Liste der Stolpersteine in Merseburg

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Die Liste der Stolpersteine in Merseburg enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in Merseburg verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Merseburg lebten und wirkten. Zwischen 2008 und 2014 wurden insgesamt sieben Steine und eine Stolperschwelle an acht Adressen verlegt.

Liste der Stolpersteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google

Adresse Datum der Verlegung Person Inschrift Bild Bild des Hauses
Breite Straße 22
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17. Oktober 2011[1] Carl Hermann Volkmer (1902–1942)

Carl Volkmer stammte aus Sallgast und arbeitete als Bauschlosser. Er schloss sich dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus an und wurde 1940 verhaftet. 1941 wurde er ins KZ Groß-Rosen deportiert, wo er am 13. November 1942 zu Tode kam.[2]

Christianenstraße 23
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9. September 2014[3] Stolperschwelle zum Gedenken an Opfer der Euthanasie/Aktion T4

Mindestens zwölf Menschen aus Merseburg und Umgebung fanden zwischen 1940 und 1945 im Rahmen des NS-Euthanasieprogramms (Aktion T4) den Tod. Die Zahl der zwangssterilisierten Personen ist unbekannt.[2]

AUCH IN MERSEBURG
Verbrechen an kranken und behinderten Menschen
zwangssterilisiert, medizinisch missbraucht,
verhungert, ermordet
1940–1945
Dammstraße 15
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15. Mai 2008[4] Albert Seemann (1873–1944)

Albert Seemann wurde in Niedersachswerfen geboren und lebte zwischen 1900 und 1918 in England. Am 23. April 1918 ließ er sich in Merseburg nieder und arbeitete zunächst als Maschinist in den Leuna-Werken. Am 1927 war er als Kaufmann tätig. 1940 ging er in den Ruhestand. Nachdem er durch die Gestapo gefoltert worden war, nahm er sich am 2. März 1944 selbst das Leben.[2]

Hier wohnte
ALBERT SEEMANN
Jg. 1873
gedemütigt/entrechtet
Flucht in den Tod
1944
Albert Seemann
abgerissen
Entenplan
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15. Mai 2008[4] Josef Goldstein (1899–?)

Josef Goldstein stammte aus Stolp. Er war verheiratet mit Käthe geb. Neustadt und hatte mit ihr eine Tochter namens Renate. Goldstein betrieb in Merseburg das „Kaufhaus Merkur“. Nach seiner ersten Verschleppung durch die Nationalsozialisten floh er am 23. August 1939 nach England. Dort wurde er im Internierungslager Richborough interniert und zurück nach Deutschland geschickt. Er landete in Frankfurt am Main, von wo aus er am 11. Juni 1942 ins Vernichtungslager Sobibor deportiert wurde. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.[2]

Hier wohnte
JOSEF GOLDSTEIN
Jg. 1899
deportiert 1942
Richtung Osten
? ? ?
Josef Goldstein Entenplan
Erlenweg 8 (ehemals Memeler Weg)
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17. Oktober 2011[1] Leonhard Blaßneck (1902–1942)

Leonhard Blaßneck stammte aus Haundorf und arbeitete als Brauer. Am 6. April 1940 wurde er als politischer Häftling ins KZ Flossenbürg eingeliefert, wo er am 1. Februar 1942 starb.[2]

Hier wohnte
LEONHARD
BLASSNECK
Jg. 1902
im Widerstand
verhaftet 1942
Flossenbürg
ermordet 1.2.1942
Haackestraße 2
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15. Mai 2008[4] Adolf Reiser (1866–1945)

Der aus Petersdorf stammende Adolf Reiser galt nach den Nürnberger Gesetzen als jüdischer Mischling. Am 17. November 1944 wurde er ins KZ Buchenwald deportiert, wo er am 3. Januar 1945 starb.[2]

Hier wohnte
ADOLF REISER
Jg. 1866
verhaftet 1944
Buchenwald
ermordet 1945
Adolf Reiser Haackestraße 2
Herweghstraße 17
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17. Oktober 2011[1] Walter Karl Waßermeyer (1901–1942)

Walter Waßermeyer war gebürtiger Merseburger. Er arbeitete in seiner Heimatstadt als Friseurmeister. Aufgrund seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus wurde er 1941 als „Berufsverbrecher“ im KZ Buchenwald interniert. Dort starb er am 14. Juni 1942.[2]

Hier wohnte
WALTER KARL
WASSERMEYER
Jg. 1901
im Widerstand
verhaftet 1941
Buchenwald
ermordet 14.6.1942
Neumarkt 72
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9. September 2009[5] Henriette Pakulla geb. Marcus (1878–1942)

Henriette Marcus wurde in Filehne geboren. Sie war verheiratet mit Marcus Pakulla und hatte mit ihm zwei Kinder. Die Familie wohnte in Merseburg, wo Marcus Pakulla 1927 starb. Nach dem Tod ihres Mannes wechselte Henriette Pakulla innerhalb Merseburgs zwei Mal ihre Wohnung. Am 31. Oktober 1939 wurde ihr mitgeteilt, sie müsse nach Halle (Saale) umziehen. Dort lebte sie ab 1940 zunächst in verschiedenen „Judenhäusern“ und kam am 1. Dezember 1941 schließlich in ein vermeintliches Altersheim in der Boelckestraße 24 (heute Dessauer Straße). Am 1. Juni 1942 wurde sie deportiert und zwei Tage später im Vernichtungslager Sobibor ermordet.[6]

Hier wohnte
HENRIETTE PAKULLA
geb. Markus
Jg. 1878
deportiert 1942
Sobibor
ermordet 3.6.1942

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Stolpersteine: Etwa 32 000 in Europa verlegt, Mitteldeutsche Zeitung, 17. Oktober 2011. Abgerufen am 11. Oktober 2013.
  2. a b c d e f g geschichtswerkstatt-merseburg.de – Stolpersteine. Abgerufen am 13. Oktober 2013.
  3. geschichtswerkstatt-merseburg.de – Gedenken & Erinnerung. Abgerufen am 15. Oktober 2014.
  4. a b c Andrea Hamann: «Man stolpert mit dem Herzen», Mitteldeutsche Zeitung, 15. Mai 2008. Abgerufen am 11. Oktober 2013.
  5. geschichtswerkstatt-merseburg.de – Stolpersteinverlegung Pakula 2009. Abgerufen am 11. Oktober 2013.
  6. Gedenkbuch Halle – Pakulla, Henriette. Abgerufen am 11. Oktober 2013.