Liste von in der DDR hingerichteten Personen

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Die Liste von in der DDR hingerichteten Personen bietet einen Überblick über die in der Zeit der deutschen Teilung auf dem Territorium der Deutschen Demokratischen Republik hingerichteten Personen.

Insgesamt wurden von der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik im Jahr 1949 bis zur letzten Verurteilung zum Tode im Jahre 1981 166 Personen auf Grund von Urteilen der ostdeutschen Justiz hingerichtet. Die DDR schaffte die Todesstrafe 1987 ab.

Hinrichtungsstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinrichtungen in der DDR wurden ab 1952 in einer zentralen Hinrichtungsstätte durchgeführt. Diese befand sich anfangs in Dresden im Gebäude des ehemaligen königlich-sächsischen Landgerichts, wo die Hinrichtungen mit einem Fallbeil aus der Zeit des Nationalsozialismus erfolgten. Die Leichen der Hingerichteten wurden im Urnenhain Tolkewitz anonym verbrannt. Die Asche wurde in „Sammelstelle C, Feld III“ vergraben, wo die Urnen der Hingerichteten auf einem unbepflanzten Teil der Sammelstelle liegen.[1] 1957 wurde das Dresdner Gerichtsgebäude von der TH Dresden übernommen und die zentrale Hinrichtungsstätte nach Leipzig in die Justizvollzugsanstalt im Gebäude des ehemaligen Königlichen Landgerichts verlegt. Die Leichen der Hingerichteten wurden nicht den Angehörigen übergeben, sondern unter größter Geheimhaltung zum nahe gelegenen Südfriedhof gebracht und anonym verbrannt.

Liste der Hingerichteten (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die folgende Tabelle listet einen Teil der Personen auf, die in der Deutschen Demokratischen Republik durch deutsche Gerichte zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. Personen, die von der sowjetischen Besatzungsarmee exekutiert wurden, sind nicht berücksichtigt.

Datum Person Anmerkung
26. Juli 1950 Willi Kimmritz Wegen mehrfachen Mordes und Vergewaltigungen zum Tode verurteilt und in Frankfurt (Oder) mit dem Fallbeil hingerichtet.
10. November 1950 Werner Gladow Als Chef der Berliner Gladow-Bande, deren Überfälle mehrere Tote und Verletzte gefordert hatten, zum Tode verurteilt und in Frankfurt (Oder) mit dem Fallbeil hingerichtet.
10. November 1950 Kurt Gäbler Als Mitglied der Gladow-Bande zum Tode verurteilt und in Frankfurt (Oder) mit dem Fallbeil hingerichtet.
10. November 1950 Gerhard Rogasch Als Mitglied der Gladow-Bande zum Tode verurteilt und in Frankfurt (Oder) mit dem Fallbeil hingerichtet.
23. Juni 1951 Max Ernst Gröschel SS-Oberscharführer, wegen seiner Tätigkeit in den KZs Flossenbürg, Neuengamme, Ravensbrück und Kaiserwald zum Tode verurteilt und in Dresden hingerichtet.
02. August 1952 Johann Burianek Als Hauptangeklagter in einem Schauprozess gegen Angehörige der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) wegen „Planung von Terror- und Diversionshandlungen“ zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
22. August 1952 Herbert Fink Wegen Ermordung von Häftlingen in Auschwitz zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
30. August 1952 Julius Bergmann Ehemaliger SA-Führer in Berlin, wegen der Misshandlung von Gefangenen im Jahr 1933 vom Landgericht in Ost-Berlin 1951 zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
30. August 1952 Emil Nitz Am 10. April 1951 vom Ost-Berliner Landgericht wegen NS-Verbrechen zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
06. September 1952 Wolfgang Kaiser In einem Schauprozess wegen der Bereitstellung von hochprozentigen Säuren, Brand- und Sprengsätzen sowie Gift für die KgU zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
06. September 1952 Johann Kurss In Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet. Todesursache laut offiziellem Bestattungsschein: „akutes Herz- und Kreislaufversagen“.[2]
06. September 1952 Ernst Wilhelm In Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet. Todesursache laut offiziellem Bestattungsschein: „akutes Herz- und Kreislaufversagen“.[2]
24. Januar 1953 Herman Gerhard Walter Lindecke In Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet. Todesursache laut offiziellem Bestattungsschein: „Myocardinfarkt“.[2]
01. Oktober 1953 Erna Dorn Wegen „faschistischer und Kriegshetze“ gegen die Deutsche Demokratische Republik zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet. Todesursache laut offiziellem Bestattungsschein: „acute Herz- und Kreislaufschwäche.“[2]
03. Oktober 1953 Kurt König Wegen Militärspionage[3] zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
20. März 1954 Ernst Jennrich Nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 wegen „Mord am Volkspolizisten Georg Gaidzik“ zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
11. November 1954 Karli Bandelow In einem Spionage-Schauprozess (Gehlen-Prozess) zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet. Todesursache laut offiziellem Bestattungsschein: „akutes Herz- und Kreislaufversagen“.
11. November 1954 Ewald Misera Als Mitangeklagter im Schauprozess gegen Karli Bandelow zum Tode verurteilt und zusammen mit ihm in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
10. Juni 1955 Karl Helmuth Theiner SS-Sanitäter in den KZs Dachau, Sachsenhausen, Vaivara und Gusen. Wegen Beteiligung an medizinischen Versuchen an Häftlingen sowie an der Erschießung von sowjetischen Kriegsgefangenen zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
29. Juni 1955 Gerhard Benkowitz In einem Schauprozess wegen „Spionage“ und Planung der Sprengung von unter anderem einer Talsperre zum Tode verurteilt und zusammen mit Hans-Dietrich Kogel in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
29. Juni 1955 Hans-Dietrich Kogel Als Mitangeklagter im Schauprozess gegen Gerhard Benkowitz zum Tode verurteilt und zusammen mit ihm in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
26. Juli 1955 Karl-Albrecht Tiemann Wegen Zusammenarbeit mit westlichen Geheimdiensten zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
13. September 1955 Joachim Wiebach Wegen Militärspionage zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
23. November 1955 Elli Barczatis Wegen Spionage (formal „Boykotthetze“ nach Art. 6 der Verfassung) zusammen mit ihrem Geliebten Karl Laurenz zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
23. November 1955 Karl Laurenz Wegen Spionage (formal „Boykotthetze“ nach Art. 6 der Verfassung) zusammen mit seiner Geliebten Elli Barczatis zum Tode verurteilt und in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet.
16. Mai 1956 Sylvester Murau Major des MfS, wurde nach seiner Flucht in den Westen, wo er mit westlichen Geheimdiensten zusammenarbeitete, zurück in die DDR entführt, zum Tode verurteilt und in Dresden hingerichtet.
15. Januar 1960 Otto Bergemann Wegen Mord und Mordversuch sowie wegen Beteiligung an Sonderkommandos zur Erschießung von Juden am 11. Juni 1959 zum Tode verurteilt und in Leipzig hingerichtet.[4]
12. Juli 1960 Manfred Smolka Wegen „Militärspionage“ zum Tode verurteilt und in der Strafvollzugsanstalt Leipzig mit dem Fallbeil hingerichtet.
01. März 1961 Kurt Goerke Als Kriegsverbrecher wegen der Ermordung von Zivilisten in der Sowjetunion zum Tode verurteilt und hingerichtet.
16. Juni 1961 Wilhelm Schäfer SS-Hauptscharführer, stellvertretender Leiter der Lagerwäscherei im Konzentrationslager Buchenwald, wurde am 20. Mai 1961 in Berlin vom Obersten Gericht der DDR zum Tode verurteilt und in Leipzig hingerichtet[5]
25. Januar 1962 Walter Praedel Landarbeiter. Am 21. Dezember 1961 am Bezirksgericht Frankfurt/Oder wegen Brandstiftung an zwei mit Erntegut gefüllten Scheunen zum Tode verurteilt und am 25. Januar 1962 mit dem Fallbeil hingerichtet.
21. Juni 1962 Gottfried Strympe Schuldunfähiger Pyromane, aus Propagandagründen zum Tode verurteilt und in der Strafvollzugsanstalt Leipzig mit dem Fallbeil hingerichtet.
12. Dezember 1962 Horst Petri Leiter eines SS-Gutes wurde wegen NS-Verbrechen (u. a. Ermordung von Juden) zum Tode verurteilt und in Leipzig hingerichtet.[6]
15. April 1964 Roland Puhr Wegen der Beteiligung an der Ermordung von Kriegsgefangenen im KZ Sachsenhausen zum Tode verurteilt und hingerichtet.
08. Juli 1964 Siegfried Rogge Wegen Sexualmordes zum Tode verurteilt und hingerichtet.
08. Juli 1964 Joachim Säume Wegen Sexualmordes zum Tode verurteilt und hingerichtet.
14. Dezember 1965 Klaus Schuricht Wegen Doppelmordes zum Tode verurteilt und (nach offiziellen Angaben) in der Strafvollzugsanstalt Leipzig hingerichtet. Nach Aussage von Zeugen soll Schuricht erst 1988 in der Strafanstalt Brandenburg-Görden eines natürlichen Todes verstorben sein.[7]
08. Juli 1966 Horst Fischer Wegen seiner Tätigkeit als Lagerarzt im KZ Auschwitz III Monowitz zum Tode verurteilt und in der Strafvollzugsanstalt Leipzig mit dem Fallbeil hingerichtet.
28. April 1969 Kurt Willi Wachholz Aufseher des KZ Theresienstadt, vom Ostberliner Stadtgericht wegen Tötung von über 300 Häftlingen durch Erschlagen, Tottreten, Steinigen, Ertränken und der Teilnahme an der Erschießung von mindestens 183 Menschen in über 25 Erschießungsaktionen zum Tode verurteilt und hingerichtet.
29. Juli 1969 Josef Blösche Wegen seiner Beteiligung als SS-Unterscharführer u. a. an der Liquidierung des Warschauer Ghettos und an der Bekämpfung des Warschauer Aufstandes zum Tode verurteilt; in der Strafvollzugsanstalt Leipzig hingerichtet.
01. Oktober 1970 Henry Stutzbach Pseudonym von Hilmar S., der als Serienmörder zum Tode verurteilt und in der Strafvollzugsanstalt Leipzig durch „unerwarteten Nahschuss“ hingerichtet wurde.
25. November 1971 Hans Baumgartner Wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und hingerichtet.
28. April 1972 Horst Schulz Wegen Mordes zum Tode verurteilt und hingerichtet.
15. September 1972 Erwin Hagedorn Im Mai 1972 vom Bezirksgericht Frankfurt (Oder) zum Tode verurteilter Mörder von drei Kindern.
26. September 1972 Wolfgang Mischner Oberleutnant in der HA Personenschutz des MfS, der seine Frau ermordet hatte, wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet.[8]
03. November 1972 Hubert Schwerhoff Wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und hingerichtet.
08. Mai 1973 Paul Feustel Gestapodienststellenleiter, der unter anderem nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich den Befehl zur Erschießung von 42 tschechischen Bürgern gab, wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet.
31. Mai 1973 Albert Schuster SS-Obersturmführer, wurde wegen der Beteiligung an Exekutionen in Polen als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und hingerichtet.[9]
10. August 1973 Klaus Jarosch Wegen Mordes zum Tode verurteilt und hingerichtet.
02. Oktober 1973 Horst Günther Dohle Der Oberleutnant der Grenztruppen ermordete am 29. Oktober 1971 seine Frau und seine Tochter. Das MOG Leipzig verurteilte ihn am 22. Februar 1973 zum Tode. Nach Zurückweisung der Berufung erfolgte die Vollstreckung in Leipzig.
02. Oktober 1973 Werner Liebig Wegen Mordes zum Tode verurteilt und hingerichtet.
30. Januar 1975 Karl Gorny Als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und hingerichtet.[10]
11. Juli 1975 Egon Glombik Untersuchungsführer und Oberleutnant in der BV Cottbus des MfS, wegen Spionage für den Bundesnachrichtendienst zum Tode verurteilt und hingerichtet.[11]
21. Oktober 1978 Johannes Kinder Für die Mitwirkung an der Ermordung Tausender sowjetischer Bürger als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und hingerichtet. Er hatte als Mitglied eines Einsatzkommandos mindestens 260 Menschen persönlich erschossen und sich an der Tötung von 214 psychisch kranken und z. T. behinderten Kindern und Jugendlichen in einem „Gaswagen“ beteiligt.[12]
10. Dezember 1979 Gert Trebeljahr Major des MfS, wurde nach einem missglückten Fluchtversuch in die Bundesrepublik wegen Spionage und Fahnenflucht zum Tode verurteilt und der Strafvollzugsanstalt Leipzig durch „unerwarteten Nahschuss“ hingerichtet.[13]
18. Juli 1980 Winfried Baumann Fregattenkapitän a. D. im NVA-Nachrichtendienst, der wegen Militärspionage zum Tode verurteilt wurde. In der Strafvollzugsanstalt Leipzig durch „unerwarteten Nahschuss“ hingerichtet.
26. Juni 1981 Werner Teske Hauptmann in der HVA des MfS, wegen vorgeblich „begangener, vollendeter und vorbereiteter Spionage besonders schweren Falls in Tateinheit mit Fahnenflucht in schwerem Fall“ von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und in der Strafvollzugsanstalt Leipzig durch „unerwarteten Nahschuss“ hingerichtet. Letztes vollstrecktes Todesurteil in der DDR.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hinrichtungen: Großes weißes Kuvert, Zugriff am 12. August 2015
  2. a b c d Spiegel TV Magazin: Hinrichtungen in der DDR, YouTube-Video hochgeladen am 31. März 2010.
  3. Video Dokumentation: Deckname Annett (21. September 2010, 20:15 Uhr, 43:29 Min.) in der ZDFmediathek, abgerufen am 3. Februar 2014
  4. Heinz Mohnhaupt: Normdurchsetzung in osteuropäischen Nachkriegsgesellschaften. Klostermann, Frankfurt a. M. 2003 ISBN 978-3-465-03241-0
  5. Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
  6. C. F. Rüter: DDR-Justiz und NS-Verbrechen. Amsterdam 2003
  7. Kathrin Krüger-Mlaouhia: Der Mörder, der seine Hinrichtung überlebt haben soll: in Sächsische Zeitung, 18. Dezember 2015 (abgerufen am 23. Dezember 2015)
  8. Krimi aus dem Kalten Krieg, Der Spiegel 22/1999, 31. Mai 1999 (abgerufen am 8. Dezember 2013)
  9. Henry Leide: NS-Verbrecher und Staatssicherheit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 978-3-525-35018-8, S. 121.
  10. Anja Mihr: Amnesty International in der DDR. Christoph Links, 2002, ISBN 3-86153-263-8, S. 249 f.
  11. Dirk Schneider: Der „Fall“ Egon Glombik, Beitrag des Studios Cottbus des RBB
  12. Henry Leide: NS-Verbrecher und Staatssicherheit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 978-3-525-35018-8, S. 249 f.
  13. Information des BStU zu Trebeljahr