Mausohren

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Mausohren
Großes Mausohr (Myotis myotis)

Großes Mausohr (Myotis myotis)

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Überfamilie: Glattnasenartige (Vespertilionoidea)
Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
Unterfamilie: Myotinae
Gattung: Mausohren
Wissenschaftlicher Name
Myotis
Kaup, 1829

Die Mausohren (Myotis) – auch Mausohrfledermäuse – sind eine Fledermausgattung, die zur Familie der Glattnasen (Vespertilionidae) gehört. Zu den Mausohren werden im Handbook of the Mammals of the World 128 Arten gezählt. Die Gattung ist Gegenstand intensiver Forschungen wobei immer wieder neue Arten beschrieben werden, was sich beispielsweise an der erst im Jahr 2001 beschriebenen Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe) zeigt. Der Name Myotis setzt sich aus dem Griechischen mys (=Maus) und otos (=Ohr) zusammen, was auch dem deutschen Gattungsnamen entspricht.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihren Namen verdanken die Mausohren der Ähnlichkeit ihrer Ohren mit denen von Mäusen. Im Gegensatz zu diesen besitzen die Mausohrfledermäuse einen funktionalen Tragus, der beweglich ist und mit dem der Gehörgang verschlossen werden kann. Die Form und Größe der Ohren und Tragen sind wichtige Unterscheidungsmerkmale bei der Artbestimmung ruhender Tiere. Auch anhand unterschiedlicher Unterarmlängen, Habitus und Charakteristika der Flughäute können die jeweiligen Arten unterschieden werden. Die Fellfärbung variiert auf dem Rücken der Tiere zwischen unterschiedlichen Grau- und Brauntönen. Die Unterseite ist meist deutlich heller bis hin zu nahezu weiß. Die Abgrenzung zwischen dunkler gefärbtem Fell auf der Oberseite und hellerem auf der Unterseite ist meist scharf. Mausohren erreichen eine Kopfrumpflänge von 35 bis 100 Millimetern, ihr Schwanz wird 28 bis 65 Millimeter lang. Ihr Gewicht variiert von 3 Gramm bei den kleinsten Arten bis zu 45 Gramm beim Großen Mausohr.

Die Zahnformel der Mausohren lautet 2133/3133. Damit verfügen die Mausohren über die Maximalanzahl von 38 Zähnen. Die Anzahl der Zähne ist bei der Unterscheidung der einzelnen Myotisarten nicht hilfreich.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiet der Mausohren

Als Kosmopoliten sind die Mausohren die artenreichste und am weitesten verbreitete Fledermausgattung weltweit. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Kontinente bis auf die Antarktis. Ferner kommen keine Mausohren in der Arktis sowie auf einigen ozeanischen Inseln vor. In Europa leben zwölf Arten:

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolonie des Großen Mausohrs

Mausohren kommen in einer Vielzahl von Lebensräumen vor, von Wüsten bis zu Regenwäldern und Bergländern. Alle Arten sind nachtaktiv, tagsüber schlafen sie in Höhlen, Minen, Gebäuden, Baumhöhlen oder anderen Unterschlupfen. Die meisten Arten leben in Gruppen, deren Größe von einigen wenigen bis zu hunderttausenden Tieren variieren kann. In kühleren Regionen halten sie während der kalten Jahreszeit einen Winterschlaf, wozu sie sich oft in eigene Winterquartiere zurückziehen oder migrieren in wärmere Gebiete.

Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Europa ernähren sich alle Arten der Mausohren fast ausschließlich von kleineren Arthropoden. Hierbei stellen Insekten die Hauptnahrung dar, aber auch Spinnen und Tausendfüßer werden erbeutet. Die Beutetiere werden meist im Flug gegriffen. Einige Arten landen aber auch auf dem Boden oder anderen Oberflächen wie Blättern oder Wänden, um ihrer Beute dort teilweise krabbelnd nachzustellen. Einige Arten, am bekanntesten ist Myotis vivesi aus Mexiko, ernähren sich vorrangig von Fischen. Diese Arten sind durch lange Hinterbeine mit großen Krallen an diese Ernährungsweise angepasst.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In gemäßigten Regionen erfolgt die Paarung meist im Herbst oder im Frühwinter, dann wird das Sperma des Männchens im Fortpflanzungstrakt des Weibchens aufbewahrt und es kommt erst im Frühjahr zur Befruchtung und zum Beginn der Schwangerschaft. In tropischen Regionen hingegen kann die Paarung das ganze Jahr über erfolgen. Nach einer Tragzeit von 50 bis 70 Tagen kommt meist ein einzelnes Jungtier zur Welt. In den meisten Arten ziehen sich die Weibchen zur Geburt und Aufzucht der Jungen mit anderen Weibchen in Wochenstuben zurück. Die Lebenserwartung der Mausohren in freier Wildbahn dürfte bei sechs bis sieben Jahren liegen. Manche Tiere werden aber deutlich älter, ein Exemplar von Myotis lucifugus erreichte ein Alter von 29 Jahren.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden mehr als 100 Arten der Mausohren unterschieden. Einige Arten sind sich so ähnlich, dass sie anhand äußerlicher Merkmale kaum zu unterscheiden sind. Dies erklärt auch die späte Beschreibung einzelner Arten, deren Individuen zuvor anderen Arten zugeordnet worden sind, so die Unsicherheiten zu den verwandtschaftlichen Beziehungen innerhalb der Gattung.[2]

Untergattung Myotis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untergattung Chrysopteron[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untergattung Selysius[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untergattung Isotus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untergattung Leuconoe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untergattung Pizonyx[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Fischfressende Mausohr (Myotis vivesi) ist durch ihre vorwiegend auf Fisch ausgerichtete Nahrung bekannt. Die Art lebt im westlichen Mexiko.

Cistugo hatte in der Vergangenheit ebenfalls den Rang einer Untergattung von Myotis. Inzwischen gilt Cistugo nicht nur als eigenständige Gattung, sondern es wurde noch eine neue, monotypische Familie für Gattung Cistugo eingeführt, die Cistugidae.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. Niethammer, F. Krapp (Hrsg.): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 4/1: Fledertiere. AULA Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 3-89104-638-3. (sehr detailliertes Fachbuch)
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999, ISBN 0-8018-5789-9.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Benoît Stadelmann, David S. Jacobs, Corrie Schoeman, Manuel Ruedi: Phylogeny of African Myotis bats (Chiroptera, Vespertilionidae) inferred from cytochrome b sequences. Acta Chiropterologica, 6, 2, S. 177–192, 2004 (online; PDF; 121 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Myotis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Javier Juste, Manuel Ruedi, Sébastien Puechmaille, Irene Salicini, Carlos Ibáñez (2018): Two new cryptic bat species within the Myotis nattereri species complex (Vespertilionidae, Chiroptera) from the Western Palaearctic. Acta Chiropterologica, 20 (2): 285–301, doi:10.3161/15081109ACC2018.20.2.001
  2. Manuel Ruedi, Gábor Csorba, Liang-Komg Lin & Cheng-Han Chou: Molecular phylogeny and morphological revision of Myotis bats (Chiroptera: Vespertilionidae) from Taiwan and adjacent China. Zootaxa, 3920, 1, S. 301–342, Februar 2015 doi:10.11646/zootaxa.3920.2.6
  3. a b c Gábor Csorba, Cheng-Han Chou, Manuel Ruedi, Tamás Görföl, Masaharu Motokawa, Sigit Wiantoro, Vu Dinh Thong, Nguyen Truong Son, Liang-Kong Lin and Neil Furey The Reds and the Yellows: A Review of Asian Chrysopteron Jentink, 1910 (Chiroptera: Vespertilionidae: Myotis). Journal of Mammalogy 95(4), 2014: 663-678. doi:10.1644/13-mamm-a-200
  4. Ricardo Moratelli, Don E. Wilson, Roberto L. M. Novaes, Kristofer M. Helgen and Eliécer E. Gutiérrez. 2017. Caribbean Myotis (Chiroptera, Vespertilionidae), with Description of A New Species from Trinidad and Tobago. J Mammal. gyx062. doi:10.1093/jmammal/gyx062
  5. Ricardo Moratelli, Roberto Leonan M. Novaes, Carlos Carrión Bonilla, and Don E. Wilson. 2019. A new species of Myotis (Chiroptera, Vespertilionidae) from Peru. In: R. D. Bradley, H. H. Genoways, D. J. Schmidly, and L. C. Bradley (Hrsg.): From field to Laboratory: A memorial volume in honor of Robert J. Baker, Special Publications, Museum of Texas Tech University, Nr. 71, S. 239–256
  6. a b Manuel Ruedi, Gábor Csorba, Liang-Kong Lin, Cheng-Han Chou: Molecular phylogeny and morphological revision of Myotis bats (Chiroptera: Vespertilionidae) from Taiwan and adjacent China. Zootaxa 3920 (1), 2015: 301–342. doi:10.11646/zootaxa.3920.2.6
  7. Ricardo Moratelli, Don E. Wilson: A new species of Myotis (Chiroptera, Vespertilionidae) from Bolivia. Journal of Mammalogy 95(4), 2014; S. E17-E25. doi:10.1644/14-MAMM-149
  8. Lack, J.B., Roehrs, Z.P., Stanley, C.E., Ruedi, M. and Van Den Bussche, R.A. 2010. Molecular phylogenetics of Myotis indicate familial-level divergence for the genus Cistugo (Chiroptera). Journal of Mammalogy 91(4):976–992. doi:10.1644/09-MAMM-A-192.1