Paul Hörbiger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Paul Hörbiger (1939)

Paul Hörbiger (* 29. April 1894 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 5. März 1981 in Wien) war ein österreichischer Schauspieler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Hörbiger wuchs als Sohn des Ingenieurs Hanns Hörbiger und seiner Ehefrau Leopoldine mit drei Brüdern im Kaiserreich Österreich-Ungarn auf. 1902 zog die Familie nach Wien. Nach der Matura am Stiftsgymnasium St. Paul im Lavanttal diente Hörbiger ab 1914 freiwillig im Ersten Weltkrieg in einem Gebirgsartillerie-Regiment. Mehrfach ausgezeichnet, wurde er am 1. November 1918 zum Oberleutnant befördert. Durch den Krieg verlor sein Vater sein gesamtes Vermögen, das er in Kriegsanleihen investiert hatte, und die Familie verarmte.

Mehr oder weniger durch Zufall kam Paul zur Schauspielerei. Er absolvierte die Schauspielschule Otto in Wien und begann seine Schauspielkarriere 1919 beim Stadttheater Reichenberg (heute Liberec) in Böhmen und 1920 bis 1926 beim Deutschen Theater in Prag. Mit einem Engagement am Deutschen Theater Berlin von Max Reinhardt (1926 bis 1940) schaffte Hörbiger den großen Durchbruch. Ab 1929 spielte er zudem unter anderem an den Baranowsky-Bühnen und am Kabarett der Komiker.

In den 1930er-Jahren wurde Paul Hörbiger mit Tonfilmen zu einem der populärsten deutschsprachigen Schauspieler. In seinen Rollen verkörperte er den Typus eines herzensguten Menschen mit viel Lebenslust, in Hans Moser fand Hörbiger einen kongenialen Partner. Von 1940 bis 1943 war Paul Hörbiger im Ensemble des Wiener Burgtheaters zu sehen. Er trat 1943 bei den Salzburger Festspielen als Papageno mit Gusti Huber als Partnerin in Mozarts Die Zauberflöte auf. Im Jahr 1936 gründete er mit E. W. Emo und dem österreichischen Konsul Karl Künzel in Berlin die Algefa-Film.

Wie viele andere Künstler stellte sich auch Hörbiger 1938 nach dem Anschluss Österreichs der NS-Propaganda für den Aufruf zur „Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs an Deutschland“ zur Verfügung[1], wandte sich jedoch in der Folge von den Nationalsozialisten ab. In seiner Autobiografie erwähnt er, er habe bei der Abstimmung, ebenso wie seine Frau, mit „nein“ gestimmt.[2]

Er benutzte seine Popularität, um vielen jüdischen Kollegen aus der Wiener Künstlerszene zur Flucht in die Schweiz zu verhelfen. Im Jahr 1944 wurde Hörbiger von Goebbels auf die Gottbegnadeten-Liste gesetzt, zählte also zu jenen „unersetzbaren“ Künstlern, die vom Front- und Arbeitsdienst befreit waren und denen eine gewisse Bewegungsfreiheit eingeräumt wurde.[3] Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges schloss sich Hörbiger einer kleineren Widerstandsgruppe an, die vom Cafetier Richard Patsch in Wien gegründet worden war, und gewann weitere Künstlerpersönlichkeiten wie Theo Lingen oder Oskar Sima für den Widerstand. Er war allerdings keineswegs eine Galionsfigur des Widerstands, wie er in seinen Memoiren behauptete.[3] Seinen politischen Status und seine Unantastbarkeit im Reich Hitlers dürfte er überschätzt haben, als er der Widerstandsgruppe einen Scheck über 3.000 Reichsmark mit seiner Unterschrift übergab. Als das bekannt wurde, wurde er 1945 durch das NS-Regime verhaftet, im Wiener Landesgericht inhaftiert und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Das Kriegsende rettete ihm vermutlich das Leben. Kurz davor meldete der deutschsprachige Sender der BBC aus Propagangagründen seinen Tod.

Ehrengrab von Paul Hörbiger auf dem Wiener Zentralfriedhof (32C-52)

Nach dem Krieg konnte Paul Hörbiger im Gegensatz zu seiner Schwägerin Paula Wessely seine Karriere ohne Unterbrechung fortsetzen. Bei der Entnazifizierungskommission sagte er zugunsten seines Bruders Attila Hörbiger aus. Während diese in den 1950er Jahren hauptsächlich Theater spielten, war Paul vorwiegend in Film und Fernsehen zu sehen. Zu seinen bekanntesten Filmen in dieser Zeit gehören unter anderem Der dritte Mann (The Third Man), Hallo Dienstmann, Der Raub der Sabinerinnen, Mädchenjahre einer Königin, Die Deutschmeister und Charleys Tante. Von 1947 bis 1949 war Hörbiger Präsident des First Vienna FC 1894.

Privat investierte Paul Hörbiger in den 1950er Jahren viel Energie in die Aufklärung des mysteriösen Todes seines dritten Bruders Alfred, der am 31. Juli 1945 im Alter von 54 Jahren in der Innsbrucker Universitätsklinik verstorben war. Während Attila Hörbiger an einen natürlichen Tod glaubte, erstatte Paul 1951 Anzeige gegen Unbekannt wegen Mordverdachts. Es folgten insgesamt 15 Prozesse mit Exhumierungen und Obduktionen des Leichnams. Über diesen Rechtsstreit kam es auch zur Zerrüttung des Verhältnisses zu seinem Bruder Attila Hörbiger. Sämtliche Verfahren wurden 1963 mangels Beweisen eingestellt.

Im Jahr 1964 nahm er gemeinsam mit Hans Moser das Musikalbum Servus Wien auf. Ab Mitte der 1960er-Jahre widmete sich Paul Hörbiger wieder mehr dem Theater, da er in seinen Filmrollen zu sehr auf die Rolle des gemütlichen Wieners festgelegt wurde. Ab 1965 war er wieder Ensemblemitglied des Burgtheaters. Daneben spielte er in zahlreichen Fernsehfilmen. In dieser Zeit versöhnte er sich auch wieder mit seinem Bruder.

Hörbigers letzte Premiere am Burgtheater fand 1979 statt: Komödie der Eitelkeit von Elias Canetti (Regie Hans Hollmann). Hörbiger trug darin noch einmal die typische Kappe des Wiener Dienstmanns, wie schon zuvor in Franz Antels Film Hallo Dienstmann.

Die Schauspielerfamilie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Hörbiger war der Sohn von Hanns Hörbiger, dem Begründer der Welteislehre, und der Urenkel des Orgelbauers Alois Hörbiger. Er war der Bruder von Attila Hörbiger und der Onkel von Elisabeth Orth, Christiane Hörbiger und Maresa Hörbiger, Großonkel von Cornelius Obonya. Er war seit 1921 verheiratet mit der Schauspielerin Josepha „Pipa“ Gettke. Seine Kinder waren Christl (* 17. März 1922), Hansi (* 1926; † 16. März 1929), Monica (* 5. Mai 1930, die Mutter von Christian Tramitz) und Thomas Hörbiger, der ebenfalls Schauspieler wurde und Vater von Mavie Hörbiger ist.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Hörbiger wirkte in über 250 Filmen mit.

  • 1928: Dyckerpotts Erben
  • 1928: G’schichten aus dem Wienerwald
  • 1928: Heut’ spielt der Strauß
  • 1928: Das letzte Souper
  • 1928: Die Räuberbande
  • 1928: Schmutziges Geld
  • 1928: Sechs Mädchen suchen Nachtquartier
  • 1928: Spione
  • 1928: Die große Abenteuerin
  • 1928: Der fesche Husar
  • 1928: Die Dame mit der Maske
  • 1928: Die tolle Komteß
  • 1928: Die Wochenendbraut
  • 1929: Asphalt
  • 1929: Möblierte Zimmer
  • 1929: Wer wird denn weinen, wenn man auseinandergeht?
  • 1929: Der Sträfling aus Stambul
  • 1929: Drei um Edith
  • 1929: Die Frau, die jeder liebt, bist du!
  • 1929: Das grüne Monokel
  • 1929: Ein kleiner Vorschuß auf die Seligkeit
  • 1929: Frauen am Abgrund
  • 1930: Das alte Lied
  • 1930: Drei Tage Mittelarrest
  • 1930: Der Herr auf Bestellung
  • 1930: Nur Du
  • 1930: Ich glaub’ nie mehr an eine Frau
  • 1930: Delikatessen
  • 1930: Wie werde ich reich und glücklich?
  • 1930: Der unsterbliche Lump
  • 1930: Zwei Herzen im Dreiviertel-Takt
  • 1931: Arm wie eine Kirchenmaus
  • 1931: Ihre Hoheit befiehlt
  • 1931: Der Kongreß tanzt
  • 1931: Kyritz – Pyritz
  • 1931: Mein Herz sehnt sich nach Liebe
  • 1931: Der Zinker
  • 1931: Der verjüngte Adolar
  • 1931: Die lustigen Weiber von Wien
  • 1931: Walzerparadies
  • 1931: Kabarett-Programm Nr. 4
  • 1931: Die Försterchristl
  • 1931: Der ungetreue Eckehart
  • 1931: Der Stumme von Portici
  • 1931: Reserve hat Ruh
  • 1931: Grock
  • 1931: Sein Scheidungsgrund
  • 1932: Ein blonder Traum
  • 1932: Friederike
  • 1932: Johann Strauß, k. u. k. Hofkapellmeister
  • 1932: So ein Mädel vergißt man nicht
  • 1932: Ein steinreicher Mann
  • 1932: Ein toller Einfall
  • 1932: Die unsichtbare Front
  • 1932: Quick
  • 1932: Paprika
  • 1932: Zwei glückliche Tage
  • 1932: Scampolo, ein Kind der Straße
  • 1932: Annemarie, die Braut der Kompanie
  • 1932: Peter Voß, der Millionendieb
  • 1932: Es war einmal ein Walzer
  • 1932: Lügen auf Rügen
  • 1932: Das Geheimnis um Johann Orth
  • 1932: Drei von der Kavallerie
  • 1932: Trenck
  • 1932: Kaiserwalzer
  • 1933: Liebelei
  • 1933: Walzerkrieg
  • 1933: Heimkehr ins Glück
  • 1933: Zwei gute Kameraden
  • 1933: Ein Lied für Dich
  • 1933: Skandal in Budapest
  • 1933: Gruß und Kuß – Veronika
  • 1933: Pardon, tévedtem
  • 1933: Keinen Tag ohne Dich
  • 1933: Der große Bluff
  • 1934: … heute abend bei mir
  • 1934: Frühjahrsparade
  • 1934: Rosen aus dem Süden
  • 1934: Der Herr ohne Wohnung
  • 1934: Ich heirate meine Frau
  • 1934: Die Czardasfürstin
  • 1934: Mein Herz ruft nach dir
  • 1934: Spiel mit dem Feuer
  • 1934: Besuch am Abend
  • 1934: Die Abschieds-Symphonie
  • 1934: Herz ist Trumpf
  • 1934: Fräulein Frau
  • 1935: Petersburger Nächte. Walzer an der Newa
  • 1935: Königswalzer
  • 1935: Endstation
  • 1935: Liebeslied
  • 1935: Das Einmaleins der Liebe
  • 1935: Wenn die Musik nicht wär
  • 1935: Frischer Wind aus Kanada
  • 1936: Puppenfee, Die
  • 1936: Seine Tochter ist der Peter
  • 1936: Lumpacivagabundus
  • 1936: Drei Mäderl um Schubert
  • 1936: Schabernack
  • 1936: Fiakerlied
  • 1936: Kinderarzt Dr. Engel
  • 1937: Peter im Schnee
  • 1937: Der Scheidungsgrund
  • 1937: Florentine
  • 1937: Die Landstreicher
  • 1938: Der Blaufuchs
  • 1938: Einmal werd’ ich Dir gefallen
  • 1938: Es leuchten die Sterne
  • 1938: Heimat
  • 1938: Heiraten – aber wen?
  • 1938: Immer wenn ich glücklich bin (Immer wenn ich glücklich bin..!)
  • 1938: Des jungen Dessauers große Liebe
  • 1938: Die kleine Prinzessin (Prinzessin Sissy)
  • 1938: Liebelei und Liebe
  • 1939: Maria Ilona[4]
  • 1939: Mutterliebe
  • 1939: Opernball
  • 1939: Salonwagen E 417
  • 1939: Hochzeitsreise zu dritt
  • 1939: Drunter und drüber
  • 1939: Ich bin Sebastian Ott
  • 1939: Unsterblicher Walzer

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Hörbiger: Ich hab für euch gespielt. Erinnerungen. Aufgezeichnet von Georg Markus. Herbig, 1979, ISBN 3-7766-1001-8.
  • Michael Horowitz: Paul Hörbiger: Lebensbilder. Jugend und Volk, Wien 1993, ISBN 3-224-17693-8.
  • Herwig Würtz: Paul Hörbiger, Hans Moser: zwei Wiener Schauspiel-Legenden. Stadt Wien, 1994.
  • Georg Markus: Die Hörbigers. Biografie einer Familie. Amalthea, Wien, 2006. ISBN 3-85002-565-9.
  • Christina Höfferer und Andreas Kloner: Hörbiger. Eine Familienaufstellung. ORF-Radiofeature 2008, 54 Minuten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Paul Hörbiger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wiener Künstler zum 10. April In: Neues Wiener Journal vom 7. April 1938, S. 13.
  2. Paul Hörbiger: Ich hab für euch gespielt. Herbig, München 1980, S. 242.
  3. a b Wie österreichische Publikumslieblinge sich mit dem NS-Regime arrangierten In: Profil vom 23. Februar 2010.
  4. Nach dem Roman Ilona Beck von Oswald Richter, Richter-Tersik. Eine Werbeschrift von 32 Seiten gibt es im Bestand der DNB Leipzig