Jonas Hector

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Jonas Hector
20180602 FIFA Friendly Match Austria vs. Germany Jonas Hector 850 0692.jpg
Jonas Hector (2018)
Personalia
Name Jonas Armin Hector
Geburtstag 27. Mai 1990
Geburtsort SaarbrückenDeutschland
Größe 185 cm
Position Linksverteidigung, Mittelfeld[1]
Junioren
Jahre Station
1998–2009 SV Auersmacher
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
2009–2010 SV Auersmacher 34 0(9)
2010–2013 1. FC Köln II 63 0(5)
2012– 1. FC Köln 233 (17)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)2
2014–2019 Deutschland 43 0(3)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.
Stand: 1. Juni 2020

2 Stand: 19. November 2019

Jonas Armin Hector[2] (* 27. Mai 1990 in Saarbrücken) ist ein deutscher Fußballspieler. Er steht beim 1. FC Köln unter Vertrag und war für die deutsche Nationalmannschaft aktiv. Meist wird Hector als Linksverteidiger, gelegentlich auch im linken oder defensiven Mittelfeld eingesetzt.[3]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jonas Hector wuchs im saarländischen Kleinblittersdorf-Auersmacher auf[4] und spielte für den SV Auersmacher in der Oberliga, bei dem er seine gesamte Fußballjugend verbrachte. Er legte im Jahr 2009 am Ludwigsgymnasium in Saarbrücken das Abitur ab. Im Alter von 18 Jahren konnte er sich noch nicht vorstellen, Fußballprofi zu werden, sodass er ein entsprechendes Angebot des VfL Bochum nach einem Aufstieg seines Heimatvereins im Jahr 2009 ablehnte.[5]

Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 2010 wechselte er dann doch zur zweiten Mannschaft des 1. FC Köln. Zwei Jahre später gelang ihm unter Trainer Holger Stanislawski der Sprung in die Profimannschaft. Dort gab er am 18. August 2012 sein Profidebüt in der DFB-Pokal-Begegnung des 1. FC Köln gegen die SpVgg Unterhaching (2:1)[6] und stand seitdem regelmäßig für die Kölner auf dem Platz – zunächst in der 2. Bundesliga, aus der man erst im Sommer 2014 in die höchste deutsche Spielklasse aufstieg. Hector, der nun Stammspieler in der Mannschaft war, wurde bald für die Nationalmannschaft nominiert. Nach Einsätzen bei der Europameisterschaft 2016 und dem Konföderationen-Pokal 2017 waren viele Vereine an einer Verpflichtung Hectors interessiert, doch dieser lehnte alle Angebote, darunter eines des FC Barcelona, ab.

Durch den fünften Platz des 1. FC Köln in der Bundesliga-Saison 2016/17, womit sich Köln für die Europa League 2017/18 qualifizierte, spielte Hector auch auf Vereinsebene international. Im Spiel beim FC Arsenal am 14. September 2017 verletzte er sich am rechten Sprunggelenk, sodass er bis Ende des Jahres ausfiel.[7]

Seine Vertragslaufzeit verlängerte er trotz des drohenden Abstiegs des 1. FC Köln im April 2018 bis 2023; eine Ausstiegsklausel ließ er ungenutzt.[8] Nach dem Abstieg in die zweite Bundesliga wurde Hector für die Saison 2018/19 zum Mannschaftskapitän ernannt[9] und behielt das Amt auch nach dem Wiederaufstieg 2019.

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hector nach dem Gewinn des FIFA-Konföderationen-Pokals 2017

Am 7. November 2014 wurde Hector von Bundestrainer Joachim Löw im Alter von 24 Jahren erstmals in die deutsche Nationalmannschaft berufen. Zuvor hatte er nie in einem Jugendleistungszentrum oder für eine Junioren-Nationalmannschaft gespielt.[10] Eine so späte Entdeckung gilt in der heutigen Zeit der organisierten Nachwuchsförderung als äußerst ungewöhnlich.

Löw nominierte ihn für das EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar und das kurz darauf folgende Testspiel gegen Spanien. Gegen Gibraltar gab Hector am 14. November 2014 in Nürnberg sein Länderspieldebüt, als er in der 72. Minute für Erik Durm eingewechselt wurde (Ergebnis 4:0). In der langen Amtszeit von Bundestrainer Joachim Löw war er damit der 100. von Löw bei einem Länderspiel eingesetzte Spieler. In der Startelf stand er erstmals am 25. März 2015 im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern beim Testspiel gegen Australien (Ergebnis 2:2).

Auf der Position des linken Außenverteidigers, für die der DFB lange einen geeigneten Spieler gesucht hatte, etablierte er sich als Stammspieler. Als einziger Nationalspieler stand er im Kalenderjahr 2015 in allen neun Länderspielen in der Startelf und spielte immer über die volle Distanz; einzige Ausnahme war eine verletzungsbedingte Auswechslung im letzten Spiel des Jahres gegen Frankreich in Paris, während in der Stadt die Terroranschläge verübt wurden.

Deutschland qualifizierte sich als Gruppenerster für die Europameisterschaft; Hector wurde in sieben von zehn Qualifikationsspielen eingesetzt. Beim 4:1‑Testspielsieg gegen Italien am 29. März 2016 erzielte er sein erstes Länderspieltor mit dem Treffer zum 3:0.

Hector stand im Kader für die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich,[11] bei der er alle sechs Turnierspiele der deutschen Mannschaft über die volle Spielzeit bestritt. Im Viertelfinale gegen Italien am 2. Juli 2016 in Bordeaux verwandelte er im Elfmeterschießen den entscheidenden Elfmeter zum Einzug ins Halbfinale.[12] Das Elfmeterschießen ist gemeinsam mit dem Spiel um Platz drei zwischen der Tschechoslowakei und Italien 1980 mit insgesamt 18 Elfmetern das bis dahin längste Elfmeterschießen bei einer Fußball-Europameisterschaft sowie das mit den meisten verschossenen Elfmetern (7). Hector trat als neunter deutscher und letzter Schütze an und traf. Er hatte in seiner Profikarriere zuvor noch nie einen Elfmeter geschossen. Im Anschluss an die Begegnung wurde er zum „Man of the Match“ ernannt.

Im Rahmen der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2018, bei der Hector in acht von zehn Spielen eingesetzt wurde, erzielte er am 11. November 2016 gegen San Marino erstmals zwei Treffer und trug damit zum höchsten Sieg in der WM-Qualifikation (8:0) bei.[13] Als Gruppensieger qualifizierte sich Deutschland direkt für die Weltmeisterschaft.

Beim Konföderationen-Pokal 2017 in Russland stand er erneut im Kader.[14] Bei diesem Turnier, für das Löw auf nahezu alle langjährigen Stammspieler verzichtete, zählte Hector trotz seiner erst 29 Länderspiele zu den Erfahreneren der Spieler der DFB-Auswahl, unter denen viele Debütanten waren, die sich dem Bundestrainer für die Zukunft empfehlen wollten. Der Wettbewerb wurde mit einem Finalsieg gegen Chile (1:0) gewonnen. Hector bestritt vier von fünf Spielen; einzig im letzten Gruppenspiel gegen Kamerun kam er nicht zum Einsatz.

Bei der Weltmeisterschaft 2018 bestritt er zwei der drei Gruppenspiele der Nationalmannschaft, die nach der Vorrunde aus dem Turnier ausschied.[15]

Am 9. November 2019 bestritt er gegen Nordirland sein letztes Länderspiel. Hector trat 2020 aus der Nationalmannschaft zurück.[16]

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationalmannschaft
Verein
Persönliche Auszeichnungen

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Bruder Lucas spielte von 2009 bis 2020 für den SV Auersmacher.[17] Er starb mit 31 Jahren am 21. Juni 2020 aus noch ungeklärten Gründen.[18] Seit 2014 studiert Hector im Fernstudium Betriebswirtschaftslehre an der Universität Oldenburg.[19] Im Dezember 2018 heiratete er seine Freundin Anika.[20] Hector ist einer von wenigen Profifußballern, die nicht aktiv in den sozialen Netzwerken sind und weitgehend auf Werbetätigkeiten verzichten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jonas Hector – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jonas Hector | 1. FC Köln | Spielerprofil Verein | 2020/21. kicker.de, abgerufen am 16. Oktober 2020.
  2. FIFA Confederations Cup Russia 2017: List of Players (Memento vom 24. Juli 2017 im Internet Archive), FIFAdata.com, 2. Juli 2017, abgerufen am 6. Dezember 2017, S. 4 (pdf; 133 KB).
  3. Positionen laut transfermarkt.de
  4. Jannis Johannmeier und Daniel Fischer: „Wenn Jonas verlor, flossen Tränen!“ In: Bild. Axel Springer Verlag SE, 14. November 2014, abgerufen am 31. August 2017.
  5. Sebastian Fischer: Matchwinner Jonas Hector – Made in Köln, Süddeutsche Zeitung, 3. Juli 2016, abgerufen am 3. Juli 2016.
  6. Michael Krämer: Jonas Hector: Musterschüler vom SV Auersmacher, Kölner Stadt-Anzeiger, 19. August 2012, abgerufen am 29. August 2012
  7. Syndesmoseband gerissen – Jonas Hector fehlt dem 1. FC Köln länger, Kölner Stadt-Anzeiger, 15. September 2017, abgerufen am 14. November 2017
  8. Meldung des 1. FC Köln, abgerufen am 23. April 2018
  9. Meldung des 1. FC Köln, abgerufen am 26. Juli 2018
  10. DFB-Neuling Hector: Plötzlich Nationalspieler. In: Spiegel Online. Abgerufen am 5. Juli 2016.
  11. Der Kader für die Europameisterschaft in Frankreich 2016 (10. Juni bis 10. Juli) (Memento vom 31. Mai 2016 im Internet Archive), dfb.de, abgerufen am 31. Mai 2016
  12. Jonas Hector trifft den letzten Elfer und Deutschland feiert den Sieg gegen Italien in Pforzheimer Zeitung vom 2. Juli 2016. Abgerufen am 2. Juli 2016.
  13. kicker online, Nürnberg, Germany: LIVE! San Marino - Deutschland, WM-Qualifikation Europa, Saison 2016/17, 4. Spieltag. In: kicker online. Abgerufen am 11. November 2016.
  14. Das ist der deutsche Kader für den Confed Cup 2017. TZ.de, 19. Juni 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.
  15. Einsätze im DFB-Datencenter, abgerufen am 26. Juli 2018
  16. Kölns Jonas Hector tritt zurück: Leiser Abschied aus der Nationalelf. kicker.de. 14. Oktober 2020. Abgerufen am 14. Oktober 2020.
  17. Lucas Hector - Detaillierte Leistungsdaten. Abgerufen am 22. Juli 2020.
  18. FOCUS Online: Tot in der Wohnung aufgefunden: Jonas Hector trauert um Bruder Lucas. Abgerufen am 22. Juli 2020.
  19. Elfmeter-Held: Jonas Hector studiert in Oldenburg in: Neue Osnabrücker Zeitung vom 3. Juli 2016. Abgerufen am 3. Juli 2016.
  20. Jonas Hector hat seiner Anika das Ja-Wort gegeben, Kölner Express, 30. Dezember 2018, abgerufen am 30. Dezember 2018