sowie dem Landesfunkhaus vertreten. In direkter Nachbarschaft befindet sich der Konzertsaal Rolf-Liebermann-Studio des NDR.

Am Klosterstern findet ein großes Angebot an Kulturveranstaltung durch die Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern statt. Orgel-, Bläser-, Orchester- sowie Chorkonzerte der ansässigen Chöre (Kantorei St. Nikolai, Seniorenkantorei St. Nikolai, Männerensemble Vocallegro) werden neben Kultur- und Bildungsveranstaltungen des Kolleg St. Nikolai angeboten.

Das Kammerorchester Hamburger Camerata sowie der Hamburger Knabenchor St. Nikolai haben Ihren Sitz in der Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern.

Corpshaus Irminsul

Vortragsreihe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Harvestehuder Gespräche sind eine international und interdisziplinär angelegte akademische Vortragsreihe, welche vom Corps Irminsul in seiner Villa in der Parkallee 62 am Innocentiapark veranstaltet wird. Die Themen der an die 125 Referenten reichen von aktuellen Entwicklungen in Wirtschaft und Politik über Militärhistorie bis zu Weinkunde und Literatur.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil wird geprägt durch zahlreiche Villen und herrschaftliche Wohnhäuser, die ab etwa 1870 vorerst im Stil des Historismus gebaut wurden. Nach 1900 setzte sich in Harvestehude zunehmend der Jugendstil durch. Neuere Häuser entstanden nach dem Ersten Weltkrieg meist in den wenigen verbliebenen Baulücken oder insbesondere in den 1950er-Jahren auf den Trümmern der Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs.

Die Abrisse historischer Bausubstanz erreichten in den 1970er-Jahren in Harvestehude ihren Höhepunkt. Meist wichen Villen auf großen Grundstücken Appartementkomplexen. Auch heute noch kommt es immer wieder vor, dass historische Bausubstanz abgerissen wird, beispielsweise zuletzt im Sommer 2007 eine Villa des so genannten „romantischen Historismus“ aus den 1850er-Jahren am Mittelweg.

Die Grindelhochhäuser sind die ersten Hochhäuser, die 1946 bis Mitte der 1950er-Jahre zu Wohnzwecken gebaut wurden.

Die (neue) Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern wurde in den 1960er-Jahren als Ersatz für die ausgebombte ehemalige Hauptkirche St. Nikolai in der Hamburger Innenstadt gebaut. Sehenswert ist das Kirchenfenster von Elisabeth Coester und das Altarbild von Oskar Kokoschka.

Die neugotische Kirche St. Johannis Harvestehude, erbaut 1880 bis 1882, lag ursprünglich im Stadtteil und ist dort heute als Gemeinde aktiv. Gelegen ist das Gebäude allerdings heute im Stadtteil Rotherbaum.

Im vierten Stockwerk des Hauses Alsterchaussee 5 eröffnete Helmuth Gmelin im März 1948 das Theater im Zimmer. Im Mai 1952 zog das Theater aus Platzgründen auf die andere Straßenseite (Nr. 30) in eine aus dem 19. Jahrhundert stammende Villa um.

Innocentiapark

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innocentiapark sowie der bei der Nikolai-Kirche gelegene Simon-Bolivar-Park. Der im Ostteil von Harvestehude direkt an der Außenalster gelegene Park, das sogenannte Alstervorland, war 1953 das Gelände der Internationalen Gartenbauausstellung (kurz IGA 53). Die zuvor bis an die Außenalster grenzenden Privatgrundstücke wurden dazu von der Stadt erworben.

Isemarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Isemarkt ist ein beliebter Wochenmarkt, der in der parallel zum Isebekkanal verlaufenden Isestraße unter dem dortigen U-Bahn-Viadukt abgehalten wird. Mit einer Länge von 970 Metern soll er Europas längster Freiluftmarkt sein.[4] Markttage sind jeweils dienstags und freitags von 8:30 bis 14 Uhr.[5][6] Fällt ein Feiertag auf einen dieser Wochentage, wird der Markt am Tag davor abgehalten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die U-Bahnlinien U1 und U3 durchqueren den Stadtteil. Die Metrobuslinie 5 führt am Grindelberg durch den Stadtteil, die 15 fährt auf dessen Südgrenze, der Hallerstraße; die Linie 109 durchquert den Ostteil von Harvestehude, entlang des Mittelwegs.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem der Grindelhochhäuser ist das Bezirksamt Eimsbüttel untergebracht.

Im Gebäude Sophienterrasse 1 befand sich das Kreiswehrersatzamt Hamburg.[7]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat seinen Sitz in Harvestehude. Das Funkhaus wird oft als Funkhaus am Rothenbaum bezeichnet, obwohl es in Harvestehude liegt. Es liegt allerdings an der Straße Rothenbaumchaussee. Die Ganske-Verlagsgruppe hat ihren Sitz am Harvestehuder Weg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Harvestehude – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Otto Beneke: Das alte Harvestehude. In: Hamburgische Geschichten und Sagen, Hamburg 1886. Nr. 27 (Wikisource)
  2. Villenviertel kämpft um seinen Ruf SZ.de vom 8. Juli 2015
  3. Harvestehude bekommt nun doch ein Flüchtlingsheim ZEIT.de vom 17. September 2015
  4. Kultur-Stadtplan Hamburg
  5. http://www.spiegel.de/sptv/nachtclub/a-194014.html
  6. https://www.ndr.de/ratgeber/reise/hamburg/Auf-dem-Isemarkt-kauft-Hamburg-ein,isemarkt104.html
  7. Hamburg will den leer stehenden Bürokomplex nahe der Alster erwerben. Dort will die Sozialbehörde nach einem Umbau eine Unterkunft für Flüchtlinge schaffen.