Krementschuk
Krementschuk | ||
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Кременчук | ||
Basisdaten | ||
Oblast: | Oblast Poltawa | |
Rajon: | Rajon Krementschuk | |
Höhe: | 80 m | |
Fläche: | 92,0 km² | |
Einwohner: | 215.271 (1. Januar 2022) | |
Bevölkerungsdichte: | 2.340 Einwohner je km² | |
Postleitzahlen: | 39600–39689 | |
Vorwahl: | +380 536 | |
Geographische Lage: | 49° 4′ N, 33° 25′ O | |
KATOTTH: | UA53020110010031694 | |
KOATUU: | 5310400000 | |
Verwaltungsgliederung: | 2 Stadtrajone, 4 Dörfer | |
Verwaltung | ||
Adresse: | пл. Перемоги,2 2 39614 м. Кременчук | |
Website: | http://kremen.gov.ua/ | |
Statistische Informationen | ||
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Krementschuk ist eine ukrainische Handels- und Industriestadt im Süden der zentralukrainischen Oblast Poltawa mit etwa 220.000 Einwohnern.
Sie liegt etwa 300 km südöstlich von Kiew beidseitig des Dnepr und ist administrativ in die zwei Stadtrajone Rajon Awtosawod und Rajon Krjukiw unterteilt. Um das Stadtgebiet herum liegt der Rajon Krementschuk, dessen Verwaltungszentrum die Stadt ist. Der Name des Ortes leitet sich von dem ukrainischen Wort kremin (Feuerstein) ab.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem Gebiet der Stadt Krementschuk lassen sich Siedlungsspuren bis ins 5. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgen. Ab spätestens dem Jahr 1430 gehört das Gebiet zum Großfürstentum Litauen. Das genaue Gründungsdatum des heutigen Krementschuks ist umstritten. So gibt es zwar ein polnisches Dokument aus dem Jahre 1571, in welchem der polnisch-litauische König Siegismund II. erlässt, an der Stelle des heutigen Krementschuk ein Fort zu errichten, um diese im östlichen Grenzbereich der polnisch-litauischen Einflusssphäre liegende Region vor Einfällen der Tataren zu schützen. Historische Untersuchungen lassen aber Zweifel offen, ob dieses Fort tatsächlich errichtet wurde. Möglicherweise wurde die Festung erst 1596 erbaut. Nachdem die Stadt 1625 im Vertrag von Kurukiw unter die Kontrolle der Kosaken gekommen war, wurde 1635 durch den französischen Festungsingenieur Guillaume le Vasseur de Beauplan die Befestigungsanlage ausgebaut. Im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts wurde die Stadtentwicklung allerdings durch Kriege in der Region behindert.
Im 18. Jahrhundert konnte Krementschuk von seiner günstigen Lage an Handelsstraßen profitieren und deutlich anwachsen. In dieser Zeit kam die Stadt, welche bis dahin im Grenzgebiet zwischen Polen, dem zum Osmanischen Reich gehörenden Krimkhanat, den Kosaken und dem Russischen Reich lag, immer mehr unter den Einfluss des nach Süden expandierenden Russischen Reiches, dem die Stadt schließlich einverleibt wurde. Zwischen 1764 und 1789 war sie Provinzhauptstadt zunächst bis 1783 von der Provinz Neurussland und ab 1784 vom Gouvernement Jekaterinoslaw. Während des Russisch-Türkischen Krieges (1787–91) war die Stadt ein wichtiger Armeestützpunkt. Die politische Bedeutung sank Ende des 18. Jahrhunderts und die Stadt wurde von einer Provinz- zu einer Kreisstadt heruntergestuft. Ab 1802 gehörte sie zum Gouvernement Poltawa.
Wirtschaftlich nahm die Stadt dagegen in dieser Zeit einen starken Aufschwung als Handels- und Fabrikationszentrum. Dieser verstärkte sich noch mit der Anbindung ans Eisenbahnnetz und dem Bau einer Eisenbahnbrücke über den Dnepr im Jahr 1872. 1897 lebten 63.007 Menschen in der Stadt, wobei Juden mit 46,9 % die größte ethnische Bevölkerungsgruppe stellten. Weitere größere ethnische Bevölkerungsgruppen waren Ukrainer (30,1 %), Russen (19,3 %), Polen (1,7 %) und Deutsche (0,7 %).
Im 20. Jahrhundert musste die Stadt während des Russischen Bürgerkrieges und des Zweiten Weltkriegs schwere Verluste hinnehmen. Während der deutschen Besetzung wurde ein Großteil der jüdischen Bevölkerung umgebracht. Nach dem Krieg und dem Wiederaufbau setzte sich die industrielle Entwicklung der Stadt fort. Nach dem Zerfall der Sowjetunion konnte sich die Industrie in der Transformationskrise relativ gut behaupten.
2022 kam es nach dem russischen Überfall auf die Ukraine mehrfach zu Raketenangriffen auf die Stadt. Am 24. April 2022 wurden ein Wärmekraftwerk und eine Raffinerie getroffen.[1] Am 12. Mai 2022 wurde die Raffinerie erneut beschossen.[2] Der bislang folgenschwerste Angriff ereignete sich am 27. Juni 2022, als es zu einem Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum kam. Dabei starben mindestens 20 Menschen.[3]
Wappen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beschreibung: In Blau ein weißer Balken. Eine dreitürmige silberne Mauerkrone auf mit Goldrand historisiertem Schild.
Wirtschaft, Bildung und Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wirtschaftlich sind insbesondere der Automobilbau (KrAZ), der Waggonbau Krjukiw und die erdölverarbeitende Industrie von Bedeutung. Krementschuk ist auch ein wichtiger Knotenpunkt von Erdöl- und Erdgaspipelines. Oberhalb der Stadt befindet sich ein großer Staudamm, an dem der Dnepr zum Krementschuker Stausee aufgestaut wird. Neben dem an diesem Staudamm befindlichen Wasserkraftwerk verfügt die Stadt noch über ein thermisches Elektrizitätswerk.
In Krementschuk befinden sich zwei Universitäten mit ca. 16.000 Studierenden:
- die Mykhailo Ostrohradskyi Nationale Universität Krementschuk und
- die private Universität für Wirtschaft, Informationstechnologien und Management.
Des Weiteren ist die Stadt ein wichtiger Eisenbahn- und Verkehrsknotenpunkt in der Zentralukraine.
Verwaltungsgliederung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Krementschuk (Кременчуцька міська громада/Krementschuzka miska hromada). Zu dieser zählen auch die zwei Stadtrajone Rajon Awtosawod und Rajon Krjukiw und die vier in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten Dörfer,[4] bis dahin bildete sie zusammen mit den drei Stadtrajonen Awtosawod und Krjukiw die gleichnamige Stadtratsgemeinde Krementschuk (Кременчуцька міська рада/Krementschuzka miska rada) unter Oblastverwaltung im westlichen Zentrum des ihn umgebenden Rajons Krementschuk.
Am 17. Juli 2020 kam es im Zuge einer großen Rajonsreform zum Anschluss des Rajonsgebietes an den Rajon Krementschuk[5].
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Krementschuk Teil der Gemeinde:
Name | ||
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ukrainisch transkribiert | ukrainisch | russisch |
Mala Kochniwka | Мала Кохнівка | Малая Кохновка (Malaja Kochnowka) |
Potoky | Потоки | Потоки (Potoki) |
Prydniprjanske | Придніпрянське | Приднепрянское (Pridneprjanskoje) |
Sosniwka | Соснівка | Сосновка (Sosnowka) |
Demografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Quelle: pop-stat.mashke.org[6]
Städtepartnerschaften ==
- Berdjansk, Ukraine
- Bila Zerkwa, Ukraine
- Bitola, Nordmazedonien
- Baryssau, Belarus
- Bydgoszcz, Polen
- Wenzhou, Volksrepublik China
- Kolomyja, Ukraine
- Nowomoskowsk, Russland
- Michalovce, Slowakei
- Providence, Vereinigte Staaten
- Swischtow, Bulgarien
- Snina, Slowakei
- Jiayuguan, Volksrepublik China
- Tübingen, Deutschland
Söhne und Töchter der Stadt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Alexander Litowtschenko (1835–1890), Kunstmaler
- Pawlo Schytezkyj (1837–1911), Philologe, Linguist, Lexikograf und Ethnograf
- Dmitri Leonidowitsch Horvat (1859–1937), russischer Verkehrsingenieur und Generalleutnant der Kaiserlich Russischen Armee
- Isaak Borissowitsch Feinerman (1863–1925), jüdischer Publizist und Filmdramaturg
- Jehoschua Hankin (1864–1945), zionistischer Pionier
- Echiel Tschlenow (1864–1918), Arzt und Zionist
- Konrad Krzyżanowski (1872–1922), polnischer Maler
- Adolf Edgar Licho (1876–1944), Schauspieler
- Boris Lifschitz (1879–1967), Schweizer Rechtsanwalt
- Eleonora Bloch (1881–1943), Bildhauerin und Hochschullehrerin
- Jekaterina Fleischitz (1888–1968), Rechtswissenschaftlerin
- Boris Gerassimowitsch (1889–1937), Astronom, Astrophysiker und Hochschullehrer
- Wolf Schmuel Borowitzky (1892–1940), Fotograf
- Leo Ornstein (1892–2002), US-amerikanischer Pianist und Komponist
- Emmanuel Mané-Katz (1894–1962), Kunstmaler
- Dimitri Tiomkin (1894–1979), Komponist
- Mischa Levitzki (1898–1941), US-amerikanischer Pianist
- Salomon Smolianoff (1899–1976), russischer Fälscher und Holocaust-Überlebender
- Nico Turoff (1899–1978), Boxer und Schauspieler
- Avraham Shlonsky (1900–1973), israelischer Schriftsteller und Übersetzer
- Alexander Petschjorski (1909–1990), Anführer des Aufstandes von Sobibór
- Tamara Gladenko (1917–1991), sowjetische Architektin und Restauratorin
- Wladimir Samanski (* 1926), sowjetischer Film- und Theaterschauspieler
- Alexander Awdejew (* 1946), russischer Politiker und Diplomat
- Nadija Tkatschenko (* 1948), Fünfkämpferin
- Wolodymyr Kysseljow (1957–2021), sowjetisch-ukrainischer Leichtathlet
- Wjatscheslaw Sentschenko (* 1977), Boxer
- Denys Pojazyka (* 1985), Amateurboxer
- Oleksij Tschytschykow (* 1987), Fußballspieler
- Jehor Dementjew (* 1987), Straßenradrennfahrer
- Roman Besus (* 1990), Fußballspieler
- Anastassija Kowalenko (* 1991), Billardspielerin
- Karolina Raskina (* 1992), deutsche Turnerin
- Inna Machno (* 1994), Beachvolleyballspielerin
- Iryna Machno (* 1994), Beachvolleyballspielerin
- Witalij Satschko (* 1997), Tennisspieler
- Anhelina Chmil (* 2003), Beachvolleyballspielerin
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Stadtrat - White House
- Informationsportal mit Geschichtsüberblick und aktuellen und historischen Fotos
- Wetter in Krementschuk
- Staatliche Polytechnische Universität Krementschug
- Private Universität für Wirtschaft, Informationstechnologien und Management
- History Kremenchug in Fotos und Artikel
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ In Krementschuk Raketen in ein Wärmekraftwerk und Raffinerie eingeschlagen und einen Menschen getötet. In: ukrinform.de. 25. April 2022, abgerufen am 27. Juni 2022.
- ↑ Kriegsnacht im Überblick: Selenskyj sieht strategische Niederlage Moskaus - Raketen treffen Krementschuk. In: n-tv.de. 13. Mai 2022, abgerufen am 27. Juni 2022.
- ↑ tagesschau.de: Einkaufszentrum in Krementschuk: Russland bestreitet direkten Angriff. Abgerufen am 28. Juni 2022.
- ↑ Кабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 721-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Полтавської області"
- ↑ Верховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX Про утворення та ліквідацію районів
- ↑ Україна / Ukrajina. pop-stat.mashke.org, abgerufen am 20. August 2019 (ukrainisch).