Kornewo

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Siedlung
Kornewo
Zinten

Корнево
Wappen
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Bagrationowsk
Gegründet 1313
Frühere Namen Zinten (bis 1947)
Siedlung seit 1947
Bevölkerung 1912 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Postleitzahl 238443
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203 807 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 27′ N, 20° 18′ OKoordinaten: 54° 27′ 0″ N, 20° 18′ 0″ O
Kornewo (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Kornewo (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Kornewo (russisch Корнево, deutsch Zinten) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad. Sie gehört zur Landgemeinde Pogranitschnoje im Rajon Bagrationowsk.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, östlich des Frischen Haffs, etwa 23 km östlich von Mamonowo und 35 km südwestlich von Kaliningrad.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchdorf Zinten (prußisch sinds: Hartriegel-Strauch; sindats: sitzen, siedeln) erhielt 1313 die Stadtrechte nach Kulmer Recht. Ursprünglich gehörte der Ort zum Ermland, blieb aber bei der Teilung 1466 nach dem Zweiten Thorner Frieden ebenso wie Heiligenbeil beim restlichen Ordensstaat und wird seither zur Landschaft Natangen gerechnet. Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs die Stadt auf fast 6.000 Einwohner heran. Sie war seit 1938 Garnisonsstadt (I. Abt. Panzerregiment 10 in der Seydlitz-Kaserne) und von vielseitigen mittelständischen Betrieben geprägt. In Zinten gab es unter anderem seit 1865 ein Amtsgericht, einen Bahnhof (1885), Pferderennplatz (1936), Waldbad (1932), Stadtpark (1932), Ski-Schanzen (1936), Turnhalle (1929), Jugendherberge (1934) und diverse Vereine.

Da es in der Zeit bis 1773 im katholischen Ermland für Protestanten nicht erlaubt war, sich länger als ein Jahr dort aufzuhalten, umgingen viele evangelische Ermländer diese Regel, indem sie sich für einen Tag im nahe gelegenen Zinten niederließen. Dies brachte der Stadt den noch im 20. Jahrhundert geläufigen Scherznamen „Ausland“ ein.

Die Stadt war planmäßig mit einem regelmäßigen Straßennetz angelegt worden. Das Rathaus stand mitten auf dem Marktplatz. Auf einer Anhöhe stand die Kirche, welche 1741 neu gebaut wurde. Zinten gehörte zum Landkreis Heiligenbeil. Das Stadtwappen zeigt zwei sich kreuzende silberne Türme, über denen in blauem Feld ein goldener Stierkopf schwebt.

Während der Kesselschlacht von Heiligenbeil im Februar 1945 während des Zweiten Weltkriegs, bei der die 4. Armee der deutschen Wehrmacht zerschlagen wurde, wechselte Zinten mehrmals die militärische Besatzung und wurde ebenso wie die benachbarte Kreisstadt im stärksten Ausmaß zerstört. Nach Kriegsende wurde Zinten zusammen mit der ganzen nördlichen Hälfte Ostpreußens durch die sowjetische Besatzungsmacht verwaltet. 1947 wurde für Zinten die russische Ortsbezeichnung Kornewo eingeführt, und der Ort wurde gleichzeitig Sitz eines Dorfsowjets.[2] Durch seine Lage nahe der Grenze zur polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren und abseits bedeutender Verkehrvervindungen waren die Entwicklungschancen des seit 1945 Ortes gering. Er verlor seine Stadtrechte und ist heute nur noch eine bescheidene Siedlung. Die Altstadt wurde nicht wieder aufgebaut, von der Kirche steht nur noch ein Turmfragment.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion gehören Ort und Region zur Russischen Föderation. 2008 wurde der Ort der Landgemeinde Pogranitschnoje angegliedert.

Dorfsowjet/Dorfbezirk Kornewski 1947–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dorfsowjet Kornewski (ru. Корневский сельский Совет, Kornewski selski Sowet) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[2] Bis zum Jahr 1962 lag er im Rajon Laduschkin. Nach dessen Auflösung gelangte der Dorfsowjet in den Rajon Bagrationowsk. Nach dem Zerfall der Sowjetunion trug die Verwaltungseinheit die Bezeichnung Dorfbezirk Kornewski (ru. Корневский сельский округ, Kornewski selski okrug). Im Jahr 2008 wurden im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung die verbliebenen drei Orte Kornewo, Kossatuchino und Medowoje in die neu gebildete Landgemeinde Pogranitschnoje eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Alexandrowskoje (Александровское) Bomben und Robitten[A 1] Der Ort wurde im Jahr 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Oktjabrski (Moritten). Seit 1954 gehörte er vermutlich zum Dorfsowjet Tschapajewski und seit 1963 (?) zum Dorfsowjet Kornewski. Der Ort wurde vor 1988 verlassen.
Donskoje (Донское) Dothen, Gedau und Schwengels Der Ort wurde im Jahr 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Oktjabrski. Seit 1954 gehörte er vermutlich zum Dorfsowjet Tschapajewski und seit 1963 (?) zum Dorfsowjet Kornewski.[A 2] Der Ort wurde vor 1975 verlassen.
Kornewo (Корнево) Zinten Verwaltungssitz
Kossatuchino (Косатухино) Barsen Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Zwetkowski im Rajon Kaliningrad. Seit 1959 (?) im Dorfsowjet Kornewski.
Lesnaja (Лесная) Hollstädt Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Lesnoi (Лесной) Wangnicken[A 3] Der Zeitpunkt der Umbenennung und die anfängliche Einordnung in einen Dorfsowjet ist unbekannt. Der Ort wurde vermutlich vor 1975 an den Ort Medowoje angeschlossen
Medowoje (Медовое) Sollnicken und Tykrigehnen Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Zwetkowski im Rajon Kaliningrad. Seit 1959 (?) im Dorfsowjet Kornewski.
Michailowskoje (Михайловское)[A 4] Maraunen und Nonnenhausen Der Ort wurde im Jahr 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Oktjabrski. Seit 1954 gehörte er vermutlich zum Dorfsowjet Tschapajewski und seit 1963 (?) zum Dorfsowjet Kornewski. Der Ort wurde vor 1988 verlassen.
Mitschurino (Мичурино) Klaussitten und Korschellen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Nischneje (Нижнее) Sollecken Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Zwetkowski im Rajon Kaliningrad. Seit 1959 (?) im Dorfsowjet Kornewski gelegen, wurde er vor 1975 an den Ort Kossatuchino angeschlossen.
Ochotnoje (Охотное) Bombitten Der Ort wurde im Jahr 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Oktjabrski. Seit 1954 gehörte er vermutlich zum Dorfsowjet Tschapajewski und seit 1963 (?) zum Dorfsowjet Kornewski. Der Ort wurde vor 1975 verlassen.
Usornoje (Узорное) Jäcknitz Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen.

Die vier im Jahr 1950 umbenannten Orte Poretschje (Ober Ecker), Priwolnoje (Plössen), Puschkino (Wesselshöfen) und Skworzowo (Dösen) wurden zunächst in den Dorfsowjet Kornewski eingeordnet, kamen dann (vor 1975) aber zum Dorfsowjet Pogranitschny.

Auf Karten der 1970er und 1980er Jahre sind auch die beiden weiteren Orte Kwischen (Kuyschen/Kuschen) und Sowetski (Sand [Vw.]) eingezeichnet. In amtlichen Verzeichnissen sind sie bisher nicht nachgewiesen worden.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1802 1.441 [3]
1810 1.224 [3]
1816 1.587 davon 1.505 Evangelische, zwölf Katholiken und 70 Juden[3]
1821 1.746 [3]
1831 2.069 [4]
1858 2.972 davon 2.903 Evangelische, acht Katholiken, zwei sonstige Christen, einer Mennonit und 58 Juden[5]
1864 3.349 am 3. Dezember[6]
1875 3.201 [7]
1880 3.226 [7]
1890 3.360 davon 58 Katholiken und 55 Juden[7]
1910 3.382
1933 3.955 [7]
1939 5.801 [7]
seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
2002 1.870 [8]
2010 1.912 [8]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zinten war schon in vorreformatorischer Zeit Kirchdorf und Pfarrsitz eines Kirchspiels. Bis 1945 gehörten die damals 5.840 Gemeindeglieder zum Kirchenkreis Heiligenbeil (heute russisch: Mamonowo) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. 43 Ortschaften gehörten zum Kirchspiel Zinten (* = Schulort), in dem zwei Pfarrer tätig waren:

  • Albenlauck
  • Alt Legden
  • Amalienwalde
  • Bomben (heute russisch:
    Alexandrowskoje)
  • Bombitten* (Ochotnoje)
  • Bükühnen
  • Dösen* (Skworzowo)
  • Domlitten
  • Dothen (Donskoje)
  • Düsterwalde
  • Ernstfelde
  • Gedau (Donskoje)
  • Grünlinde
  • Jäcknitz (Usornoje)
  • Kelmkeim
  • Klaussitten (Mitschurino)
  • Klein Klingbeck
  • Korschellen
  • Kukehnen
  • Kumgarben
  • Kupgallen
  • Kuschen
  • Langendorf
  • Lehmkühnen
  • Maggen
  • Maraunen* (Michailowskoje)
  • Nausseden
  • Nemritten*
  • Neu Legden
  • Nonnenhausen
    (Michailowskoje)
  • Ober Ecker (Poretschje)
  • Otten
  • Palmkrug*
  • Plössen* (Priwolnoje)
  • (Köllmisch/Königlich) Pohren
  • Preußisch Wäldchen
  • Robitten (Alexandrowskoje,
    bis 1994 Robity)
  • Rosen
  • Schwengels (Donskoje)
  • Sperwienen
  • Unter Ecker
  • Wesselshöfen* (Puschkino)
  • Worwegen
  • Woyditten*
  • Zinten* (Kornewo)

Pfarrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945 amtierten in Zinten als evangelische Geistliche:

  • Gregorius Kempe, ab 1524
  • Valentin Hayn, bis 1535
  • George Baumgart, 1535–1549
  • Valentin Schulz, 1550–1596
  • Martin Schmulck, bis 1568
  • Marcus Schwilling, 1568–1572
  • Jacob Grening, 1590–1627
  • Martin Forqver, 1598–1600
  • Simon Kranich, 1600–1613
  • Friedrich Martini, 1613
  • George Kretschmer, 1614–1640
  • Stephan Cimdarsus, 1627–1641
  • Daniel Putzius, 1640–1656
  • Daniel Martini, 1641–1662
  • Johann Caspar Sack, 1656–1680
  • August Mauritius, 1662–1685
  • Andreas Meier, 1681–1735
  • Georg Friedrich Möser, 1686–1700
  • Gottfried Zahn, 1700–1740
  • Andreas Theodor Meier, 1718–1762
  • Gottlieb Richter, 1740–1755
  • Carl Friedrich Burow, 1755–1794
  • Andreas Gotthard Meier, 1762–1803
  • Ernst August Friesen, 1769–1774
  • Carl Friedrich Holstein, 1775–1815
  • Ernst Christ. Wohlfromm, 1804–1826
  • Christian Leopold Stuber, 1815–1828
  • Wilhelm Eduard Reichel, 1826–1860
  • Friedrich Wilhelm Rauschke, 1829–1839
  • Wilhelm Otto Glogau, 1830–1832
  • Leopold Eduard Grohnert, 1832–1834
  • Julius Otto Steinwender, 1834–1844
  • Julius Carl W. Lube, 1840–1846
  • Johann Friedrich Schröder, 1847–1853
  • August Moritz Hitzigrath, 1850–1853[A 5]
  • Karl Nietzki, 1854–1884[A 5]
  • Arthur Erasmus, 1879–1881
  • Heinrich Max A. Buttgereit, 1881–1883
  • Oskar Paul Rahn, 1884
  • Friedrich Emil Wilhelm Kühn, 1884–1897
  • Paul Ostermeier, 1884–1886
  • Arthur Georg Hempler, 1887–1922
  • Leopold Krösle, 1897
  • Emil Rud. W. Rousselle, 1898–1923
  • Leo Grunau, 1922–1934
  • Rudolf Erich Sack, 1923–1926
  • Gottfried H.J. Podlech, 1927–1932
  • Kurt von Grot, 1932–1945
  • Heinz Gerstmann, 1934–1945

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 205–208.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 518–519, Ziffer 120.
  • Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformatuion bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968.
  • Siegfried Dreher (Kreisgemeinschaft Heiligenbeil): Zinten – auf alten Ansichten. Rautenberg, Leer 2003.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kornevo, Kaliningrad Oblast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robitten lag allerdings im polnischen Teil
  2. Im amtlichen Kaliningrader Ortsverzeichnis von 1976 wird er allerdings als zum Dorfsowjet Pogranitschny gehörend bezeichnet, was beim Blick auf die Karten allerdings als unwahrscheinlich erscheint
  3. Es handelte sich hierbei um das Vorwerk zum Gut Tykrigehnen (Gemeinde Sollnicken im Kreis Preußisch-Eylau); nicht zu verwechseln mit der Gemeinde Wangnicken, Kreis Heiligenbeil
  4. auch als Michailowka bezeichnet
  5. a b Angehöriger des Corps Masovia

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. a b c d Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  3. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 418–419, Ziffer 849.
  4. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 518–519, Ziffer 120.
  5. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 108, Ziffer 306.
  6. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gewerbesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg: Berlin 1966, Kreis Heiligenbeil, S. 34, Ziffer 220.
  7. a b c d e Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Heiligenbeil. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. a b Volkszählungsdaten