Jonas Fricker

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Jonas Fricker (2012)

Jonas Fricker (* 30. März 1977 in Schönenwerd; heimatberechtigt in Baden AG und Rupperswil) ist ein Schweizer Politiker (GPS), der bis 2017 aktiv war.[1]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fricker hat an der ETH Zürich Umweltnaturwissenschaften studiert. Er war 2005 bis 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Nachhaltige Entwicklung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Leiter des Kompetenzzentrums für nachhaltige Gemeinden. 2015 schloss er das Studienprogramm für erfahrene Berufspersonen an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) mit der Lehrberechtigung für die Sekundarstufe I in Mathematik, Naturwissenschaften und Sport ab.[2]

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2002 bis 2006 sass Fricker für das team baden im Einwohnerrat der Stadt Baden und war Mitglied der Natur- und Umweltkommission. Von 2005 bis 2009 war er Parteipräsident der Grünen im Kanton Aargau. Von 2007 bis 2010 war er im Grossen Rat des Kantons Aargau und vertrat seine Fraktion in der Kommission für Aufgaben- und Finanzplanung und in der Kommission für Gesundheit und Sozialwesen. Von 2008 bis 2011 war er Präsident der Grünen des Bezirks Baden. Von 2010 bis 2011 war er erneut Mitglied des Einwohnerrats der Stadt Baden und dort Mitglied der Strategiekommission.

2011 bis 2013 lebte er mit seiner Familie in Amsterdam und legte darum alle seine Ämter nieder. Ab 2013 war er zum zweiten Mal Präsident der Grünen Aargau und ab 2014 wieder Mitglied des Einwohnerrats der Stadt Baden. Bei den Parlamentswahlen vom 18. Oktober 2015 wurde er in den Nationalrat gewählt.[2]

Sein Wahlvideo Ihre grüne Stimme im Nationalrat wurde im Schweizer Filmpreis für Werbe-, Industrie- und Unternehmensfilme prämiert. Es erreichte den zweiten Platz in der Kategorie Online & Multimedia – Internet Virals & Clips und wurde mit dem silbernen Edi ausgezeichnet.[3][4]

Rücktritt aus dem Nationalrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. September 2017 äusserte sich Fricker in einer emotionalen Rede[5] während der Debatte zur Fair-Food-Initiative zum Thema Massentierhaltung: «Als ich das letzte Mal so eine Dokumentation von Transporten von Schweinen gesehen habe, sind mir unweigerlich die Bilder der Massendeportationen nach Auschwitz aus dem Film Schindlers Liste hochgekommen. Ich kann nichts dafür, das ist einfach so passiert. Die Menschen, die dort deportiert wurden, die hatten eine kleine Chance zu überleben. Die Schweine, die fahren in den sicheren Tod.»[6] Wenige Minuten später entschuldigte er sich im Nationalrat für seinen «unangemessenen Vergleich, den ich in meiner Naivität gemacht habe».[7] Auch entschuldigte er sich in aller Form beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG),[8] der die Entschuldigung annahm und vor der Skandalisierung des Fehltritts warnte.[9]

Nach Druck aus seiner Partei[10] kündigte Fricker zwei Tage später seinen Rücktritt als Nationalrat auf Beginn der Wintersession, am 27. November 2017, an.[11] Er bezeichnete dies in seinem Rücktrittsschreiben als «das stärkste Zeichen, das ich setzen kann».[12]

Den Sitz im Nationalrat übernahm die bisherige Kantonsparlamentarierin Irène Kälin.[13]

Privat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fricker ist verheiratet und lebt mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern in Baden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jonas Fricker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wahlen 2019 - Jonas Fricker verzichtet auf erneute Kandidatur. In: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). 19. September 2018 (srf.ch [abgerufen am 28. Oktober 2018]).
  2. a b Jonas Fricker auf seiner persönlichen Website. Abgerufen am 20. Februar 2017
  3. Silberner Edi: Der Grüne Neo-Nationalrat Jonas Fricker gewinnt Filmpreis. In: Aargauer Zeitung. 6. November 2011, abgerufen am 14. November 2015.
  4. Edi. Der Schweizer Auftrags- und Werbefilmpreis. In: edinet.ch. Abgerufen am 14. November 2015.
  5. Jonas Fricker von Emotionen getrieben: «Ich möchte den Holocaust nicht relativieren». In: az Aargauer Zeitung. 29. September 2017 (aargauerzeitung.ch [abgerufen am 6. Oktober 2017]).
  6. Amtliches Bulletin. 28. September 2017, abgerufen am 1. Oktober 2017.
  7. Amtliches Bulletin. 28. September 2017, abgerufen am 1. Oktober 2017.
  8. Dennis Bühler, Nora Güdemann: Nationalrat Fricker vergleicht Schweine- mit Judentransport ++ er entschuldigt sich ++ grosse Entrüstung. In: Aargauer Zeitung online vom 28. September 2017, abgerufen am 28. September 2017.
  9. SIG/FSCI: Vergleich mit "Schindlers Liste" von Nationalrat Fricker: Für den SIG ist die Angelegenheit erledigt : www.swissjews.ch. Abgerufen am 6. Oktober 2017.
  10. Dennis Bühler: Fall Fricker: Kein typischer Medienskandal (PDF). In: Medienwoche, 6. Oktober 2017
  11. Patrik Müller: Nach Auschwitz-Vergleich: Grünen-Nationalrat Jonas Fricker tritt zurück In: Aargauer Zeitung online vom 30. September 2017, abgerufen am 30. September 2017.
  12. Mein Rücktritt aus dem Nationalrat ist das stärkste Zeichen der Entschuldigung. In: Jonas Fricker. 30. September 2017 (archive.org [abgerufen am 2. Oktober 2017]).
  13. Fricker Nachfolgerin Irène Kälin ist bereit für den Nationalrat. In: Radio Argovia. (argovia.ch [abgerufen am 28. Oktober 2017]).