Lützow (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen derer von Lützow

Lützow (früher auch Lützau) ist der Name eines alten mecklenburgischen Adelsgeschlechts mit gleichnamigem Stammhaus (heute Dreilützow, Ortsteil der Gemeinde Wittendörp im Amt Wittenburg des Landkreises Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern), nordöstlich der Ortslage der Stadt Wittenburg), das in zwei Linien – Mecklenburg/Preußen und Österreich/Böhmen  – geteilt ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mecklenburgisch-Preußische Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mecklenburgisch-preußischen Lützow haben ihr Stammhaus in Dreilützow (heute Ortsteil von Wittendörp bei Wittenburg) und werden urkundlich am 5. November 1287 mit Dominus Johannes de Lutzowe erstmals erwähnt, mit dem auch die direkte Stammreihe beginnt.[1] Das Gut Pritzier war danach im Besitz der Familie.

Durch den Erwerb von Schloss und Vogtei Eickhof mit Eickelberg stellen die Lützow seit 1494 die Erblandmarschälle in Mecklenburg. Als solcher unterzeichnete Claus Lützow als der Erste der Ritterschaft die Union der Landstände 1523. In Preußen wurde am 6. August 1869 für Kurt von Lützow und am 9. Januar 1884 für Leo von Lützow, königlich preußischer Kammergerichtsrat, durch Allerhöchste Kabinettordres die Führung des Freiherrentitels genehmigt.[2] Aus dem Ast Dutzow, der die Schreibweise Lützau führt, wurde Hugo von Lützau, dänischer Kammerjunker, am 18. Dezember 1651 in den dänischen Adel aufgenommen.[3]

Zu dieser Linie gehören:

Georg von Lützow war mit Katharina Elisabeth von Lüneburg verheiratet, einer Tochter des Herzogs August der Ältere von Braunschweig und Lüneburg (1568–1636) aus der morganatischen Ehe mit Ilsa Schmedecken.[5]

Der Zweig von Lützow genannt von Dorgelo geht auf den preußischen Oberst Ludwig Heinrich Freiherr von Lützow (1824–1899) zurück, der das Erbe seines kinderlos gestorbenen Onkels mütterlicherseits, August Wilhelm Anton von Dorgelo (1762–1855), nur unter der Bedingung antreten durfte, dass er den Geburtsnamen seiner Mutter annahm.[6]

Ein bürgerlicher Zweig Lützow geht auf den Oberstleutnant a. D. Hans Lebrecht Paul von Lützow aus dem Hause Groß Salitz (* 1. Februar 1848 in Kicin bei Posen), aus seiner Verbindung mit Rosa Zachmann (* 8. Dezember 1861 in Königsbach/Baden), zurück. Seine Enkelin, die Krankenschwester Irene Waltraud Anna Lützow (* 3. März 1917 in Mannheim), nahm am 3. September 1979 ein modifiziertes Stammwappen an, mit Führungsberechtigung für sich und ihre ehelichen Nachkommen im Mannesstamm,[7] 1990 ausgedehnt auf alle männlichen und weiblichen Nachkommen ihres Großvaters.[8]

Württembergische Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich von Lützow (* 1759 in Schwerin, † 1833 in Stuttgart) begründete die württembergische Linie. Er war königlich württembergischer Wirklicher Geheimer Rat und Kammerherr, Oberforstmeister und Oberjägermeister, sowie Träger des Großkreuzes des württembergischen Civil-Verdienst-Ordens. Verheiratet war er mit Friederike Charlotte von Franquemont, einer natürlichen Tochter des Herzogs Carl Eugen von Württemberg († 1793) und der italienischen Sängerin Franchini. Beider Sohn Friedrich Carl Franz Christian von Lützow (* 1791 in Urach, † 1850 in Cannstatt), war königlich württembergischer Oberforstmeister zu Urach und wurde am 16. Februar 1843 mit dem Freiherrentitel in die Personalmatrikel des nichtbegüterten Adels im Königreich Württemberg aufgenommen. Aus seiner Ehe mit Karoline von Ellrichshausen, Tochter des Freiherrn Karl Gottfried von Ellrichshausen, Herr auf Jagstheim, und der Luise von Falkenhausen, stammte Freiherr Maximilian Philipp von Lützow (* 1832), gefallen in der Zweiten Schlacht bei Villiers 1870. Er war württembergischer Hauptmann und Kompaniechef im 1. Württembergischen Infanterie-Regiment „Königin Olga“. Aus seiner Ehe mit Eugenie Stiefel, Tochter des Karl von Stiefel (1813 württembergischer Personaladel als Ritter des Militärverdienstordens), württembergischer Major und Bataillonskommandeur im 8. Württembergischen Infanterie-Regiment, stammte der Ehrenritter des Johanniterordens, Freiherr Alfred Maximilian von Lützow (1867–1924), württembergischer Oberst, im Ersten Weltkrieg Kommandeur des Landwehr-Regiments Nr. 122 und stellvertretender Führer der 54. Landwehr-Brigade, der mit Anna Federer, Tochter des Adolf Federer, Bankier und Honorarkonsul von Argentinien, verheiratet war. Beider Sohn war der im Jahr 1900 in Stuttgart geborene Bankbeamte Maximilian Alfred Freiherr von Lützow, der 1970 in Bad Godesberg starb. Sein Sohn Konrad Freiherr von Lützow heiratete 1958 in das Geschlecht von Mühlen ein, weshalb er 1961 die Aufnahme in die Frankfurter Patriziergesellschaft Alten Limpurg erlangte.[9]

Österreichisch-Böhmische Linie (Dreilützow-Seedorf)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit der Reformation wanderte ein Teil der Familie (benannt nach Gut Seedorf am Schaalsee), die den katholischen Glauben im mittlerweile strikt protestantischen Mecklenburg nicht aufgeben wollte, in die kaiserlichen Erblande nach Böhmen aus.

Am 13. Februar 1692 wurde sie in den Reichsgrafenstand für den kaiserlichen Kammerherrn Gottfried Freiherr von Lützow, Gutsherr auf Tuppau (Duppau) und Sachsengrün (Duppauer Gebirge) erhoben.

Zu dieser Linie gehören:

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ursprüngliche Stammwappen zeigt in Gold schrägrechts eine viersprossige schwarze Leiter (älteste bekanntes Siegel vom 23. Juni 1313).[10] Ein Siegel des Johannes Lützow zu Grabow von 1456 zeigt als Helmzier einen einfachen Vogelflug. Erstmals urkundlich 1483[11] erscheinen auf dem gekrönten Helm der Ursprung der drei natürlichen Pfauenfedern, nämlich drei Federn, vielleicht Reiherfedern.[10] In der nachfolgenden Zeit tritt auf Grabsteinen, Siegeln, Glasmalereien und anderen bildlichen Wiedergaben statt der drei Pfauenfedern zuweilen ein einreihiger Pfauenwedel mit bis zu acht Augen, manchmal sogar ein doppelter, aus zwei Reihen bestehender Pfauenwedel auf; seltener treten an die Stelle der Pfauenfedern auch drei Straußenfedern. Lisch erwähnt 1846: „Die von Lützow führen ebenfalls einen breiten Pfauenwedel auf dem Helme.“[12] Mit der alten Leiterform, drei Pfauenfedern und mit schwarz-goldenen Decken seit 1926[11] wieder einheitlich geführt.[13]

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Darstellung einer schrägrechten viersprossigen schwarzen Sturmleiter (mit umgebogenen Enden zum Einhaken in die zu erstürmende Festungsmauer) üblich. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen (auch schwarz-golden-roten) Decken eine niedrige dreimal gezinnte rote Mauer (wohl als Ergänzung zu der Sturmleiter), aus der drei natürliche Pfauenfedern zwischen (1578)[10] zwei Sturmleitern; später zwischen zwei abhängenden silbernen (auch schwarzen) Lilien an grünen Stengeln wachsen.[14] Die Lilien sind wohl eine historische Fehlinterpretation eines Aufrisses oder einer Bildhauerarbeit von 1578,[10] wobei es sich eigentlich um Helmdeckenzipfel handelte, was dann als neues Element zum Bestandteil des Wappens wurde.[11] 1612 wurde als Zutat, die nur 1802 eine Entsprechung fand, zusätzlich zwei golden-schwarz geteilte Büffelhörner auf dem Stammhelm dargestellt.[10]

Grafenwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das vermehrte reichsgräfliche Wappen (Erhebung 1692) der Linie zu Drei-Lützow und Seedorf ist gräflich gekrönt und geviert mit gekröntem Herzschild: Feld 1: in Gold ein gekrönter schwarzer Doppeladler, Feld 2 und 3: in Blau eine rote, gefugte Zinnenmauer, deren mittlere Zinne von dreien mit einem Pfauenfederbusch besteckt ist (Stammhelmzier bezeichnend), Feld 4: in Gold ein silberner Geharnischter, in der Rechten ein Schwert haltend, in der Linken einen roten, golden eingefassten Schild, Herzschild: in Gold eine schräggestellte viersprossige schwarze Sturmleiter (Stammwappen). Drei gekrönte Helme: Helm 1 (Mitte): Zwischen zwei halben (senkrecht gespaltenen)[10] auswärts geneigten viersprossigen schwarzen Sturmleitern ein natürlicher Pfauenwedel (Stammhelmvariante), Helm 2 (rechts): ein schwarzer Doppeladler, Helm 3 (links): ein silberner Geharnischter, in der Rechten ein Schwert haltend, in der Linken einen roten, golden eingefassten Schild, zwischen zwei schwarz-golden übereck geteilten Büffelhörnern. Helmdecken schwarz-golden.[11]

Freiherrenwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das vermehrte freiherrliche Wappen (Erhebung 1786) ist geviert mit Herzschild: Feld 1 und 4: in Gold eine schräggestellte viersprossige schwarze Sturmleiter (Stammwappen), Feld 2 und 3: in Silber ein rotes Mühlrad, Herzschild: in Silber eine pfahlweise gestellte viersprossige schwarze Sturmleiter. Zwei Helme: Helm 1 (rechts): Über einer roten Zinnenmauer ein natürlicher Pfauenschweif zwischen zwei an gekrümmten silbernen Stengeln herabhängenden schwarzen Lilien (Stammhelm), Helm 2 (rechts): eine wachsende silberne Bracke zwischen einem goldenen Flug. Helmdecken rechts schwarz-golden, links rot-silbern.

Dieses Wappen ist der Erhebung von Oberstleutnant Sigismund von Lützow in den Reichsfreiherrenstand am 10. Februar 1786 zugeordnet.[11]

Bastardwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das vom Heraldiker Ottfried Neubecker entworfene Bastardwappen (1979) zeigt im golden-schwarz schräglinks geteilten Schild eine schrägrechts gelegte Sturmleiter in verwechselten Farben. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken eine schwarze Zinnenmauer, darauf drei natürliche Pfauenfedern zwischen zwei grüngestielten herunterhängenden silbernen heraldischen Lilien.

Dieses dem adeligen Stammwappen ähnliche Wappen nahm Irene Waltraud Anna Lützow (* am 3. März 1917 in Mannheim), Enkelin des Oberstleutnants a. D. Hans Lebrecht Paul von Lützow aus dem Hause Groß Salitz (* 1. Februar 1848 in Kicin bei Posen) aus seiner Verbindung mit Rosa Zachmann (* 8. Dezember 1861 in Königsbach/Baden), am 3. September 1979 neu an, mit Führungsberechtigung für sich und ihre ehelichen Nachkommen im Mannesstamm,[7] 1990 ausgedehnt auf alle männlichen und weiblichen Nachkommen ihres Großvaters.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lützow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mecklenburgisches Urkundenbuch Nr. 1929
  2. Genealogisches Handbuch des Adels, Band F XVI, Seite 175, C.A. Starke-Verlag, Limburg, 1992, ISBN 3-7980-0700-4)
  3. Genealogisches Handbuch des Adels, Band A XXI, Seite 274, C.A. Starke-Verlag, Limburg,1990, ISBN 3-7980-0700-4)
  4. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser, 2. Jg., Justus Perthes, Gotha 1901, S. 587.
  5. Bernhard Peter: Wappen bei nichtehelichen Verbindungen der Fürstenhäuser
  6. Jan Derk Dorgelo: The Genealogical History of the Family Dorgelo (PDF; 306 kB). 2003. S. 11f.
  7. a b Wappen der Familie Lützow (Mannheim), eingetragen unter Nr. 80030, erschienen in der Allgemeinen Deutschen Wappenrolle in Band III (1981), S. 172
  8. a b Wappen der Familie Lützow (Groß-Salitz/Mecklenburg), eingetragen unter Nr. 89181, erschienen in der Allgemeinen Deutschen Wappenrolle in Band XII (1990–1992), S. 145
  9. Das Frankfurter Patriziat: Lützow
  10. a b c d e f Henning Freiherr von Lützow, Gedanken über unser Wappen, im Lützowschen Familienblatt 1. Jahrgang, Nr. 1, Juli 1922 (Digitalisat)
  11. a b c d e Bernhard Peter: Exlibris von A. Hildebrandt - Henning Freiherr von Lützow
  12. Georg Christian Friedrich Lisch, Die von Lewetzow und von Lowtzow, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 11 (1846), S. 476–481, besonders 477 (Digitalisat)
  13. Gotha. Genealog. Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, Teil A, 90. Jg. 1940, S. 356 (Digitalisat)
  14. Gotha. Genealog. Taschenbuch der Adeligen Häuser, 2. Jg. 1901, S. 584 (Digitalisat)