Jens Rachut

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Jens Rachut bei einem Auftritt von Kommando Sonne-nmilch 2010 in Saarbrücken.

Jens Rachut (* 1954 in Hamburg) ist ein deutscher Sänger, Songtexter, Hörspielautor und Theaterschauspieler. Er ist in Hamburg aufgewachsen und gilt als eine Schlüsselfigur der deutschen Punkszene.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rachut beurteilt sein Schaffen nicht als Teil der Unterhaltungsindustrie und vermeidet nach eigenen Angaben mit seinen Projekten die in der Musikbranche gängigen Vermarktungsstrategien. So äußerte er sich 2010 in einem Interview des freien Hamburger Radios FSK bezüglich seiner Band Kommando Sonne-nmilch: „Wir sind nicht drin im Business. [… Dazu] gehören für mich Interviews, Touren und groß in den Zeitungen zu sein. Doch das ist bei uns nicht so, gerade wenn man die lange Zeit anguckt, die wir das schon machen.“[1]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rachut war Mitbegründer und Sänger der Bands Angeschissen (1984–1988), Das Moor (1988),[2] Blumen am Arsch der Hölle (1991–1994), Dackelblut (1994–1999) und Oma Hans (2001–2006). Von 1998 bis 2013 war er Sänger der Band Kommando Sonne-nmilch, die er zunächst unter dem Pseudonym Bernhard Schlauch gemeinsam mit dem sich damals Hartmut Jawuräk nennenden Stereo-Total-Musiker Brezel Göring (bürgerlich: Hartmut Richard Friedrich Ziegler) gründete. Die Band besteht mittlerweile in größerer Besetzung. 2011 veröffentlichte Rachut gemeinsam mit Mense Reents, Thomas Wenzel und Leatherface-Frontmann Frankie Stubbs unter dem Projektnamen N.R.F.B die EP Nuclear Raped Fuck Bomb.[3] 2014 gründete Rachut die Band Alte Sau, die am 20. Juni 2014 ihr erstes Album veröffentlichte. Das zweite Album ist für das Frühjahr 2016 angekündigt [4]. Die Band verzichtet auf Gitarre und Bass und kommt lediglich mit einer Heimorgel und einem rudimentären Schlagzeug aus. Mit der Band Ratttengold[5] spielt er seit 2014 live Songs seiner vorherigen Bands.

Als Gastmusiker sang Rachut 2001 in dem Stück „Der Mann der mit der Luft schimpft“ auf dem Album Schafott zum Fahrstuhl der Band Die Goldenen Zitronen.[6] Er war Anfang der 1990er Jahre bereits als Roadie der Band tätig gewesen. Auch das Stück „Das hat nichts zu tun mit Kunst“ auf dem 1994 von der Band veröffentlichen Album Das bißchen Totschlag bezieht sich auf ihn.[7] Weitere Gastbeiträge Rachuts finden sich auf dem 2005 von der Band Oiro veröffentlichen Album Als was geht Gott an Karneval?[8] sowie auf dem Album Lieder sind Brüder der Revolution der Band Dÿse von 2009.[9]

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rachut veröffentlicht neben seiner Musik auch Hörspiele: Zwischen 2007 und 2008 erschien seine Trilogie Der Seuchenprinz, bei der als Sprecher unter anderem die Schauspieler Laura Tonke, Daniel Lommatzsch und Josef Ostendorf mitwirkten.[10][11] 2011 veröffentlichte er gemeinsam mit dem Hamburger Musiker Jonas Landerschier, Musiker der Begleitbands Jan Delays und Rocko Schamonis[12] das Hörspiel Gott in der Falle unter anderem mit Schauspieler und Regisseur Martin Wuttke als Sprecher,[13] das als Die Falle: Gott auch auf CD erhältlich ist[14].

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Schauspieler trat Rachut an der Volksbühne Berlin, am Schauspielhaus Zürich, am Schauspielhaus Hannover und am Hamburger Schauspielhaus auf und spielte unter anderem in Inszenierungen Schorsch Kameruns und Jacques Palmingers.[15][16][3] Palminger hatte unter seinem bürgerlichen Namen Heiner Ebber bereits als Schlagzeuger von Dackelblut mit Rachut zusammengearbeitet.

Lesungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 2010 und 2011 trat Rachut gemeinsam mit anderen Schauspielern (unter anderem Lisa Hagmeister, Daniel Lommatsch und Jörg Pohl) unter musikalischer Begleitung Jonas Landerschiers im Rahmen einiger Lesungen unter dem Titel Schwerverletzter Donner auf.[17][18]

Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2007 als Gustaf in Hölle Hamburg, Regie: Peter Ott
  • Jens Rachut spielte 2012 in der Fernsehserie Mord mit Aussicht (Die Saat des Bösen, Folge 21, 2. Staffel) die Figur Herr Rösser.
  • In der Serie Der Tatortreiniger (Angehörige, Folge 8 der 2. Staffel) spielte er einen Herrn mit Frettchen.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

mit Angeschissen
mit Das Moor
  • 1991: Angeschissen/Das Moor (Split-LP zusammen mit Angeschissen, Buback)
mit Blumen am Arsch der Hölle
mit Dackelblut
mit Kommando Sonne-nmilch
mit Oma Hans
mit N.R.F.B
mit Alte Sau
als Jens Rachut & Jonas Landerschier
  • 2011: Die Falle: Gott (Spoken Word/Hörbuch, Major Label)
  • 2013: Blinder Mond (Spoken Word/Hörbuch, Major Label)
als Jens Rachut
  • 2007–2008: Der Seuchenprinz (3 CDs, Spoken Word/Hörbuch, Major Label)
  • 2015: Herzinfarkt (Spoken Word/Hörbuch, Major Label)

Videos (alle mit Dackelblut)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1996: Live im Størtebeker am 6.10.95, 35 min. (VHS, Schiffen)
  • 2002: Der Taucher mit dem Anorak. Musikfilm (VHS, Eigenveröffentlichung)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Jens Rachut bei Mondo Bizarro – Punkrock Radio auf Freies Sender Kombinat vom 20. Mai 2010, abgerufen am 17. September 2011
  2. buback.de: Das Moor, abgerufen am 6. Juni 2011
  3. a b „CD der Woche: N.R.F.B.: Die Panzerfahrer“ vom 19. August 2011 auf der Website der FAZ, abgerufen am 17. September 2011
  4. Neues Album im Frühjahr 2016, abgerufen am 25. Mai 2015
  5. Ratttengold
  6. Die Goldenen Zitronen – Schafott Zum Fahrstuhl bei Discogs, abgerufen am 10. September 2011
  7. Interview mit Die Goldenen Zitronen auf der Webpräsenz des Ox-Fanzine, abgerufen am 17. September 2011
  8. musikszene-duesseldorf.de: „.act des monats OIRO“, abgerufen am 17. September 2011
  9. Jens Rachut: Credits bei Allmusic, abgerufen am 17. September 2011
  10. spex.de: „Jens Rachut - Kommando Sonne-nmilch-Tour, »Der Seuchenprinz« (im Radio)“ vom 6. November 2007 von Walter W. Wacht, abgerufen am 5. Juni 2011
  11. Release-Info zum 2. Teil von Der Seuchenprinz auf der Webseite der Plattenfirma Major Label, abgerufen am 19. September 2011
  12. Jonas Landerschier bei Discogs, abgerufen am 19. September 2011
  13. Gott in der Falle auf der Webseite von Deutschlandradio Kultur, abgerufen am 24. Februar 2012
  14. „Vater Gott unser, wo hängst Du ab?“ vom 29. Juli 2011 auf der Webseite von Deutschlandradio Kultur, abgerufen am 24. Februar 2012
  15. Babylon must fall bei der Volksbühne (Memento des Originals vom 13. Februar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.volksbuehne-berlin.de, abgerufen am 5. Juni 2011
  16. Jens Rachut am Theater am Neumarkt (Memento des Originals vom 24. Oktober 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.theaterneumarkt.ch, abgerufen am 5. Juni 2011
  17. „Jesus ohne Schwimmflügel“ in der taz vom 1. Juni 2011, abgerufen am 19. September 2011
  18. Programmankündigung für Schwerverletzter Donner auf der Webseite des soziokulturellen Zentrums zakk, abgerufen am 19. September 2011