Ideal (Ringtheorie)

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In der abstrakten Algebra ist ein Ideal eine Teilmenge eines Rings, die das Nullelement enthält und abgeschlossen gegenüber Addition und Subtraktion von Elementen des Ideals sowie abgeschlossen gegenüber Multiplikation mit beliebigen Ringelementen ist. Beispielsweise sind Summe und Differenz zweier gerader Zahlen wieder gerade und zudem ist das Produkt einer geraden Zahl mit einer beliebigen ganzen Zahl ebenfalls gerade. Das heißt, die Menge der geraden Zahlen ist ein Ideal im Ring der ganzen Zahlen.

Die Bezeichnung „Ideal“ ist abgeleitet aus dem Begriff „ideale Zahl“: Ideale können als Verallgemeinerung von Zahlen angesehen werden.

„Ideale Zahlen“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung der Ideale liegt in der Feststellung, dass in Ringen wie die Eindeutigkeit der Zerlegung in irreduzible Elemente nicht gilt: So ist

und die beiden Faktoren jeder Zerlegung sind irreduzibel. Ernst Eduard Kummer stellte fest, dass man die Eindeutigkeit manchmal wiederherstellen kann, indem man weitere, ideale Zahlen hinzunimmt. Im Beispiel erhält man durch Hinzunahme der Zahl die Faktorisierungen

(dass die Brüche auf der rechten Seite ganz sind, kann man an ihren Normen sehen) sowie

und die Eindeutigkeit ist wiederhergestellt.[1] Aus heutiger Sicht entspricht die Einführung der idealen Zahl dem Übergang zum (Ganzheitsring des) hilbertschen Klassenkörpers, in dem alle Ideale (des Ganzheitsringes) eines algebraischen Zahlkörpers zu Hauptidealen werden.

Richard Dedekind erkannte, dass man diese idealen Zahlen vermeiden kann, indem man statt ihrer die Gesamtheit aller durch sie teilbaren Zahlen betrachtet. So haben die Zahlen und im Beispiel den gemeinsamen idealen Primfaktor , und die in liegenden Vielfachen dieser Zahl sind gerade das Primideal

Ist ein „realer“ gemeinsamer Faktor vorhanden, so besteht das Ideal gerade aus seinen Vielfachen, ist also ein Hauptideal.[2] In Ganzheitsringen von Zahlkörpern (und allgemeiner in der aufgrund dieser Tatsache nach ihm benannten Klasse der Dedekindringe) erhält man auf diese Weise eine eindeutige Zerlegung jedes Ideals (ungleich null) in Primideale.[3]

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um auch für nichtkommutative Ringe geeignete Begriffe zu haben, unterscheidet man zwischen Links-, Rechtsidealen und zweiseitigen Idealen:

Es sei eine Teilmenge eines Ringes heißt dann Linksideal, wenn gilt:

1:
2: für alle ist (Untergruppenkriterium),
3L: für jedes und ist

Entsprechend ist ein Rechtsideal, wenn für neben 1 und 2 auch gilt:

3R: Für jedes und ist

nennt man schließlich zweiseitiges Ideal oder nur kurz Ideal, falls Links- und Rechtsideal ist, also 1, 2, 3L und 3R erfüllt.

Bemerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Da ein Ideal die enthält, ist es nicht leer. Tatsächlich genügt an Stelle von Bedingung 1 schon die Forderung, dass nicht leer ist.
  • Die Forderungen 1 und 2 sind äquivalent zu der Aussage, dass eine Untergruppe der additiven Gruppe ist.
  • Jedes Ideal von ist auch ein Unterring von , im Allgemeinen ohne Eins. In der Kategorie der Ringe mit 1 gilt dann nicht als Unterring.
  • Ein Links- ebenso wie ein Rechtsideal in ist nichts anderes als ein Untermodul von aufgefasst als -Links- bzw. -Rechtsmodul.
  • Ist der Ring kommutativ, dann fallen alle drei Begriffe zusammen, in einem nichtkommutativen Ring können sie sich aber unterscheiden.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Menge der geraden ganzen Zahlen ist ein Ideal im Ring aller ganzen Zahlen.
  • Die Menge der ungeraden ganzen Zahlen ist kein Ideal in ; sie erfüllt keine der drei Bedingungen.
  • Die Menge aller Polynome mit reellen Koeffizienten, die durch teilbar sind, bilden ein Ideal im Polynomring . (Der Körper ist isomorph zu den komplexen Zahlen und ist sogar Maximalideal.)
  • Der Ring aller stetigen Funktionen von nach enthält das Ideal der Funktionen mit . Ein anderes Ideal in sind die stetigen Funktionen mit kompaktem Träger, d. h. alle Funktionen, die für hinreichend große Argumente gleich 0 sind.
  • Der nicht-kommutative Ring der Hurwitzquaternionen enthält sowohl Links- wie Rechts-Ideale wie auch zweiseitige Ideale. Alle sind sie jedoch Hauptideale.
  • Die Mengen und sind stets Ideale eines Rings . Hierbei wird Nullideal und Einsideal genannt.[4] Wenn und seine einzigen zweiseitigen Ideale sind, nennt man einfach. Ein kommutativer einfacher Ring, der nicht der Nullring ist, ist ein Körper.

Erzeugung von Idealen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Links-, alle Rechtsideale und alle zweiseitigen Ideale bilden jeweils ein Hüllensystem. Die zugehörigen Idealoperatoren werden mit selten auch mit bezeichnet.

Ist eine Teilmenge des Ringes dann nennt man

das von erzeugte Ideal, es ist das kleinste (Links-, Rechts- bzw. zweiseitige) Ideal in das enthält.

Besitzt ein Einselement so ist

und wenn zusätzlich noch kommutativ ist, gilt sogar:

Das von einem Element erzeugte Hauptideal ist

Verknüpfungen von Idealen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konstruktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ist ein kommutativer Ring mit Eins und ein Ideal, dann ist auch das Radikal von , welches definiert ist als ein Ideal.

Ist ein Ring, so gilt für zwei Ideale :

Wichtig: Summen und Vereinigungen von Idealen sind im Allgemeinen unterschiedliche Konstrukte!
  • Auch das sogenannte Komplexprodukt das aus der Menge der Produkte von Elementen aus mit Elementen aus besteht, ist im Allgemeinen kein Ideal. Als Produkt von und wird daher das Ideal definiert, das von erzeugt wird:
Besteht keine Verwechselungsgefahr mit dem Komplexprodukt, dann schreibt man auch das Idealprodukt oder kurz
  • Der Quotient von und ist ein Ideal, welches alle enthält, für die das Komplexprodukt eine Teilmenge von ist:

Bemerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Produkt zweier Ideale ist stets in ihrem Schnitt enthalten: Sind und teilerfremd, also so gilt sogar Gleichheit.
  • Der Idealquotient wird in der Literatur auch häufig in Klammern geschrieben:
  • Mit den Verknüpfungen Summe und Durchschnitt bildet die Menge aller Ideale eines Ringes einen modularen, algebraischen Verband.
  • Einige wichtige Eigenschaften dieser Verknüpfungen werden in den Noetherschen Isomorphiesätzen zusammengefasst.

Besondere Ideale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Ideal heißt echt, wenn es nicht ganz ist. Dies ist bei Ringen mit genau dann der Fall, wenn nicht in liegt.

Ein echtes Ideal heißt maximal, wenn es kein größeres echtes Ideal gibt, d. h. wenn für jedes Ideal gilt:

Mit Hilfe des Lemma von Zorn kann gezeigt werden, dass jedes echte Ideal eines Rings mit in einem maximalen Ideal enthalten ist. Insbesondere besitzt jeder Ring mit (außer dem Nullring) ein maximales Ideal.

Ein echtes Ideal heißt prim, wenn für alle Ideale gilt:

oder

Jedes maximale Ideal in einem Ring mit ist prim.

Faktorringe und Kerne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ideale sind wichtig, weil sie als Kerne von Ringhomomorphismen auftreten und die Definition von Faktorringen ermöglichen.

Ein Ringhomomorphismus vom Ring in den Ring ist eine Abbildung mit

für alle

Der Kern von ist definiert als

Der Kern ist stets ein zweiseitiges Ideal von

Startet man umgekehrt mit einem zweiseitigen Ideal von dann kann man den Faktorring (sprich: „ modulo “; nicht zu verwechseln mit einem faktoriellen Ring) definieren, dessen Elemente die Form

für ein aus haben. Die Abbildung

ist ein surjektiver Ringhomomorphismus, dessen Kern genau das Ideal ist. Damit sind die Ideale eines Rings genau die Kerne von Ringhomomorphismen von

Ist der Ring kommutativ und ein Primideal, dann ist ein Integritätsring, ist ein maximales Ideal, dann ist sogar ein Körper.

Die extremen Beispiele von Faktorringen eines Ringes entstehen durch Herausteilen der Ideale oder Der Faktorring ist isomorph zu und ist der triviale Ring

Norm eines Ideals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Ganzheitsringe eines Zahlkörpers lässt sich eine Norm eines (ganzen) Ideals definieren durch (und für das Nullideal ). Diese Norm ist immer eine endliche Zahl und steht in Zusammenhang mit der Norm der Körpererweiterung es gilt nämlich für Hauptideale Zudem ist diese Norm multiplikativ, d. h. . Allgemeiner werden diese Normen auch für Ideale in Ordnungen in Zahlkörpern betrachtet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klein, a.a.O., Kapitel VII, Abschnitt Theorie der algebraischen ganzen Zahlen …, S. 321f.
  2. Klein, a.a.O., S. 323
  3. J. Neukirch, Algebraische Zahlentheorie. Springer-Verlag, Berlin 1992. ISBN 3-540-54273-6; Theorem I.3.3
  4. Vorlesung Algebra I. Abgerufen am 24. August 2013 (PDF; 493 kB).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]