Kozan (Adana)

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Kozan
Wappen fehlt
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Kozan (Adana) (Türkei)
Red pog.svg
A view of Kozan, Adana.JPG
Kozan (2015)
Basisdaten
Provinz (il): Adana
Koordinaten: 37° 27′ N, 35° 49′ OKoordinaten: 37° 27′ 5″ N, 35° 48′ 53″ O
Höhe: 120 m
Telefonvorwahl: (+90) 322
Postleitzahl: 01 xxx
Kfz-Kennzeichen: 01
Struktur und Verwaltung (Stand: 2019)
Gliederung: 103 Mahalle
Bürgermeister: Nihat Atlı (MHP)
Postanschrift: Tufanpaşa Mah.
Hal Sokak. No: 33
01500 Kozan/ ADANA
Website:
Landkreis Kozan
Einwohner: 130.495[1] (2018)
Fläche: 1.903 km²
Bevölkerungsdichte: 69 Einwohner je km²
Kaymakam: Şafak Gürçam
Website (Kaymakam):

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Kozan (vormals armenisch Սիս Sis) ist eine Stadt und ein Landkreis der türkischen Provinz Adana. Es liegt in der Çukurova, südlich des Anti-Taurus, am linken Ufer des Kilgen Çayı, eines Zuflusses des Ceyhan. 7 km nördlich der Stadt befindet sich die Kozan-Talsperre. Ende 2018 hatte die Gemeinde, welche seit 2013 flächen- und einwohnergleich mit dem Landkreis ist, 130.495 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der assyrische Name der Stadt ist Sissu. Sie wurde 676 v. Chr. von Aššur-aḫḫe-iddina unterworfen.

Der antike Name der Stadt ist Sision oder Flaviopolis.

Im 9. Jahrhundert fiel Flaviopolis an die Abbasiden und wurde durch den Kalifen al-Mutawakkil befestigt. Nach einer erneuten Periode byzantinischer Herrschaft geriet die Stadt unter die Herrschaft der Seldschuken. 1107 eroberte Thoros I. die nunmehr Sis genannte Stadt für das Fürstentum Kleinarmenien. 1187 wurde Sis Residenz der armenischen Könige, ab 1294 auch Sitz des Katholikos der Armenier. Auf einer befestigten Terrasse unterhalb der Burg wurden Königspalast und Kathedrale errichtet. In der von König Leon I. erbauten Sophien-Kirche befand sich bis ins frühe 20. Jahrhundert der Thron der Könige von Kleinarmenien.

1375 wurde die Stadt von den Mamluken eingenommen. In der Folgezeit gehörte das Gebiet der Çukurova, der kilikischen Ebene, zum Herrschaftsbereich der Beys der Ramazanoğulları (auch Ramazaniden oder Ramadaniden genannt), eines turkmenischen Nomadenstammes. Diese waren bereits in den Jahren ab 1340 in die kilikische Ebene vorgedrungen und hatten sich der Städte Adana und Misis bemächtigt. Sie unterstanden den Mamlukensultanen, lehnten sich aber auch an die vorrückenden Osmanen an. Nachdem Sultan Selim I. ab 1517 das Mamlukenreich unterworfen hatte, blieben die Ramazanoğulları unter osmanischen Herrschaft bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts Statthalter der Provinz Adana. Sis wurde zum Zentrum eines Sandschaks, der 1571 an die Provinz Zypern angeschlossen wurde. Ab dem 18. Jahrhundert rückte aus dem Taurus ein anderer turkmenischer Nomadenclan, die Kozanoğulları vor, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Gegend von Sis ein nahezu von der Zentralregierung selbständiges sogenanntes Derebeylik begründen konnten. 1865 wurde ihrer Macht gewaltsam ein Ende gesetzt und die Angehörigen des herrschenden Clans deportiert oder mit Beamtenstellen in anderen Provinzen abgefunden. Es wurde mit der Sesshaftmachung der Nomaden begonnen und die Gegend als Sandschak Kozan organisiert. 1928 wurde dann auch die Ortschaft Sis in Kozan umbenannt. Zwischen 1923 und 1926 bildete Kozan eine eigene Provinz, wurde dann aber an die Provinz Adana angeschlossen[2][3][4].

Sitz des armenischen Katholikos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sis blieb bis Anfang des 20. Jahrhunderts Zentrum des armenischen Katholikats von Kilikien, das bis heute besteht, jedoch seit dem 15. Jh. in Konkurrenz zu dem 1441 neu gegründeten ostarmenischen Katholikat in Etschmiadsin steht. Anfang des 19. Jahrhunderts zählte das kilikische Katholikat 28 Bistümer.[5] Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Sitz des Katholikats aus Sicherheitsgründen nach Antelias im Libanon verlegt.

Im 18./19. Jahrhundert entstanden über den Ruinen des Königspalastes und der mittelalterlichen Kathedrale auf der Terrasse oberhalb der Stadt neue Kirchen und ein bedeutendes Kloster, in dem auch der Katholikos residierte. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war Sis (damals 6000 Einwohner) eine ganz überwiegend von Armeniern besiedelte Stadt fast mittelalterlichen Gepräges, jedoch mit bereits drei Schulen. Bei der Vertreibung der Armenier 1915 konnte der Kirchenschatz des Katholikats, vor allem liturgische Bücher, Gewänder und Geräte, unter Mühen gerettet werden. Die Kathedrale, Kirchen und Klöster in Sis wurden in der Folgezeit zerstört.

Stadtansicht mit Kathedrale und Katholikat im ehemaligen Königspalast, um 1850.
Kathedrale Hagia Sophia (links) und Katholikat in Sis, Ende 19. Jh.
Eingang zur Kathedrale
Gebäude des Katholikats vor 1915
Panorama mit Stadtansicht und Festungswerken um 1870.

Armenische Synoden von Sis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synoden der armenischen Kirche wurden in Sis in den Jahren 1204, 1243, 1251, 1307, 1342 und 1361 abgehalten. 1251 fand in Sis ein Konzil statt, in dem Abgesandte des Papstes Innozenz IV. die Armenier überzeugen sollten, dass der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgehe (Filioque). Da der Rubenide Leon die armenische Königskrone anstrebte und dazu die Unterstützung der Lateiner brauchte, wurde die Kirchenunion 1198 vollzogen. Auf der Synode 1307 wurden die Veränderungen in der Liturgie, die Bedingungen der Union der armenischen mit der katholischen Kirche gewesen waren, angenommen. Diese waren unter anderem:

  • Beimischung von Wasser zum Wein bei der Messe,
  • Firmung allein durch Bischöfe,
  • Einführung der Krankensalbung nach römischem Muster.

Gewisse Veränderungen erregten Unwillen in den Gemeinden. Gegner der Union ermordeten 1310 sogar einen Bischof, weil er Wasser in den Messwein gemischt hatte. 1361 wurden diese Änderung der Liturgie der letzten Synode in Sis weitgehend zurückgenommen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hoskadem-Moschee wurde 1448 durch die Mamluken erbaut und ist ein typisches Beispiel des mamlukischen Baustils. Die Burg von Sis ist eine weitere Sehenswürdigkeit. Kathedrale, Kirchen und Kloster des armenischen Katholikats sind fast völlig verschwunden. Weitere Sehenswürdigkeiten in der Nähe sind die Burg von Anavarza und die Festung auf dem Karasis.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1955 gegründete ortsansässige Fußballverein Kozan Belediyespor, der bis 1991 noch Kozanspor heiß, spielte in der Zeit von 1986 bis 2001 15 Jahre lang in der TFF 2. Lig, der dritthöchsten türkischen Spielklasse. Im Sommer 2015, nach 14-jähriger Abstinenz, kehrte der Verein mit dem Aufstieg in die TFF 3. Lig, in die vierthöchste Spielklasse im türkischen Profifußball, zum Profifußballbetrieb zurück.

Der Verein kam 1997 aufgrund der größten Tragödie seiner Geschichte in die Schlagzeilen. Am 13. November 1997 ereignete sich auf der Hinfahrt zur Auswärtspartie gegen Kilisspor in der Nähe von Nurdağı ein Verkehrsunfall in dem auch der Mannschaftsbus von Kozan Belediyespor involviert war. Bei diesem Bus kam der Vereinspräsident Sami Açıkgöz und der Zeugwart Hacı İbrahim Sürücü ums Leben. Darüber hinaus verletzten sich 18 Fußballspieler bzw. Vereinsfunktionäre.[6][7] Der türkische Fußballverband befreite den Verein für diese Spielzeit vom Abstieg. So blieb der Verein trotz des Vorletzten Tabellenplatzes in der 3. Lig. Nach Jahre nach diesem Unfall stieg der Klub in die Amateurliga ab und kehrte erst im Sommer 2015 in den Profifußball zurück.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Victor Langlois: Voyage à Sis, capitale de l'Arménie au Moyen Âge. In: Journal Asiatique 5e sér. t. 5 (1855) 257-300.
  • E. Lohmann: Im Kloster zu Sis. R. Urban, Striegau 1905.
  • R. W. Edwards: Ecclesiastical Architecture in the Fortifications of Armenian Cilicia. In: Dumbarton Oaks Papers 36 (1982) 168-170 Abb. 24–30; 37 (1983) 134-141 Abb. 51–67.
  • R. W. Edwards: The Fortifications of Armenian Cilicia. Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Washington D. C. 1987, 233-237. ISBN 0-88402-163-7
  • David Bundy: The Trajectory of Roman Catholic Influence in Cilician Armenia: An Analysis of the Councils of Sis and Adana. In: Armenian Review 45, 4 (1992) 73-89.
  • Lévon Nordiguian: La cathédrale de Sis. Essai de reconstitution. In: Raymond Kévorkian [u. a.]. Les Arméniens de Cilicie. Habitat, mémoire et identité. Presses de l’Université Saint-Joseph, Beyrouth 2012. S. 52–75.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Türkiye Nüfusu, abgerufen 28. August 2019.
  2. Webseite der Gemeinde (türk.)
  3. Art. "Ḳōzān-Oghullari", Encyclopaedia of Islam, Second Edition. Edited by: P. Bearman, Th. Bianquis, C. E. Bosworth, E. van Donzel, W.P. Heinrichs. Brill Online, 2015
  4. V. F. Büchner, Art. "Sīs", Encyclopaedia of Islam, Second Edition. Edited by: P. Bearman, Th. Bianquis, C.E. Bosworth, E. van Donzel, W.P. Heinrichs. Brill Online, 2015
  5. Liste: Reise des Missionars Joseph Wolff durch Kleinasien, Turkestan, Bokhara, Afganistan, Cabul und Caschmire nach dem nördlichen und südlichen Indien in den Jahren 1831–1834. In: Magazin für die neueste Geschichte der evangelischen Missions- und Bibelgesellschaften 1837, S. 591.
  6. 14. Oktober 1997, Milliyet, S. 31: "Kozan'da matem"
  7. kozanbelediyespor.com: "Tarihçe" (Memento des Originals vom 14. Februar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/kozanbelediyespor.com (abgerufen am 1. Mai 2015)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kozan (Adana) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien