Morąg

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Morąg
Wappen von Morąg
Morąg (Polen)
Morąg
Morąg
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Ostróda
Fläche: 6,11 km²
Geographische Lage: 53° 55′ N, 19° 56′ OKoordinaten: 53° 55′ 0″ N, 19° 56′ 0″ O
Einwohner: 14.281
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 14-300 und 14-301
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NOS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 519: Stary Dzierzgoń–Zalewo–Morąg
DW 527: DzierzgońPasłękOlsztyn
DW 528:OrnetaMiłakowo–Morąg
Schienenweg: PKP-Linie 220: Olsztyn–Bogaczewo
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 310,55 km²
Einwohner: 24.885
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 80 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2815083
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Tadeusz Sobierajski
Adresse: ul. 11 Listopada 9
14-300 Morąg
Webpräsenz: www.morag.pl



Morąg [ˈmɔrɔ̃ŋk] (deutsch Mohrungen) ist eine Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlandeter Mohrungsee (Aufnahme: Michal Huniewicz 2013)

Die Stadt liegt in der historischen Region Westpreußen am Ostrand der Eylauer Seenplatte, etwa 44 Kilometer südöstlich von Elbing (Elbląg) und 38 Kilometer nordwestlich von Allenstein (Olsztyn). Das hügelige Umland mit Höhenunterschieden bis zu 93 Metern ist durch landwirtschaftliche Flächen, Waldgebiete und Seen geprägt. Unmittelbar vor den Toren der Stadt liegt der Schertingsee. Nur wenige Kilometer östlich der Stadt befindet sich der touristisch vielfältig genutzte 1249 Hektar große Nariensee.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ordenssiegel der Stadt aus dem Jahr 1327 mit der Umschrift S CONSULUM CIVITATIS MORUNG und der Abbildung einer Person im langen Gewand, die an einem Pilgerstab eine Kürbisflasche trägt.[2]
Alte Skizze des Stadtpanoramas von Mohrungen
Mohrungen südöstlich von Elbing und nordöstlich von Allenstein auf einer Landkarte von 1908
Pfarrkirche St. Peter und Paul (bis 1945 evangelisch)
Altes Rathaus im Baustil der Backsteingotik
Gebäudeteil des ehemaligen Ordensschlosses (14. Jahrhundert)
Dohnasches Schloss
Wohnhäuser

Der Deutsche Ritterorden übernahm vermutlich im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts eine von drei Seiten durch Wasser geschützte und aus Holz errichtete Prußenburg, die auf einer Halbinsel des Schertingsees lag. Der Ort wurde 1328 als de Morungen, 1340 als Morungen und 1364 als Marungen erwähnt. Bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts hatte sich der Ort unter seinem Lokator Peter von Sumpf zu einer städtischen Siedlung entwickelt. Als Gründer der Stadt gilt Hermann von Oettingen, der als Ordenspittler und Komtur von Elbing 1327 (nicht 1302[3]) der Ortschaft durch Aushändigung der Handfeste das Stadtrecht; verlieh.[4][2] Der Ortsname geht auf den heute verlandeten Mohrungsee zurück, der in dem schon am 17. Dezember 1331 erneuerten Stadtprivileg lacus Maurin heißt.[4] Der Name des Sees leitet sich wahrscheinlich vom prußischen Begriff „mare / mary / marre“ – sumpfiges Wasser, Bucht, Haff ab. In der Umgebung sind etliche prußische Burgen, Schanzen und Wallanlagen belegt. Den Ordensrittern folgten Bauerntrecks, von denen sich eine aus dem Südharz stammende Gruppe in der Nähe der Ordensburg niederließ.

Kurz nach der Schlacht von Tannenberg wurde die Stadt 1410 von Polen und Litauern erobert. 1440 trat Mohrungen dem Preußischen Bund bei, der gegen den Deutschen Orden opponierte und zwischen 1454 und 1466 den so genannten preußischen Städtekrieg führte. Die Rückeroberung Mohrungens für den Ordensstaat gelang dem Elbinger Komtur Oberstspittler Heinrich Reuß von Plauen 1461. Er machte die Stadt zu seinem Amtssitz als Hochmeisterstatthalter. 1520 wurde Mohrungen während des Reiterkrieges (1519–1526) erneut von Polen erobert und gebrandschatzt.

Nach der durch die Reformation bedingten Säkularisierung des Ordensstaates erfolgten Gründung des Herzogtums Preußen 1525 wurde Mohrungen an den Burggrafen Peter zu Dohna verpfändet. Verwaltungsmäßig war Mohrungen jetzt dem Oberländischen Kreis zugeordnet und erhielt den Status eines Hauptamtes. Nach der Einlösung des Pfandes 1573 wurde die Stadt zum Leibgedinge der Herzogin von Preußen. Peter zu Dohna übernahm den Posten des herzoglichen Amtshauptmannes. 1595 ließ die Familie von Dohna ein stattliches Gebäude errichten, das bis 1945 als „Schlösschen“ die Stadt prägte. Im schwedisch-polnischen Krieg wurde Mohrungen 1626 stark zerstört. Ebenfalls große Schäden richtete 1697 ein großer Stadtbrand an, dessen Auswirkungen erst während der Regierungszeit des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. (1713–1740) beseitigt werden konnten. 1752 wurde der Oberländische Kreis aufgelöst und es entstand unter anderem der Landratskreis Mohrungen mit der gleichnamigen Stadt als Landratssitz.

Während der preußisch-napoleonischen Auseinandersetzungen wohnte der französische Marschall Bernadotte 1807 im Dohnaschen Schloss. Am 25. Januar 1907 siegten in einem Gefecht bei Mohrungen die Ruseen unter General Bennigsen über die Franzosen unter Bernadotte.[5]

Durch die preußische Verwaltungsreform von 1815 behielt Mohrungen zwar den Status einer Kreisstadt, doch war der neu geschaffene Kreis Mohrungen nun wesentlich kleiner. Die Zahl der Stadteinwohner war 1875 auf 3.633 festgestellt worden. 1882 erhielt Mohrungen Anschluss an die Bahnlinie der Preußischen Staatsbahn Marienburg – Allenstein. Mit der 1902 fertiggestellten Strecke WormdittOsterode wurde Mohrungen zu einem Eisenbahnknotenpunkt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Mohrungen eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, eine Präparandenanstalt und ein Amtsgericht.[5] 1904 wurde ein Gaswerk in Dienst gestellt, 1907 wurden neue Trinkwasserleitungen verlegt und 1923 die Stromversorgung begonnen. Neben einem Sägewerk gab es jedoch keine weitere Industrie. 1939 hatte sich die Einwohnerzahl auf 8.376 erhöht.

Bis 1945 war Mohrungen Kreisstadt des Landkreises Mohrungen im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Nachdem die Rote Armee gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Januar 1945 ihre Offensive gegen Ostpreußen begonnen hatte und rasch vorrückte, wurde am 22. Januar 1945 die Evakuierung des Kreises Mohrungen angeordnet. Wenige Tage später wurde die Stadt Mohrungen von sowjetischen Truppen eingenommen. 26 Diakonissen des Krankenhauses hatten sich der Evakuierung widersetzt und begingen nach der Einnahme der Stadt Selbstmord. Nach dem Ende der Kriegshandlungen zerstörten Brände 1945 die Stadt zu 45 Prozent. Beispielsweise blieben vom mehrfach erneuerten Rathaus nur die Außenmauern übrig.

Im Sommer 1945 wurde die Stadt von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit der südlciehn Hälfte Ostpreußens und ganz Westpreußen vorläufig unter [[Volksrepublik Polen<polnische]] Verwaltung gestellt. Es begann nun die Zuwanderung polnischer Zivilisten, die sich der Häuser und Gehöfte der ansässigen deutschen Bevölkerung bemächtigten. Die Polen führte für Mohrungen die Ortsbezeichnung Morąg ein. In der Folgezeit wurden die noch verbliebenen oder von der Flucht zurückgekehrten deutschen Stadtbewohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Mohrungen vertrieben.

Die wichtigsten Baudenkmäler wurden in der Nachkriegszeit restauriert.

Seit Mai 2010 ist die Stadt Standort einer US-Patriot-Flugabwehrraketen-Einheit mit ca. 100 Soldaten.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1740 1.067
1783 1.753 ohne die Garnison (eine Schwadron Dragoner)[3]
1802 1.874 [6]
1810 1.631 [6]
1816 1.677 davon 1.616 Evangelische, 31 Katholiken und 19 Juden[6]
1821 2.140 [6]
1831 2.459 deutsche Einwohner[7]
1858 3.327 davon 3.196 Evangelische und 50 Katholiken, drei Mennoniten und 78 Juden[8]
1864 3.658 am 3. Dezember[9]
1875 3.633 [10]
1880 3.742 [10]
1890 3.776 davon 70 Katholiken und 71 Juden[10]
1905 4.121 meist Evangelische[5]
1933 5.414 [10]
1939 8.376 [10]
Einwohnerentwicklung bis heute

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Gottfried von Herder nach einem Gemälde von Johann Ludwig Strecker (1775)
Geburtshaus des Schriftstellers Johann Gottfried von Herder in Mohrungen, 1844
Rathausplatz mit einem französischen Geschütz aus dem Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

chronologisch nach dem Geburtsjahr

Sonstige mit der Stadt in Verbindung stehende Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von der ehemaligen Burg des Deutschen Ordens sind nur noch wenige Überbleibsel erhalten und zum Teil sehr stark verändert.
  • Das im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörte Dohna-Schlösschen wurde bis 1986 wiederhergestellt und das Herder-Museum eingerichtet.
  • Die Pfarrkirche St. Peter und Paul geht im Kern bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück.
  • Das kriegsbeschädigte gotische Rathaus wurde in historischer Gestalt in den Jahren 1947–1954 wiederaufgebaut.
  • Von der Stadtbefestigung sind Reste erhalten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort kreuzen sich zwei untergeordnete Landstraßen, von denen eine nach 13 Kilometern zur Europastraße 77 Danzig–Warschau führt. Morąg ist Bahnstation an der Strecke Elbląg – Olsztyn, außerdem begann hier die stillgelegte und abgebaute Nebenstrecke nach Ostróda (Osterode).

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) gehören außer der Stadt selbst die folgenden kleineren Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name (bis 1945) polnischer Name deutscher Name (bis 1945) polnischer Name deutscher Name (bis 1945)
Anin Annenhof Kępa Kalnicka Wilhelmsthal Rogowo Eckfeld
Antoniewo Antonienhof Kretowiny Kranthau Rolnowo Rollnau
Bartężek Bärting Królewo Königsdorf Ruś Reußen
Białka Gehlfeld Kruszewnia Krausenhof Silin Sillehnen
Bogaczewo Güldenboden Kudypy Kuhdiebs Słonecznik Sonnenborn
Borzymowo Abrahamsheide Łączno Wiese Stabuniki Stobnitt
Bożęcin Groß Gottswalde Lubin Louisenthal Strużyna Silberbach
Bramka Himmelforth Lusajny Małe Klein Luzeinen Szczuplinki Hechtwinkel
Chojnik Hagenau Maliniak Schertingswalde Szymanowo Simonetti
Dobrocinek Neu Bestendorf Markowo Reichertswalde Tątławki Tomlack
Dury Döhringshof Morzewko Mahrau Wenecja Venedien
Dworek Inrücken Niebrzydowo Małe Klein Hermenau Wilnowo Willnau
Gubity Gubitten Niebrzydowo Wielkie Groß Hermenau Wola Kudypska Wolla
Gulbity Golbitten Nowy Dwór Neuhof Worytki Klein Woritten
Jędrychówko Heinrichshof Obuchowo Obuchshöfchen Woryty Morąskie Woritten
Jurecki Młyn Georgenthalermühle Piłąg Pfeilings Żabi Róg Horn
Jurki Georgenthal Plebania Wólka Pfarrsfeldchen Zawroty Schwenkendorf (gegr. von Walter Rekittke*1869)
Kadzianka Vogelgesang Prętki Friedrichsfelde Zbożne Gottesgabe
Kalnik Kahlau Prośno Pörschken Złotna Goldbach
Kamionka Steinsdorf Raj Paradies Zwierzyniec Thiergarten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 24, Ziffer 4).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 462–463, Nr. 77.
  • Michael Antoni (Bearb.): Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler West- und Ostpreußen. Die ehemaligen Provinzen West- und Ostpreußen (Deutschordensland Preußen) mit Bütower und Lauenburger Land. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1993, ISBN 3-422-03025-5, S. 418–423.
  • Roland Brockmann, Dieter Luippold (Bearb.): Polen. 7. Auflage. völlig überarb. und neu gestaltet. Baedeker, Ostfildern 2006, ISBN 3-8297-1096-8.
  • Izabella Gawin: Polen. Der Norden. DuMont Reiseverlag, Köln 2002, ISBN 3-7701-4745-6.
  • Georg Hermanowski: Ostpreußen-Lexikon. Geographie, Geschichte, Kultur. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-186-4.
  • Erich Weise (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Ost- und Westpreußen. Unveränd. Neudruck der 1. Aufl. von 1966. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Morąg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b Friedrich August Voßberg: Geschichte der Preußischen Münzen und Siegel von frühester Zeit bis zum Ende der Herrschaft des Deutschen Ordens. Berlin 1843, S. 45 und Tafel XVI, Nr. 49.
  3. a b Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 24, Ziffer 4).
  4. a b Johannes Voigt: Geschichte Preußens von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens. Vierter Band: Die Zeit von der Unterwerfung Preußens 1283 bis zu Dieterichs von Altenburg Tod 1341. Königsberg 1830, S. 409.
  5. a b c Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 14, Leipzig und Wien 1908, S. 25.
  6. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 338–339, Ziffer 451.
  7. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 462–463, Nr. 77.
  8. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 168-169, Ziffer 160.
  9. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg: Berlin 1966, Kreis Mohrungen, S. 18, Ziffer 160.
  10. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/mohrungen.html