Kunstmuseum Winterthur

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Kunstmuseum Winterthur, Altbau, Rittmeyer & Furrer, 1916

Das Kunstmuseum Winterthur ist ein 1916 eröffnetes Kunstmuseum, das sich in Winterthur befindet. Es beherbergt Kunst vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart und ist somit unter den Winterthurer Kunstsammlungen das Haus der Moderne. 2018 wurde es mit dem Museum Oskar Reinhart und der Villa Flora zum Kunst Museum Winterthur zusammengeschlossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kunstmuseum Winterthur befindet sich in der Trägerschaft des 1848 gegründeten Kunstvereines Winterthur, dem die Sammlung des Museums gehört. Der Verein wird von der Stadt Winterthur und dem Kanton Zürich subventioniert, basiert aber auch wesentlich auf privaten Beiträgen. Anfangs waren die Vereinsmitglieder dazu angehalten, Aquarelle und Zeichnungen für den Verein bereitzuhalten. Eine überregionale Sammlung setzte allerdings erst mit dem Tode 1850 des Winterthurer Malers Johann Caspar Weidenmann ein, dessen Nachlass auf Betreiben der örtlichen Künstlergesellschaft durch die Stadt Winterthur erworben wurde. Der Kunstverein begann seine nun folgenden Ankäufe mit dem Werk Narziss, sich im Wasser spiegelnd. Unter den Erwerbungen waren Gemälde Schweizer Künstler u.a. Anton Graffs. 1899 erreichte der Verein durch den Ankauf von Ferdinand Hodlers Der Lebensmüde nationale Beachtung. Da die Sammlung bisher ohne eigenen Museumsbau auskommen musste, und in der Kunsthalle an der Marktgasse mehr schlecht als recht untergebracht war, erwirkte ein Vorstand 1907/08 einen Neubau.[1]

Bei den Schenkungen fielen insbesondere diejenigen von E. Richard Bühler, Textilfabrikant, Arthur Hahnloser, Augenarzt, und Georg Reinhart, Unternehmer, ins Gewicht. 1913 wurde, um weitere Ankäufe tätigen zu können, die Gründung des Galerievereins vollzogen. Der Galerieverein trägt heute den Beinamen «Freunde des Kunstmuseums Winterthur». Im Jahre 2013 feierte er sein 100-jähriges Bestehen mit der Errichtung einer Aussenskulptur des Waliser Künstlers Richard Deacon.

Ab den 1930er Jahren trug der langjährige Konservator des Museums, Heinz Keller, durch seine Ankaufpolitik die Kritik des Kunstvereins auf sich, der sich bei abstrakter Kunst zunächst querstellte. Der neue Vereinspräsident Balthasar Reinhart, Kaufmann, ermöglicht 1960 über die Volkart Stiftung den Erwerb der Kunst der Moderne. Mit Leihgaben versorgt, erwarb der Kunstverein später selbt zeitgenössischer Kunst. Durch Reinharts Engagement im Zusammenhang mit der 1965 gegründeten Alberto Giacometti Stiftung, wurde das Kunstmuseum Winterthur an der Seite des Kunsthauses Zürich und des Kunstmuseums Basel ständiger Ausstellungsort für Werke Alberto Giacomettis. Mit dem Legat 1973 des Privatbankiers Emil Friedrich und dessen Frau Clara Friedrich-Jezler, einer Malerin, beherbergte das Kunstmuseum nun eine der bedeutendsten Sammlungen der klassischer Moderne in der Schweiz. 1999 konnten weitere Werke der Familie Jezler in das Museum aufgenommen werden. Die Sammlung stellte einen Kontrast zum bisherigen Schwerpunkt der französischen Malerei dar.[2]

Der Industrielle Herbert Wolfer-de Armas schenkte dem Museum 1973 unter Vorbehalt die insbesondere durch senen Vater, Heinrich Wolfer-Sulzer, von den 1930er bis 1960er Jahren angereicherte bedeutende Sammlung zur französischen Malerei. Nach seinem Tod 2004 wurde sie physisch in das Museum aufgenommen. Bereits 2000 vermachten die Erben des zweiten Sohnes, Ulrich Wolfer, dem Museum den anderen Teil der Sammlung. Das Museum setzte auch auf die italienische Arte Povera, wobei die Jubiläumsstiftung Kunstverein Winterthur ab 1995 größere Käufe tätigte. 2002 ging das Legat von Erna und Curt Burgauer zum Teil in das Museum über.[3]

Im Jahre 2018 wurde das Kunstmuseum Winterthur mit dem Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten und der Villa Flora zum Kunst Museum Winterthur vereinigt. Es trägt seitdem den Namen «Kunst Museum Winterthur / Beim Stadthaus».

Das Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunstmuseum Winterthur, Erweiterungsbau, Gigon & Guyer, 1995

Das Kunstmuseum Winterthur liegt am Rande der Altstadt, im Zentrum der Stadt Winterthur (Museumsstrasse 52). Es wurde von 1913 bis 1915 nach Plänen der Architekten Robert Rittmeyer und Walter Furrer mithilfe privater Spenden erbaut. Der Museumsbau beherbergte neben dem Kunstmuseum auch die Winterthurer Stadtbibliothek, das Münzkabinett und die Naturwissenschaftliche Sammlung. Das Museum befinde sich in repräsentativer Umgebung, gegenüber liegt das Stadthaus.

Im Jahre 1995 erfolgte durch einen Anbau des Zürcher Architekturbüro Gigon/Guyer eine Erweiterung.[4] Darin werden die neueren Teile der Sammlung gezeigt, ebenso die Wechselausstellungen.

Die Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sammlungspräsentation wird eröffnet durch Gemälde von Claude Monet, Alfred Sisley, Vincent van Gogh, Odilon Redon, Pierre Bonnard, Edouard Vuillard, Félix Vallotton und Plastiken von Auguste Rodin, Medardo Rosso und Aristide Maillol. Auf Clara und Emil Friedrich-Jezler, die eine der frühen Schweizer Avantgardesammlungen aufbauten, geht die prominente Vertretung der klassischen Moderne zurück, mit Werken des Kubismus (Georges Braque, Juan Gris, Fernand Léger, Pablo Picasso), der Abstraktion und der konstruktiven Kunst (Robert Delaunay, Paul Klee, Hans Arp, Piet Mondrian). Die grossen Plastiker der Moderne – Constantin Brâncuși, Alexander Calder, Henri Laurens, Wilhelm Lehmbruck – haben hier ebenfalls ihren Platz. Die Nachkriegssammlung brilliert mit Alberto Giacometti und Giorgio Morandi. Besonderes Gewicht besitzt die internationale Gegenwartskunst mit Werkgruppen der amerikanischen Kunst – Ellsworth Kelly, Philip Guston, John Chamberlain, Eva Hesse, Agnes Martin, Robert Ryman, Robert Mangold, Brice Marden, Richard Tuttle – und der italienischen Kunst von Lucio Fontana und Piero Manzoni bis zur Arte PoveraLuciano Fabro, Jannis Kounellis, Mario Merz, Giulio Paolini, Giuseppe Penone. Von Gerhard Richter und Richard Hamilton ausgehend öffnet sich die Sammlung auf neue Tendenzen mit Werken von Isa Genzken, Thomas Schütte, Thomas Scheibitz, Pedro Cabrita Reis, Rita McBride. Teile der Sammlungsbestände aus der Zeit vor 1900 sind im Museum Oskar Reinhart ausgestellt.

Jährlich findet im Dezember eine Ausstellung der Künstlergruppe Winterthur im Museum statt.

Ausgestellte Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2013: Momente. Henri Michaux.
  • 2015/16: Von Eugène Delacroix bis Giovanni Giacometti. Französische und schweizerische Zeichnungen aus der Sammlung
  • 2016: Hans Arp | William Tucker | Richard Tuttle καλλίρροος schön-fliessend | Matt Mullican – Nothing Should Exist | 100 Jahre Dezember-Ausstellung
  • 2016/2017: Ker-Xavier Roussel – L'après midi d'un faune
  • 2017: Joel Shapiro: Frühe und neue Skulpturen | Antonio Calderara (1903–1978)
  • 2017: Jean Fautrier

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bedeutende Maler Gerhard Richter bezeichnet das Museum als sein Lieblingsmuseum.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Schwarz: Kunstmuseum Winterthur. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft/Stiftung BNP Paribas Schweiz, Zürich und Genf 2007 (= Museen der Schweiz).
  • Kunstmuseum Winterthur: Katalog der Gemälde und Skulpturen. Bände 1–3. Herausgegeben von Dieter Schwarz, Richter Verlag, Düsseldorf 2005–2011.
  • Von Edgar Degas bis Gerhard Richter: Arbeiten auf Papier aus der Sammlung des Kunstmuseums Winterthur. Herausgegeben von Dieter Schwarz, Richter Verlag, Düsseldorf 2000.
  • 100 Jahre Galerieverein, Freunde des Kunstmuseums Winterthur 1913–2013. Galerieverein, Freunde des Kunstmuseums Winterthur, Winterthur 2013.
  • Departement Kulturelles und Dienste der Stadt Winterthur, Silvio Schmed und Arthur Rüegg (Hrsg.): Museums- und Bibliotheksgebäude Winterthur. Erneuerung und Erweiterung. gta Verlag, Zürich ISBN 978-3-85676-288-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kunstmuseum Winterthur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Schwarz: Kunstmuseum Winterthur. Genf 2007, S. 6.
  2. Dieter Schwarz: Kunstmuseum Winterthur. Genf 2007, S. 7.
  3. Dieter Schwarz: Kunstmuseum Winterthur. Genf 2007, S. 9.
  4. Dieter Schwarz: Kunstmuseum Winterthur. Genf 2007, S. 8.

Koordinaten: 47° 30′ 6,3″ N, 8° 43′ 49,3″ O; CH1903: 697322 / 262021