JoWooD

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JoWooD Entertainment AG
Logo von JoWooD
Rechtsform Aktiengesellschaft
(ATX Prime: JWD)
ISIN AT0000747357
Gründung 1995
Auflösung 2011
Auflösungsgrund Insolvenz
Sitz Rottenmann, OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung Franz Rossler, CEO
Mitarbeiter 24 (März 2011)
Umsatz 25,33 Millionen Euro (2009)[1]
Produkte Computer- und VideospieleVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.jowood.com
Altes Firmenlogo

Die JoWooD Entertainment AG war ein österreichisches Unternehmen der Computerspiel-Branche, das von 1995 bis 2011 bestand. Nachdem am 7. Januar 2011[2] Insolvenz eingeleitet wurde, stellte JoWooD die Geschäftstätigkeiten ein, Teile des Unternehmens wurden aber daraufhin vom schwedischen Spielepublisher Nordic Games übernommen. Nordic Games übernahm Teile der ehemaligen Belegschaft, ebenso wie die Marke JoWooD, die weiterverwendet werden soll und gründete daraufhin eine eigene österreichische Tochtergesellschaft.[3]

Die Produktpalette von JoWooD umfasste Spiele aller Genres, von Strategie über Simulation bis zu Action und Sport. Das Hauptaugenmerk lag auf der PC-Plattform, JoWooD vertrieb jedoch auch Titel für Spielkonsolen. Zu Spitzenzeiten unterhielt das Unternehmen fünf eigene Entwicklungsstudios und beschäftigte über 200 Mitarbeiter. Zuletzt waren im Unternehmen noch 24 Mitarbeiter tätig und JoWooD war zu diesem Zeitpunkt nur noch als reiner Publisher tätig.[4]

Firmengeschichte[Bearbeiten]

JoWooD wurde 1995 in Ebensee von Dieter Bernauer, Johann Reitinger, Johann Schilcher und Andreas Tobler als Entwicklungsstudio für Computerspiele gegründet. Der internationale Durchbruch gelang 1997 mit dem Computerspiel Industriegigant, das von den Unternehmensgründern selbst entwickelt worden war. Auch danach konnte JoWooD mit Titeln wie Die Völker weitere Erfolge feiern. Im Juni 2000 erfolgte dann der Börsengang, um eine finanzielle Basis für weitere Expansion voranzutreiben.

Man begann Entwicklerfirmen und Know-How aufzukaufen, darunter das deutsche Studio Massive Development, welches zu dieser Zeit das Spiel AquaNox und eine eigene 3D-Engine, die KRASS Engine entwickelten. Die Grafik-Engine wurde später von JoWooD für weitere Spieletitel verwendet.[5] Ebenfalls 2000 erwarb das Unternehmen noch die Studios Wings Simulations und Neon Studios.

Die Firma stand im Jahr 2002 kurz vor der Insolvenz, konnte diese jedoch vermeiden. 2004 kam der Online-Shooter Söldner: Secret Wars auf den Markt, der aufgrund einer verfrühten Veröffentlichung jedoch so gravierende Fehler enthielt, die ein Spielen fast unmöglich machten.[6][7][8] Die Folge war ein schwerer Imageschaden für JoWooD.

Gegen Ende 2005 kam es zu einem Rechtsstreit zwischen JoWooD und dem australischen Unternehmen Perception, das ursprünglich den Titel Stargate SG-1 für JoWooD entwickeln sollte. Perception stellte einen erfolglosen Insolvenzantrag wegen ausgebliebener Zahlungen gegen JoWooD, während JoWooD eine Betrugsanzeige gegen Perception einbrachte, da laut JoWooD bei der Produktion weder die gewünschte Qualität geliefert, noch der vereinbarte Zeitrahmen eingehalten wurde. Das Spiel wurde Anfang 2006 endgültig eingestellt und allen Mitarbeiter gekündigt. JoWooD selbst stand nach dem Rechtsstreit erneut kurz vor der Insolvenz.

Am 17. November 2005 gab JoWooD den Einstieg von Koch Media GmbH als strategischen Investor bekannt. Im Rahmen eines Debt Equity Swaps verzichtete Koch Media auf Forderungen gegenüber JoWooD.[9] Im Januar 2006 stand eine weitere Barkapitalerhöhung ins Haus.

JoWooD versuchte anschließend eine Neuausrichtung des Unternehmens. Man wollte von nun an als reiner Publisher und Videospielevertrieb auftreten. Bis 2006 wurden alle fünf internen Entwicklungsstudios der Firma (JoWooD Vienna und Studio Ebensee in Österreich, in Deutschland Wings Simulations, Massive Development und Neon Studios) geschlossen. Unternehmenseigene Technologien, wie etwa die KRASS Engine, ebenso wie einige in Entwicklung befindliche Titel wurden nicht mehr weiterentwickelt.

Ende 2006 kam das Spiel Gothic 3 des Entwicklers Piranha Bytes auf den Markt, das jedoch bei Markteinführung ebenfalls wieder gravierende Fehler enthielt. Piranha Bytes beschuldigte JoWooD später, man sei zu einer verfrühten Veröffentlichung gezwungen worden.[10] JoWooD und Piranha Bytes beendeten nach Gothic 3 die Zusammenarbeit und es entstand erneut ein schwerer Imageschaden für JoWooD.

Am 11. Januar 2007 gab JoWooD die Übernahme des kanadischen Publishers Dreamcatcher Inc. bekannt. Die Übernahme hatte eine Erweiterung der Distributionskapazität im amerikanischen Raum zur Folge. Die Mitarbeiter des neuen Tochterunternehmens operierten weiterhin von Toronto aus. Dreamcatcher Inc. hatte unter anderem Spiele wie Painkiller, Cold War, Dungeon Lords und Agatha Christie: Und dann gabs keinen mehr vertrieben.[11]

Am 1. März 2007 wurde durch JoWooD ein Markenrelaunch des Labels durchgeführt. Die Änderungen umfassen ein neues Logo, ein neuer Internetauftritt sowie die Gründung der Dachmarke JoWooD Group mit den untergeordneten Marken JoWooD, G-Stars, Dreamcatcher, The Adventure Company und SilverLine Software.

Laut einem Bericht von boerse-express.com trennte sich der Hauptaktionär Koch Media seit 2007 von seinen Anteilen. So unterschritt das Unternehmen bereits am 21. Mai 2007 die Meldeschwelle von 10 %. JoWooD selbst gab am 12. März 2008 bekannt, dass Koch Media seit dem 11. März 2008 keine Aktien des Unternehmens mehr besitzt.[12]

2009 erwirtschaftete das Unternehmen noch einen Umsatz von 25,33 Mio. Euro, was eine Steigerung von 1,2 % gegenüber 2008 entsprach. 2010 brachen Umsatz und Gewinn bei JoWooD jedoch drastisch ein. Im ersten Halbjahr 2010 erreichte das Unternehmen nur noch einen Umsatz von 2,6 Millionen Euro und musste in derselben Zeit einen Verlust in Höhe von 20,6 Millionen Euro verbuchen.[13] Im April ging Vorstandschef Albert Seidl, Ende Oktober verlor JoWooD außerdem seinen Finanzvorstand Klemens Kreuzer. Die Halbjahresbilanz wurde mehrfach verschoben, dann wurde Anfang November bekannt gegeben, dass der Verlust das halbe Grundkapital aufgezehrt hatte. Zur Verlustabdeckung wurde ein Kapitalschnitt 7:2 eingeleitet.[14] Einer der letzten größeren, von JoWooD vertriebenen Titel, das vom deutschen Unternehmen Spellbound Entertainment entwickelte Arcania – Gothic 4, wurde von der Fachpresse überwiegend negativ beurteilt und blieb in puncto Verkaufszahlen weit hinter dem Vorgänger zurück. Während Gothic 4, das sowohl für Xbox 360 als auch für PC erschien, in der ersten Woche etwa 31.000 Mal verkauft wurde, kam Gothic 3, der Vorgänger, der nur für PC erschien, auf 150.000 Verkäufe.[15]

Am 7. Januar 2011 musste JoWooD Insolvenz anmelden, da zuletzt eine interne Restrukturierung gescheitert war. Die Passiva beliefen sich laut KSV auf 22 Mill Euro, zuletzt wurden 85 Mitarbeiter beschäftigt, 20 bis 25 davon in Österreich.[16] Ein Sanierungsverfahren wurde beim Handelsgericht in Wien beantragt.[17][18] Der Insolvenz vorausgegangen war am 5. Januar 2011 eine Klage am Wiener Gericht um 2,36 Millionen Euro gegen den Publisher Koch Media, um die Differenz der zugesagten Einlagen zu bekommen. Gemäß JoWooD-Management haben diese beim Einstieg 2005 nur einen Wert von 4,04 Millionen Euro gehabt, zugesagt seien aber 6,4 Millionen Euro gewesen.[19][20] Am 22. April 2011 wurde bekannt, dass die Verhandlungen mit möglichen Investoren geplatzt sind und das Sanierungsverfahren somit eingestellt wurde.[21] Zuletzt waren noch 24 Beschäftigte im Unternehmen tätig.[4] JoWooD befand sich zu rund 76 % im Streubesitz, knapp 14 % hielt die kanadische VenGrowth Technology, jeweils etwa 5 % die Erste-Sparinvest KAG und Pioneer Investments Austria Ltd. der Bank Austria.[22]

Im August 2011 wurde bekannt, dass die schwedische Nordic Games Holding AB, über ihre neugegründete österreichische Tochtergesellschaft die Markenrechte von JoWooD und The Adventure Company übernommen hat.[23]

Veröffentlichte Spiele (Auswahl)[Bearbeiten]

sowie die "Giganten-Reihe"

  • Transportgigant: Down Under (Add-on)

Kritik[Bearbeiten]

JoWooD wurde aufgrund der Veröffentlichung unfertiger Versionen von Spielen wiederholt stark kritisiert, insbesondere bei den Spielen Söldner: Secret Wars, Gothic 2 sowie Gothic 3 und dessen Add-on. Bei Gothic 3 wurde die stark fehlerbehaftete Goldmasterversion zurückgezogen, nachdem Spielemagazine sich aufgrund der vielen Fehler geweigert hatten, eine positive Wertung abzugeben und anwaltliche Drohungen an die Spielemagazine nicht die gewünschte Wirkung hatten.[24][25] In einem Interview mit dem Online-Games-Magazin Krawall.de bestätigte Produzent Michael Paeck diese Fehler, kündigte jedoch gleichzeitig eine neue Masterversion sowie einen Patch an, der am Releasetag die restlichen Fehler beseitigen soll. Community-Manager Johann Ertl bestätigte in einem Internetforum ebenfalls, dass jeder am 13. Oktober ein „herausragendes und stabiles Game“ haben würde.[26][27] Dennoch wurde auch die überarbeitete Fassung des Spiels aufgrund zahlreicher Bugs kritisiert.[28]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jahresfinanzbericht 2009 (PDF) JoWooD Entertainment AG. 6. Mai 2010. Abgerufen am 7. Januar 2011.
  2. Salzburger Nachrichten vom 8. Jänner 2011, Seite 21
  3. - Über Nordic Games GmbH
  4. a b wirtschaftsblatt.at: 24 Beschäftigte bei JoWooD
  5. JoWooD: Übernimmt Massive Development. massive.de. 14. Dezember 2000. Archiviert vom Original am 3. Februar 2001. Abgerufen am 16. Januar 2011.
  6. GameStar Wertung für Söldner
  7. Testbericht zu Söldner bei 4players
  8. Söldner – Secret Wars Review bei GBASE.ch
  9. euro adhoc: JoWooD Productions Software AG. In: FinanzNachrichten.de, 17. November 2005. Abgerufen am 7. Januar 2011. 
  10. Robert Purchese in Eurogamer.net: Why Gothic dev Piranha dumped JoWooD
  11. JoWooD gibt die Übernahme des kanadischen Spielepublishers Dreamcatcher bekannt, JoWooD Productions Software AG. 11. Januar 2007. Abgerufen am 7. Januar 2011. 
  12. Koch Media GmbH, JoWooD Entertainment AG. 12. März 2008. Abgerufen am 7. Januar 2011. 
  13. Leo Himmelbauer: Hiobsbotschaft von Jowood: 20,6 Millionen Euro Verlust. In: WirtschaftsBlatt.at, 9. November 2010. Abgerufen am 7. Januar 2011. 
  14. Salzburger Nachrichten vom 8. Jänner 2011, Seite 21
  15. 4Players.de: Arcania: Gothic 4 - Erste (magere) Verkaufszahlen
  16. Salzburger Nachrichten vom 8. Jänner 2011, Seite 21
  17. JoWooD beantragt Eröffnung eines Sanierungsverfahrens, JoWooD Entertainment AG. 7. Januar 2011. 
  18. Computerspieleentwickler JoWooD ist insolvent. In: derstandard.at, 7. Januar 2011. 
  19. André Peschke: Gothic-Macher verklagen ihre einstigen Retter. In: Krawall.de, 6. Januar 2011. Abgerufen am 7. Januar 2011. 
  20. Volker Briegleb: Jowood ist insolvent. In: heise online, 7. Januar 2011. Abgerufen am 8. Januar 2011. 
  21. krone.at: "Game Over" für Spielehersteller JoWooD, 22. April 2011
  22. Salzburger Nachrichten vom 8. Jänner 2011, Seite 21
  23. Nordic Games Holding AB group acquires JoWooD & The Adventure Company. Hrsg.: Nordic Games GmbH, 16. August 2011, abgerufen am 16. August 2011 (PDF; 91 kB).
  24. http://www.gamesaktuell.de/Gothic-3-PC-53240/News/Gothic-3-Drohanrufe-durch-wuetenden-Publisher-721483/
  25. http://www.gamesaktuell.de/Gothic-3-PC-53240/Specials/Die-Akte-Jowood-721480/
  26. Gothic III - Ritt auf der Rasierklinge. In: Krawall.de. 15. September 2006. Abgerufen am 7. Januar 2011.
  27. Tobias Münster: Neue Goldmaster: Met für Bugs. In: Krawall.de, 22. September 2006. Abgerufen am 8. Januar 2011. 
  28. http://www.metacritic.com/game/pc/gothic-3