Perlin

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Perlin (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Perlin führt kein Wappen
Perlin
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Perlin hervorgehoben
Koordinaten: 53° 35′ N, 11° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Nordwestmecklenburg
Amt: Lützow-Lübstorf
Höhe: 45 m ü. NHN
Fläche: 13,44 km²
Einwohner: 373 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 28 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19209
Vorwahl: 03869
Kfz-Kennzeichen: NWM, GDB, GVM, WIS
Gemeindeschlüssel: 13 0 74 061
Adresse der Amtsverwaltung: Dorfmitte 24
19209 Lützow
Webpräsenz: www.luetzow-luebstorf.de
Bürgermeister: Hans-Heinrich Franck
Lage der Gemeinde Perlin im Landkreis Nordwestmecklenburg
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein Schwerin Landkreis Rostock Landkreis Rostock Landkreis Ludwigslust-Parchim Landkreis Ludwigslust-Parchim Bad Kleinen Barnekow Bobitz Dorf Mecklenburg Groß Stieten Hohen Viecheln Lübow Metelsdorf Ventschow Dragun Gadebusch Kneese Krembz Mühlen Eichsen Rögnitz Roggendorf (Mecklenburg) Veelböken Bernstorf Gägelow Stepenitztal Stepenitztal Stepenitztal Plüschow Roggenstorf Rüting Testorf-Steinfort Upahl Warnow (bei Grevesmühlen) Damshagen Hohenkirchen (Mecklenburg) Kalkhorst Klütz Zierow Alt Meteln Bad Kleinen Brüsewitz Cramonshagen Dalberg-Wendelstorf Gottesgabe (bei Schwerin) Grambow (bei Schwerin) Klein Trebbow Lübstorf Lützow (Mecklenburg) Perlin Pingelshagen Pokrent Schildetal Seehof (Mecklenburg) Zickhusen Benz (bei Wismar) Blowatz Boiensdorf Hornstorf Krusenhagen Neuburg (Mecklenburg) Bibow Glasin Jesendorf Jesendorf Lübberstorf Neukloster Passee Warin Züsow Zurow Carlow (Mecklenburg) Dechow Groß Molzahn Holdorf (Mecklenburg) Königsfeld (Mecklenburg) Rehna Rehna Rehna Rieps Schlagsdorf Thandorf Utecht Wedendorfersee Dassow Grieben (Mecklenburg) Groß Siemz Lockwisch Lüdersdorf Menzendorf Niendorf (Amt Schönberger Land) Roduchelstorf Schönberg (Mecklenburg) Selmsdorf Boltenhagen Grevesmühlen Insel Poel Poel WismarKarte
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Perlin ist eine Gemeinde im Süden des Landkreises Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie wird vom Amt Lützow-Lübstorf mit Sitz in der Gemeinde Lützow verwaltet.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die etwa 17 Kilometer südwestlich von der Landeshauptstadt Schwerin liegende Gemeinde ist die südlichste im Landkreis. Ein Teil des Dümmer Sees im östlichen Gemeindegebiet gehört bereits zum Landkreis Ludwigslust-Parchim. Der Bereich zwischen der oberen Schilde und oberen Sude erreicht hier Höhen bis 68 m ü. NN.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die urkundliche Ersterwähnung Perlins geht auf das Jahr 1222 zurück.[2][3] Von 1343 bis 1431 hatten Ludolf, Ludeke und Hans von Blücher Besitz und Rechte in Perlin.[4] Schon 1435 kamen die Familien von Lützow nach Perlin und behielten das Gut, das Dorf und die Patronatsrechte der Kirche bis 1781. Mit dem Geheimen Regierungsrat Bernhard Friedrich Graf von Bassewitz übernahmen 1795 die Familien von Bassewitz das Gut, das Dorf und das Kirchenpatronat von Perlin. Die Erben wohnten auf der Burg Schlitz südlich von Teterow, dem Hauptsitz dieses Bassewitzschen Zweiges.

1653 wurde eine Glashütte eingerichtet. 1826 gab es noch eine Mühle, Kirche und Schmiede im Ort.

Die Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle in und um Perlin. Am 16. Dezember 1877 erbte mit 21 Jahren Cuno Rudolph Friedrich Graf von Bassewitz das Gut mit dem Dorf, leistete am 29. Januar 1884 den Lehnseid und bewirtschaftete 53 Jahre lang das Gut. Von 1895 bis zur Auflösung des Klosteramts Dobbertin war Cuno von Bassewitz dort Provisor.[5] 1934 wurde das Gut an den Kaufmann Friedrich Gehrke und den Oberstleutnant Günther Stubbenrauch verkauft. 1936 enteignet,[6] wurde es 1937 der Heeresverwaltung in Berlin unterstellt und zum Remonteamt umgebaut. Leiter war Oberst Freiherr von Langermann.

1945 kam es während der Besetzung durch die Amerikaner auf dem Gut zu einem Brand. Der Kuhstall, Ochsenstall, Schafstall, die Scheune und Teile des Pferdestalls brannten ab. Das Gutshaus wurde 1974 gesprengt. Einige Pfeiler und Reste des Parks weisen auf die ehemalige Gutsanlage hin.

Anfang September 1945 war die Kirche noch mit fünf Flüchtlingsfamilien belegt. Ende Dezember 1945 brachen russische Soldaten in die Kirche ein, beschädigten die Orgel und demolierten die Kirchenbänke.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Perlin

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Perlin Die Ursprünge der turmlosen Feldsteinkirche in Perlin gehen auf die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück.[7] Die östlichen Giebeldreiecke sind in Fachwerk ausgeführt, das westliche in Backstein. Vom einst gotischen Baustil zeugen heute noch das östliche dreiteilige Chorfenster und das an der Südseite befindliche spitzbogige Portal. Das Langhaus mit Flachdecke nahm nach einem Brand im Jahr 1734 seine heutige Form an, der Chor hat sein kuppelförmiges Gewölbe mit dem schwach spitzbogigen Triumphbogen erhalten. Zur Innenausstattung der Kirche gehört der 1996 gemauerte Altartisch mit einer Eichenplatte und dem 1649 gefertigten Triumphkreuz aus der Pokrenter Kirche. In dem 1992 komplett sanierten hölzernen Glockenstuhl an der Westseite der Kirche befindet sich eine von Lorenz Strahlborn 1735 in Lübeck gegossene Glocke.[3]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Grevesmühlen ist 38 Kilometer, die im gleichen Landkreis liegende Insel Poel 60 Kilometer entfernt, dagegen befindet sich die Kleinstadt Wittenburg mit Anschluss an die Bundesautobahn 24 (HamburgBerlin) in etwa 13 Kilometer Entfernung. Der nächste Bahnhof liegt im acht Kilometer entfernten Amtssitz Lützow.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Seidel (1842–1906), Sohn des Perliner Pastors Heinrich Alexander Seidel, Schriftsteller und Ingenieur, bekannt durch eine ingenieurtechnische Meisterleistung von 1880, die mit 62,5 Metern Breite damals in Europa größte freitragende Dachkonstruktion des Anhalter Bahnhofs in Berlin. Literarisch war er ebenfalls sehr produktiv tätig. Sein bekanntestes Werk ist das Buch Leberecht Hühnchen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karin Uhlig: Perlin, ein Dorf in Mecklenburg mit einer langen Geschichte. Schwerin 2000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Perlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2014 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Mecklenburgisches Urkundenbuch (MUB) Band I. Schwerin (1863) Nr. 280
  3. a b Zerniner Beschäftigungsinitiative (ZEBI) e. V. und START e. V. (Hrsg.): Dorf- und Stadtkirchen im Kirchenkreis Parchim. Edition Temmen, Bremen/Rostock 2001, ISBN 3-86108-795-2, S. 194
  4. (MUB) Band IX. (1875) Nr. 6277, (MUB) Band X. (1877) Nr. 6760
  5. LHAS 3.2-3/1 Landeskloster Dobbertin Nr. 1311 Berufung des Grafen von Bassewitz auf Perlin zum Provisor.
  6. Stadtarchiv Schwerin,Enteignung des Rittergutes Perlin durch das Deutsche Reich 1933–1938
  7. Georg Dehio:Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern, Deutscher Kunstverlag, Neubearbeitung, München/Berlin 2000, ISBN 3-422-03081-6, S. 407