Laura Poitras

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Laura Poitras (* 2. Februar 1964 in Boston)[1] ist eine US-amerikanische Dokumentarfilmregisseurin und -produzentin. Sie hat mehrere preisgekrönte Werke veröffentlicht und ist MacArthur Fellow.

Laura Poitras (2014)

Poitras ist eine der Initiatoren der Freedom of the Press Foundation; sie ist neben Glenn Greenwald die erste Person, die Zugriff auf die von Whistleblower Edward Snowden zur Verfügung gestellten Dokumente der Globalen Überwachungs- und Spionageaffäre hatte. Seit Februar 2014 ist sie für das von Glenn Greenwald und Jeremy Scahill zusammen mit ihr gegründete Medium The Intercept tätig. Ihr Film Citizenfour, ein Dokumentarfilm über den US-amerikanischen Whistleblower Edward Snowden, für den sie das Drehbuch schrieb und Regie führte, gewann 2015 den Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch der Sudbury Valley School und dem Abschluss der High School studierte Poitras am San Francisco Art Institute, wo sie zusammen mit dem Experimentalfilmer Ernie Gehr Kurse besuchte. 1992 zog sie nach New York um und setzte ihr Studium an der Universität The New School fort, das sie 1996 mit einem Bachelor in „Public Engagement“ (etwa: öffentliche Partizipation) beendete.

Seit der Veröffentlichung von My Country, My Country – einem Dokumentarfilm über den Irak unter US-amerikanischer Besatzung – im Jahr 2006 ist Poitras vom Department of Homeland Security als terrorverdächtig eingestuft. Flugreisen gehen für sie zwangsläufig mit den Maßnahmen des Secondary Security Screening Selection einher, da sie auf der Watch List des US-Außenministeriums steht. Auf Grund dieser Eintragung und den entsprechenden Repressionen schrieb Glenn Greenwald schon 2012 über ihre kontroversen Filme und das daraus resultierende Schicksal.[2]

Im Januar 2013 wurde Poitras anonym kontaktiert und erhielt − nachdem sie ihren PGP-Public Key zur Verfügung stellte − Anweisungen, sich weiter gegen Hacks abzusichern (siehe Bruteforce):

“Assume that your adversary is capable of a trillion guesses per second”

„etwa: Nimm an, dein Gegenspieler kann eine Billion Versuche pro Sekunde leisten

Edward Snowden

Infolge dieses Mailverkehrs arrangierten Snowden, Greenwald und Poitras ein Treffen in Kowloon. Seit der Übergabe der Top-Secret-Dateien verwendet sie unterschiedliche Computer für Schneiden, Kommunikation und das Lesen der Geheimsachen. Das Gerät für das Lesen ist vollständig ohne Anbindung zu irgendeinem Kommunikationssystem.

Während Greenwald die Publikation über die Zeitung The Guardian wählte, arbeitet Poitras daran, die Überwachungsaffäre filmisch aufzubereiten.[3]

Am 10. Februar 2014 veröffentlichte sie über The Intercept:

“A primary function of The Intercept is to insist upon and defend our press freedoms from those who wish to infringe them. We are determined to move forward with what we believe is essential reporting in the public interest and with a commitment to the ideal that a truly free and independent press is a vital component of any healthy democratic society. We believe the prime value of journalism is that it imposes transparency, and thus accountability, on those who wield the greatest governmental and corporate power. Our journalists will be not only permitted, but encouraged, to pursue stories without regard to whom they might alienate.”

„Eine vorrangige Funktion von The Intercept ist es, auf unseren Pressefreiheiten zu bestehen und gegenüber jenen zu verteidigen, welche sie verletzen wollen. Wir sind entschlossen, das voranzubringen, was wir für wesentliche journalistische Arbeit im öffentlichen Interesse halten. Unsere Hingabe gilt dem Ideal der wahrlich freien und unabhängigen Presse als lebensnotwendige Komponente jeder gesunden demokratischen Gesellschaft. Wir glauben, dass Transparenz den wesentlichen Wert von Journalismus ausmacht, und damit auch die Verantwortung jener, die die größte politische und unternehmerische Macht innehaben. Unsere Journalisten haben nicht nur die Erlaubnis, sondern werden dazu ermutigt, Geschichten ohne Rücksicht darauf zu verfolgen, wen sie damit vor den Kopf stoßen könnten.“

Glenn Greenwald, Laura Poitras und Jeremy Scahill[4]

Bezüglich ihrer Zeit mit Snowden in Hongkong sagte sie:

„In retrospect, a lot of people think, Oh, the Snowden story is a great story that any journalist would want to get ahold of, but it didn’t feel that way then. I was seriously scared.[5]

„Rückbetrachtend glauben viele Leute „Oh, die Snowden-Story ist eine großartige Geschichte, die jeder Journalist gerne zu fassen bekäme“, aber so hat es sich nicht angefühlt. Ich hatte ernsthaft Angst.“

Januar 2016

Poitras lebte in Berlin,[6] kehrte 2016 allerdings zu New York City als Wohnort zurück.

Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laura Poitras thematisiert in ihren Filmen gesellschaftliche oder politische Missstände. Nachdem sie in Flag Wars Gentrifikation behandelte, beschäftigt sie sich seit My Country, My Country mit Facetten und Auswirkungen des Krieges gegen den Terror. My Country, My Country war der Auftakt zu einer Trilogie, dessen zweiter Teil unter dem Titel The Oath veröffentlicht wurde. Der dritte und letzte Teil wurde unter dem Arbeitstitel The Program begonnen. Die New York Times schrieb im August 2013, der Film behandelt Fragen der Terrorismus-Abwehr und die Rolle von Whistleblowern in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts im Angesicht der Überwachung von Nachrichtendiensten. Die Filmgeschichte wird Parallelen zu Snowdens Werdegang aufweisen.[7] 2014 kam der Dokumentarfilm unter dem Titel Citizenfour in die Kinos.

Für das Whitney Museum of American Art erschuf sie Januar 2016 ihre erste Kunstausstellung „Astro Noise“, welche unter anderem die Globale Überwachungs- und Spionageaffäre, den Krieg gegen den Terror und Gezielte Tötungen thematisieren wird. Der Name ist angelehnt an die Bezeichnung die verschlüsselte Containerdatei, mit der Edward Snowden die Dokumente der NSA an Poitras übergab – der Name bezieht sich auf die thermische Rest-Strahlung des Urknalls.[8] In der Ausstellung visualisiert sie die Spuren der Spähtechnik, Satellitensignale und Drohnenüberflüge. Daneben zeigt sie Menschen; Opfer von terroristischer Gewalt und Menschen, die von der Staatsgewalt als Terroristen behandelt werden. In der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 7. Februar 2016 wurde sie zur Ausstellung und ihren momentanen Lebensumständen von Johanna Adorján befragt.[9]

Poitras hat ganz offensichtlich nach Kanälen gesucht, um ihr Material und ihre Botschaft so wirkungsvoll wie möglich zu vermitteln, und hat sie in den bekannten Arsenalen der Kunst und der Ausstellungsarchitektur auch gefunden. Um eine Arbeit an diesen Kanälen ging es nicht so sehr. Und das ist verständlich.[10]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Person[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Laura Poitras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Poitras in whitney.org
  2. U.S. filmmaker repeatedly detained at border, Salon.com. Abgerufen am 22. August 2013.
  3. Peter Maass: How Laura Poitras Helped Snowden Spill His Secrets. The New York Times. 13. August 2013. Archiviert vom Original am 23. August 2013. Abgerufen am 23. August 2013.
  4. Welcome to The Intercept, firstlook.org, 10. Februar 2014. Abgerufen am 10. Februar 2014.
  5. Sara Corbett: Oscar-Winning Documentarian Laura Poitras Is Emerging—Carefully—Into the Spotlight, Vogue – Website, 27. Januar 2016. Abgerufen am 29. Januar 2016.
  6. FAZ, 25. Oktober 2014, S. 9.
  7. The Program, The New York Times. Abgerufen am 22. August 2013.
  8. Laura Poitras: Astro Noise Feb 5–May 1, 2016, Whitney Museum of American Art – Website. Abgerufen am 29. Januar 2016.
  9. Whistleblower im Museum in FAS vom 7. Februar 2016, Seiten 45/46
  10. Süddeutsche Zeitung: Laura Poitras' Drohnenkrieg , 4. Februar 2016
  11. Die Kamera wird Whistleblower in FAZ vom 11.Juli 2013, Seite 33
  12. Laura Poitras Film about Snowden & Surveillance Added to 52nd NYFF Society of Lincoln Center, Abgerufen am 18. September 2014
  13. The Ridenhour Prizes: Fostering the spirit of courage and truth (Englisch) In: The Ridenhour Prizes. 8. April 2014. Archiviert vom Original am 6. Mai 2014. Abgerufen am 8. April 2014.
  14. Henri Nannen Preis: Der Henri Nannen Preis 2014 für Verdienste um die Pressefreiheit geht an die Journalistin Laura Poitras, abgerufen am 10. Mai 2014
  15. Marion-Dönhoff-Preis für US-Dokumentarfilmerin Laura Poitras
  16. Academy Awards 2015, abgerufen am 15. Januar 2015