Institut des fleischgewordenen Wortes

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Wappen der “Familie des fleischgewordenen Wortes”

Das Institut des fleischgewordenen Wortes (spanisch: Instituto del Verbo Encarnado, Ordenskürzel: IVE) ist ein Institut des geweihten Lebens. Die Ordensgemeinschaft wurde 1984 in Argentinien gegründet und ist der männliche Zweig in der „Familie des fleischgewordenen Wortes“. Zur „Familie“ gehören als weiblicher Zweig die 1988 errichteten „Dienerinnen des Herrn und der Jungfrau Maria von Matará“ (die Servidoras del Señor y de la Virgen de Matará, SSVM) sowie ein Dritter Orden. Die Gemeinschaft befindet sich in einer schweren Krise, nachdem 2010 massive Missbräuche des Ordensgründers gegenüber Ordensmitgliedern aufgedeckt wurden.

Namensgebung, Ziele und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Gemeinschaft nimmt auf eine Stelle aus dem Prolog des Johannesevangeliums Bezug: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14 EU).

Der Orden verfolgt auf dieser Grundlage das Ziel, mit allen Kräften das Evangelium zu verkünden und damit in Einheit mit dem Magisterium der römisch-katholischen Kirche zum Werkzeug einer christlich begriffenen Inkarnation zu werden. Die Spiritualität wird auf Ignatius von Loyola zurückgeführt und ignatianische Exerzitien gehören nach eigenem Verständnis zum Fundament des Apostolats der IVE-Priester.

Die Gemeinschaft besitzt neben den in der Seelsorge und Mission tätigen Priestern auch einen kontemplativen Zweig aus Mitgliedern, die in Klöstern leben. Die Klöster sind intern eigenständig, unterstehen aber der Generalleitung des Ordens.[1]

Die übrigen Ordensangehörigen arbeiten in Pfarreien, Bildungszentren und Weiterbildungseinrichtungen. Sie lehren Philosophie und Theologie in Seminaren und Volksmissionen, führen Exerzitien durch und arbeiten mit Kindern und Jugendlichen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der männliche Zweig der Familie des fleischgewordenen Wortes besteht vorwiegend aus Ordenspriestern und wurde 1984 von dem aus Buenos Aires stammenden Diözesanpriester Carlos Miguel Buela in Argentinien gegründet. 1987 wurde in Peru die erste Auslandsniederlassung errichtet. 1989 dehnte sich das Institut in die Vereinigten Staaten aus, wo sich einige Priester der Diözese Brooklyn der Neugründung anschlossen, die zu dieser Zeit noch keinen kirchlichen Rechtsstatus besaß. Im gleichen Jahr wurde ein Studienhaus in Rom gegründet, in dem die Mitglieder während ihrer Studienzeit an römischen Universitäten untergebracht sind. In den folgenden Jahren verzeichnete die Priestervereinigung ein starkes Wachstum, das allerdings auch von heftigen Konflikten und Widerständen seitens kirchlicher Behörden und Gemeinden überschattet war, in denen Priester des Werks tätig wurden. Die Konstitutionen wurden 1992 fertig gestellt. 1993 wurden Häuser in Russland, Jerusalem und Taiwan und 1994 in der Ukraine eröffnet. Bis 1994 wurde die Führung des Instituts vom Gründer persönlich ausgeübt.

In den Jahren 1995 bis 2001 zog der Vatikan nach internen Untersuchungen die Leitung der Gemeinschaft erstmals an sich; nacheinander leiteten neben dem Generaloberen José Luis Solari (1994–2000) drei externe Priester als Päpstliche Delegaten das Institut: 1995–1998 José Antonio Rico OSB; 1998/1999 Aurelio Londoño CM und 1998–2001 Alfonso Delgado Evers; der damalige Bischof von Posadas (Argentinien). 1997 errichtete Papst Johannes Paul II. für die Gemeinschaft die Apostolische Mission sui juris Tadschikistan, als deren Superior von 1997 bis 2013 Carlos Ávila amtierte. Am 11. April 2001 verlegte der Vatikan die Generalkurie des IVE nach Segni in Italien und ordnete die Durchführung eines Generalkapitels an. Das Mutterhaus (offizieller Gründungssitz) der Ordensgemeinschaft liegt seitdem ebenfalls in der Diözese Velletri-Segni in der Umgebung Roms. Beim Generalkapitel in Segni im Mai 2001 wurde Carlos Miguel Buela erneut zum Generaloberen gewählt. Am 24. März 2004 wurde das IVE als Kongregation bischöflichen Rechts vom Bischof Andrea Maria Erba, dem Diözesanbischof von Velletri-Segni approbiert.[1]
Zusammen mit Pater Buela konnte die Kongregation noch ihr 25-jähriges Gründungsjubiläum begehen.[2]

Anfang 2010 wurde der Ordensgründer Carlos Miguel Buela, der 1988 auch den weiblichen Zweig der Gemeinschaft gegründet hatte, nach vorausgegangenen internen Ermittlungen des Bischofs von San Rafael, Eduardo Maria Taussig, vom Vatikan wegen bestätigter Missbrauchsvorwürfe mit lebenslanger Wirkung abgesetzt und erhielt ein Kontaktverbot zu seinen Gemeinschaften.[3] Er wurde zum Aufenthalt in dem französischen Kloster La Pierre-Qui-Vire verurteilt. Da Verdunklungsgefahr bestand und sich das IVE nicht an die (intern geheim gehaltene)[4] Kontaktsperre hielt und dem Gründer weiterhin Zutritt zu seinen Niederlassungen gestattete, wurde das Institut am 16. Dezember 2015 auf Weisung der vatikanischen Ordenskongregation neuerlich unter Aufsicht gestellt. Die Leitung übten seitdem die Visitatoren Vito Angelo Todisco, ein Beamter der päpstlichen Rota, und der Dominikaner Philippe Toxé aus; dem VII. Generalkapitel im Juli 2016, das die Maßnahmen gegen die frühere Ordensleitung bestätigte, saß Kurienkardinal Francesco Coccopalmerio vor. Zum neuen Generaloberen wurde der Argentinier Gustavo Nieto gewählt; der bis 2015 amtierende Generalobere Carlos Walker wurde auf eigenen Wunsch nach Taiwan versetzt.[5][6]

Buela selbst wurde wegen psychologischen Missbrauchs Abhängiger, finanzieller Unregelmäßigkeiten und massiver, jahrzehntelang wiederholter sexueller Übergriffe gegenüber (volljährigen) Ordensangehörigen kirchlich verurteilt und 2013 vom Priesteramt suspendiert. Ende November 2016 gelangten die Missbrauchsvorwürfe gegen Buela und andere IVE-Angehörige erneut in die öffentliche Berichterstattung, nachdem in Argentinien ein anderer Missbrauchsfall Aufsehen erregt hatte, der aber nichts mit dem IVE zu tun hat. Daraufhin wandten sich eine Anzahl ehemaliger argentinischer IVE-Seminaristen aus dem Stammhaus des Ordens in San Rafael (Argentinien), die nach ihren Angaben von Priestern des Instituts missbraucht worden waren, mit Einzelheiten ihrer Erlebnisse an die Öffentlichkeit. Unter den früheren Opfern sollen sich den Berichten zufolge auch minderjährige Seminaristen befunden haben. Zugleich wurde bekannt, dass der selbst aus Argentinien stammende Papst Franziskus die Maßnahmen gegen den Ordensgründer 2013 bestätigt und seinen Zwangsaufenthalt in dem Kloster San Isidro de Dueñas bei Palencia in Spanien angeordnet hatte, das er ohne kirchliche Erlaubnis nicht verlassen darf, was er in der Vergangenheit allerdings dennoch tat. Ebenfalls bekannt wurde, dass von den 450 in der Ordensgemeinschaft seit den 1980er Jahren geweihten Priestern etwa die Hälfte das Ordensinstitut später wieder verließen, worunter sich zahlreiche Opfer von Übergriffen Buelas und anderer von der Ordensleitung gedeckter Täter im Institut befinden sollen.[7]

Mit dem Wechsel der Generalleitung mussten auf Anweisung des Vatikans auch sämtliche Provinzobere ersetzt und die bisherigen Amtsinhaber durften nicht wiedergewählt werden. Bereits 2013 war auch der langjährige Superior von Tadschikistan vom Papst ausgetauscht und durch Pedro Ramiro López ersetzt worden, einen anderen IVE-Priester. Die Mission liegt aber weiterhin in den Händen des Ordens. Im Sommer 2016 wurde zeitgleich mit dem Austausch der männlichen Ordensleitung auch die Leitung des weiblichen Zweiges der Gemeinschaft, die 18 Jahre lang in den Händen einer engen Vertrauten des Gründers lag, auf einem außerordentlichen Generalkapitel neu gewählt.[8][9]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründungshaus ist das Seminar von San Rafael (Argentinien), wo die Gemeinschaft nach wie vor beheimatet ist. Die Generalkurie befindet sich seit 2001 jedoch in Segni bei Rom. Beim dortigen Bischof ist die Gemeinschaft als Institut diözesanen Rechts kirchlich zugelassen. Mitgliederzahlen sind aktuell nicht verfügbar, die jüngsten eigenen Angaben sprechen von ca. 1600 weltweit tätigen Mitgliedern des männlichen und weiblichen Zweigs zusammen[10] (der Schwesternorden umfasst etwa 1000 Mitglieder). 2007 war von insgesamt etwa 1400 Mitgliedern die Rede.[1] Etwa 450 Ordenspriester wurden im IVE geweiht.[11] Die Ordensgemeinschaft ist zurzeit in folgende Ordensprovinzen gegliedert, die teilweise eigene Klöster und Seminarhäuser unterhalten:[12]

In Deutschland gründete das IVE 2010 seine erste Niederlassung und errichtete im Erzbistum Berlin ein Glaubenszentrum.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Fidesdienst: Nuove, piccole e grandi realtà della Chiesa. Fides-Dossier vom 28. Juli 2007, S. 18.
  2. Das „Verbo Incarnato“ feiert Jubiläum in St. Paul. Mitteilung der Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom vom 1. August 2009, abgerufen am 4. Dezember 2016.
  3. El caso Próvolo reavivó denuncia de abuso en el sur, in: Los Andes vom 2. Dezember 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016.
  4. Das päpstliche Dekret vom 22. Januar 2010 wurde in der Öffentlichkeit erst im November 2015 durch Veröffentlichung auf Blogs von Ex-Mitgliedern bekannt.
  5. Cambia la dirección del IVE y se confirma la condena al P. Buela por abusos. Bericht auf InfoCatólica vom 5. August 2016 (spanisch), abgerufen am 7. August 2016.
  6. IVE General Chapter – The Election of New Authorities. Mitteilung auf dem Ordensblog vom 14. Juli 2016 (englisch), abgerufen am 7. August 2016.
  7. Una historia de abusos en el Verbo Encarnado, in: Diario de Mendoza vom 30. November 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016;
    Los abusos del fundador del Instituto del Verbo Encarnado, in: Religión Digital, Madrid (Spanien);
    Reflotan denuncias de abuso sexual en el Verbo Encarnado, in: Diario Vox, Mendoza (Argentinien);
    El Obispado mendocino admitió antiguos casos de manipulación y abusos sexuales en el instituto Verbo Encarnado, in: télam, Mendoza (Argentinien);
    alle vom 1. Dezember 2016, alle abgerufen am 6. Dezember 2016 (alle spanisch).
  8. Madre Anima Christi – Superiora General. Mitteilung auf der Webseite der weiblichen Kongregation, abgerufen am 7. August 2016 (spanisch).
  9. M. Anima Christi kijkt ‘met dankbaarheid’ terug op tijd als overste Blauwe Zusters. Meldung im Katholiek Nieuwsblad vom 4. Juli 2016 (niederländisch), abgerufen am 7. August 2016.
  10. Information auf der Homepage des Ordens, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  11. Los abusos del fundador del Instituto del Verbo Encarnado, in: Religión Digital, Madrid (Spanien); abgerufen am 6. Dezember 2016 (spanisch).
  12. Information auf der Homepage des Ordens, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  13. Pater Harold – ein neues Gesicht in unserer Pfarrei (Pfarrmitteilung der Katholischen Gemeinde Ss. Eucharistia in Teltow, 2010).