Hundszell (Thalmässing)

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Hundszell
Koordinaten: 49° 3′ 34″ N, 11° 15′ 30″ O
Höhe: 549 m
Einwohner: (1. Nov. 2015)
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 91177
Vorwahl: 09173
Karte
Hundszell

Hundszell ist ein Ortsteil des Marktes Thalmässing im Landkreis Roth im Regierungsbezirk Mittelfranken in Bayern.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hunszell liegt im südlichen Teil des Hilpoltsteiner Landes auf circa 549 Meter NHN rechts der Thalach auf der Jura-Hochfläche der Südlichen Frankenalb südöstlich von Landersdorf.[1] Die Flurgröße beträgt 97 Hektar.[2]

Ortsnamensdeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Namensteil „-zell“ verweist auf eine geistliche Gründung, dessen (erster?) Verwalter mit dem Personennamen „Hunt“ für die Einöde namensgebend wurde.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hundszell tritt erstmals 1395 urkundlich in Erscheinung.[4] Auch wenn in der Urkunde von einem Ulrich Utz von „Hunczell“ die Rede ist, dürfte die Einöde kein Adelssitz gewesen sein, zumal als Siegler der Urkunde neben Heinrich von „Mörspach“ die Bürger zu Greding auftreten.[5] Gegründet wurde Hundszell durch ein Kloster oder durch das Bistum Eichstätt. Grundherr der Einöde wurde das Domkapitel zu Eichstätt, die Hochgerichtsbarkeit hatte das markgräflich-ansbachische Oberamt Stauf-Landeck inne.[6] 1535 wurde an einem „Steffan Peyrn“ von Hundszell „eine entleybung begangen“; der Mord wurde 1546 gesühnt.[7]

Mit der Durchführung der Reformation im Markgrafentum Ansbach mussten auch die domkapitlischen Untertanen in Hundszell den lutherischen Glauben annehmen und gehörten damit nicht mehr zur Pfarrei (Groß)Hebing, sondern zur Pfarrei St. Michael in Thalmässing.[8] Die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte weiterhin, durch den Rezess von 1736 zwischen dem Hochstift Eichstätt und dem Fürstentum Ansbach noch einmal bestätigt, das Domkapitel aus.[9]

Während Hundszell noch gegen Ende des Alten Reiches, um 1800, aus zwei Anwesen (ein Zweidtrittel- und ein Drittelhof) bestand, wurden 1900 und 1950 drei Anwesen/Wohngebäude, 1961 wieder nur zwei Wohngebäude gezählt.[10]

Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde Hundszell Teil des Steuerdistrikts Waizenhofen. Am 17. August 1818 wurde die Ruralgemeinde Landersdorf gebildet, der neben den beiden Kirchdörfern Landersdorf und Göllersreuth die Einöden Feinschluck, Hundszell und Kätzelmühle angehörten. Diese Gemeinde war ab 1. Oktober 1809 dem Landgericht Raitenbuch, ab 1812 dem Landgericht Greding zugeordnet.[11]

1875 wurden in Hundszell an Großvieh sieben Pferde und 33 Stück Rindvieh gehalten. Die Kinder gingen nach Landersdorf zur Schule, heute besuchen sie die Grundschule in Thalmässing.[12]

Am 1. Juli 1971 wurde die Gemeinde Landersdorf und damit der Weiler Hundszell in den Markt Thalmässing im Landkreis Roth eingegliedert.[13]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1818: 14 (2 „Feuerstellen“ = Haushaltungen, 2 Familien)[14]
  • 1823: 11 (2 Höfe)[15]
  • 1846: 19 (2 Häuser, 2 Familien)[16]
  • 1871: 14 (11 Gebäude)[17]
  • 1900: 20 (3 Wohngebäude)[18]
  • 1937: 13 Protestanten, keine Katholiken[19]
  • 1950: 24 (3 Höfe)[20]
  • 1961: 13 (2 Wohngebäude)[21]
  • 1970: 10[22]
  • 2015: 9[23]

Baudenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Baudenkmal gilt der Altbau des Bauernhauses Hundszell 1, ein zweigeschossiger Walmdachbau, dessen Türgewände mit 1845 bezeichnet ist.

Siehe Liste der Baudenkmäler in Hundszell

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hundszell ist über eine Gemeindeverbindungsstraße von Landersdorf aus in südlicher Richtung zu erreichen; Landersdorf liegt an der Kreisstraße RH 33.

Seit 1997 gibt es den 120,9 Kilometer langen Rundwanderweg Allersberg – Allersberg, der auch über Hundszell führt.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Wiessner: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken, Reihe I, Heft 24: Hilpoltstein. München 1978
  • Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6. Eichstätt. Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hundszell (Thalmässing) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wiessner, S. 18; Michael Bacherler: Die Siedlungsnamen des Bistums Eichstätt. In: Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt, 38 (1923), S. 41
  2. Wiessner, S. 32
  3. Wiessner, S. 18
  4. Wiessner, S. 32; Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 45 (1930), S. 108
  5. Wiessner, S. 126
  6. Hirschmann, S. 35
  7. Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 6 (1891), S. 39
  8. Hirschmann, S. 35 f.
  9. Hirschmann, S. 39; Recess Zwischen Dem Fürstl. Hohen Stifft Eystätt Und Dem Hoch-Fürstl. Hauß Brandenburg-Onolzbach, de dato 22. und 23. Augusti, Anno 1736, S. 25
  10. Wiessner, S. 32; Hirschmann, S. 114; Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 796
  11. Hirschmann, S. 228
  12. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 1163
  13. [1] Website des Marktes Thalmässing
  14. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise ... enthaltenen Ortschaften, Ansbach 1818, S. 44
  15. Hirschmann, S. 228
  16. Eduard Vetter: Statistisches Hand- und Addreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Ansbach 1846, S. 121
  17. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 1163
  18. Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister, München 1904, Spalte 1224
  19. Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, S. 415
  20. Hirschmann, S. 228
  21. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 796
  22. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Bd. 1978 = 380, München 1978, S. 167
  23. [2] Website des Marktes Thalmässing
  24. [3] Beschreibung auf fraenkischer-albverein.de