Kleinbahnen des Kreises Jerichow I

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Burg Umladebf–Ziesar Ost
Bahnhof Magdeburgerforth
Bahnhof Magdeburgerforth
Streckenlänge: 37,1 km
Spurweite: 750 mm (Schmalspur)
Strecke – geradeaus
von Magdeburg
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Berlin
   
0,0 Burg Umladebf (auch Burg Klbf)
   
Hafenanschluss zum Ihlekanal
   
1,2 Burg West (auch Burg Magdeburger Tor)
   
2,1 Burg Mitte (auch Burg Zerbster Tor)
   
nach Lübars
   
4,2 Burg Ost
   
5,6 Gütter
   
7,8 Polzuhn
   
9,4 Grabow
   
Brücke über die Ihle
   
12,1 Kähnert
   
13,8 Stresow
   
16,8 Theeßen
   
18,8 Küsel
   
20,9 Waldrogäsen
   
22,5 Wüstenjerichow
   
25,9 Reesdorf
   
nach Gommern
   
28,2 Magdeburgerforth
   
Anschluss Rohpappenfabrik
   
30,4 Schopsdorf
   
32,3 Gehlsdorf
   
Güsen–Ziesar
   
heutige Grenze Sachsen-Anhalt / Brandenburg
   
35,3 Ziesar-West
   
37,1 Ziesar Ost
Burg Mitte–Lübars
Streckenlänge: 28,5 km
Spurweite: 750 mm (Schmalspur)
   
nach Ziesar
   
Burg Umladebf
   
2,1 Burg Mitte (auch Burg Zerbster Tor)
   
6,6 Madel
   
11,7 Stegelitz
   
14,7 Tryppehna
   
17,1 Pabsdorf (Friedensau)
   
19,5 Lüttgenziatz
   
Anschluss Mühle
   
19,3 Hohenziatz
   
Anschluss Gut/Brennerei
   
25,6 Riesdorf
   
28,5 Lübars (Kr Loburg)
   
nach Magdeburgerforth
   
nach Gommern
Gommern–Magdeburgerforth
Streckenlänge: 36,9 km
Spurweite: 750 mm (Schmalspur)
Strecke – geradeaus
von Biederitz
   
nach Pretzien
Bahnhof, Station
19,5 Gommern
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Trebnitz
   
18,5 Dannigkow
   
15,8 Leitzkau-West (Kressow)
   
12,9 Leitzkau
   
11,3 Ladeburg
   
8,4 Dalchau
   
6,6 Brietzke
   
5,2 Kalitz (Göbel)
   
2,7 Klepps-Ziegelei
   
1,7 Loburg-Süd
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Biederitz
Bahnhof, Station
0,0 Loburg
Bahnhof, Station
2,5 Bomsdorf
Bahnhof, Station
7,4 Lübars (Kr Loburg)
   
von Burg
Bahnhof, Station
12,1 Altengrabow
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Biederitz
   
14,0 Dörnitz
   
16,4 Magdeburgerforth Mitte
   
17,4 Magdeburgerforth
   
nach Burg
   
nach Ziesar

ehemals Dreischienengleis,
heute nur noch für Normalspur in Betrieb

Die Kleinbahnen des Kreises Jerichow I waren ein Eigenbetrieb des ehemaligen Landkreises Jerichow I, dessen Gebiet heute größtenteils zum Landkreis Jerichower Land gehört. Es handelte sich um eine Schmalspureisenbahn, deren Spurweite in dem insgesamt ungefähr 102 Kilometern langen Streckennetz 750 mm betrug. Davon waren 12 Kilometer dreischienig angelegt. Das Netz umfasste die Strecken Burg Umladebf–Ziesar, Burg Mitte–Loburg sowie Gommern–Magdeburgerforth.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahn nahm am 4. April 1896 mit der Eröffnung der Streckenabschnitte BurgGrabowMagdeburgerforth sowie Burg Zerbster Tor–Stegelitz ihren Betrieb auf. Als Nächstes folgten am 19. Juli 1896 die Abschnitte Stegelitz–Groß Lübars und Magdeburgerforth–Ziesar Ost sowie am 8. Oktober der Abschnitt Magdeburgerforth–Altengrabow–Groß Lübars.

Am 12. Dezember 1896 ging der Anschluss zum Ihlehafen in Burg in Betrieb. Am 21. Juli 1902 wurde die Teilstrecke zwischen Groß Lübars und Loburg eröffnet. Diese wurde im Gegensatz zu den übrigen mit einem Dreischienengleis hergestellt, so dass sie sowohl von Schmalspurfahrzeugen als auch von Fahrzeugen mit Normalspur befahren werden konnte, die von Biederitz auf der Staatsbahnstrecke nach Loburg gelangten um von dort den Truppenübungsplatz Altengrabow zu erreichen. Daher wurde auch dieser Abschnitt dreischienig ausgebaut.

Vollendet war das Netz am 20. April 1903 mit der Eröffnung der Strecke von Loburg nach Gommern an der Hauptbahn Magdeburg–Dessau. Ergänzt wurde es noch durch Anschlussbahnen, die unter anderem von Stresow zum Gut Ziegelsdorf, von Kalitz nach Göbel und in Gommern zur Zuckerfabrik führten.

Nach der Eröffnung der Staatsbahnlinie Güsen–Ziesar 1917 war diese Kleinstadt von einem Ring von Eisenbahnen umgeben. Die Schmalspurstrecke zwischen Ziesar West und Ost (in der Nähe des Hauptbahnhofs der regelspurigen Genthiner Kleinbahn) diente ab 1930 nur noch dem Güterverkehr. Sie wurde nach 1946 abgebaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der kommunale Kreisbahnbetrieb am 15. Dezember 1946 den Sächsischen Provinzbahnen GmbH und am 1. April 1949 der Deutschen Reichsbahn unterstellt.

Der Personenverkehr war schon ab 16. August 1934 schrittweise auf bahneigene Omnibuslinien verlagert worden. Am 2. Mai 1960 begann die Einstellung des Verkehrs mit dem Abschnitt von Gommern nach Loburg. Sie war am 25. September 1965 mit den Strecken von Burg über Magdeburgerforth nach Ziesar und von Magdeburgerforth nach Altengrabow abgeschlossen.

Einzig auf dem Abschnitt zwischen Loburg und Altengrabow blieb der Personenverkehr auf der Normalspur bis zum 29. Mai 1999 erhalten. Diese Strecke ist weiterhin vorhanden und wird von der Dampfzug-Betriebs-Gemeinschaft e.V. in Loburg benutzt.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1939 standen der Bahn 13 Dampflokomotiven, 25 Personenwagen und 251 Güterwagen zur Verfügung. Von der Deutschen Reichsbahn wurden 1949 12 Lokomotiven übernommen. Sie erhielten folgende endgültige Bezeichnungen.

Fahrzeuge bis 1949
KJI-Nr. DR-Betriebsnummer Bauart Baujahr Bemerkung
Nr. 1 bis 5 C n2t 1895–1897 1925–1935 ausgemustert
Nr. 6 bis 10 99 4614 und 99 4615 C n2t 1902–1910
Nr. 11 bis 14 99 4642, 4643, 4402, 4645 D n2t 1922–1924 Innenrahmen
99 4642: 1956 nach Umbau in Schlepptenderlok Umzeichnung in 99 4551
99 4402: 1949–1951 als 99 4501
Nr. 15 bis 17 99 4644, 4641 D n2t 1907–1923 Außenrahmen
1926–1930 von Rosenberger Kreisbahn; Nr. 17 1944 im Osten verschollen
Nr. 18 und 19 - D1' n2t 1902, 1904 1934/35 erworben, ehemals Schlawer Bahnen Nr. 1II und 2II, bis 1939 ausgemustert
Nr. 20 und 21 99 4801 und 99 4802 1'D h2t 1938
Nr. 22 99 4721 B n2t 1922 Baulokomotive, 1945 übernommen, 1949–1956 als 99 4401 (statistisch als 99 4401)
Nr. 23 99 4301 C n2t 1920 1948 von Zuckerfabrik Gommern, 1949–1951 als 99 4401 (statistisch als 99 4402), Denkmal am Bahnhof Gommern

Museumsbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magdeburgerforth–Altengrabow
Streckenlänge: 6,1 km
Spurweite: 750 mm (Schmalspur)
   
von Schopsdorf
   
zur ehemaligen Rohpappenfabrik
   
6,1 Lumpenbahnhof Endpunkt
Bahnhof, Station
5,6 Magdeburgerforth
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Gloinebach
Haltepunkt, Haltestelle
5,0 Lindenstraße
   
nach Burg
   
4,3 Magdeburgerforth Mitte
   
Landstraße
   
Kupferhammer
   
1,9 Dörnitz
   
Altengrabow Ost
   
0,0 Altengrabow Endpunkt
   
Übergang zum Dreischienengleis
Strecke – geradeaus
nach Loburg
Gloinebrücke in Magdeburgerforth an der im Aufbau befindlichen Strecke

Der 2000 von Kilian Kindelberger initiierte und gegründete Traditionsverein Kleinbahn des Kreises Jerichow I e. V. baut ein Stück der ehemaligen Trasse als Museumsbahn wieder auf. Ausgehend vom Museumsbahnhof Magdeburgerforth entsteht auf der alten Trasse Magdeburgerforth–Altengrabow (5,6 km) ein Fahrbetrieb mit historischen Fahrzeugen. Nachdem der Verein als Eisenbahnbetriebsunternehmen zugelassen worden war, konnte am 7. Mai 2011 auf dem 800 m langen Abschnitt zwischen Magdeburgerforth und dem Haltepunkt Lumpenbahnhof ein öffentlicher Fahrbetrieb aufgenommen werden. Zur Eröffnung verkehrten hier die Dampflok 99 516 (Museumsbahn Schönheide) und die vereinseigene V 10 C 199 041 mit dem Personenwagen 970-823 und einem Aussichtswagen aus Schönheide. Seitdem wird Fahrbetrieb an einigen Wochenenden mit der Diesellok angeboten. Am 24. September 2016 wurde die Strecke um 500 m von Magdeburgerforth zum Haltepunkt Lindenstraße verlängert. Am Eröffnungswochenende standen die beiden V 10 C 199 041 (KJI e.V.) und 199 051 (Museumsbahn Schönheide) im Einsatz. Der Weiterbau bis Magdeburgerforth Mitte ist für die Jahre 2018–2020 geplant.

Vereinsfahrzeuge

Der Verein besitzt die Diesellok 199 041 vom Typ LKM V 10 C und mehrere historische Wagen der KJI, die der Aufarbeitung bedürfen. Der Betrieb wird mit dem offenen Aussichtswagen 973-001 (Graz 1907, ex ÖBB) und dem Reko-Personenwagen 970-823 (Leihgabe SOEG Zittau), der in den 1950er Jahren auf dem Burger Streckennetz im Einsatz stand, abgewickelt. Als Rangierlok ist eine Ns3 vorhanden. Seit 2015 besitzt der Verein die nicht betriebsfähige Dampflok 99 4721 (Zweitbesetzung).

Streckenführung

Die Strecke beginnt im Schmalspurbahnhof Altengrabow. Dort ist ein Umfahrgleis und ein einseitig angebundenes Abstellgleis geplant. Das dortige Gebäude (Baujahr 1912) wird zum Teil als Betriebsraum für die Museumsbahn genutzt, der andere Teil kann als Ausstellungsraum verwandt werden. Die Strecke verläuft nördlich von Dörnitz-Altengrabow, quert die Straße Drewitz – Altengrabow und verläuft in nordöstlicher Richtung bis zum Bahnhof Altengrabow. Direkt hinter dem Bahnhof mit einem Ausweichgleis wird die Straße Dörnitz – Drewitz gekreuzt. Die Strecke verläuft entlang des Gloinebachs vorbei an der Kupferhammermühle nach Magdeburgerforth. Nach der Kreuzung der Straße Loburg – Ziesar folgt der Bahnhof Magdeburgerforth Mitte, ebenfalls mit einem Ausweichgleis. Hinter dem Bahnhof geht es in einer engen Rechtskurve durch den Wald, an der Kreuzung mit zwei Waldwegen entstand der neue (historisch nicht existierende) Haltepunkt Lindenstraße. Nach der Brücke über den Gloinebach und der Kreuzung mit der Straße nach Reesdorf wird mit dem Bahnhof Magdeburgerforth der Betriebsmittelpunkt erreicht. Hier befinden sich u. a. das historische Empfangsgebäude von 1896 mit Güterschuppen (davor steht Gw 97-60-41 auf einem Originalgleis der KJI) und ein in den 1920er Jahren errichteter Fachwerklokschuppen. 2014–2016 entstand zudem eine Fahrzeughalle. Von Magdeburgerforth in Richtung Schopsdorf ist auf 800 m Länge die historische Strecke bis zum Lumpenbahnhof (Haltepunkt ohne Umsetzgleis) wiedererrichtet worden. Am Lumpenbahnhof begann zu Kleinbahnzeiten ein Anschlussgleis zur Rohpappenfabrik Magdeburgerforth, zu der Lumpen auf offenen Wagen geliefert wurden, daher stammt der historische Name des Haltepunktes.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dirk Endisch: Baureihe 99.480 – Die 1'D-Maschinen der Kleinbahnen des Kreises Jerichow I. Verlag Dirk Endisch, Leonberg-Höfingen 2006, ISBN 3-936893-24-1
  • Klaus Kieper, Reiner Preuß: Schmalspurbahnarchiv. 2. Auflage. Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1982
  • Rüdiger Siemß: Schmalspurbahnen im Kreis Jerichow I. Verlag Kenning, Nordhorn 1995, ISBN 3-927587-40-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 52° 13′ 57,91″ N, 12° 11′ 45,84″ O