Lanzenhain

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Lanzenhain
Stadt Herbstein
Koordinaten: 50° 32′ 36″ N, 9° 18′ 9″ O
Höhe: 502 m ü. NHN
Fläche: 12,02 km²[1]
Einwohner: 555 (31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 46 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36358
Vorwahl: 06643

Lanzenhain ist ein Stadtteil von Herbstein im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Lanzenhainer Gemarkung befinden sich 2 besonders erwähnenswerte geologische Aufschlüsse. Zum einen das Felsenmeer des Burgfriedens, ausgedehnte, mit Moos bewachsene Basaltblöcke inmitten eines Buchenmischwaldes. Zum anderen die zum Naturdenkmal vorgeschlagene Klippe des Diebsteins nördlich des Dorfes. Beide Geotope liegen am zertifizierten Rundwanderweg Felsentour Herbstein. Der Diebstein, eine 577 m hohe Felsklippe aus Alkalibasalt, war früher die Stelle, an denen Diebe der Gerichtsbarkeit der Riedesel übergeben wurden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lanzenhain wurde als Lanczinhain im Mai des Jahres 1351 erstmals urkundlich erwähnt.[1]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die ehemals selbstständige Gemeinde Lanzenhain am 31. Dezember 1971 in die Stadt Herbstein eingegliedert.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Lanzenhain lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][4]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Lanzenhain das „Riedeselschen Patrimonialgericht Engelrod“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Lauterbach“ war daher von 1821 bis 1854 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Lauterbach, das für Lanzenhain zuständig war. Im Jahr 1854 wurde Lanzenhain dem Landgericht Herbstein zugeteilt.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Herbstein und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[9] Ab 1943 wurde das Amtsgericht Herbstein nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Lauterbach betreiben bevor es 1968 endgültig aufgelöst wurde und in dem Amtsgerichtsbereich von Lauterbach zugeschlagen wurde. Am 1. Januar 2005 wurde das Amtsgericht Lauterbach als Vollgericht aufgehoben[10] und zur Zweigstelle des Amtsgericht Alsfeld[11]. Zum 1. Januar 2012 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen.[12] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[1]

  • 1961: 560 evangelische und 26 katholische Einwohner
Lanzenhain: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970
Jahr  Einwohner
1834
  
516
1840
  
526
1846
  
532
1852
  
472
1858
  
512
1864
  
491
1871
  
496
1875
  
485
1885
  
489
1895
  
476
1905
  
496
1910
  
484
1925
  
507
1939
  
508
1946
  
650
1950
  
638
1956
  
589
1961
  
589
1967
  
591
1970
  
586
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher ist Rainer Brym (Stand Juni 2016).[13]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche, Brücke über den Ellersbach

Die evangelische Kirche entstand 1630 als rechteckiger Fachwerkbau. Sie ist verschindelt und erhielt im 18. Jahrhundert einen dreiseitigen Vorbau, der mit seiner geschweiften Haube das Aussehen eines Turmes hat. Renovierungsarbeiten erfolgten in den 1980er Jahren. Damals wurden doppelverglaste Fenster eingesetzt, das Dach neu gedeckt und eine umfangreiche Neugestaltung des Innenraums vorgenommen. Altar und Kanzel wurden freigelegt und eine Sakristeiwand hinter dem Altar eingebaut, die Innenwände neu verputzt und ein Neuanstrich vorgenommen. Anfang der 2000er Jahre erhielt die Kirche einen behindertengerechten Zugang sowie eine Neu-Verschindelung.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lanzenhain gibt es mehrere Vereine mit langer geschichtlicher Tradition: (In Klammern das jeweilige Gründungsjahr)

  • Schützenverein (1929)
  • Sportverein (1969) mit den Abteilungen
    • Fußball
    • Tischtennis
    • Ski und Rollski
  • Freiwillige Feuerwehr (1924)
  • Gesangverein „Männertreu“ (1888)
  • Landfrauenverein (1972)
  • VdK – Ortsgruppe (1950)
  • Jagdgenossenschaft (1950er)
  • Reservistenkameradschaft (1994)
  • Brieftaubenzuchtverein (1987)
  • Kirmesburschen Lanzenhain (2014)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Lanzenhain, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Zahlen und Fakten. In: Internetauftritt. Stadt Herbstein, abgerufen am 26. März 2018.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 367.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 211 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 9 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 426 (online bei Google Books).
  8. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 158 ff. (online bei Google Books).
  9. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  10. Der Hessische Minister der Justiz: Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (GVBl. I S. 507–508) vom 20. Dezember 2004. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2004 Nr. 24, S. 507–508 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,4 MB]).
  11. Anordnung über die Errichtung und die Zuständigkeit von amtsgerichtlichen Zweigstellen vom 29. Dezember 2004 (GVBl. I S. 552)
  12. Fünfte Verordnung zur Änderung der Gerichtlichen Zuständigkeitsverordnung Justiz vom 9. Dezember 2010 (GVBl. I S. 709–710)
  13. Ortsbeiräte. In: Internetauftritt der Stadt Herbstein. Abgerufen am 25. Dezember 2017.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anneliese Haas, Janina Link (Hrsg.): 650 Jahre Lanzenhain.
  • Kath. Pfarramt St. Lakobis Herbstein (Hrsg.) Kalender 2012: Kirchen und Gebetsräume in Herbstein. Textbeitrag vom evang. Pfr. M. Bandel
  • Literatur über Lanzenhain in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lanzenhain – Sammlung von Bildern