Late-Night-Show

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Late-Night-Show ist ein Neologismus und Anglizismus, mit dem eine am späten Abend ausgestrahlte Fernsehserie mit Publikum und einer Fernsehshow in spezifischem Format umschrieben wird.

Inhalte[Bearbeiten]

Die Late-Night-Show kombiniert die Genres Comedy und Talkshow. Elementare Standards der ritualisierten Shows sind neben dem Moderator mit Fähigkeiten zur Stand-up-Comedy die Präsentation mehrdeutiger Schlagzeilen aus aktuellen Zeitungen, belustigende Filmausschnitte aus Nachrichten- oder sonstigen Fernsehsendungen, eigenproduzierte Kurzfilme, kurze Musikstücke einer anwesenden Live-Band und zwei oder drei einzeln interviewte Gäste. Diese Spätvorstellung beschert zu jener Zeit keine hohen Einschaltquoten mehr; denn zur Hauptsendezeit werden über 40 % der deutschen Zuschauer erreicht, am späten Abend nur etwa 20 %.[1]

Die klassische Late-Night-Show beginnt mit einem Monolog, der sich mit aktuellen Themen befasst, gefolgt von einem Hauptteil und einem Talkteil, sowie einem Musikteil. Weitere Merkmale sind:

Geschichte[Bearbeiten]

Wie der Titel bereits andeutet, erhält diese Fernsehshow einen Sendeplatz am späten Abend. Die amerikanische Terminologie unterscheidet die „prime time“ (Hauptsendezeit) ab 20:00 Uhr, die „late prime time“ ab 22:00 Uhr und „late night“ ab 23:00 Uhr bis in die frühen Morgenstunden. Dieser Sendeplatz wird von den Late-Night-Shows belegt, die dort von Montag bis Freitag ab 23:30 Uhr ausgestrahlt werden.[2] Eine Studie von Newsweek belegte, dass nur etwa 50 von 600 Gästen in amerikanischen Late Night-Shows Afroamerikaner waren, obwohl Letztere sich doppelt so viele Shows ansehen wie weiße Amerikaner.[3]

Sendeplatz Sendezeit
Sendeplatz I zwischen 20.00 und 22.00 Uhr
Sendeplatz II zwischen 22.00 und 24.00 Uhr
Sendeplatz III zwischen 12.00 und 16:00 Uhr
Sendeplatz IV zwischen 16.00 und 20.00 Uhr
Sendeplatz V zwischen 10.00 und 12.00 Uhr

The Tonight Show war weltweit die erste und erfolgreichste Late-Night-Show, erstmals am 27. September 1954 unter dem Titel Variety Show von NBC ausgestrahlt. Ihr Format war Vorbild für spätere Shows dieses Genres, auch in Deutschland. Es folgte seit 30. August 1993 die Late Show auf CBS mit David Letterman, Vorbild für die Harald Schmidt Show. Um 23:30 Uhr starten auf NBC und CBS parallel die Late Night Shows, bei ABC läuft die Nachrichtensendung Nightline und danach erst seit 26. Januar 2003 Jimmy Kimmel Live!.

Deutschland[Bearbeiten]

Thomas Gottschalk startete bei RTL am 28. September 1992 als Gottschalk Late Night ab 23:15 Uhr eine Abendshow, bei der jedoch wesentliche Elemente der klassischen Late-Night-Show fehlten. Damit war das Privatfernsehen in Deutschland Pionier dieses Formats. Die erste nach amerikanischen Vorbild aufgebaute Show war ab 16. Mai 1994 die RTL Nachtshow, die wie Gottschalks Show (am 27. April 1995) am 17. November 1995 wegen zu geringer Einschaltquoten eingestellt wurde.

Die Harald Schmidt Show startete ab 5. Dezember 1995 auf Sat.1 und orientierte sich vollständig am Original der - zur gleichen (lokalen) Uhrzeit bei CBS ausgestrahlten Tonight Show - Late Night with David Letterman. Die Rückwand im Studio zeigte jedoch nicht die Kulisse der New Yorker Brooklyn Bridge, sondern die Skyline von Köln.[4] Selbst das „Cue Card-Girl“ mit Stichworttafeln war anwesend. Die Harald Schmidt Show war als Formathybrid zwischen Late-Night-Talk und Comedy Show zu klassifizieren. Sie wurde im Kölner Kino Capitol mit 250 Zuschauern aufgenommen.[5] Seit 1999 wurde sie nicht mehr von Brainpool, sondern von Schmidts eigener Produktionsfirma Bonito produziert und seitdem in Köln-Mülheim im Studio 449 aufgenommen. Abendlich sahen um die 1 Million Zuschauer die Show (Marktanteile zwischen 11 % und 14 %). Sie war kein besonderer Quotenerfolg, jedoch hinsichtlich Zuschauergunst kaum schwankend und verlässlich.[6] Diese Show wurde jedoch nicht wegen schlechter Einschaltquoten, sondern wegen anhaltender Differenzen zwischen Harald Schmidt und dem neuen Sat.1-Chef am 29. Dezember 2003 beendet.

Im Jahr danach trat Harald Schmidt ab dem 23. Dezember 2004 in der ARD mit einigen Modifikationen in der ersten Late Night Show des öffentlichen Fernsehens auf. Im Kölner Theater am Rudolfplatz produziert ProSieben seit dem 8. März 1999 TV total, eine Late Night mit Stefan Raab. Das Format unterscheidet sich jedoch vom üblichen Inhalt, denn die Show konzentriert sich überwiegend auf die Präsentation von Ausschnitten aus Fernsehsendungen deutscher Programme, die sich für Raabs Comedy eignen. Sie ist die langlebigste Late Night im deutschen Fernsehen. Seit Oktober 2013 moderiert Jan Böhmermann die Late-Night-Show Neo Magazin auf ZDFneo.

Bekannte Late-Night-Shows (soweit im Text nicht erwähnt)[Bearbeiten]

Heute sind es unter anderem folgende Namen, die mit dem Begriff Late-Night-Show in Verbindung gebracht werden:

  • in Österreich:
  • in der Schweiz:

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich lief in den Jahren 1994–1996 die Hermes Phettbergs Nette Leit Show, deren Name auf Late-Night anspielt. Von 2004 bis 2010 wurde auf ORF 1 in der Comedyschiene Donnerstag Nacht eine von Alfred Dorfer moderierte Show namens Dorfers Donnerstalk ausgestrahlt. Der Stil der Sendung erinnert an eine Late-Night-Show, handelt aber auch mit fiktiven Personen oder Kabarettisten, die meistens Politiker darstellen sollen. Jedoch wurde diese Sendung bereits um 21 Uhr ausgestrahlt und somit nicht in der "Late-Night-Zeitschiene".

Im Jahr 2007 wurde Willkommen Österreich, in verfremdeter Anlehnung an die Vorabendillustrierte Willkommen Österreich, das erste Mal gesendet (moderiert von Dirk Stermann und Christoph Grissemann) und ab Herbst 2007 zu einer kabarettistischen Late-Night-Show im Rahmen der Donnerstag Nacht weiterentwickelt.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz waren Late-Night-Shows bisher nicht sehr erfolgreich. Das Schweizer Fernsehen DRS versuchte es zwischen 1997 und 1999 mit der Sendung „Night Moor“ mit Dieter Moor. Einige Monate zuvor war die Show „Feinheiten“ mit Raymond Fein nach nur einer Sendung, einerseits aufgrund der schlechten Kritik, andererseits aufgrund einer plötzlichen Erkrankung des Moderators, wieder abgesetzt worden.

Am 17. Oktober 2005 startete mit „Black'n'Blond“ eine neue Late-Night-Show auf SF zwei. Moderiert wurde sie von Roman Kilchsperger und Chris von Rohr. Das Format wurde jedoch nach der Sommerpause 2006 wegen zu niedriger Einschaltquoten abgesetzt. Am 27. Januar 2008 sendete das Schweizer Fernsehen auf SF 1 zum ersten Mal die neue Late-Night-Show Giacobbo/Müller aus. Im Gegensatz zu Black'n'Blond befinden sich die Einschaltquoten auf einem normalen Niveau.

Niederlande[Bearbeiten]

In den Niederlanden gibt es nur eine Late-Night-Show, die jedoch sehr erfolgreich ist und hohe Einschaltquoten verzeichnet. Im Verhältnis zu deutschen oder auch amerikanischen Late-Night-Shows ist JENSEN! mit dem sehr provokant auftretenden Moderator Robert Jensen sehr offen gestaltet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. AFG/GFK Fernsehforschung, 2005, Fernsehnutzung ab 23:00 Uhr
  2. Christian Bachem, Fernsehen in den USA, 1995, S. 68 f.
  3. Jet vom 12. Februar 1996, Study: Blacks Are Rarely Guests On Late-Night Television Shows, S. 96
  4. Philip Hartmann, Was ist dran an Harald Schmidt, 2006, S. 17
  5. Karin Knop, Comedy in Serie, 2007, S. 156 f.
  6. Karin Knop, a.a.O., S. 160
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Format"WALTER LATE NIGHT". Abgerufen am 7. Juni 2010.