Mieszkowice

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Mieszkowice
Wappen von Mieszkowice
Mieszkowice (Polen)
Mieszkowice
Mieszkowice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Gryfino
Fläche: 5,00 km²
Geographische Lage: 52° 47′ N, 14° 29′ OKoordinaten: 52° 47′ 0″ N, 14° 29′ 0″ O
Höhe: 46 m n.p.m.
Einwohner: 3575
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 74-505
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 31: StettinSłubice
DW 126: Osinów DolnyDębno
Schienenweg: PKP-Linie 273: Breslau–Stettin
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 25 Ortschaften
10 Schulzenämter
Fläche: 239,00 km²
Einwohner: 7372
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 31 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3206053
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Andrzej Salwa
Adresse: ul. Fryderyka Chopina 1
74-505 Mieszkowice
Webpräsenz: www.mieszkowice.pl



Mieszkowice [mʲɛʃkɔˈvʲiʦɛ] (deutsch Bärwalde in der Neumark; kaschubisch: Berwôłd) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern; sie gehört zum Powiat Gryfiński (Greifenhagener Distrikt) und hat etwa 3500 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der Neumark, am Fluss Kuritz (poln. Kurzyca), 15 Kilometer östlich der Oder.

Über die Landesstraße 31 (droga krajowa 31) sind nach Norden Königsberg in der Neumark (Chojna) und nach Süden Küstrin zu erreichen. Der deutsch-polnische Grenzübergang Hohenwutzen ist 40 Kilometer entfernt. Es besteht Anschluss an die Eisenbahnlinie von Stettin nach Küstrin. Im Westen befindet sich ein großes Waldgebiet, das touristisch erschlossen ist. Bei den zur Gemeinde gehörenden Dörfern Troszyn (Trossin) und Zielin wird Erdgas und Erdöl gefördert.

Stadtgebiet aus der Vogelperspektive (2015)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bärwalde östlich des Oderbruchs und nördlich von Küstrin auf einer Landkarte von 1905
Marienkirche (bis 1945 evangelisch)

Über den Zeitpunkt der Besiedlung des Ortes, die vermutlich im 13. Jahrhundert erfolgte, ist wenig überliefert.[2] Sie wird dem Rittergeschlecht Behr zugeschrieben, das auch die Orte Bernstein (pol. Pełczyce) und Bärfelde (pol. Smolnica) begründete. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass an der alten Handelsstraße von Küstrin nach Stettin einmal eine größere Burg gestanden hat.

Auf einer Halbinsel am Bärwalder See und den Kuritzsümpfen erfolgte die planmäßige Stadtanlage um einen großen Marktplatz. Markgraf Albrecht III. hielt sich seit 1295 nachweislich mehrfach in Berenwalde auf, in diesem Zusammenhang wurde der Ort im Jahre 1298 erstmals als civitas bezeichnet. 1298 begann der Bau der Marienkirche. Ob Albrecht die Ansiedlung zur Stadt erhob, bleibt ebenfalls ungewiss. Bärwalde blieb auch unter seinen Nachfolgern ein beliebter Aufenthaltsort der brandenburgischen Markgrafen. Am 14. August 1319 verstarb in Bärwalde der letzte askanische Markgraf von Brandenburg, Woldemar, der der Stadt zuvor im Jahre 1317 die Stadtrechte erneuert hatte. 1320 verstarb hier auch sein Neffe Heinrich im Alter von zehn oder zwölf Jahren, damit erlosch die Linie.

1337 umfasste das Bärwalder Land 29 Dörfer und die Immediatstadt war das Zentrum des Herrschaftsgebietes der Ritterfamilie Behr. Zu dieser Zeit gehörten viele Bewohner der Stadt und ihrer Umgebung der religiösen Bewegung der Waldenser an. 1353 wurde Bärwalde zur Münzstätte der Neumark. Bärwalde war seit dem 14. Jahrhundert eine ummauerte Stadt. Die Stadtmauer mit ihren 26 Weichhäuser blieb erhalten, die Stadttore wurden abgetragen. Die Hussiten fielen 1433 in Bärwalde ein und brannten die Stadt nieder. In den Jahren 1540 und 1558 erlitt die Stadt durch Stadtbrände starke Zerstörungen.

Während des Dreißigjährigen Krieges handelten hier am 23. Januar 1631 der schwedische Bevollmächtigte Gustaf Graf Horn mit dem Gesandten Richelieus, Hercule de Charnacé, den Vertrag von Bärwalde aus, in dem Frankreich einen großen Teil der schwedischen Kriegskosten übernahm.

1633 wurde die Stadt durch die Truppen Wallensteins verwüstet. 1637 erfolgte der Durchzug des schwedischen Heeres. Infolge der mehrfachen Plünderungen und Zerstörungen verödete die Stadt. Noch 1680 betrug die Zahl der Bürger Bärwaldes lediglich 80. Im 18. Jahrhundert erholte sich die Stadt etwas, Bärwalde erlangte aber nie wieder seine einstige Bedeutung und blieb eine Ackerbürgerstadt.

Ein Aufschwung setzte durch neue Verkehrsanbindungen ein. 1853 entstand die Chaussee nach Küstrin. 1877 erhielt die Stadt durch die Bahnstrecke von Stettin nach Küstrin einen Eisenbahnanschluss.

Der Luisenhof 1935

1914 bis 1945 war dort eine dem Reifensteiner Verband zugeordnete Wirtschaftliche Frauenschule, später Landfrauenschule Luisenhof zu finden. Der Betreiber war der Verwaltungsrat der Evangelischen Frauenhilfe e. V..

Von 1818 bis 1945 war Bärwalde Teil des Landkreises Königsberg (Neumark) im Regierungsbezirk Frankfurt der Provinz Brandenburg.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region mit Bärwalde im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Bis auf wenige Häuser hatte die Stadt durch die Kriegshandlungen kaum Schäden erlitten. Nach Kriegsende wurde Bärwalde unter polnische Verwaltung gestellt. Sie erhielt den neuen Namen Mieszkowice (benannt nach dem polnischen Herzog Mieszko I.). Soweit die deutschen Bewohner nicht vor Kriegsende geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1750 1.479 [3]
1800 1.755 [3]
1840 2.913 [3]
1850 3.505 darunter fünf Katholiken und 69 Juden[4]
1858 3.782 darunter fünf Katholiken und 69 Juden[3]
1875 4.010 [5]
1880 3.901 [5]
1890 3.818 darunter 23 Katholiken und 24 Juden[5]
1933 3.575 [5]
1939 3.442 [5]
Einwohnerentwicklung von Mieszkowice

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elias Loccelius, auch Löckel, (1621–1704), Chronist der Neumark und Autor der Marchia Illustratia, war zwischen 1650 und 1673 Pfarrer in Bärwalde.
  • Ida von Lüttichau (geb. von Knobelsdorff) (1798–1856), geboren in Sellin; Mäzenin und Künstlerin

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Mieszkowice umfasst ein Gebiet von 239 km² mit 7405 Einwohnern. Dazu gehören folgende Orte mit Schulzenämtern (sołectwo). Ehemalige deutsche Namen sind in Klammern:

  • Czelin (Zellin)
  • Goszków (Gräfendorf)
  • Kłosów (Klossow)
  • Kurzycko (Voigtsdorf)
  • Plany
  • Stare Łysogórki (Alt Lietzegöricke bzw. Lietzegöricke)
  • Stary Błeszyn (Alt Blessin bzw. Blessin)
  • Mieszkowice (Bärwalde)

Weitere Ortschaften der Landgemeinde ohne Schulzenamt sind:

  • Chrzęstno
  • Goszkówek (Gräfendorf)
  • Gozdowice (Güstebiese)
  • Jamno
  • Kamionka (Steinbachsgrund)
  • Kępa Troszyńska (Kapernaum)
  • Kiwity (Kiewitt)
  • Mirogniew (Woltershof)
  • Motary (Plantage)
  • Nowiny
  • Ostępy
  • Ranowo (Karlshöhe)
  • Rogaczewo (Rote Mühle)
  • Sitno (Schönfeld)
  • Starzyn
  • Wierzchlasek (Neu Falkenwalde)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3, Berlin 1809, S. 102–104.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz. Band 3, Brandenburg 1856, S. 384–386.
  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 396–398.
  • Roland L. Busch: Bärwalde in der Neumark – Lebensdaten einer Stadt und ihrer Bewohner. 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mieszkowice – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Bernwalde in der Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 101.
  3. a b c d W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 396–398.
  4. Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz. Band 3, Brandenburg 1856, S. 384–386
  5. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/koenigsberg_n.html#ew39kbnmcbaerw