Konstein (Wellheim)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Konstein
Markt Wellheim
Koordinaten: 48° 49′ 29″ N, 11° 4′ 21″ O
Höhe: 408 m ü. NN
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 91809
Vorwahl: 08427
Konstein mit seinen berühmten Kletterfelsen, dem Dohlenfelsen
Konstein mit seinen berühmten Kletterfelsen, dem Dohlenfelsen

Konstein (mundartlich Kunschdoa) mit Aicha (mundartlich Moacha) und der Einöde Wielandshöfe ist ein Gemeindeteil des Marktes Wellheim im Wellheimer Trockental im oberbayerischen Landkreis Eichstätt und im Naturpark Altmühltal.

Evangelische Apostelkirche in Konstein
Ehemaliges pfalz-neuburgisches Försteranwesen in Konstein
Grundriss der Burg Konstein
Die Burgruine von Konstein um 1835 (Lithographie)

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt etwa einen Kilometer nordwestlich von Wellheim nach einer scharfen Kehle des Urdonau-Tals.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Konstein hat der Mensch der Steinzeit Spuren hinterlassen. 1982 wurde auf einem bronzezeitlichen Grabhügel im Talkessel zwischen Konstein, dem benachbarten Aicha und Wellheim eine Bügelknopffibel gefunden.

Konstein wird 1186 erstmals mit dem Edelfreien Chuno de Lapide (Kuno von Stein) erwähnt. Die Burg Konstein auf dem Felskegel „Chunstein/Chunenstein“, 1256 erstmals als solcher genannt, diente zum Schutz der Ostgrenze der Grafschaft Lechsgemünd-Graisbach gegenüber der Grafschaft Hirschberg. 1289 ist ein Ritter Heinrich von Muhr von Chunenstein Burgbesitzer und Leheninhaber. Er verfügte über weiteren Besitz, denn 1302 verkaufte er „Breid“ (= Preith) an den Eichstätter Bischof Konrad II. 1329 trägt eine Urkunde die Zeugenunterschrift von Ulrich von Muor, genannt von Kunstein. 1345 erhielt der im Erbwege nunmehrige Burgherr von Konstein, der Ritter Ulrich Willprant von Parkstein und zu Kösching, von Kaiser Ludwig dem Bayern das Privileg der hohen Gerichtsbarkeit sowie für den Ort das Befestigungsrecht, von dem kein Gebrauch gemacht wurde, und 1347 auch den Wildbann. Seine Witwe heiratete Kuno von Laiming, der 1351 die Burg den bayerischen Herzögen verschrieb. Im Rahmen von Ausgleichsverhandlungen erhielt 1362 Burkhard von Seckendorff Burg und Ort zur Hälfte. Dessen Tochter, verehelicht mit dem Edelknecht Eberhard Schenk von Rosenberg, verkaufte 1385 den ganzen Besitz an die Herzöge von Bayern, die ihrerseits an Hans Hausner verpfändeten (bis 1457).

Im Landshuter Erbfolgekrieg (1503–1505) war Konstein ein halbes Jahr von Bundestruppen besetzt, wurde dann von Pfalzgrafen Ruprecht eingenommen, der die Burg 1505 zerstörte. Konstein wurde durch den Kölner Spruch dem neuen Herzogtum Pfalz-Neuburg zugeteilt. 1506 wurde die Burg dem Küchenschreiber des Bayernherzogs Friedrich, Willpold Pöll, für Verdienste überlassen. 1515 wiederaufgebaut, richtete der Bauernkrieg 1525 neue Zerstörungen an; erst nach 1540 wurde die Burg vom neuen Besitzer, dem Pfalzgrafen Ottheinrich, wieder errichtet.

1542 schloss sich Ottheinrich dem Protestantismus und dem Schmalkaldischen Bund an, wodurch er in Gegensatz zu Kaiser Karl V. geriet, der 1546/1547 dessen Fürstentum und somit auch Konstein eroberte. 1617 wurde unter Kurfürst Wolfgang Wilhelm von Neuburg das Herzogtum Pfalz-Neuburg und damit auch Konstein rekatholisiert. Im Dreißigjährigen Krieg erlebte Konstein mehrere Plünderungen, die Burg wurde unbewohnbar und diente fortan nur noch als Steinbruch. Heute ist sie bis auf Ringmauerreste und dem restaurierten rundbogigen Eingangstor abgetragen. Der Burggraben ist mit Schlacken der Glashütte teilweise verschüttet.

1684 bis 1693 wurde am Rammersberg ein Eisenbergwerk betrieben. 1795 wurde die Burgruine nebst Gärten, Brauhaus und Glashütte an den Öttingisch-Spielbergischen Rat Johann Edmund von Ruösch verkauft, der 1802 den Besitz an den Reichsgrafen Jakob von Pestalozza weiter veräußerte und dieser wiederum 1810 an den Grafen Karl August von Reisach zu Kempten. 1813 kam der größte Teil dieses Besitzes an den Konsteiner Brauer Zinsmeister, der die Vorburg als Bräukeller nutzte.

Bis 1802 blieb Konstein ein von Pflegern verwaltetes neuburgisches bzw. kurpfalz-bayerisches Amt. Es wurde 1803 dem Landgericht Monheim (Graisbach-Monheim) einverleibt.[1] Die Richtstätte war gemeinsam mit Wellheim der nahe Galgenberg inmitten des Urdonau-Tals. Ab 1857 gehörte Konstein zum Landgericht Eichstätt und damit zum Bezirksamt, später Landkreis Eichstätt.

Der an der Bahnstrecke Dollnstein–Rennertshofen 1920 errichtete Konsteiner Bahnhof verlor nach Einstellung des Personenverkehrs 1960 seine Funktion; zum Gütertransport und danach von einem Dollnsteiner Eisenbahnverein wurde die Strecke noch einige Jahre weiter genutzt. Der ehemalige Bahnhof dient seit 1989 dem Heimat- und Trachtenverein „D’ Schuttertaler“ Konstein e. V. als Vereinsheim. Die Bahntrasse ist inzwischen Radweg.

Bei der Einöde Wielandshöfe stand im Mittelalter die Stammburg der Wielande von Wielandstein.

Am 1. Mai 1978 wurde die Gemeinde Konstein in den Markt Wellheim eingegliedert.[2]

Glasindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1578 wurde von Leonhard Hadenbeck und Jakob Heg aus Ulm in Konstein eine Glashütte gegründet. Die beiden verkauften an Hans Greiner aus Augsburg, der den Betrieb an seinen Sohn Kaspar übergab und für sich 1649 in Solnhofen eine neue Glashütte errichtete. Die Konsteiner Glashütte blieb bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Greinerschen Familie. Nachfolgebesitzer war ein Herr Bolle aus Nürnberg, dann die Firma Richter & Co. in Rudolstadt, dann weitere Firmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die inzwischen stillgelegte Glashütte am östlichen Ortseingang 1946 als „Phönixhütte“ wiederbelebt und 1950 eine neue Fabrik gebaut, in der Glaserzeugnisse, vor allem Bleikristallglas, hergestellt wurde. Nach der Insolvenz 1986 wurde das Gelände nicht mehr genutzt, auf zwei Dritteln des 2,7 Hektar großen Areals verfielen die Gewerbehallen. Das durch Schwermetall kontaminierte Gelände ist nur sehr aufwendig wieder nutzbar zu machen; die Nachnutzung sieht ein neues Gewerbegebiet und öffentliche Grünanlagen vor. Die Sanierung läuft seit 2005.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Evangelisch-lutherische Apostelkirche geht auf eine Kapelle zum hl. Ägidius zurück, 1338 als Burgkapelle von Ulrich Willprant gestiftet. Nach der Reformation wurde sie, baufällig geworden, nach 1575 zur heutigen Gestalt erweitert. Im 18. Jahrhundert wieder katholischer Sakralraum, wurde dieser unter dem baufreudigen Wellheimer Pfarrer Johann Martin Bergmann innen Barock umgestaltet. Der Stuck stammt von dem Eichstätter Stuckateur Jakob Egg (Eck). Nach dem Bau einer neuen, größeren katholischen Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft wurde die Kapelle 1958 abermals der protestantischen Gemeinde übergeben und nach Umgestaltung am 13. Mai 1962 eingeweiht. Das barockzeitliche Deckenbild, Maria zeigend, wurde 1960 mit der Darstellung des auferstandenen Christus von dem Münchner Kunstmaler Günther Danco in nur einem Tag übermalt. Die barocke Kanzel wurde zur Chorkanzel umfunktioniert. Auf der Emporenbrüstung barocke Darstellung der 12 Apostel und in der Mitte Christus. Der außen schlichte Saalbau mit zwei Fensterachsen und dreiseitigem Chor im Norden hat auf der Südseite einen achtseitigen Dachreiter mit Kuppel. 1967 wurde das Harmonium durch eine neue Orgel ersetzt. 2006 konnten dringend erforderliche Restaurierungsarbeiten an der Stuckdecke erfolgreich abgeschlossen werden. Die Gemeinde wird von der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Eichstätt, 2. Pfarrstelle, mitversorgt.
  • Die Kath. Filialkirche St. Ägidius, gebaut 1958 bis 1960 nach einem Entwurf von Alfred Backs aus Augsburg-Göggingen, besitzt neben bauzeitlicher Ausstattung die Rokokoaltäre und die Orgel der älteren Ägidiuskirche.
  • Die Kath. Ortskapelle von Aicha mit ihrem Dachreiter stammt aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
  • Auf dem Weg von Konstein nach Tagmersheim befindet sich die Ruinenkirche Spindeltal.

Arbeitsstelle für Treppenforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1951 begann Friedrich Mielke mit systematischer Treppenforschung; 1966 erschien sein grundlegendes Werk Die Geschichte der Deutschen Treppen. Seit 1980 leitete er in Konstein eine „Arbeitsstelle für Treppenforschung/Scalalogie“; von da ab erwuchs in Fachkreisen und bei Laien ein allgemeines und zunehmendes Interesse für das Fachgebiet „Treppe“. 1985 gründete er die Gesellschaft für Treppenforschung (Scalalogie) e. V., der sich bis 1990 mehr als 70 Mitglieder aus neun Ländern angeschlossen hatten.

Klettergebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gebiet Konstein/Aicha gilt der Dohlenfelsen als Klassiker unter den Kletterfelsen, seine bis zu 35 Meter hohen Wände bieten 59 Touren. Einige der schweren Routen wurden während des internationalen Sportklettertreffens im Mai 1981 erstbegangen. Die bekanntesten Routen sind „Schaumrolle“, „Wenzel-Gedächtnis-Weg“ und der „Südgrat“.

Der 25 Meter hohe Turm „Madonna“ verfügt zusätzlich über 16 Routen. 1921 wurde das Ingolstädter Naturfreundehaus bei Konstein/Aicha erbaut. Des Weiteren gibt es den Klettersteig Oberlandsteig beim Dohlenfelsen.

Panorama vom Dohlenfelsen: Links Aicha, in der Mitte Wellheim und rechts Konstein

Wanderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wanderwege 2 und 4 des Wellheimer Wanderwegnetzes führen durch Konstein. Die Schlaufe 11 des Altmühltal-Panoramaweges mit einer Gesamtlänge von 17 km führt von Dollnstein am Hang des Wellheimer Trockentales durch Konstein nach Wellheim und über Aicha zurück nach Dollnstein. Der im Jahre 2009 errichtete Urdonautal-Geoweg mit 13 Stationen für die Wanderroute und 15 Stationen für die Radroute führt unter anderem durch Konstein und Aicha. Der Altmühltal-Wallfahrerweg von Wemding über die Ruinenkirche Spindeltal nach Breitenbrunn streift Aicha.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Gareis: Steinzeitliche Wohnstellen bei Obereichstätt und Konstein. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt. 28, 1913, S. 59–62.
  • Felix Mader (Bearbeiter): Die Kunstdenkmäler von Bayern. Mittelfranken. II. Bezirksamt Eichstätt. München 1928. Nachdruck 1981, S. 192–196.
  • Heinz Mittel: Führer durch das Wellheimer Tal und seine Geschichte. Neuburg an der Donau 1962.
  • Bert Braun: Chronik Marktgemeinde Wellheim. Mit den Ortsteilen Konstein, Biesenhard, Gammersfeld und Hard. Spardorf 1981.
  • Der Eichstätter Raum in Geschichte und Gegenwart. 2. Auflage. Eichstätt 1984, S. 232f.
  • Karl Röttel: Eine alte Schmiede in Konstein. In: Historische Blätter für Stadt und Landkreis Eichstätt. 32, Nr. 3, 1984.
  • Hartmut Endres: Ein Eisendepot der frühen Neuzeit aus Konstein, Lkr. Eichstätt. Magisterarbeit. Universität Bamberg 1994.
  • Albrecht Reinbold (Gesamtredaktion): Festschrift zum 125-jährigen Gründungsjubiläum. Freiwillige Feuerwehr Konstein. 7. bis 9. Juli 2000. Eichstätt 2000.
  • Edmund Hausfelder und Dietmar Schröter: Markt Wellheim. Konstein – Biesenhard – Gammersfeld – Hard. Erinnerungen in Bildern – Eine Brücke zur Vergangenheit. Geiger, 2000
  • Die Kirchen der Pfarrei Wellheim. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2002, S. 16–18.
  • Eva Seibel: Die Glashütte Phönix in Konstein. In: Angelika Fox (Hrsg.): Heimat verlieren – Heimat gewinnen. Eichstätt 2003, S. 90–102.
  • Glashütten / Glaswerke Mittelfranken: Jochmann: Das Glas in Konstein, Mittelfranken von 1570 bis 1961; Schicksal der Glashüttenwerke Phönix G.m.b.H., Penzig, Markleuthen – Konstein. In: Pressglas-Korrespondenz. 2004-1, Anhang 16.
  • Sandra Siebenhüter, Stefan Schäfferling: 400 Jahre Glasmacherkunst im Urdonautal. Geschichte und Geschichten rund um die Glashütte Phoenix in Konstein. Horb am Neckar: Geiger, 2009. ISBN 978-3-86595-306-3.
  • Helmut Wundlechner: Kletterführer Konstein. 4. Auflage. Wundlechner, Augsburg 2009, ISBN 978-3-00-026987-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Konstein, Wellheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Hirschmann: Eichstätt. (Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken, Reihe I, Heft 6), München 1959, S. 196 (online).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 599.