Lestkov

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Lestkov
Wappen von Lestkov
Lestkov (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Plzeňský kraj
Bezirk: Tachov
Fläche: 3880,3038[1] ha
Geographische Lage: 49° 53′ N, 12° 52′ OKoordinaten: 49° 52′ 54″ N, 12° 52′ 12″ O
Höhe: 617 m n.m.
Einwohner: 392 (1. Jan. 2018)[2]
Postleitzahl: 349 53 – 349 54
Kfz-Kennzeichen: P
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 6
Verwaltung
Bürgermeister: František Bezpalec (Stand: 2007)
Adresse: Lestkov 210
349 53 Bezdružice
Gemeindenummer: 561011
Website: www.obeclestkov.cz

Lestkov (deutsch Leskau) ist eine Gemeinde im Okres Tachov in Tschechien.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in Westböhmen, zehn Kilometer östlich von Planá (Plan) an der Straße nach Konstantinovy Lázně (Konstantinsbad), in einer Höhe von 617 m ü. M.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenzug (Aufnahme 2012)
St.-Dominik-Statue
Statue des hl. Antonius von Padua

Die erste Erwähnung von Lezchow stammt aus dem Jahre 1257. Seit 1262 ist der Ort als Pfarrsitz nachweisbar. Die Kirche St. Prokop wurde 1740 und 1780 erbeuert.[3][4]

Bis zum Tode des Grafen Johann Friedrich von Schwanberg im Jahre 1659 war das Städtchen im Besitz der Schwanberger, deren Wappen – der Schwan – auch noch heute das Gemeindewappen darstellt. Nächste Besitzer waren die Grafen von Heisenstein, 1712 erwarb Maximilian Karl Fürst zu Löwenstein auf Weseritz Leskau.

Leskau besaß seit 1506 einen Wochenmarkt. 1508 erhielt der Ort Handelsfreiheit und Privilegien zur Selbstverwaltung und Gerichtsbarkeit verliehen. 1524 kamen das Siederecht und 1527 die Erlaubnis für zwei Jahrmärkte hinzu. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts verlor Leskau immer mehr an Bedeutung, die Ursache lag zum einen in der Nähe zu der aufstrebenden Stadt Plan. Auch die Errichtung des Kurbades Konstantinsbad im Jahre 1874 führte zu weiterer Stagnation und das auf halbem Wege zwischen beiden Orten gelegene Leskau erhielt keinen Anschluss an das neue wichtige Verkehrsmittel, die Eisenbahn.

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften kam Leskau zum Bezirk Plan. In der Folgezeit wechselte die Zugehörigkeit mehrfach zwischen den politischen Bezirken Weseritz, Tepl und schließlich Marienbad.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Leskau 1919 der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Aufgrund des Münchner Abkommens gehörte Leskau von 1938 bis 1945 zum Landkreis Tepl, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland.

1838 lebten in dem Städtchen Leskau noch 907 Menschen, 1939 waren es 820.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde im Jahr 1945 der Besitz der Fürsten zu Löwenstein enteignet. Die deutschböhmischen Bewohner von Leskau wurden enteignet und vertrieben.

Im Jahre 1991 hatte der Ort 250 Einwohner.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1785 0 k. A. 29 Häuser[3]
1830 0 803 in 113 Häusern[5]
1832 0800 in 113 Häusern[6]
1837 0907 in 118 Häusern, darunter sieben Israelitenfamilien[4]
1869 1077 [7]
1880 1090 [7]
1890 1078 [7]
1900 1058 [7]
1910 1044 [7]
1921 0868 davon 860 deutsche Einwohner[8]
1930 0873 [9]
1939 0820 [9]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[7]
Jahr 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011
Einwohner 310 382 559 418 346 361 357

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Prokop-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche des hl. Prokop, die das Bild des Ortes prägt, war über Jahrzehnte eine Ruine und ist in neuerer Zeit wieder instandgesetzt worden. Sie bestand bereits im Jahre 1375. Zu dieser Zeit unterstand sie dem Patronat der Schwanberger und Johann von Schwanberg übte das Amt des Pfarrers aus. Während des Dreißigjährigen Krieges war das Bauwerk stark verfallen und 1647 ließ der Pfarrer Kaspar Haas Teile der Kirche abbrechen. In der Zeit von 1739 bis 1740 erfolgte ein Umbau des Gotteshauses und 1780 wurden erneut Baumaßnahmen durchgeführt. Dabei erhielt die Kirche ihre barocke Gestalt.

Während der kommunistischen Herrschaft verfiel die Kirche. Bei einem Sturm stürzte 1972 das Turmkreuz vom Kirchturm herunter. Im Oktober 1993 brach der Dachstuhl des Kirchenschiffes zusammen und stürzte ins Kircheninnere. Gegen einen weiteren Verfall werden derzeit Sicherungsmaßnahmen an der Ruine durchgeführt.

Die aus der Zeit von 1720 bis 1730 stammende Ausstattung befindet sich heute teilweise in der Kirche in Domaslav, weitere Stücke sind in Pilsen im Bischofssitz eingelagert.

Die Kirche war früher von einem Friedhof umgeben, der 1683 mit der Anlegung des neuen Friedhof an der heute abgerissenen Kapelle Johannes des Täufers geschlossen wurde. Im Zuge der 1780 an der Kirche durchgeführten Bauarbeiten wurde er aufgehoben und die Gräber teilweise auf den Neuen Friedhof umgebettet.

Weitere Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Kirchenruine prägt auch das ehemalige Schulhaus am Marktplatz das Ortsbild. Es entstand 1876 anstelle eines Vorgängerbaus aus dem Jahre 1679 für 16.400 Gulden und diente bis 1999 als örtliche Schule. Nach der Einstellung des Schulbetriebes wurde das Gebäude zum Gemeindeamt umgenutzt.

Vor dem Gemeindeamt befindet sich eine Statue des Hl. Antonius von Padua. Eine weitere Bildsäule, die den Ortspatron, den hl. Prokop, darstellt, steht in den Baumreihen auf dem Markt. In Lestkov befindet sich auch ein alter Kornspeicher.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Lestkov besteht aus den Ortsteilen:[10]

  • Domaslav (Böhmisch Domaschlag), 26 Einwohner, Ersterwähnung 1227
  • Hanov (Honau), 16 Einwohner, Ersterwähnung 1367,
  • Lestkov
  • Stan (Gstom), 28 Einwohner, Ersterwähnung 1357, mit
    • Dolní Víska (Unterdörflas), keine ständigen Einwohner, nur 2 Nebenwohnsitze, Ersterwähnung 1654
  • Vrbice u Bezdružic (Fürwitz), 1 Einwohner, Ersterwähnung 1367, und
  • Vysoké Jamné (Hohenjamny), 26 Einwohner, Ersterwähnung 1208.

Grundsiedlungseinheiten sind Dolní Víska, Domaslav, Hanov, Lestkov, Stan, Vrbice u Bezdružic und Vysoké Jamné.[11]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Dolní Víska, Domaslav, Hanov u Lestkova, Lestkov, Stan u Lestkova, Vrbice u Bezdružic und Vysoké Jamné.[12] Auf dem Gemeindegebiet befinden sich die in den 1950er und 1960er Jahren aufgelassenen Orte und Wohnplätze Český Mlýn (Böhmische Mühle), Horní Víska (Oberdörflas) und Milkov (Millikau). Bereits seit dem 16. Jahrhundert sind die Wüstungen Kopáčov, Křivoústy und Tisvice verlassen, ihre Bewohner fielen der Pest zum Opfer und die Orte wurden nicht wieder besiedelt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Obec Lestkov: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 17. März 2018.
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  3. a b Jaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 9: Pilsner Kreis, Prag und Wien 1788, S. 146–147, Ziffer 37).
  4. a b Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 6: Pilsener Kreis. Prag 1838, S. 285, Ziffer 16).
  5. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 203, Ziffer 12) unten.
  6. Carl E. Rainold: Taschen-Reise-Lexikon für Böhmen. Prag 1833, S. 310.
  7. a b c d e f Historisches Lexikon der Republik Tschechien 1869–2011@1@2Vorlage:Toter Link/www.czso (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. Genealogie-Netz Sudetenland
  9. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Tepl (tschech. Teplá). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Části obcí: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 17. März 2018.
  11. Základní sídelní jednotky: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 17. März 2018.
  12. Katastrální území: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 17. März 2018.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lestkov (Tachov District) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien