Jo Conrad

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Johannes „Jo“ Conrad (* 12. Januar 1958 im Landkreis Osterholz) ist ein deutscher Verschwörungstheoretiker. In Büchern und Vorträgen vertritt er Thesen zu verschiedenen Geheimbünden und weiteren nichtöffentlichen Institutionen, welche er in ihrer Summe als „Hintergrundmächte“ bezeichnet. Er bringt diese mit politischen und wissenschaftlichen Ereignissen wie der Mondlandung oder verschiedenen terroristischen Anschlägen in Verbindung. Diese Thesen werden vielfach als antisemitisch kritisiert. Ferner bringt er esoterische Theorien auf. Er trat bereits bei Veranstaltungen in Spanien, Österreich und in Deutschland in verschiedenen Sprachen auf.

Leben

Nachdem Conrad das Gymnasium noch vor dem Abitur verlassen hatte, begann er eine Fotografenlehre, die er jedoch abbrach. Er machte über zehn Jahre lang Landschaftsfotos für Kalender. Zwischenzeitlich war er als Musiker aktiv. Aufgrund einer von ihm 1991 aufgenommenen Demokassette wurde Conrad von Jürgen Roland für die musikalische Komposition zu drei Folgen der Polizeiserie Großstadtrevier beauftragt. In einem Bremer Offenen Kanal moderierte er ohne Bezahlung die Unterhaltungsshow Lift, wo neben Künstlern und Schauspielern auch Esoteriker, Numerologen und der damalige Vorsitzende der PDS, Gregor Gysi,[1] zu Gast waren.[2]

Sein erstes Buch Entwirrungen, das 1996 herauskam, war ein kommerzieller Erfolg, weitere Bände ähnlicher Ausrichtung folgten. Heute ist Conrad ein selbständiger Autor, Seminarleiter und Komponist, engagiert sich aber auch in Gruppen, die als rechtsextrem eingestuft werden, so bei der MikronationFürstentum Germania“, einer Gruppe, die in einem Schloss in Brandenburg einen eigenen Staat ausgerufen hat. Conrad fungiert hier als „Informationsminister“. Ferner trat er bei der Anti-Zensur-Koalition (einem Forum von Ivo Sasek) auf.

Ansichten

In seinen Büchern vertritt Conrad esoterische Verschwörungstheorien, wie sie auch Jan Udo Holey verbreitet. Ausgehend von einem Konzept der Ganzheitlichkeit meint er, dass Signale, die ein Mensch bewusst oder unbewusst aussende, auf sein Schicksal Einfluss nähmen: Wer befürchte, in der Straßenbahn überfallen zu werden, dem werde ebendies irgendwann auch zustoßen. Daher sei es von besonderer Bedeutung, was für Signale ausgesendet würden. Für den schlechten Zustand der Welt macht er nicht zuletzt Hollywood verantwortlich: Die amerikanische Filmindustrie, die er als jüdisch dominiert hinstellt, trage die Verantwortung dafür, dass „coole Helden“ propagiert werden, also gefühlskalte und zynische statt liebevolle und sanftmütige Vorbilder. Conrad diagnostiziert hier eine jüdische „Verschwörung […], die uns vom wahren Glauben abhält“, deren Motiv die Habgier sei.[3]

Bei seiner Auseinandersetzung mit dem vermeintlich großen und schädlichen Einfluss der Juden nimmt Conrad Bezug auf verschiedene antisemitische Klischees, darunter auch auf die Fälschung Die Protokolle der Weisen von Zion, die eine jüdische Weltverschwörung als Ursache aller Probleme der Moderne annimmt.[4] Das Argument, dass die Fälscher weite Passagen dieses Texts aus einer gegen Napoleon III. gerichtete Polemik des französischen Journalisten Maurice Joly abgeschrieben hatten, dreht er um und behauptet wahrheitswidrig, dass Joly ein Jude gewesen wäre. Insofern würden die Protokolle in jedem Fall jüdische Gedanken enthalten.[5] Zudem behauptet Conrad, Juden hätten einen negativen Einfluss „auf ihre Wirtsländer“, und nennt ihren Gott Jahwevölkermordend“.[6] 1998 machte er in einem Leserbrief an das Magazin Focus die Juden selbst für Antisemitismus verantwortlich: „Wenn von Zionisten überall in der Welt der Antisemitismusvorwurf erhoben wird, gedeiht Verständnis nur schwer.“[7] Auch sein Forum im Internet dient als Anlaufplatz für rechtsgerichtete Esoteriker und Verschwörungsgläubige. Seine antisemitischen Verschwörungstheorien reichert Conrad mit Verdächtigungen „gegen Hochgradfreimaurer, Illuminaten und ‚graue‘ Außerirdische“ an, denen er „arische“ Außerirdische gegenüberstellt: „Offenbar gibt es eine Rasse von schönen, blonden Wesen, die wie Menschen aussehen und – anders als die Grauen – den freien Willen der Menschen respektieren“.[8] In seinem Buch Entwirrungen bezeichnet er England, Spanien und andere Länder, die im Mittelalter und der Frühen Neuzeit ihre jüdischen Bewohner gewaltsam vertrieben, als deren „Wirtsländer[9].

In einem Zeitungsinterview äußerte Conrad sich kritisch über das deutsche Verbot der Holocaustleugnung.[10] In einem 2011 von ihm veröffentlichten Video behauptet er, der verurteilte Holocaustleugner Horst Mahler sei nur wegen seiner „falschen Meinung“ eingesperrt.[11] Deutschlands Kriegsschuld am Zweiten Weltkrieg weist er zurück.[12] Die Demokratie sei „nur eingeführt worden, damit Leute mit entsprechend Kleingeld bestimmen können, wer regiert“.

Bewusst.TV

Bewusst.TV ist ein 2010 von Jo Conrad gegründetes[9] Video-Propagandaprojekt mit angeschlossenem Webshop, das sich im Eigenverständnis als "Der Bildungskanal" versteht und als Fortsetzung des Esoterikprojekts Secret-TV mit Nähe zur Truther-Szene und Reichsbürger-Szene gesehen werden kann. Das in deutscher Sprache anonym betriebene Internetportal bietet Videofilme zu verschiedenen Themenbereichen an. Innerhalb der von der Firma Quantisana gekauften Sendezeit[13] werden auch Ausschnitte aus Sendungen von Bewusst.TV bei Schweiz 5 über den Satelliten Astra ausgesendet. Conrad ist einer der Haupt-Moderatoren bei Bewusst.TV. Er interviewt dort jeweils verschiedene Aktivisten aus der Esoterik-, Reichsbürger- und Verschwörungstheoretiker-Szene zu den von diesen verbreiteten Ideologien.[9]

Kritik

Conrad wird Antisemitismus und eine Nähe zum Rechtsextremismus vorgeworfen, die sich in Passagen seiner Bücher äußere. In einer Broschüre der Hamburger Behörde für Inneres wird ihm attestiert, „diffuse Verschwörungstheorien“ und „ungefilterten Antisemitismus“ zu verbreiten. Darin wird auch auf seine Bezugnahme auf rechtsradikale Autoren wie Jan Udo Holey, Gerd Honsik und Gary Allen verwiesen.[14] In einer Sammlung von Analysen zum „Rechtsextremismus und Islamismus in Deutschland und Thüringen“ des Thüringer Landesamts für Verfassungsschutz wird Conrad der rechtsesoterischen Szene Deutschlands zugeordnet. Indem er seine Behauptungen häufig in rhetorische Fragen kleide, habe er Verbote und Strafanzeigen bislang vermieden.[15] Der Berliner Historiker Wolfgang Wippermann reiht Conrad unter die Trittbrettfahrer und Nachahmer Jan Udo Holeys. Wie dieser verbreite er eine antisemitische Verschwörungsideologie, die sich von denen Adolf Hitlers nur durch ihren esoterischen Anstrich unterscheide.[16]

Werke

Bücher:

  • Entwirrungen. Über kosmische Gesetzmäßigkeiten und warum sie uns vorenthalten werden. Langenbruch, Lilienthal 1996, ISBN 3-980-45865-2
  • Zusammenhänge. Was läuft schief in unserer Welt? Bignose Media, Worpswede 1998, ISBN 3-933-71800-7
  • Ursprünge. Über Vielfalt des Lebens, die Ordnung und den Grund des Hierseins. Bignose Media, Worpswede 2000, ISBN 3-933-71801-5
  • Wendungen. Über Hintergründe des Weltgeschehens und den Umgang mit Ängsten. Bignose Media, Worpswede 2005, ISBN 3-933-71802-3

Hörbücher:

Zeitschriften:

Conrad verfasste etliche Artikel in den Zeitschriften NET-Journal, Menschsein, Magazin 2000 und der Zeitenschrift.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stefan Meining: Rechte Esoterik in Deutschland. Ideenkonstrukte, Schnittstellen und Gefahrenpotentiale. In: Politischer Extremismus als Bedrohung der Freiheit – Rechtsextremismus und Islamismus in Deutschland und Thüringen. Vorträge anlässlich des Symposiums des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz am 3.9.2002 in Erfurt. Erfurt 2002, S. 61 (PDF, Zugriff am 25. Oktober 2014).
  2. PORTRAIT - JO CONRAD. In: joconrad.com. Jo Conrad - Bignose Media, abgerufen am 28. Juli 2016 (englisch).
  3. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 150 f.
  4. Ingolf Christiansen, Rainer Fromm und Hartmut Zinser: Brennpunkt Esoterik. Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus. Behörde für Inneres – Landesjugendbehörde, Hamburg 2006, S. 222 (PDF, Zugriff am 25. Oktober 2014).
  5. Jo Conrad, Entwirrungen, S. 70.
  6. Ingolf Christiansen, Rainer Fromm und Hartmut Zinser: Brennpunkt Esoterik. Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus. Behörde für Inneres – Landesjugendbehörde, Hamburg 2006, S. 223 (PDF, Zugriff am 25. Oktober 2014).
  7. Anton Maegerle: Vom Obersalzberg bis zum NSU. Die extreme Rechte und die politische Kultur der Bundesrepublik 1988–2013. Edition Critic, Berlin 2013, ISBN 978-3-9814548-6-4, S. 123.
  8. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 150 (hier das Zitat); Birk Meinhardt: Arier im Mikrowellen-Krieg. – Eine Reportage über braune Esoterik, Süddeutsche Zeitung vom 15. März 2008; (archive.org) von Bundeszentrale für politische Bildung vom 14. Juni 2008, abgerufen am 24. August 2014
  9. a b c Der Mann im Teufelsmoor; in: taz.de vom 11. November 2016
  10. Zensur im neuen „Staat“ – Szene Fürsten grenzen unliebsame Diskussionspartner aus, Märkische Allgemeine vom 28. März 2009 (nur über Bezahlung abrufbar).
  11. „Gespräch zwischen Jo Conrad und dem Holocaustleugner Dirk Zimmermann (00:17:40 – 00:18:06)“ – bewusst tv im Juli 2011., bewusst.tv, Juli 2011
  12. Ingolf Christiansen, Rainer Fromm und Hartmut Zinser: Brennpunkt Esoterik. Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus. Behörde für Inneres – Landesjugendbehörde, Hamburg 2006, S. 223 (PDF, Zugriff am 25. Oktober 2014).
  13. QuantiSana.TV Partner – Bewusst.TV; in: Portal von Quantisana-Gesundheitszentrum
  14. Ingolf Christiansen, Rainer Fromm und Hartmut Zinser: Brennpunkt Esoterik. Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus. Behörde für Inneres – Landesjugendbehörde, Hamburg 2006, S. 222 (PDF, Zugriff am 25. Oktober 2014).
  15. Stefan Meining: Rechte Esoterik in Deutschland. Ideenkonstrukte, Schnittstellen und Gefahrenpotentiale. In: Politischer Extremismus als Bedrohung der Freiheit – Rechtsextremismus und Islamismus in Deutschland und Thüringen. Vorträge anlässlich des Symposiums des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz am 3.9.2002 in Erfurt. Erfurt 2002, S. 63 (PDF, Zugriff am 25. Oktober 2014).
  16. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 150.