Landkreis Franzburg-Barth

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Das Kreisgebiet 1905

Der Landkreis Franzburg-Barth (vor 1928 Landkreis Franzburg, ab 1945 Landkreis Stralsund) war ein Landkreis, der in der preußischen Provinz Pommern und seit 1946 im Land Mecklenburg-Vorpommern der SBZ bzw. DDR zwischen 1818 und 1952 bestand. Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute zum Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kreisgebiet bildete den westlichsten Zipfel Pommerns und das Umland der Stadt Stralsund. Er lag an der Küste der Ostsee und umfasste die Halbinseln Zingst und Darß (nicht jedoch das zu Mecklenburg gehörende Fischland), die Insel Bock und die Inselgruppe Kleine Werder sowie die Wasserflächen der Darß-Zingster Boddenkette (Saaler, Bodtstedter und Barther Bodden sowie den Grabow). Im Osten reichte das Kreisgebiet bis zum Strelasund, der das pommersche Festland von der Insel Rügen trennt.

Im Westen bildete die Recknitz eine natürliche Kreisgrenze. Dort grenzte der Landkreis an Mecklenburg-Schwerin bzw. ab 1933 an den Landkreis Rostock des vereinigten Landes Mecklenburg. Im Süden grenzte der Kreis an den pommerschen Landkreis Greifswald und im Osten an die kreisfreie Stadt Stralsund.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königreich Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch unter schwedischer Herrschaft wurde Neuvorpommern 1806 in die vier Ämter (schwedisch: Härade) Bergen, Franzburg, Greifswald und Grimmen gegliedert.[1] Aus Neuvorpommern, das im Oktober 1815 an Preußen gefallen war und Teil der Provinz Pommern wurde, wurde 1818 der Regierungsbezirk Stralsund gebildet. Aus den 1806 gebildeten schwedischen Ämtern wurden preußische Landkreise, darunter aus dem Amt Franzburg der Kreis Franzburg, der seinerzeit auch Franzburger Kreis genannt wurde.[2] Er umfasste die Städte Barth, Damgarten, Franzburg, Richtenberg und Stralsund mitsamt ihrem ländlichen Umland. Das Landratsamt war in Franzburg.

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Er umfasste 1871 fünf Städte, 34 Landgemeinden und 152 selbständige Gutsbezirke.[3] 1873 schied die Stadt Stralsund aus dem Kreis Franzburg aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis.[4]

Freistaat Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 1925 wurde das Landratsamt von Franzburg nach Barth verlegt. Nach einem Brand im bisherigen Landratsamt in Franzburg war es zu politischen Diskussionen über den künftigen Kreissitz gekommen. In der entscheidenden Kreistagssitzung hatte sich Franzburg nicht mit dem Verbleib des Landratsamtes in der Stadt gegen die Alternativstandorte Barth und Stralsund durchsetzen können. Den Zuschlag als neuen Standort des Landratsamtes erhielt Barth.[5] Am 1. Februar 1928 erhielt der Kreis Franzburg die Bezeichnung Franzburg-Barth.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Franzburg-Barth wie im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle selbstständigen Gutsbezirke bis auf einen aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Zum 1. Oktober 1932 wurde der Regierungsbezirk Stralsund aufgelöst und an den Regierungsbezirk Stettin angeschlossen. Am 1. Januar 1939 erhielt der Kreis Franzburg-Barth entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung die Bezeichnung Landkreis.

Land Mecklenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 wurde die Kreisverwaltung in die Stadt Stralsund verlegt und der Name des Kreises in Landkreis Stralsund geändert. Der Kreis gehörte nun zum durch die sowjetischen Besatzungsbehörden neu gegründeten Land Mecklenburg, das außer Mecklenburg auch die nach Abtrennung der deutschen Ostgebiete deutsch gebliebenen Teile Vorpommerns umfasste.

Die Gemeinde Ahrenshoop wurde am 1. Oktober 1945 in den Landkreis Rostock umgegliedert.[6] Am 1. Oktober 1948 wurde die Inselgemeinde Hiddensee aus dem Landkreis Rügen in den Landkreis Stralsund umgegliedert.[7]

DDR/Bezirk Rostock[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der ersten Kreisreform in der DDR gab der Landkreis am 1. Juli 1950 die Stadt Damgarten sowie die Gemeinden Daskow, Kückenhagen, Langendamm, Saal und Tempel an den Landkreis Rostock ab. In der DDR fand 1952 eine große Verwaltungsreform statt, bei der die fünf Länder aufgelöst und durch 14 Bezirke sowie die meisten Landkreise durch kleinere Kreise ersetzt wurden. Dabei wurde auch der Landkreis Stralsund aufgelöst:

  • Die Inselgemeinde Hiddensee kam zum neuen Kreis Bergen.
  • Die Westhälfte des Landkreises bildete zusammen mit Teilen des aufgelösten Landkreises Rostock den neuen Kreis Ribnitz-Damgarten.
  • Die Osthälfte des Landkreises bildete zusammen mit Teilen des aufgelösten Landkreises Grimmen den neuen Kreis Stralsund-Land.
  • Die neuen Kreise Bergen, Ribnitz-Damgarten und Stralsund-Land wurden wie alle mecklenburgischen und vorpommerschen Küstenregionen dem neuen Bezirk Rostock zugeordnet.

Mecklenburg-Vorpommern ab 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Kreisgebiet gehörte seit 1994 mit Ausnahme der nach Stralsund eingemeindeten Orte zum Landkreis Nordvorpommern, der seinerzeit aus den Kreisen Stralsund, Ribnitz-Damgarten und Grimmen gebildet wurde, und seit 2011 vollständig zum Landkreis Vorpommern-Rügen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1816 42.165 [8]
1846 59.550 [9]
1871 71.195 [3]
1890 40.860 [10]
1900 41.704 [10]
1910 42.189 [10]
1925 45.721 [10]
1933 44.569 [10]
1939 50.858 [10]

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalverfassung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis Franzburg gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständiger Auflösung im Jahre 1929 – in selbstständige Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand 1939[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis Franzburg-Barth umfasste 1939 vier Städte, 72 weitere Gemeinden und einen gemeindefreien Forst-Gutsbezirk.[10]

Auf der Halbinsel Zingst lag der gemeindefreie Gutsbezirk Forst Born.

Vor 1939 aufgelöste Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensänderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige kleinere Änderungen von Ortsnamen sind belegt, sie betreffen vor allem die C/K-Schreibweise wie etwa bei Cummerow (seit 1935 Kummerow) oder Carnin (heute Karnin).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Hermann Sonnenschmidt (Hrsg.): Sammlung der für Neu-Vorpommern und Rügen in den Jahren 1802 bis Schluss 1817 ergangenen Gesetze. Band 1. Stralsund 1844, S. 288 (Digitalisat – Königlicher Erlass vom 9. Juli 1806).
  2. Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. IV. Teil, Band I. W. Dietze, Berlin 1866, Territorialgeschichte von Neu-Vorpommern und Rügen, S. 1 (Digitalisat).
  3. a b Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung 1871
  4. Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Stralsund 1873, S. 194
  5. Jan Berg: Der Wettlauf um das Landratsamt 1925. In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. Heft 1/2010, ISSN 0032-4167, S. 6–11.
  6. Kyra T. Inachin: Die Geschichte Pommerns. Hinstorff Verlag, Rostock 2008 (Digitalisat).
  7. GenWiki: Hiddensee
  8. Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats. Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, Der Regierungsbezirk Stralsund, S. 228 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  9. Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Mittheilungen des Statistischen Bureau's in Berlin, Band 2. Einwohnerzahlen der Kreise. S. 317 (Digitalisat).
  10. a b c d e f g Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte: Landkreis Franzburg-Barth. Abgerufen am 2. April 2016.
  11. Provinzial-Kalender für Neu-Vor-Pommern und das Fürstentum Rügen auf das Gemeinjahr 1834, Stralsund, Regierungsdruckerei, 1834