Thanjavur (Distrikt)

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Distrikt Thanjavur
தஞ்சாவூர் மாவட்டம்
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Tamil Nadu
Verwaltungssitz: Thanjavur
Fläche: 3.411 km²
Einwohner: 2.405.890 (2011)
Bevölkerungsdichte: 705 Ew./km²
Website: thanjavur.tn.nic.in

Der Distrikt Thanjavur (Tamil: தஞ்சாவூர் மாவட்டம்; früher: Tanjore) ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Verwaltungszentrum ist die namensgebende Stadt Thanjavur. Der Distrikt Thanjavur hat eine Fläche von 3.411 Quadratkilometern und rund 2,4 Millionen Einwohner (Volkszählung 2011).

Der Distrikt Thanjavur liegt im Kaveri-Delta, einer wichtigen alten Kulturlandschaft. Die Nachbardistrikte Nagapattinam und Tiruvarur wurden erst in den 1990er-Jahren vom Distrikt Thanjavur abgespalten. Wo in älteren Quellen vom Distrikt Thanjavur oder Tanjore die Rede ist, ist also in der Regel die gesamte Kaveri-Deltaregion gemeint.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reisfelder im Distrikt Thanjavur

Der Distrikt Thanjavur liegt in Zentral-Tamil-Nadu. Nachbardistrikte sind Pudukkottai im Südwesten, Tiruchirappalli im Westen, Ariyalur im Norden, Nagapattinam im Nordosten sowie Tiruvarur im Osten.

Die Fläche des Distrikts Thanjavur beträgt 3.411 Quadratkilometer.[1] Der nördliche Teil des Distrikts gehört zum Kaveri-Delta. Der westlichste Punkt des Distrikts befindet sich am Grand-Anicut-Damm, wo sich der Kaveri-Fluss in mehrere Mündungsarme teilt. Im Norden markiert der Kollidam, der nördlichste Mündungsarm des Kaveri, die Grenze des Distrikts. Mehrere Mündungsarme des Kaveri-Flusses fließen im West-Ost-Richtung durch den Distrikt Thanjavur. Das fruchtbare Kaveri-Delta wird intensiv landwirtschaftlich genutzt und gilt als „Reisschüssel Tamil Nadus“. Der südliche Teil des Distrikts Thanjavur gehört dagegen nicht mehr zum Kaveri-Delta, sondern besteht aus einem leicht erhöhten Plateau und ist vergleichsweise trocken und unfruchtbar.[2] Im Süden hat der Distrikt Anteil an der Küste zur zwischen Indien und Sri Lanka gelegenen Palkbucht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Brihadisvara-Tempel von Thanjavur entstand während der Blütezeit der Chola-Dynastie

Das Gebiet des Distriktes ist das historische Kernland der bedeutendsten südindischen Herrscherdynastie, der Cholas. Mitte des 9. Jahrhunderts wurde Thanjavur zur Hauptstadt der Chola-Könige. Auf dem Höhepunkt seiner Macht im 10. und 11. Jahrhundert reichte der Einfluss des Chola-Reiches bis nach Bengalen und Südostasien. Im 13. Jahrhundert wurden die Cholas von den in Madurai residierenden Pandyas besiegt. Im 14. Jahrhundert stand die Gegend kurzzeitig unter muslimischer Herrschaft, ehe sie gegen Ende desselben Jahrhunderts unter die Herrschaft Vijayanagars kam. Die Könige von Vijayanagar setzten in Thanjavur Militärstatthalter (Nayaks) ein, die sich 1535 selbstständig machten. 1675 fiel Thanjavur in die Hände des Marathenführers Venkaji, eines Bruders von Shivaji. Die von Venkaji begründete Marathendynastie herrschte über das Königreich Thanjavur, bis sie 1799 die Oberhoheit der Briten anerkennen mussten. Der König von Thanjavur durfte nur seine Hauptstadt behalten, das restliche Gebiet des Königreichs wurde als Distrikt Tanjore (Thanjavur) der Provinz Madras und somit britischer Verwaltung unterstellt. Als der letzte König von Thanjavur 1855 ohne Erben starb, fiel das Königreich gänzlich an die Briten.

Nach der indischen Unabhängigkeit 1947 kam der Distrikt zum Bundesstaat Madras, der 1956 nach den Sprachgrenzen des Tamil neu formiert und 1969 in Tamil Nadu umbenannt wurde. Ursprünglich umfasste der Distrikt Thanjavur das gesamte Kaveri-Delta, das Gebiet verkleinerte sich aber sukzessive durch die Gründung neuer Distrikte. 1974 wurde ein kleineres Gebiet des Distrikts Thanjavur dem neugegründeten Distrikt Pudukkottai zugeschlagen. 1991 entstand der Distrikt Nagapattinam aus dem aus den östlichen Teilen des Distrikts Thanjavur. 1997 wurde wiederum der Distrikt Tiruvarur aus sechs Taluks des Distrikts Nagapattinam und einem Taluk des Distrikts Thanjavur gebildet.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauern im Distrikt Thanjavur bei der Reisernte

Nach der indischen Volkszählung 2011 hat der Distrikt Thanjavur 2.405.890 Einwohner. Der Distrikt ist dicht besiedelt: Die Bevölkerungsdichte liegt mit 705 Einwohnern pro Quadratkilometer über dem Durchschnitt Tamil Nadus (555 Einwohner pro Quadratkilometer). Gleichzeitig ist der Urbanisierungsgrad aber niedriger als der Mittelwert des Bundesstaates: 35 Prozent der Einwohner des Distrikts Thanjavur leben in Städten, während es in ganz Tamil Nadu 48 Prozent sind.[3] Die Alphabetisierungsquote entspricht mit 83 Prozent dem Durchschnitt des Bundesstaates (80 Prozent).[4]

Unter den Einwohnern des Distriktes stellen die Hindus nach der Volkszählung 2011 mit 86,3 Prozent eine große Mehrheit. Daneben gibt es Minderheiten von Muslimen (7,9 Prozent) und Christen (5,6 Prozent).[5]

Die Hauptsprache im Distrikt Thanjavur ist wie in ganz Tamil Nadu das Tamil. Nach der Volkszählung 2001 wird es von 98,1 Prozent der Einwohner des Distrikts als Muttersprache gesprochen.[6]

Nach der Volkszählung 2011 sind 18,9 Prozent der Einwohner des Distrikts Angehörige niederer Kasten (scheduled castes) und 0,1 Prozent Angehörige der Stammesbevölkerung (scheduled tribes).[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Airavatesvara-Tempel in Darasuram

Das Kaveri-Delta, zu dem der Distrikt Thanjavur gehört, ist eine kulturgeschichtlich reiche Region mit zahlreichen bedeutenden Hindutempeln aus der Chola-Zeit. Aus architektonischer Sicht hervorzuheben ist der Brihadisvara-Tempel in Thanjavur, der zwischen 1003 und 1010 unter König Rajaraja I. als monumentales Zeichen der Chola-Herrschaft erbaut wurde. Er gilt als Höhepunkt der mittelalterlichen hinduistischen Tempelbaukunst und gehört zusammen mit dem Airavatesvara-Tempel in Darasuram (ebenfalls im Distrikt Thanjavur) und dem Brihadisvara-Tempel in Gangaikonda Cholapuram (im Distrikt Ariyalur) zum UNESCO-Weltkulturerbe (siehe Große Tempel der Chola-Dynastie).

Aus religiöser Sicht ist vor allem die Stadt Kumbakonam mit ihren zahlreichen Hindutempeln wichtig. Hier findet alle zwölf Jahre das Mahamaham-Fest statt, das Millionen von Pilgern anzieht. Aber auch in zahlreichen Kleinstädten und Dörfern des Distrikts Thanjavur gibt es bedeutende Hindu-Heiligtümer. Allein 55 der 274 heiligen Orte des tamilischen Shivaismus (Padal Petra Sthalams) und 13 der 108 Heiligtümer des tamilischen Vishnuismus (Divya Desams) befinden sich im Distrikt Thanjavur. Ferner finden sich hier vier der neun Navagraha-Tempel, einer Gruppe von Hindu-Tempeln im Kaveri-Delta, die mit den Himmelskörpern assoziiert werden, sowie mit Swamimalai eine von sechs Wallfahrtsstätten des Hindu-Gottes Murugan (Arupadaividu). Eine wichtige katholische Pilgerstätte ist die Basilika Unserer Lieben Frau von Lourdes in Poondi.

Im Ort Melattur findet Anfang Mai das mehrtägige Jahresfest Narasimha Jayanti zu Ehren Vishnus statt, bei dem das religiöse Tanzdrama Bhagavata Mela aufgeführt wird.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taluks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taluks des Distrikts Thanjavur

Der Distrikt Thanjavur ist in die folgenden acht Taluks (Subdistrikte) unterteilt:

Taluk Hauptort Einwohner
(2011)[8]
Kumbakonam Kumbakonam 436.592
Orathanadu Orathanadu 246.871
Papanasam Papanasam 273.511
Pattukkottai Pattukkottai 396.236
Peravurani Peravurani 123.861
Thanjavur Thanjavur 511.865
Thiruvaiyaru Thiruvaiyaru 185.803
Thiruvidaimarudur Thiruvidaimarudur 231.151

Municipal Corporations und Municipalities[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Distrikt gibt es seit dem 18. Februar 2014 eine Municipal Corporation: Thanjavur.

Ferner gibt es zwei Municipalities im Distrikt:[9]

Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt Einwohner
(2011)[8]
Adiramapattinam 31.066
Aduthurai 11.705
Ammapettai 14.572
Annalagraharam 11.129
Ayyampettai 16.263
Chakkarapalli 6.227
Cholapuram 6.803
Darasuram 15.326
Kumbakonam 140.156
Madukkur 16.266
Melathiruppanthuruthi 9.074
Melattur 8.131
Nanjikottai 32.689
Natchiarkoil 7.505
Neelagiri 16.197
Orathanadu 10.247
Papanasam 17.548
Pattukkottai 73.135
Peravurani 22.084
Perumagalur 5.604
Perumandi 8.620
Pudupattinam 10.210
Swamimalai 7.289
Thanjavur 222.943
Thirukkattupalli 12.972
Thirunageswaram 15.082
Thiruppanandal 11.169
Thiruvaiyaru 16.164
Thiruvidaimarudur 14.786
Tirubuvanam 14.989
Ullur 11.673
Vallam 16.758
Veppathur 7.949
Vilar 9.028

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Imperial Gazetteer of India. Band 23: Singhbhūm to Trashi-Chöd-Zong. New edition. Clarendon Press, Oxford 1908, S. 225–242, Stichwort: Tanjore District.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Distrikt Thanjavur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Census of India 2011: Primary Census Abstract – Tamil Nadu. (PDF; 873 kB)
  2. Kathleen Gough: Rural Society in Southeast India, Cambridge: Cambridge University Press, 1981, S. 4–5.
  3. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - I Population, Size and Decadal Change.
  4. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - III Literates and Literacy Rate.
  5. Census of India 2011: C-1 Population By Religious Community. Tamil Nadu.
  6. Census of India 2001: C-15 : Population by Mother Tongue (Tamil Nadu), abgerufen unter Tabulations Plan of Census Year - 2001.
  7. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - II Scheduled Castes and Scheduled Tribes Population.
  8. a b Census of India 2011: Primary Census Abstract Data Tables: Thanjavur.
  9. tnmaps.tn.nic.in