Kordon (Festung)

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Die chinesische Mauer, der längste und besterhaltene historische Kordon der Welt

Ein Kordon (auch Grenzbefestigung) ist die bauliche oder aber landschaftliche Gestaltung der Grenze oder des Grenzhinterlandes. Er ist als ein in die Länge ausgebreitetes System von Festungen oder Befestigungsanlagen zu verstehen, das meistens entlang der politischen Grenze eines Territoriums errichtet wird. Diese kann Schutz-, Verwahrungs- und Verteidigungsfunktionen der äußeren Sicherheit oder aber nur symbolischen Wert besitzen. Auch zum Schutz der Winterquartiere von Mannschaften wurde das Kordonsystem eingesetzt.

Grundlagen[Bearbeiten]

Die Bandbreite der Möglichkeiten ist groß und reicht von frühgeschichtlichen Bepflanzungen mit Sträuchern oder Hecken, über Zäune, Mauern, Gräben und Wällen bis hin zu Großbauwerken Wasserhindernissen, Minengürteln oder modernen elektrisch oder elektronisch gesicherten Anlagen.

Das Wort stammt von franz. cordon „Schnur“, und bezeichnet allgemein eine Reihe unter sich in Verbindung stehender Militärposten oder eine Postenkette zur Grenzbewachung, zur Absperrung von Ortschaften und größeren Gebietsteilen bei Seuchen (Cordon sanitaire, Seuchenschutzzone) und Ähnlichem.

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Römischer Hadrianswall in Nordengland aus dem 2. Jh.

Schutzwälle gegen eindringende Feinde sind seit der Vorgeschichte bekannt, Beispiele sind die große Chinesische Mauer, und der römische Limes. In Europa ist die Methode als Landwehr bis in die frühe Neuzeit verbreitet.

Durch die Ausbreitung in diese Länge zieht diese Form der Befestigung eine Zersplitterung der militärischen Kräfte nach sich, die oftmals in keinem Verhältnis zum militärischen Nutzen steht. Der Kordon eignet sich daher eher zur Abschreckung eines potenziellen Aggressors. Im 18. Jahrhundert wurden Kordons besonders von Franz Moritz Graf von Lacy im Bayerischen Erbfolgekrieg genutzt; durch die Änderungen der Kriegsführung mit großen Massenarmeen wurden die Kordons unhaltbar.

Die Kriegführung seit dem späten 19. Jahrhundert verzichtete auf das Cordonsystem, weil es Gelegenheit zum Durchbrechen und Aufrollen der Verteidigungslinie bot. Stattdessen sorgte man für eine genaue Beobachtung der zu schützenden Gebiete, sammelte die Truppen an zentralen Punkten und trat dem Gegner dann mit einer größeren Zahl an Truppen entgegen (die Zentralstellung).

Carl von Clausewitz schreibt in seinem Werk Vom Kriege:

„Der Name des Kordons wird jeder Verteidigungsanstalt gegeben, welche durch eine Reihe aneinanderhängender Posten einen ganzen Landstrich unmittelbar schützen will. Wir sagen unmittelbar, denn mehrere nebeneinander aufgestellte Korps eines großen Heeres könnten einen bedeutenden Landstrich vor dem feindlichen Eindringen schützen, ohne einen Kordon zu bilden; dann würde dieser Schutz aber nicht unmittelbar, sondern durch die Wirkung von Kombinationen und Bewegungen stattfinden.
Daß eine so lange Verteidigungslinie, wie die sein muß, die einen bedeutenden Landstrich unmittelbar decken soll, nur einen sehr geringen Grad der Widerstandsfähigkeit haben kann, springt in die Augen. Selbst bei den größten Truppenmassen würde dies der Fall sein, wenn ähnliche Truppenmassen dagegen wirkten. Die Absicht eines Kordons kann also nur sein, gegen einen schwachen Stoß zu schützen, sei es daß die Willenskraft schwach ist, oder die Streitkraft, mit der der Stoß erfolgen kann, klein.
In diesem Sinn ist die chinesische Mauer errichtet, ein Schutz gegen die Streifereien der Tataren. Diese Bedeutung haben alle Linien- und Grenzverteidigungsanstalten der mit Asien und der Türkei in Berührung stehenden europäischen Staaten. Bei dieser Anwendung hat ein Kordon weder etwas Widersinniges, noch erscheint er unzweckmäßig. Freilich wird dadurch nicht jede Streiferei abgehalten werden können; aber sie werden doch erschwert und folglich seltener, und bei Verhältnissen wie die mit asiatischen Völkern, wo der Kriegszustand fast nie aufhört, ist das sehr wichtig.“
(6. Buch, 22. Kapitel: Der Kordon[1])
Die Berliner Mauer (1961–1989)
Grenzsicherung zwischen San Diego, USA (links) und Tijuana, Mexiko (rechts)

Wiederbelebt wird das System aber im Stellungskrieg des ersten, den Festungswerken der Zwischenkriegszeit, und den deutschen Wallprojekten des Zweiten Weltkriegs. Während es im waffentechnisch schon modernen, in Bezug auf die motorisierte Mobilität aber noch unentwickelten ersten großen Krieg zu entsetzlichen Verlusten an Soldaten ohne sonderlichen Landgewinn führt, sind die Projekte des zweiten großen Krieges – in der falschen Vermutung, der kommende Krieg würde dem ersten gleichen – der Clausewitzschen Analyse entsprechend weitgehend wirkungslos geblieben.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts kehrt sich der Zweck des Kordons um, und er dient primär zivilen Aspekten der Migration (der Eiserne Vorhang mit der Berliner Mauer, Grenze Nordkorea/Südkorea, Grenze USA/Mexiko). Das umfasst auch den Kontext des Krieg gegen den Terrorismus am Beginn des 21. Jahrhunderts (z. B. Israelische Sperranlagen)

Beispiele[Bearbeiten]

Bekannte Kordons in der politisch-geographischen und Militärgeschichte:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Raschke, Ralf Tils: Politische Strategie. Eine Grundlegung. : VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 9783531149561
  • Harro von Senger: Strategeme. Lebens- und Überlebenslisten aus drei Jahrtausenden. Scherz, Bern, München, Wien 2000
  1. Vom Kriege, Hinterlassenes Werk des Generals Carl von Clausewitz. Hrsg. von Marie von Clausewitz, Ferdinand Dümmler, Berlin 1832–1834