Heerdt

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Heerdt (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen der Landeshauptstadt Düsseldorf
Heerdt

Stadtteil der Landeshauptstadt Düsseldorf
DEU Heerdt COA.svg
Lage im Stadtgebiet
Basisdaten[1]
Geographische Lage: 51° 14′ N, 6° 43′ OKoordinaten: 51° 14′ N, 6° 43′ O
Fläche: 4,04 km²
Einwohner: 9.480 (31. Dezember 2013)
Bevölkerungsdichte: 2.347 Einwohner je km²
Eingemeindung: 1. April 1909
Stadtbezirk: Stadtbezirk 4
Stadtteilnummer: 042
Verkehrsanbindung
Autobahn: A52
Bundesstraße: B7
Stadtbahn: U 75
Schnellbus: SB85
Buslinie: 828 829 830 833 841 862 863 864
Nachtverkehr: 805
„Herdt“ auf Blatt 44 der Tranchot-Karte von 1805

Düsseldorf-Heerdt ist der westlichste Stadtteil Düsseldorfs und gehört zum Stadtbezirk 4. Die bereits im 11. Jahrhundert erstmals erwähnte Landgemeinde war lange Zeit eher zum linksrheinischen Umland orientiert als nach Düsseldorf.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund um den Nikolaus-Knopp-Platz bei der Heerdter Kirche zeigt sich das alte Heerdt. Dort gibt es alle wichtigen Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf. Beliebte Spaziermeile ist das Heerdter Teilstück der Rheinallee, an der stattliche Villen stehen. Ansonsten gibt es noch viele eher schlichte Mehrfamilienkomplexe. Im Süden zur Stadtgrenze nach Neuss und seinem Hafengebiet ist Heerdt größtenteils noch industriell geprägt. Im Westen von Heerdt, am Handweiser, befindet sich der Betriebshof Heerdt der Rheinbahn. Im Norden erfährt Heerdt erheblichen Strukturwandel von Gewerbe zu Dienstleistung und Wohnen. Den Freizeitwert ergänzen Cinestar-Filmpalast, Albertussee und eine Bezirkssportanlage.

Den Stadtteil durchschneidet die wichtigste Ausfallstraße nach Westen, die Brüsseler Straße. Für Gesprächsstoff sorgt das 1986 gegründete Ökotop Heerdt als Versuch, auch in städtischem Umfeld naturverträglich zu leben. Dort werden regelmäßig naturkundliche Vorträge und Führungen angeboten.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Das Wappen wird von einem durchgehenden schwarzen Kreuz gevierteilt, rechts oben in Blau zwei miteinander gekreuzte, mit ihren Bärten nach außen gewendete silberne (weiße) Schlüssel, links oben in Silber (Weiß) ein wachsender Heiliger (St. Benedikt) mit goldenem (gelbem) Heiligenschein und schwarzem Ornat, den goldenen (gelben) Bischofsstab sowie goldenen (gelben) Kelch in der Rechten, rechts unten silbern (weiß), links unten rot.

Bedeutung: Das schwarze Kreuz bezieht sich auf die frühere Zugehörigkeit Heerdts zum Kurfürstentum Köln. Die gekreuzten Schlüssel stehen für St. Peter, den Patron des Kurfürstentums. Der Bischof links oben ist St. Benedikt, Patron von Heerdt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das nördlich in der Nachbarschaft von Neuss liegende Gebiet von Heerdt war bereits vor der Römerzeit am Niederrhein besiedelt. Nach der Römerzeit entstand als Siedlungskern in der „Waldmark Herdt“ ein fränkischer Salhof, der zu Beginn des Hochmittelalters dem Patronat des Stiftes Quirin in Neuss unterstand. 1074 wurde vom Kölner Erzbischof Anno II. diese Zuständigkeit aufgeteilt.[3] Der Stift Quirin erhielt den Salhof einschließlich Zubehör, während die Äbtissin vom adligen Damenstift Quirin für die umfangreiche Gemarkung mit dem Heerdter Busch als Waldgräfin zuständig war. In der Mark lagen neben der Dorfschaft Heerdt auch die kleineren Siedlungen Nieder- und Oberkassel. Eine ehemalige weitere Siedlung mit Namen „Neill“ war vor 1074 bereits vom Rhein überflutet und völlig zerstört worden.[4]

Politisch gehörte das Gebiet bis 1801 zu Kurköln und im Mittelalter zur Grafschaft Hülchrath. Diese lehensabhängige Grafschaft wurde im 14. Jahrhundert in zwei Schritten, und zwar 1314 und 1392 endgültig von den Kurkölnern erworben. Heerdt gehörte ab 1392 zum Gericht Linn. Vermutlich wurde ab 1542 für die Gebiete Heerdt und Büderich ein Untergericht gebildet. Dessen Urteile mussten aber vom Gericht Linn gesiegelt werden.[5]

Die Pfarrei Heerdt, die St. Quirin unterstand, wird erstmals 1308 urkundlich angeführt, dürfte aber deutlich älter sein.[6] Zum Kirchspiel Heerdt gehörten auch die Weiler Ober- und Niederkassel wie auch Lörick. Entsprechend einem Kurkölner Mühlenbann mussten die Heerdter Bauern lange Zeit ihr Getreide in der Geismühle bei Linn mahlen lassen. Dies war unpraktisch, da die Mühle von Heerdt weit entfernt lag. Erst ab 1575 war dieser Mühlenbann aufgehoben, da gegen eine Gebühr von Kurköln die Erlaubnis erteilt wurde, eine eigene Windmühle zu errichten. Bereits 1586 wurde diese Mühle von Landsknechten aus Neuss niedergebrannt und erst Mitte des 17. Jahrhunderts wieder aufgebaut.[7]

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, während der Religionswirren am Niederrhein, wurde das Heerdter Gebiet sowohl im Kölner Krieg wie auch zeitweise vom Achtzigjährigen Krieges stark in Mitleidenschaft gezogen, da das nahegelegene Neuss mehrfach belagert und erobert wurde. Hierdurch wurde auch das Gebiet von Heerdt mit Kriegsgräuel überzogen und die Zahl der Bewohner verminderte sich. Man vermutet, dass die Zahl der Bewohner von über 500 um 1550 auf etwa 350 um 1600 sank. Die Besitzverhältnisse im Großraum Heerdt waren, da ein adeliger Großgrundbesitzer fehlte, stark aufgesplittert. Bei einer Untersuchung der Besitzverhältnisse im Großraum Heerdt von 1599 ergaben sich: mindestens 30 % waren geistlicher Besitz, über 25 % gehörten Kölner, Neusser oder Düsseldorfer Bürgern und 15 % dem Adel. Somit waren weniger als 30 % im Besitz der örtlichen Bauern und Bürgern.[8]

Besitzer des angeführten geistlichen Besitzes waren überwiegend sowohl das St.-Quirinus-Stift als auch der Klarissen-Konvent zu Neuss. In einer Urkunde von 1598 bestätigt beispielsweise der Klarissen-Konvent, dass eine Jahresrente zu Gunsten des Konvents auf den „Streithof“ zu Lurich im Kirchspiel Heerdt abgelöst wurde.[9]

Ende des 17. Jahrhunderts ab 1794 war der gesamte linke Niederrhein und damit auch das Gebiet von Heerdt von den Franzosen besetzt. 1798 wurden die Landgemeinde Heerdt Bestandteil des Département de la Roer im Arrondissement de Crévelt und damit ab 1801 eine französische Gemeinde. Nach dem Zusammenbruch des Napoleonischen Kaiserreiches verließen die Franzosen Anfang 1814 den linken Niederrhein. Danach übernahmen zuerst provisorisch und ab 1815 endgültig die Preußen den Niederrhein. 1816 wurde Heerdt Bestandteil des Landkreises Neuß. Die benachbarten beiden Landgemeinden Büderich und Heerdt hatten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen gemeinsamen Bürgermeister. Die Anzahl der Bewohner um 1832 für die Landgemeinde Heerdt betrug 1172 Personen, die bis auf 2 alle katholisch waren.[10] Die Selbständigkeit der Gemeinde mit den zugehörigen Ortschaften Ober- und Niederkassel sowie Lörick endete 1909 als sie von Düsseldorf eingemeindet wurde.

Bildung in Heerdt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich-Heine-Gemeinschaftsgrundschule
  • Albrecht-Dürer-Schule – Berufskolleg der Stadt Düsseldorf

Krankenhaus in Heerdt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Düsseldorf-Heerdt steht auch das Dominikuskrankenhaus der katholischen Cherubine-Willimann-Stiftung Arenberg.[11] Das Bettenhaus steht markant nahe der Heerdter Rheinfront in Sichtachse zur Düsseldorfer Altstadt. Die südöstlichen Krankenhausbereiche werden modernisiert. Die übrigen Gebäude sollen abgerissen und zusammen mit dem bisherigen Freigelände für Bebauung mit medizinischem Gewerbe, betreutem Wohnen und Mietwohnungsbau zur Verfügung gestellt werden. Ein neues Wohnhochhaus mit den Namen Rheinkilometer 740 soll nach den Plänen des Berliner Architekten Jürgen Mayer H an der Pariser Straße entstehen.[12][13]

Sakralbauten in Heerdt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ev. Kirche Paul-Gerhardt-Haus, Ziegelsteinbau aus dem Jahre 1929, erbaut durch August Pramann, 2008/2009 durch den Architekten Andreas Brechtel umfassend umgebaut und erweitert. Ein Glaskubus als neues Eingangsportal verdeutlicht das Konzept der offenen Kirche und gibt den Blick bis zum Altarraum frei.
  • Kath. Kirche St. Benediktus, neugotische Kirche, erbaut durch den Baumeister Heinrich Johann Freyse von 1844 bis 1847.
  • Kath. Kirche St. Sakrament, ehemaliger Bunker, umgebaut zur Kirche im Jahre 1948 durch Willy Weyres.

Stadtentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Ende der Nutzung des Güterumschlags am Bahnhof Düsseldorf-Oberkassel entlang der historischen Bahnstrecke Mönchengladbach–Düsseldorf setzte allmählich eine Umstrukturierung im gewerblichen Teil Oberkassels und dem angrenzenden Heerdt ein. Herausragend sind die Bauprojekte Vodafone-Campus, Heinrich-Heine-Gärten (Luxuswohnungen) und Forum Oberkassel (beides Hansaallee), wobei Heerdt aus Vermarktungsgründen gerne Oberkassel zugeschlagen wird.[14] Raffiniert stellt sich die Umnutzung eines bisherigen Bunkers durch Penthousewohnungen mit PKW-Lift dar.[15] Dieses Projekt gewann 2016 bei der internationalen Immobilienmesse den MIPIM Award, der als Immobilien-Oscar gilt, in der Kategorie „best refurbished building“.

Der Trend zur Reurbanisierung in den 2010er Jahren rückt Heerdt von seiner Lage am Stadtrand in den Fokus der Stadtplanung. Die Düsseldorfer Innenstadt ist schnell erreichbar. Eine langfristig projektierte neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke über den Erftkanal rückt das Neusser Rheinpark-Center näher.[16] Die Stadtbahn Düsseldorf soll um eine neue Rheinbrücke zur Düsseldorfer Messe komplettiert werden.

Vereine in Heerdt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bürgerverein Handweiser (mittlerweile Auflösung beschlossen[17])
  • KJG St. Benediktus in Düsseldorf-Heerdt
  • St.-Sebastianus-Schützenverein Düsseldorf-Heerdt 1573 e.V.
  • HTV 1896 e.V. – Heerdter Turnverein
  • CfR Links – Düsseldorfer Club für Rasenspiele Linksrheinisch 1919 e.V
  • Bürgerverein Heerdt e.V.
  • Ökotop Heerdt e.V.
  • Blasorchester St. Benediktus Düsseldorf Heerdt (Kirchenmusik, konzertante Musik, Marschmusik)
  • Tambourcorps Düsseldorf-Heerdt 1922.
  • Komödien-Bühne Heerdt
  • TTC Union Düsseldorf e.V. 1947 (Tischtennisverein)
  • Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchor St. Sebastianus Düsseldorf

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amt für Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt Düsseldorf: Statistiken für den Stadtteil 042 – Heerdt
  2. Wappen von Heerdt (englisch)
  3. Lacomblet, Theodor Joseph: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: XIII. Die letzten Spuren des fränkischen Salhofes zu Neuß. Band 2, 1857, S.[338]322. Onlinefassung
  4. Lacomblet, Theodor Joseph: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: Die Mark- und Waldgenossenschaften, XV. Heerdter Wald. Band 3, 1860, S. [256]248. Onlinefassung
  5. Hugo Weidenhaupt, in: Düsseldorf, Geschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, 2. Auflage. 1990, Band 1, ISBN 3-491-34221-X, S. 399 + 400.
  6. Karl Maercker: Die kirchliche Entwicklung der Pfarrgemeinde St. Benedictus und des Dekanates Düsseldorf-Heerdt. In: Bürgerverein Heerdt (Hrsg.): Heerdt im Wandel der Zeit, Bd. 2. Düsseldorf 1980, S. 53–69.
  7. Hugo Weidenhaupt, in: Düsseldorf, Geschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, 2. Auflage. 1990, Band 1, ISBN 3-491-34221-X, S. 400.
  8. Hugo Weidenhaupt, in: Düsseldorf, Geschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert. 2. Auflage. 1990, Band 1, ISBN 3-491-34221-X, S. 399.
  9. Tuecking, Karl, in: Urkunden und Akten aus dem Archiv der Klarissen zu Neuss, Urkunde 213 von 1598, 1896, Neuss, S. [71]67 Onlinefassung
  10. Düsseldorf, Werbrunn, in: Die Rheinprovinz der preussischen Monarchie. 1833, S. [125]89.Digitalisierte Ausgabe der ULB Düsseldorf
  11. cws-kliniken.de, Webseite
  12. Auslobung Heerdter Krankenhaus
  13. issuu.com: FALTIN+SATTLER, Dokumentation des Gutachterverfahrens rkm 740
  14. Faktenblatt Forum Oberkassel
  15. deal-magazin.com: Die Metamorphose eines Düsseldorfer Bunkers, 10/2013.
  16. neuss-an-den-rhein.de: Masterplan 2012
  17. xity – Bürgerverein Handweiser beschließt Auflösung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Düsseldorf-Heerdt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien