Kanchipuram (Distrikt)

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Distrikt Kanchipuram
காஞ்சிபுரம் மாவட்டம்
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Tamil Nadu
Verwaltungssitz: Kanchipuram
Fläche: 4.483 km²
Einwohner: 3.998.252
Bevölkerungsdichte: 892 Ew./km²
Website: kanchi.tn.nic.in

Der Distrikt Kanchipuram (Tamil: காஞ்சிபுரம் மாவட்டம்; auch: Kancheepuram) ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Verwaltungszentrum des Distrikts ist die namengebende Stadt Kanchipuram. Nach der indischen Volkszählung 2011 hatte der Distrikt Kanchipuram eine Fläche von 4.483 Quadratkilometern und knapp 4,0 Millionen Einwohner. Im Jahr 2019 wurde der Distrikt Chengalpattu aus dem Distrikt Kanchipuram gelöst.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Distrikt Kanchipuram liegt im Hinterland der Koromandelküste im Nordosten Tamil Nadus. Er grenzt im Osten an den Stadtdistrikt Chennai, im Südosten an den Distrikt Chengalpattu, im Südwesten an den Distrikt Tiruvannamalai, im Nordwesten an den Distrikt Ranipet und im Norden an den Distrikt Tiruvallur.

Das Gebiet des Distrikts Kanchipuram gehört zur flachen Küstenebene Tamil Nadus und wird vom periodisch wasserführenden Fluss Palar durchflossen. Der östliche Teil des Distrikts Kanchipuram gehört zum Einzugsgebiet Chennais, der Hauptstadt Tamil Nadus. Die Metropolregion Chennai, der viertgrößte Ballungsraum Indiens, reicht in das Gebiet des Distrikts Kanchipuram hinein. Der westliche Teil des Distrikts ist dagegen deutlich ländlich geprägt.

Im Distrikt Kanchipuram herrscht ein wechselfeuchtes Tropenklima vor. Die Jahresmitteltemperatur in Kanchipuram beträgt 28,3 °C, das Jahresmittel des Niederschlages liegt bei 1.083 mm. Die meisten Niederschläge fallen während des Nordostmonsuns zwischen Oktober und Dezember. Auch während des Südwestmonsuns zwischen Juli und September kommt es zu Regenfällen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kailasanatha-Tempel in Kanchipuram stammt aus der Pallava-Zeit (Kupferstich von 1811)

Der heutige Distrikt Kanchipuram war das Kernland des Pallava-Reiches, das vom 3. bis 9. Jahrhundert Kanchipuram als Hauptstadt hatte. In der Folge wurde das Gebiet von den Cholas, den Vijayanagar-Herrschern und den Nawabs von Arcot beherrscht, ehe es im 18. Jahrhundert unter britische Kontrolle kam.

Vorläufer des heutigen Distrikts Kanchipuram war der Distrikt Chengalpattu (Chingleput). Diesen hatten die Briten 1788 eingerichtet, nachdem sie die Herrschaft von den Nawabs von Arcot übernommen und das Gebiet in die Provinz Madras eingegliedert hatten. Nach der indischen Unabhängigkeit wurde der Distrikt 1956 zu einem Teil des neuformierten Bundesstaates Madras (heute Tamil Nadu). 1968 wurde Kanchipuram zum Verwaltungssitz des Distrikts. Der Distrikt Kanchipuram entstand im Jahr 1997, als der Distrikt Chengalpattu in die Distrikte Kanchipuram und Tiruvallur geteilt wurde. Im Jahr 2011 wurden einige zum Distrikt Kanchipuram gehörende Orte im Vorortgürtel Chennais in die Stadt Chennai eingemeindet.[2] 2018 wurden auch die Distriktgrenzen angepasst, sodass die eingemeindeten Gebiete aus dem Distrikt Kanchipuram in den Distrikt Chennai übergingen.[3] Im Jahr 2019 verkleinerte sich das Gebiet des Distrikts Kanchipuram weiter, als der neue Distrikt Chengalpattu aus dem südöstlichen Teil des Distrikts Kanchipuram gebildet wurde.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weber in einem Dorf bei Kanchipuram

Nach der indischen Volkszählung von 2011 hatte der Distrikt Kanchipuram in seinen damaligen Grenzen 3.998.252 Einwohner. Damit war er nach dem Stadtdistrikt Chennai der zweitgrößte Distrikt Tamil Nadus. Der Distrikt war sehr dicht besiedelt und recht stark urbanisiert: Mit 892 Einwohnern pro Quadratkilometer gehörte die Bevölkerungsdichte zu den höchsten Tamil Nadus und war deutlich höher als der Mittelwert des Bundesstaates (555 Einwohner pro Quadratkilometer). 64 Prozent der Einwohner des Distrikts Kanchipuram lebten in Städten. Der Urbanisierungsgrad lag damit deutlich über dem Durchschnitt Tamil Nadus (48 Prozent). Durch die Nähe zur stark expandierenden Metropole Chennai hatte der Distrikt Kanchipuram ein starkes Bevölkerungswachstum erfahren: Im Zeitraum zwischen 2001 und 2011 wuchs die Einwohnerzahl um 39 Prozent. Das Bevölkerungswachstum lag damit deutlich über dem Durchschnitt Tamil Nadus (16 Prozent) und war das höchste aller Distrikte des Bundesstaates.[5] 24 Prozent der Einwohner des Distrikts Angehörige niederer Kasten (Scheduled Castes) und 1 Prozent Angehörige der Stammesbevölkerung (Scheduled Tribes).[6] Die Alphabetisierungsquote lag mit 85 Prozent über dem Mittelwert des Bundesstaates (80 Prozent).[7]

Unter den Einwohnern des ehemaligen Distrikts Kanchipuram stellten Hindus mit 89 Prozent die Mehrheit. Daneben gab es Minderheiten von Christen (6 Prozent) und Muslimen (4 Prozent).[8] Die Hauptsprache war wie in ganz Tamil Nadu das Tamil, das von 90 Prozent der Bevölkerung des ehemaligen Distrikts als Muttersprache gesprochen wurde. 5 Prozent sprachen Telugu, 2 Prozent Urdu, 1 Prozent Malayalam und 2 Prozent sonstige Sprachen.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dank seiner Nähe zu Chennai ist der Distrikt Kanchipuram wirtschaftlich gut entwickelt und stark industrialisiert. In dem Distrikt produzieren unter anderem die Autohersteller Hyundai und Ford sowie die Elektronikunternehmen Nokia und Motorola. Der wichtigste Erwerbszweig ist aber nach wie vor die Landwirtschaft. Angebaut wird vor allem Reis. Zudem ist die Stadt Kanchipuram traditionell ein Zentrum der Seidenweberei.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kailasanatha-Tempel in Kanchipuram

Die Distrikthauptstadt Kanchipuram gehört zu den sieben heiligen Städten des Hinduismus und ist eine wichtige Pilgerstätte, in alle drei Hauptströmungen des Hinduismus – der Shivaismus, der Vishnuismus und der Shaktismus – gleichermaßen präsent sind. Als „Stadt der tausend Tempel“ bekannt, besitzt Kanchipuram eine große dichte an Tempelbauten, von denen viele auf die Glanzzeit der Pallava-Dynastie (7. und 8. Jahrhundert) zurückgehen. Die bedeutendsten Pallava-Tempel in Kanchipuram sind der Kailasanatha-Tempel und der Vaikuntha-Perumal-Tempel, die beide in fast unversehrter Form erhalten sind. Im Zentrum der gelebten Religiosität stehen dagegen die drei großen Tempel Kanchipurams, der Ekambaranatha-Tempel, der Varadaraja-Perumal-Tempel und der Kamakshi-Tempel, die den jeweiligen Hauptgottheiten der drei hinduistischen Strömungen (Shiva, Vishnu und die Göttin) geweiht sind.

Ein weiterer bedeutender vishnuitischer Tempel befindet sich in der Stadt Sriperumbudur, dem Geburtsort des Hindu-Philosophen Ramanuja, mit dem Adikesava-Perumal-Tempel. In der Stadt Uthiramerur finden sich zwei Tempel, die auf die Pallava-Zeit zurückgehen: der Vishnu geweihte Sundaravarada-Perumal-Tempel und der Shiva geweihte Kailasanatha-Tempel.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Distrikt Kanchipuram ist in die folgenden fünf Taluks (Subdistrikte) unterteilt:[10]

Taluk Hauptort
Kanchipuram Kanchipuram
Kundrathur Kundrathur
Sriperumbudur Sriperumbudur
Uthiramerur Uthiramerur
Walajabad Walajabad

Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Distrikt Kanchipuram in seinen heutigen Grenzen gibt es eine Stadt mit eigener Stadtverwaltung (Municipalities), fünf nach dem Panchayat-System verwaltete Kleinstädte (Town Panchayats) und 17 Zensusstädte (Census Towns). Angegeben ist die Einwohnerzahl nach der Volkszählung 2011.[11]

Municipalities
Town Panchayats
Zensusstädte

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Distrikt Kanchipuram – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klimadaten nach climate-data.org.
  2. Chennai Corporation set to have 45 more wards. The Hindu, 12. September 2011, abgerufen am 30. Dezember 2020 (englisch).
  3. Chennai district doubles in size. The Hindu, 5. Januar 2018, abgerufen am 30. Dezember 2020 (englisch).
  4. Palaniswami inaugurates Chengalpattu district. The Hindu, 30. November 2019, abgerufen am 30. Dezember 2020 (englisch).
  5. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - I Population, Size and Decadal Change.
  6. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - II Scheduled Castes and Scheduled Tribes Population.
  7. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - III Literates and Literacy Rate.
  8. Census of India 2011: C-1 Population By Religious Community. Tamil Nadu.
  9. Census of India 2011: C-16 Population By Mother Tongue. Tamil Nadu.
  10. New districts in Tamil Nadu: Boundaries redrawn. Times of India, 13. November 2019, abgerufen am 2. Dezember 2020 (englisch).
  11. Census of India 2011: Primary Census Abstract Data Tables: Kanchipuram.