NFL Draft

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Logo des NFL-Drafts

Der NFL Draft ist eine Veranstaltung der National Football League, bei der die Teams der Liga Rechte an verfügbaren Amateur- und Jugendspielern, die zuvor in den Teams der Colleges und Universitäten gespielt haben, erwerben. Er findet zumeist im April statt. Er ist neben der Free Agency und den Trades mit anderen Teams die einzige Möglichkeit, in der NFL ein Team zusammenzustellen.[1] Der Draft dient dazu, ein Stärke- und Chancengleichgewicht zwischen den Franchises herzustellen, da das schlechteste Team der abgelaufenen Saison den ersten Spieler, und in der Regel auch besten Spieler, des Draftjahrganges auswählen darf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Draft fand am 8. Februar 1936 im Ritz-Carlton Hotel in Philadelphia statt. Dieser ging von Bert Bell aus, der das Überleben der Liga in Gefahr sah, da die Bears, die Packers, die Giants und die Redskins zu dieser Zeit eine dominierende Vormachtstellung hatten und schwächere Teams keine Chance hatten, große College Talente zu verpflichten, da diese eher an erfolgreichen Teams interessiert waren.[1] Als allererster Spieler wurde Jay Berwanger ausgewählt, der sich jedoch gegen eine Sportlerkarriere entschied und deshalb nie in der NFL aktiv war. 1965 fand das Event erstmals in New York statt und erfreute sich schon früh großer Beliebtheit.[2] Nachdem die NFL sich 1966 auf eine Fusion mit der AFL für das Jahr 1970 einigte, fanden zwischen 1967 und 1969 gemeinsame Drafts statt, welche als Common Draft bezeichnet werden.[3]

In den ersten 52 Jahren fand der Draft Dienstags und Mittwochs statt, bevor er 1988 auf Sonntag und Montag verschoben wurde. Nachdem 1995 der Draft im Madison Square Garden abgehalten wurde, wurde er auf Samstag und Sonntag verlegt. Seit 2006 ist der Veranstaltungsort die Radio City Music Hall in New York City. 2010 verlegte man ihn auf Donnerstag bis Samstag.[2] Der Eintritt ist frei, weshalb sich am Tag des Drafts oft lange Schlangen am Eingang bilden. Seit 1980 wird der Draft auch auf ESPN ausgestrahlt und jährlich von über 45 Millionen Zuschauern verfolgt.[4] Nachdem der Draft seit 1965 an unterschiedlichen Orten in New York City stattfand, findet der Draft seit 2015 im Auditorium Theatre in Chicago statt.[5] Während der mehrtägigen Veranstaltung kamen mehr als 200.000 Fans in die Stadt, um den Draft live mitzuerleben.[6]

Reglement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um eine gewisse Balance zwischen den einzelnen Mannschaften zu gewährleisten, dürfen die Teams, die in der vorangegangenen Saison am schlechtesten abgeschnitten haben, zuerst wählen. Zur Bestimmung der Reihenfolge, in der die Teams Spieler auswählen können, werden grundsätzlich die Ergebnisse der Teams (Sieg-Niederlagen-Verhältnis, sogenannter Record) in der vergangenen Saison herangezogen. Außerdem gelten folgende Regeln:[7]

  • Teams, die neu in der NFL sind, dürfen als Erste wählen.
  • Das Siegerteam des Super Bowl wird zuletzt gereiht, der Verlierer des Super Bowls als Vorletzter.
  • Teams, welche die Play-Offs erreichten, werden davor eingereiht, in der Reihenfolge ihres Ausscheidens.
  • Bei den restlichen Teams richtet man sich nach dem Verhältnis von Siegen und Niederlagen.
  • Für Teams mit demselben Saison-Ergebnis wird die sogenannte Strength Of Schedule herangezogen, also die Stärke der Gegner in der regulären Saison verglichen.

Daraus ergibt sich folgende Reihenfolge im Draft:

Status Draft-Plätze
Nicht-Playoff Teams 1–20
In Wildcard-Runde ausgeschieden 21–24
In Divisional-Runde ausgeschieden 25–28
Im Conference-Championship ausgeschieden 29–30
Verlierer des Super Bowl 31
Gewinner des Super Bowl 32

Diese Regeln gelten seit dem NFL Draft 2010. Zuvor wurden alle Teams, außer den Super Bowl-Teilnehmern, nach ihrer Spielbilanz eingereiht und Playoff-Teilnahmen nur bei Gleichstand herangezogen. Die endgültige Reihenfolge kann variieren, da die Teams ihre Draft-Plätze auch tauschen oder handeln können. So tauschten die Tennessee Titans im Draft 2016 ihren First Pick mit den Los Angeles Rams für diverse Erst-, Zweit- und Drittrunden Picks ein. Dass der Top-Pick getauscht wird, kam in der Geschichte des NFL-Drafts insgesamt erst fünfmal vor.[8] Üblicherweise werden spätere Draftpicks für Tauschgeschäfte zwischen den Teams gehandelt.

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steht die Reihenfolge fest, beginnt die erste Draft-Runde. In den darauffolgenden Runden wechseln Teams mit demselben Record die Reihenfolge.

Da es immer mehr Mannschaften in der NFL gab, musste die Anzahl der Runden im Draft immer weiter reduziert werden. Gab es anfangs noch bis zu 30 Runden, wurde die Anzahl 1967 auf 17 und 1975 auf zwölf Runden reduziert. Seit 1994 besteht der Draft aus sieben Runden.[9]

Bis zum Jahr 2010 dauerte der Draft zwei Tage, wobei die ersten beiden Runden am ersten Tag und die verbleibenden Runden am zweiten Tag stattfanden. Seit dem Jahr 2010 erstreckt sich der Draft nun über drei Tage. Er beginnt donnerstags zur Primetime um 20 Uhr (Eastern Standard Time) mit der ersten Runde. Freitags wird der Draft mit den Runden zwei und drei fortgesetzt. Am Samstag finden die verbleibenden Runden vier bis sieben statt. Während die Vertreter der jeweiligen Teams in der ersten Runde zehn Minuten Zeit haben, ihre Wahl zu treffen, sind es in der zweiten Runde sieben Minuten und in allen weiteren nur noch fünf. Brauchen die Teams länger als die erlaubte Zeit, erlischt ihr exklusives Zeitfenster und das nachfolgende Team kann sich den Wunschspieler selber sichern.[1]

Compensatory Picks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 hat der Draft insgesamt 253 Picks, von denen 224 durch den Record der vergangenen Saison ermittelt wurden. Die restlichen 29 Picks werden als Compensatory Picks bezeichnet und sollen für ein weiteres Gleichgewicht in der NFL sorgen.[1] Bei diesen Picks werden die Teams für Spieler entschädigt, die sie in der Free Agency durch auslaufende Verträge verloren haben. Durch den Salary Cap, den jedes Team einhalten muss, kann es sein, dass das bisherige Team dem Spieler in einem neuen Vertrag das gewünschte Gehalt nicht zahlen kann und diesen an ein anderes Team verliert, der das gewünschte Gehalt bezahlen kann. Mit dem zusätzlichen Pick kann das Team die entstandene Lücke auffüllen.

Die Compensatory Picks erstrecken sich von der dritten bis in die sechste Runde, wobei die Nummer 33 in der dritten Runde der höchstmögliche Compensatory Pick ist.[1] Pro Jahr werden maximal 32 Picks vergeben, die allerdings nicht gehandelt werden können.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Adrian Franke: Der NFL-Draft erklärt: Gleiches Recht auf Drama. spox.com. 18. April 2016. Abgerufen am 26. April 2016.
  2. a b Mind-blowing historical stats for the NFL draft. In: nfl.com. 19. April 2013, abgerufen am 17. März 2016 (englisch).
  3. Duane Cross: The AFL: A Football Legacy. 22. Januar 2001, abgerufen am 17. März 2016 (englisch).
  4. 2014 NFL Draft watched by a record 45.7 million viewers. In: nfl.com. 12. Mai 2014, abgerufen am 26. September 2015 (englisch).
  5. Der Draft von bis Z: Debakel, Aufstände - und John Wayne! (Buchstabe N). spox.com. Abgerufen am 26. April 2016.
  6. NFL Draft: Liga-Boss Goodell kündigt Abschied aus Chicago an. ran.de. Abgerufen am 26. April 2016.
  7. a b The Rules of the Draft. nfl.com. Abgerufen am 26. April 2016.
  8. Der Draft von bis Z: Debakel, Aufstände - und John Wayne! (Buchstabe E). spox.com. Abgerufen am 26. April 2016.
  9. Der Draft von bis Z: Debakel, Aufstände - und John Wayne! (Buchstabe S). spox.com. Abgerufen am 26. April 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]